May, die dritte Frau

Vietnam 2018, Buch & Regie: Ash Mayfair, mit Nguyen Phuong Tra My, Mai Thu Huong Maya, Tran Nu Yên-Khê, 96 Min., OmU

Im ländlichen Vietnam des 19. Jahrhunderts: Als Bezahlung für die Schulden ihres Vaters soll die 14-jährige May die dritte Frau des reichen Seidenplantagenbesitzers Hung werden. Sie wird dort von seinen anderen Ehefrauen, Lao und Xuan, freundlich in die täglichen Rituale eingeführt. Als May schwanger wird, stehen sie ihr mit schwesterlichem Rat zur Seite. Doch bald wird ihr bewusst, dass sie nur echten Wert in der Familie erlangen kann, wenn sie einen Sohn zur Welt bringt. Als sie sich zudem in Xuan verliebt, die zweite Frau, muss May sich entscheiden, wie ihr Leben weitergehen soll.

Die oft bebilderte Geschichte der arrangierten Ehe einer Kindsbraut, die allmählich zu einer jungen Frau mit eigenem Willen wird, erzählt Drehbuchautorin und Regisseurin Ash Mayfair auf ganz eigene und poetische Weise neu. Das Spielfilmdebüt der zeitweise in den USA lebenden Vietnamesin ist von Erzählungen ihrer Großmutter und Urgroßmutter inspiriert. Sie blickt jedoch nicht mit der urteilenden Sicht von heute auf das Frauen unterdrückende System, das May erlebt. Mayfair und Kamerafrau Chananun Chotrungroj inszenieren Mays Geschichte wie eine filmische Reflexion: „Das Leben auf der Seidenfarm entspinnt sich in cineastischen Gemälden von narkotisierender Schönheit, untermalt von meditativ dahinfließenden Klängen und dargeboten von drei grandiosen, charismatischen Schauspielerinnen in den Rollen der Ehefrauen. Unterdrückung, Gewalt und Tod werden auf verstörend lakonische Weise miteinander verwoben.“ (Stefan Volk, filmdienst.de)

Ash Mayfair zeigt die Strukturen im ländlichen Vietnam aus weiblicher Perspektive, ohne sich moralisch über die zeithistorischen Umstände zu erheben. (Programmkino.de)

Ich freue mich sehr Schirmherrin dieses schönen poetischen Filmes von Regisseurin Ash Mayfair zu sein. May, die dritte Frau, ist ein Film, von starken Frauen gemacht, aus Frauenperspektive erzählt und damit ein wichtiger Beitrag für Frauen, Mädchen und Menschenrechte. (Minh-Khai Phan-Thi, Schauspielerin, Moderatorin und Gastgeberin des anderssein Podcasts)

Verplant – Wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach Vietnam zu fahren

D 2020, Regie: Waldemar Schleicher, mit Tobias John, Matthias Schneemann, 108 Min.

Otti und Keule wollen vom thüringischen Heiligenstadt mit dem Fahrrad entlang der alten Seidenstraße bis nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) im Süden Vietnams fahren. Wie kommt man auf diese Idee, wenn man, wie Otti selber sagt, Radfahren gar nicht so gerne mag? Untrainiert starten die zwei leicht verplanten, aber mit viel Lebensfreude und Humor gesegneten jungen Männer im Rekordhitzesommer 2018 Richtung Osten. In zehn Monaten radeln sie über den Balkan ans Schwarze Meer, durch die Türkei, den Iran, Zentralasien und China bis nach Vietnam. Natürlich geht vieles schief auf der 15-Länder-Tour, seien es der Felgenbruch, die Tücken iranischer Bürokratie oder der chinesische Überwachungsapparat, der den Fremden per GPS folgt. Doch was Otti und Keule durchhalten lässt, ist ihre große Klappe und die vielen hilfsbereiten Menschen überall. Sie nehmen sich Zeit für spontane Begegnungen und sind neugierig auf das Leben vor Ort. Und das macht großen Spaß, ihnen dabei zu folgen. Warum gibt es zum Beispiel keine schwarzen Autos in Turkmenistan? Einfallsreiche Trick-Animationen ergänzen die reinen Reisebilder und heben „Verplant“ auch hier von gängigen Reise-Dokus ab.

„Verplant“ ist ein sympathischer, mit Liebe zum Detail realisierter filmischer Erlebnisbericht… Dank eines hohen Informationsgehalts, charmanter Animationen und herrlicher Naturbilder. (Björn Schneider, programmkino.de)

Waldemar Schleicher, Regisseur, zum Projekt: „Als ich erfuhr, dass Otti und Keule diese Tour vorhaben, wusste ich, dass ich mitmachen will. Ich kenne die beiden schon ewig und dachte mir, dass es lustig werden könnte. So bin ich die ersten und letzten 1.000 km mitgeradelt und habe sie gefilmt. Den Rest der Strecke habe ich ihr Projekt von zu Hause aus als Cutter und Regisseur betreut. Worauf ich mich da wirklich einlasse, wusste ich anfangs nicht. Relativ schnell wurde mir jedoch klar, dass es am Ende kein Standard-Reisefilm werden würde. Die beiden haben auf ihrer Reise nie sich selbst oder Antworten auf die großen Fragen des Lebens gesucht – stattdessen haben sie immer einen Weg gefunden, ihren Humor und ihre Selbstironie authentisch einzufangen. So war es für mich zwar eine Menge Arbeit, aber vor allem ein großes Vergnügen, mich durch die 170 Stunden Filmmaterial zu wühlen. Das Ergebnis ist ein Film, von dem ich hoffe, dass er als eine Bereicherung, eine neue Farbe für das Reisefilmgenre in Erinnerung bleibt.“  Zur Filmseite: https://verplant-film.de/