Unsere monatlich stattfindende Musik-Reihe 46RPM nimmt Musiker*innen in den Blick, die sonst eher weniger auf der Leinwand zu finden sind und ihre ganz eigenen Wege gegangen sind – oft weit ab von kommerziellem Erfolg. Zu jedem Termin gibt es eine Verlosung und eine Bar auf Spendenbasis. Kuratiert von Johanna Schlockwerder und Oliver Duda.  (Eintritt: 5,50 Ermäßigt: 4,50)  

Omar and Cedric: if this ever gets weird

D 2023, Regie: Nicolas Jack Davies, 127 Min., engl. OmengU

Musiker und Regisseur Omar Rodríguez-López filmt sein Leben seit er sieben Jahre alt ist. 1975 in Puerto Rico geboren verbringt er seine Kindheit in South Carolina und im texanischen El Paso. In der Musikszene El Pasos lernt er Sänger Cedric Bixler-Zavala kennen, es ist der Beginn einer langjährigen, kreativen und engen Freundschaft. Mit der Post-Hardcore-Band „At the Drive in” gelingt Mitte der 90er der erste große Erfolg, doch die erhoffte Selbstverwirklichung scheint unerreichbar. Die Identität als Latinos im überwiegend weiß und cis-hetereo-männlich geprägten Punk- und Hardcore-Genre sowie das kapitalistische Musikgeschäft sind von Beginn an ein Problem. 2001 verlassen Omar und Cedric die Band und formen zusammen mit Jeremy Ward, Isaiah „Ikey" Owens, Jon Theodore und Eva Gardner „The Mars Volta”. Die ganze Zeit über filmt Omar weiter und wird so zum Chronisten seiner eigenen Biographie sowie der Geschichte der Bands. 
Regisseur Nicolas Jack Davies hat das gesammelte Material Omars in eine wilde Collage aus Super 8-, VHS- und digitalen Aufnahmen verwandelt, untermalt von den Off-Stimmen Omar und Cedrics. Über 20 Jahre voller Höhen, aber auch Tiefen wie die tragischen Tode ihrer Bandkollegen Jeremy und Ikey oder die Scientology-Phase Cedrics. Vor allem ihre Herkunft, die familiären Werte und die tiefe Freundschaft halten sie zusammen. Eine unglaubliche Geschichte zweier Seelenverwandter, immer nach dem Motto: If this ever gets weird, promise me that we can just stop.

Montiert aus aktuelleren Aufnahmen und über hundert Stunden privatem Filmmaterial von Omar ist dieser Film ein Ritt durch 20 Jahre Freundschafts- und Musikgeschichte: Beginnend mit ihrer Zeit bei der Hardcore-Band „The Drive-In“ über Projekte wie die Dub-Combo „De Facto“ bis zum Progressive-Rock von „The Mars Volta“ oszilliert der Film zwischen Rausch, Wahn, Abhängigkeiten, Freundschaft und Liebe, um immer wieder in der Musik zu münden. (Sara Gómez, www.dokfest-muenchen.de)

It’s an incredible story that provides an intimate look at a pair of uncompromising artists who push the limits of creative expression. For the legions of fans [...], the film features revealing insights about their creative processes and personal lives that draw from the many hours of never-before-seen footage. For those who aren’t coming to the film with the same level of familiarity, Omar and Cedric works as a gripping personal drama that tackles themes of addiction, grief, and redemption. From the deaths of close friends and family members to highly publicized legal battles with the Church of Scientology, the film covers so much ground that it’s sometimes difficult to keep up. It is an experience that has left me longing for repeat viewings. [...] It’s a world that feels like Andy Kaufman-meets-The Garden of Earthly Delights, and Davies has done an exceptional job of reigning in the chaos to a potent 127-minute cinematic experience. (Michael Flanagan, www.glasstire.com)

