Die Stimme von Hind Rajab

TUN/F 2025, Regie: Kaouther Ben Hania, mit Saja Kilani, Amer Hlehel, Clara Khoury, 90 Min., arab. OmU

Am 29. Januar 2024 erreicht die Einsatzzentrale des Roten Halbmonds im Westjordanland ein Anruf. Es ist das fünfjährige palästinensische Mädchen Hind Rajab, und sie sitzt in einem vom israelischen Militär zerschossenen Auto fest. Während Omar und das Team des Notrufs alles tun, um den genauen Standort des Mädchens herauszufinden, versuchen sie, das verzweifelte Kind zu trösten. Immer wieder sind im Hintergrund Schüsse zu hören und der Kontakt bricht mehrmals ab. Allen ist klar, dass die Chancen für Hind Rajabs Überleben schlecht stehen, denn die Rettungssanitäter des Roten Halbmonds würden dabei unter lebensbedrohlichem Beschuss geraten. Schließlich kann doch ein Rettungswagen losgeschickt werden. Er wird beschossen, die Sanitäter sterben – wie letztlich auch Hind Rajab und ihre Familie. 
Regisseurin Kaouther Ben Hanias nachgestelltes Drama beruht auf dem wahren Fall von Hind Rajab und schildert anhand von Original-Telefonmitschnitten ihren 70-minütigen Notruf. Der Film wurde unter anderem mit dem Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig 2025 ausgezeichnet und ist als bester internationaler Film für die Oscars 2026 nominiert. 

Ein 70-minütiger Notruf als Kinofilm … Diese Chronik eines angekündigten Todes ist grausam, real und gekonnt suggestiv zugleich. … dramaturgisch gekonnt und minimalistisch konstruiert zielt der Film ohne Umweg über den Kopf auf das Herz, ist implizit absolut parteiisch - ohne jedoch plattes Betroffenheitskino zu sein. […] Regisseurin Ben Hania: „Dieser Film handelt von Ohnmacht. Das Gefühl, das ich hatte, als ich Hinds Stimme hörte, wollte ich an das Publikum weitergeben. Aber ich wünsche mir, dass niemand in dieser Ohnmacht verharrt, sondern ins Handeln kommt. Ich habe diesen Film gemacht - aber jeder kann etwas tun, um Teil von Veränderung zu sein."
(NDR Kultur, www.NDR-kultur.de

„The Voice of Hind Rajab“ schlägt wie Wasser gegen die Mauern des Schweigens, dringt in die Ritzen der Geschichte, glättet die scharfen Kanten der Gleichgültigkeit, bis nur die Erinnerung bleibt. Das Meer, das Hind liebte, wird zum Sinnbild für Zeit, Gedächtnis und Ewigkeit. Jede wiederholte Bitte „Holt mich“ ist eine Welle, die gegen das Gewissen der Zuschauer schlägt. Jeder unbeantwortete Schrei zieht uns in tiefere Gewässer. Der Strand, den Hind ersehnte, ist nun ein innerer Ort, den wir mit uns tragen. … Die filmische Kraft liegt in der Kombination aus Ton, Raum, Schauspiel, Licht und Schnitt. Ben Hania verzichtet auf sentimentale Musik oder dramatische Effekte. (Mia Pflüger, www.kino-zeit.de)

Von Hind Rajab hören wir in der Originalfassung nur ihre Stimme am Telefon. Und hier wird es schwierig. Denn Kaouther Ben Hanian hat die Originalaufnahmen verwendet. Hinds Mutter war mit der Verwendung der Stimme ihrer Tochter einverstanden. Der Thriller entstand in Zusammenarbeit mit dem Palästinensischen Roten Halbmond. Ben Hania geht offen damit um. Und das macht es vielleicht sogar noch schwieriger. (www.kriminalakte.org)