No Mercy

D/A 2025, Regie: Isa Willinger, 104 Min., FSK 16, div. OmU

Als Filmemacherin Isa Willinger die ukrainische Regisseurin Kira Muratowa in Odesa besucht, lässt sie deren Satz „Frauen machen die härteren Filme“ nicht mehr los. Was „hart“ in diesem Kontext eigentlich bedeutet, fragt sie daraufhin viele weibliche Filmschaffende – unabhängig vom Genre wie Spiel- oder Dokumentarfilme. Eine Nachtfahrt im Auto dient als Rahmen ihrer Recherche. In ihre aus dem Off gesprochenen Überlegungen werden in einem schnellen Rhythmus Statements und Filmausschnitte von Kolleginnen wie Céline Sciamma, Ana Lily Amirpour, Nina Menkes, Valie Export oder Alice Diop eingeblendet. Deutlich wird, dass alle auf sehr unterschiedliche Weise mit Themen wie Sex und Gewalt, Trauma und Lust, Poesie und Rache umgehen. Über die Entlarvung festgelegter Geschlechterrollen hinaus geht es in den Interviews auch um die Suche nach einer neuen Bildsprache. Wie können die Machtverhältnisse sichtbar gemacht werden, ohne sie zu reproduzieren?

Isa Willinger: „Filme zu machen, heißt auch das Schweigen zu brechen. Während ich an No Mercy gearbeitet habe, habe ich verstanden: All das, worauf die #MeToo-Bewegung in den vergangenen Jahren aufmerksam gemacht hat, greifen Regisseurinnen seit jeher in ihren Werken auf. In No Mercy erleben wir Filmemacherinnen*, die kraftvoll ihre Stimme erheben und in ihren Werken zurückschlagen. Die Arbeit an No Mercy war für mich eine Art zweite Filmhochschule.“ (Presseheft)

„Frauen machen die harscheren Filme“, das äußerte einst die ukrainische Regisseurin Kira Muratowa ihr gegenüber. Was sich darunter vorstellen? Dieser Frage geht Willinger in NO MERCY nach. Mit Catherine Breillat, Alice Diop, Monika Treut und vielen anderen befragt sie Filmschaffende, die ausgewiesene Vertreterinnen der feministischen Perspektive sind. Aus ihren Aussagen setzt sich eine alternative Filmgeschichte zusammen, die zum einen gegen den „male gaze“ antritt. Der es zum anderen aber gelingt, aufrichtig vom Leben der Frauen im Patriarchat zu erzählen. Der Wahrheit ins Auge sehen, das kann eine recht harsche Erfahrung sein. (Alexandra Seitz, www.viennale.at)