Davies presents a deep dive into the wildly creative and at times combustive nature of the relationship between Rodríguez-López and Bixler-Zavala that forms the core of all their projects. From growing up in the punk scene to celebrating their Latino heritage through the music, the film tackles themes of addiction, sexuality, and spirituality head-on, with voice-over from Omar and Cedric honestly reflecting back on their experiences and the highs and lows of their time together. An open look at a musical pair that always seemed uneasy in the spotlight, Omar and Cedric: If This Ever Gets Weird is a must-see for fans and anyone interested in a hands-on look at the music business. (Gabriel Sigler, www.badfeelingmagazine.com)

Vergangene Filme der 46RPM-Reihe:

La Passion de Jeanne d'Arc

Die Passion der Jungfrau von Orléans - F 1928, Regie: Carl Theodor Dreyer, mit Maria Falconetti, 110 Min.

Frankreich 1428: Der hundertjährige Krieg hält die Bevölkerung in Atem. Das fromme Bauernmädchen Jeanne d’arc fühlt sich von Gott berufen, ihre Heimat von den englischen Besetzern zu befreien. Doch sie fällt in die Hände des Feindes und muss sich in einem quälenden Ketzerei-Prozess er Kirche verteidigen. 1431 wird sie zum Tode verurteilt und in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Regisseur Dreyer orientierte sich in seiner Inszenierung genau an den überlieferten Prozessakten. Seine außergewöhnlich emotionalen Nahaufnahmen von Maria Falconetti schrieben Filmgeschichte.

Eintrittspreise: 12 € / 9 € / 7,50 €

Eine Veranstaltung von 46RPMFlickertunes & REM - Rapid Ear Movement in Kooperation mit dem Institut Français Bremen und dem Golden Shop Bremen.

Lori Goldston
Lori Goldston ist eine klassisch ausgebildete Cellistin, Komponistin, Improvisatorin, Produzentin, Autorin und Dozentin aus Seattle. Ihr außergewöhnlicher Sound am Cello, ob mit Verstärker oder akustisch, ist voll und originell. Als unermüdliche Forscherin bewegt sich ihre Arbeit frei über die Grenzen von Genre, Disziplin, Zeit und Geografie hinweg. Am prominentesten ist sicherlich Goldstons Mitwirken bei NIRVANAs legendärem MTV Unplugged in New York Konzert. Später begleitete sie die Band auch noch live zu ihrem letzten Album „In Utero“ durch die USA und Europa. Zudem war sie festes Mitglied der Band EARTH und hat unter anderem mit Aidan Baker, Cat Power, Embryo, Kimya Dawson, Your Heart Breaks, Mirah, Dylan Carlson und vielen weiteren Musiker*innen zusammengearbeitet.

Trailer-Video Lori Goldston


Lori Goldston | © KellyO

Der Film ist kein Historiengemälde, keine Chronik der Ereignisse, kein Passionsspiel, sondern die distanzierte Beschreibung eines Glaubenskampfes, bei dem Blicke, Gesten und Körperhaltungen die innere Anspannung aller Beteiligten ausdrücken. Ein trotz seiner analytischen Struktur bewegender Film, der bei der Uraufführung 1928 in Paris Proteste der katholischen Kirche auslöste. (Filmdienst

"Die Passion der Jungfrau von Orléans" gilt nicht nur als Meisterwerk des einflussreichen dänischen Regisseurs, sondern auch als einer der bemerkenswertesten Filme des Kinos. Zuletzt wurde Dreyers "Jungfrau" auf dem "Toronto International Filmfestival" vor zwei Jahren auf Platz 1 der einflussreichsten Filme aller Zeiten gewählt. [...] Dreyers Film ist eine Symphonie der Gesichter: "Nichts in der Welt ist dem menschlichen Gesicht vergleichbar", schrieb Dreyer, "es ist ein Land, dass zu erforschen man niemals müde wird. Die Mimik ist die Seele des Gesichts. Sie ist wichtiger als das Wort. Oft können wir den Charakter eines Menschen in all seinen Schattierungen aus einem einzigen Stirnrunzeln, einem Augenzwinkern lesen. Die Mimik ist der ursprüngliche Ausdruck psychischer Vorgänge, und sie ist älter als das Wort."[...] Überwältigend auch der Auftritt Maria Falconettis, damals eine kaum bekannte Theaterschauspielerin, die den Film mit ihrer ungeschminkten mimischen Kunst Seele und Kraft gab. (Jochen Kürten, Deutsche Welle)

