Chronos – Fluss der Zeit

D 2026, Buch, Regie: Volker Koepp, 200 Min., diverse OmU

Die Gedichte von Johannes Bobrowski in „Sarmatische Zeit“ inspirierten Volker Koepp 1972 zu seinem ersten Film über die Region entlang der Ströme Memel, Dnister und Pruth zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. In der Spätantike hieß die Memel Chronos und die Region „Sarmatien“. Es ist ein Sammelbecken unterschiedlicher Kulturen und Zugehörigkeiten, Schauplatz wiederkehrender Grausamkeit und Vernichtung. Über ein halbes Jahrhundert kehrte Volker Koepp immer wieder zurück, drehte hier mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Diesmal folgt er der Memel auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die hier leben. „Chronos – Fluss der Zeit“ ist zugleich auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat. In der filmischen Montage verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch.

 

Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“:
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen…
Jetzt ist das Jahr 2026
Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“.
Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. 
Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. 

Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. 
Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre.
Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon.
Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026.
Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen.
Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen.
Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt. (Quelle: Verleih Salzgeber)