Torrey Pines

USA 2016, Buch, Regie: Clyde Petersen, 60 Min., ohne Dialog

Südkalifornien in den frühen 1990er Jahren: Clyde wächst bei seiner schizophrenen alleinerziehenden Mutter auf. Ihre Halluzinationen und Verschwörungsmythen gehören zum Alltag des Teenagers. Während Clyde über den Punk eine ganz neue Welt für sich entdeckt, werden die Zustände seiner Mutter immer heftiger. Sie nimmt Clyde mit auf einen abenteuerlichen Roadtrip quer durch die USA, und das verändern alles. 
In seinem Debütfilm erzählt Regisseur Clyde Petersen seine eigene queere Punk-Coming of Age-Story - komplett aus Pappe gebaut, mit Stop-Motion-Technik gedreht und ohne Dialoge. Die Charaktere kommunizieren miteinander über Mimik, Gestik und Geräusche.
Clyde Petersen, dessen mehrfach ausgezeichnete Dokumentation „Even Hell has its Heroes” wir im Januar premieren durften, ist Filmemacher, Multi-Media-Künstler und auch Musiker in seiner Band „Your Heart Breaks”. Auf dem Film-Soundtrack von „Torrey Pines“ finden sich viele Bandkolleg*innen und befreundete Musiker*innen wieder, unter anderem Lori Goldston, Dylan Carlson und Adrienne Davies (EARTH) und Kimya Dawson. 2016 tourte Petersens Band durch die Welt und performte Torrey Pines als Stummfilm mit Live-Vertonung. 
Lori Goldston ist zwei Tage später zu Gast im City 46 bei der Aufführung von Die Passion der Jungfrau von Orléans.


Director Clyde Petersen | © Joseph P. Traina

Torrey Pines Recording Crew |  | Bildrechte: © Joseph P. Traina
Torrey Pines Recording Crew | © Joseph P. Traina

What has always fascinated and impressed me about Clyde is the sheer depth and breadth of his artistic curiosity and skill set. Music was my first entry into his very particular and singular world, but it just as easily could’ve been via the zines he wrote, the short films he made, the posters he designed or one of any number of artistic endeavors he’s undertaken over the years. He is, above all, intimidatingly prolific, cranking out a staggering number of albums and films both short and feature-length, crafting art installations—the list goes on. (Carey Ross, www.cascadiaweekly.com

"Unlike most films, Torrey Pines is nearly wordless. Instead, the characters speak in mumbled gibberish, relying on vocal inflection or the occasional image—tigers pouncing out of mouths or lasers shooting from eyes, for example—to convey expression. The garbled voices of adults are not unlike those in “Peanuts” cartoons, and can be pretty effective at humorously lightening the mood. The film approaches several topics of universal relevance, and the absence of language echoes this theme of inclusivity. (Jessica Smith, www.flagpole.com

I’ve never seen the horror of being misgendered captured on film so evocatively as in Torrey Pines—particularly a scene wherein, having witnessed his mom get out of the bathtub, Petersen imagines his 12-year-old body as an adult woman’s, with pendulous tits that spray milk grotesquely as he is buried in a pile of squirming babies. The awkwardness, the wrongness of the gender assigned him could make the straightest viewer barf. (Sarah Galvin, www.cityartsonline.com)

Sun Ra: A Joyful Noise

USA 1980, Regie: Robert Mugge, 60 Min., gedreht auf 16mm, engl. OF

Sun Ra galt schon zu Lebzeiten als Mythos und ist bis heute einer der umstrittensten Jazzmusiker. Sein einzigartig avantgardistischer und experimentierfreudiger Stil hat Kritiker und Publikum polarisiert. Einerseits als genialer Innovator verehrt, sehen andere ihn als Scharlatan oder gar Anführer einer Sekte. Doch Sun Ra war und ist mehr als ein außergewöhnlich talentierter Jazz-Musiker und Komponist: Philosoph, Exzentriker, Dichter, Autor, Mitbegründer des Afrofuturismus, Black-Rights-Aktivist, selbsternannter Alien vom Saturn... Seinen Geburtsnamen, Herman Poole Blount, legte Sun Ra 1952 ab. Besonders die kosmische Ästhetik der Band, die vorherrschenden Weltraumthemen und astrologischen Predigten wurden schnell zum Markenzeichen Sun Ras. Zahlreiche Musiker*innen und Bands wie Sonic Youth, Flying Lotus und MF Doom benennen Sun Ra als denjenigen, der sie kreativ am stärksten beeinflusst hat. Seine Band, das Sun Ra Arkestra, ist unter Leitung des heute 99 Jahre alten Saxophonisten Marshall Allen noch immer aktiv. Robert Mugges Dokumentarfilm von 1980 zeigt Konzertmitschnitte aus den späten 1970ern sowie Interviews und Probeaufnahmen.

In Kooperation mit dem Golden Shop Bremen.

Sisters with Transistors

GB/F 2020, Regie: Lisa Rovner, 86 Min., OmengU

Bisher wenig bekannt ist die bemerkenswerte Geschichte der Pionierinnen elektronischer Musik, die „Sisters with Transistors“ erzählt. Es sind Komponistinnen, die sich Maschinen und ihre befreienden Technologien zunutze machten und damit die Art, wie wir heute Musik produzieren und hören, völlig veränderten. Theremins, Synthesizer und Feedback-Maschinen sind in dieser Ode an die Frauen die „Instrumente“, mit der sie die zeitgenössische Klangwelt umgestaltet haben. Die Avantgarde-Komponistin Laurie Anderson zeichnet mit faszinierendem Archivmaterial die technologischen Experimente mit Klang, der Dekonstruktion seiner Bestandteile und der Manipulation in etwas völlig Neues nach. Während wir einer Reihe von musikalischen Ansätzen und faszinierenden Persönlichkeiten begegnen - von der Wissenschaft über die Außenseiterkunst bis hin zur Fernsehwerbung - treffen wir Musikgenies wie Clara Rockmore, Bebe Barron, Suzanne Ciani, Daphne Oram, Pauline Oliveros, Delia Derbyshire, Maryanne Amacher, Laurie Spiegel, Eliane Radigue und Wendy Carlos. Zum 8. März!

In Kooperation mit dem Golden Shop Bremen

Dieser Film verewigt eine ungeschriebene Musikgeschichte. Visionäre Frauen definierten mit ihren radikalen Experimenten mit Maschinen die Grenzen der Musik neu. (Internationales Filmfestival Innsbruck)

So ist die britische Komponistin Daphne Oram in Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu sehen, wie sie ihr Studio für elektronische Musik bei der BBC präsentiert. Oram war die erste Frau, die in England elektronische Musikinstrumente entwickelte und in England ein Studio für elektronische Musik eingerichtet und geleitet hat. Als Mitgründerin des 1958 begonnenen BBC Radiophonic Workshop hatte sie enormen Einfluss auf die elektronische Musik, einschließlich eines eigenen Verfahrens zur grafischen Tonerzeugung, den „Oramics“, bei denen Film oder Glasplatten bemalt und in elektronische Signale umgewandelt wurden. (Tim Caspar Boehme, taz)

Beitrag auf Deutschlandfunk: „Eine feministische Geschichte der elektronischen Musik”

Schleimkeim – Otze und die DDR von unten

D 2023, Buch, Regie: Jan Heck, 96 Min.

In der DDR galt Subkultur als Gefahr für die Staatssicherheit und wurde von den einheitssozialistischen Machthabern durch die Stasi beobachtet. Trotzdem gründete Dieter Ehrlich, genannt Otze, bereits 1980 mit seinem Bruder Klaus die heute legendäre Punkband „Schleimkeim“. Mit Otze als Songwriter und Sänger, Klaus an der Gitarre und Dippel am Bass erweckten die drei aus Stotternheim bei Erfurt den Punk hinter dem Eisernen Vorhang zum Leben. Während Punks schon aufgrund ihres Aussehens hinter Gitter kamen, veröffentlichten Schleimkeim unter dem Decknamen „Saukerle” ihre erste Platte, tourten unter dem Radar durch die DDR und kamen regelmäßig in Schwierigkeiten mit dem Staatsschutz. Otze, Held und Begründer seiner eigenen Bewegung, probierte einiges an Drogen aus dem Westen aus und hatte mehr und mehr mit psychischen Problemen zu kämpfen. Seine letzten Jahre verbrachte Otze in einer psychiatrischen Klinik. 2005 verstarb er an einem Herzinfarkt. Auch wenn sein Name wenigen in Deutschland bekannt sein wird, kommt man heute an Schleimkeim praktisch nicht vorbei. Der Dokumentarfilm von Jan Heck porträtiert durch Interviews mit Zeitzeug*innen, Freund*innen und Bandkollegen sowie Archivmaterial das Leben des Punks und seiner Band sowie deren Widerstand gegen das System bis zum Mauerfall.

In Kooperation mit dem Golden Shop.

Ein Szenefilm, der liebevoll alte Ikonen des DDR-Punk ins Hier und Jetzt katapultiert und das Publikum mit offenen Mündern zurücklassen dürfte. (Mainz, FILMZ Festival 2023)

Dieter „Otze“ Ehrlich wurde mit seiner Band vom Bauernjungen zur DDR-Punk-Legende. Wie es dazu kam, erzählt ein junger Filmemacher aus Baden-Württemberg in einem Dokumentarfilm. (Theresa Berwian, www.swr.de)

Even Hell has its Heroes

USA 2023, Regie: Clyde Petersen, 110 Min., gedreht auf Super 8, OmU

Wenn man an die 90er Jahre und Seattle denkt, ist EARTH nicht unbedingt der erste Bandname, der einem einfällt. Dies, obwohl Bandleader Dylan Carlson bereits Ende der 80er ein eigenes Musikgenre schuf, welches häufig als Drone Metal bezeichnet wird. Mit Liedern, die selten unter 10 Minuten lang sind, oft ohne Gesang auskommen, einem meist ungewöhnlich langsamen Tempo und nahezu unendlich ausklingenden Tönen, versetzt die Band bis heute ihre Fans in meditative bis Trance-artige Zustände. Das alles trotz Heroinsucht und dem tragischen Tod von Carlson’s bestem Freund, Kurt Cobain. 
Nach neunjähriger Pause meldete sich EARTH 2005 zurück. Mit neuem Sound, der nur noch wenig mit Metal zu assoziieren ist und stetig wechselnden Musiker*innen um Carlson und Adrienne Davies, seit 2005 Schlagzeugerin der Band. Darunter auch Personen wie Bill Frisell oder Lori Goldston (Cellistin für Nirvana). Heute sind EARTH immer noch weit vom kommerziellen Erfolg entfernt. Frisells Mitwirken auf dem Album “The Bees Made Honey in the Lion's Skull” sorgte aber dafür, dass die Band zum Beispiel auch in Jazz- und Avantgardekreisen Anerkennung findet. Ebenso wären modernere Drone Metal Bands, wie z.B. Sunn o))), ohne EARTH wahrscheinlich nicht denkbar.
In einem komplett auf Super 8 gedrehten Film hat Regisseur Clyde Petersen, Freund- und zeitweise Manager der Band, EARTH, den vielen verschiedenen Wegbegleiter*innen, sowie dem Pazifischen Nordwesten der USA, ein mehr als angemessenes Tribut gezollt. Wir freuen uns sehr, an diesem Abend die Deutschlandpremiere feiern zu dürfen. 
 

Kurzbiographie von Regisseur Clyde Petersen:
Clyde Petersen zog 1993 im Alter von 13 Jahren nach Seattle, Washington und arbeitet dort bis heute als Filmemacher, Musiker, Installations-Künstler und vieles mehr. 2016 erschien Petersens erster Spielfilm, ein sechzigminütiger Stop Motion-Film namens “Torrey Pines”, der autobiographisch aus seiner queeren Kindheit mit einer schizophrenen Mutter erzählt. Bereits 1998 gründete er die Band “Your Heart Breaks”, die bis heute mit einer immer wechselnden Besetzung aktiv ist – darunter zeitweise Kimya Dawson, Karl Blau, Lori Goldston sowie auch Dylan Carlson und Adrienne Davies. Nachdem sie sich über die Musik kennengelernt hatten, war Petersen vorrübergehend auch als Manager für Earth tätig. Nach über 10 Jahren Arbeit ist die Dokumentation “Even Hell has its Heroes” 2023 erschienen und feiert im Januar 2024 Premiere in Deutschland. Mehr Infos über Clyde Petersen


                                                                                       Clyde Petersen
                                                                                               Clyde Petersen

Even Hell has Its Heroes by director Clyde Petersen is an impressive work, given its ambitious mission: to portray the mysterious music of the Earths by bringing together, on a journey, those who contributed to it. A poetic and, as it should be, humanised portrait of a work driven by introspection, experimentation and contemplation. In it we are (always) carried away by the guitars, in the presence of the landscapes of a strange and familiar America. As fascinating and distant as the work of Earth that this beautiful documentary has so well unveiled to us. 
(India Lisboa Jury Statement (Special Mention))

A comprehensive look at the history and legacy of the metal band Earth, Even Hell Has Its Heroes is a true achievement of a documentary in every sense as its sonic resonance echoes just as the group’s meditative music does decades later. Entertaining as all hell, whether you’ve followed Earth for years or have yet to be graced by their music, Even Hell is the absolute best film of this year’s festival, and it carves out an irreplaceable place in Washington cinema history. More than a recounting of the group’s origins, the film eschews typical documentary conventions, with its overreliance on talking heads, by interweaving interviews with the footage itself. It is a work befitting the grandiosity of Earth’s creations that takes us fully into the minds of those behind it and illuminates how they left their mark on a genre that will forever owe them a musical debt. There is a darkness, but an earned vibrancy emerges as well. 
(Chase Hutchinson, The Stranger)

Good as hell - It’s those revelatory moments, those slight rewrites of long-believed history, that make watching Even Hell Has Its Heroes feel […] like the slow unraveling of one of those crepe-paper surprise balls. As you unroll the layers, little treasures reveal themselves one at a time. 
(Megan Seling, The Stranger)

Lydia Lunch: The War Is Never Over

USA 2020, Regie: Beth B, 75 Min., OF

Als New York Citys herausragende No-Wave-Pionierin der späten 70er Jahre hat Lydia Lunch ein ganzes Leben lang Musik und Spoken-Word-Performances geschaffen. Darin fordert sie das uneingeschränkte Recht ein, sich dem Leben in vollen Zügen hinzugeben und ihre Stimme so laut zu erheben wie jeder Mann. Von Anfang an ging es der Künstlerin um Selbstermächtigung, den Kampf für Gleichberechtigung aller Menschen sowie darum, marginalisierten Gruppen und Außenseiter*innen eine Stimme zu geben. Dabei widerlegt sie stets die Erwartungen, die an weibliche Künstlerinnen gestellt werden und lässt sich nur schwierig in eine Schublade drücken. Underground-Regisseurin und Wegbegleiterin Beth B dokumentiert das einzigartige und immer weiterwachsende Oevre Lydia Lunchs, die sich bei Proben und auf Tour mit ihrer Band „Retrovirus“ auch von einer deutlich privateren Seite zeigt. Mit Thurston Moore, Kembra Pfahler, Jim Sclavunos, Donita Sparks, Nicolas Jaar, Carlo McCormick, Richard Kern und vielen weiteren.

Webseite von Beth B

Dieser Dokumentarfilm ist kein nostalgischer Rückblick auf Lydia Lunchs frühen Ruhm als zentrale Figur des New Yorker Punk/Post-Punk/No Wave-Undergrounds ab Ende der 1970er Jahre – obwohl wesentliche Wegbegleiter zu Wort und jede Menge Archivmaterial vorkommen. Dieser Film ist ein Dokument des Respekts vor einer bald 50 Jahre andauernden Energieleistung. Denn Lunch hat einfach immer weitergemacht, bis heute: mit Musik, Spoken Word, Film, mit Feminismus und mit hohem Anspruch an die eigene künstlerische und politische Radikalität.
(Unerhört! Film Festival 2023)

You’re Gonna Miss Me

USA 2005, Regie: Keven McAlester, 91 Min., OF

Seit Jahrzehnten steht Roky Erickson zusammen mit Pink Floyd-Gründer Syd Barrett und Beach Boy Brian Wilson an der Listenspitze der tragischsten Burnouts der Rockgeschichte. Als Sänger und Gitarrist der 60er-Jahre-Psychedelic-Pioniere „13th Floor Elevators“ wie auch als Solokünstler bis Mitte der 80er Jahre, beeinflusste der aus Austin/Texas stammende Erickson unzählige Bands des Garage-, Punk-, Psychedelic-Rock und Metal. Als seine psychische Erkrankung es ihm zunehmend unmöglich machte, am „normalen” Leben teilzunehmen, zieht er sich aus der Musikwelt zurück. Er lebt im Haus der Familie, unter der zweifelhaften Obhut seiner evangelikalen Mutter Evelyn, die nichts von modernen Medikamenten hielt. Mithilfe seines Bruders Sumner schafft Erickson es schließlich, sich ein Stück weit aus den Fesseln seiner dysfunktionalen Familie und seiner Krankheit zu befreien.
Keven McAlesters Dokumentation zeigt sehr ungefiltert und ungeschönt das Leben von Roky Erickson in den Jahren zwischen 1999 und 2002. Neben den vielen schweren Momenten sehen wir aber auch einen oft glücklich wirkenden Roky, der seine Leidenschaft für das Musikmachen wiederfindet.

Wir werden immer weitergehen

D 2012, Regie: George Lindt, Ingolf Rech, 104 Min.

Musik als Gegenentwurf zu einer bürgerlichen Existenz: Musiker*innen, Club- und Labelbetreiber*innen, Plattenladenbesitzer*innen und andere Musikliebhaber*innen erzählen davon, wie sie trotz gesellschaftlicher und ökonomischer Zwänge ihre ganz unterschiedlichen, bohemistischen und manchmal auch prekären Lebensentwürfe am Rand realisieren - und immer weitergehen...  Ausführliche Essays, Erfahrungsberichte, Porträts und Interviews widmen sich dokumentarisch einer Dekade alternativer Musik- und Clubszene im Berlin und Hamburg der 90er und 00er Jahre und damit auch dem Thema, wie es sich anfühlt, eine Existenz mit Indie-Musik am Rand der Gesellschaft zu bestreiten. Mit Rocko Schamoni, Christiane Rösinger, Tocotronic, Atari Teenage Riot, Stereo Total, Die Sterne, Die Goldenen Zitronen, Absolute Beginner, Jim Avignon, Kante, SO 36, Rote Flora, Tresor, Kitty-Yo, L´age d´or, Buback, Alfred Hilsberg u.v.a.
Eine Dokumentation über eine Dekade alternativer Musikszene.

In Kooperation mit Black Plastic Bremen. Mit Verlosung und Bar auf Spendenbasis!

Vagabunden Karawane – Eine Reise nach Indien mit der Gruppe Embryo

D 1979, Regie: Werner Penzel, 97 Min.

1978 begleitete Werner Penzel die Musikgruppe „Embryo“ auf einer abenteuerlichen achtmonatigen Reise von München bis Kalkutta, über Iran, Afghanistan und weitere Länder. Nicht zuletzt die vielen Konzertaufnahmen der „Vagabunden Karawane“ und einheimischen Musiker*innen mit oft spontanen Improvisationen machen Wenzels Film zu einem beeindruckenden Zeitdokument. Nach dem Film gibt es in Kooperation mit „Black Plastic Bremen“ eine Verlosung. In Kooperation mit Kukoon im Park.

Achtung: Neuer Ort: Aufgrund des schlechten Wetters findet die Veranstaltung im CITY 46 / Kommunalkino Bremen statt und leider nicht wie ursprünglich geplant im Kukoon im Park. Filmbeginn: 21:30!

Unknown Passage: The Dead Moon Story

USA 2006, Regie: Kate Fix, Jason Summers, 88 Min., engl. OV

Das Ehepaar Fred und Toody Cole sowie Andrew Loomis - das sind/waren Dead Moon, wohl eine der sympathischsten und coolsten Punk-Bands aller Zeiten. Die Filmemacher*innen Kate Fix und Jason Summers beleuchten den Schaffensweg der Band seit ihrer Gründung 1979 und begleiten Fred, Toody und Andrew Anfang der 2000er mit auf Tour. Durch ihre DIY-Ethik, den persönlichen und solidarischen Fan-Austausch und unvergessliche Live-Auftritte haben sich Dead Moon früh einen Namen in der Underground-Szene gemacht und werden bis heute gefeiert und fast schon religiös verehrt. Zu Recht! Anhand von Interviews mit Bandmitgliedern, Freund*innen, Fans und Familienmitgliedern sowie Archivmaterial entsteht eine Hommage an eine Band, die es verstanden hat, ihre Kunst und ihr Leben nach ihren eigenen Bedingungen zu gestalten.

Mit Bar in Kino 3 (Getränke auf Spendenbasis) und Verlosung!

Bildrechte: © Magic Umbrella Films

Teddies Kneipe

Live-Konzert im Anschluss an den Film Unknown Passage

Teddies Kneipe bleiben als One Hit Wonder Women auf der linken Spur des Lebens und stellen sich die große musikalische Frage: Wieso kompliziert, wenn's auch geil sein kann? Darum: Schlagzeug, Bass, Gitarre, Pasta - ja! Lohnarbeit - nein! Logische Konsequenz: Punk (+/-). Komm ran an den Tresen.

Einstürzende Neubauten – Liebeslieder

D 1993, Regie: Klaus Maeck und Johanna Schenkel, 98 Min.

Die Dokumentation und Hommage von Klaus Maeck und Johanna Schenkel zeichnet die Geschichte der Berliner Kult-Band Einstürzende Neubauten nach. Interviewmaterial, Konzertausschnitte und seltene Aufnahmen von 1980 bis 1993 geben Aufschluss darüber, welch raffinierte Struktur sich hinter der scheinbar total wahllosen Oberfläche der neubautischen Klangwand verbirgt. Zwischendrin plaudern Blixa Bargeld, FM Einheit, N.U. Unruh, Alexander Hacke und Mark Chung aus dem Nähkästchen und zeigen bereitwillig die historischen Brutstätten ihrer „tonalen Neuland-Entdeckungsreise". Der Film entstand 1993 als Auftragsproduktion des WDR. 

Mit Bar in Kino 3 (Getränke auf Spendenbasis) und Verlosung!

Decoder

D 1984, Regie: Muscha, mit FM Einheit, Christiane F., Genesis P-Orridge, Bill Rice, 87 Min.

Information is like a bank. Our job is to rob the bank. 
Ein junger Musiker tut sich mit einer Gruppe von Untergrundaktivisten zusammen. Sie wollen Musik und Technologie einsetzen, um die Mainstream-Kultur zu untergraben und sich gegen gesellschaftliche Kontrolle zu wehren. Während in der Stadt Chaos ausbricht, ist dem Unruhestifter bereits ein Agent des Sicherheitsministeriums auf den Fersen. 
Die Organisation des Decoder-Drehs fiel, typisch Punk-Kollektiv, ziemlich spontan aus. Der Maler, Film- und Videokünstler Jürgen Muschaleck – genannt Muscha – wurde am ersten Drehtag zum Regisseur erklärt.
Das erste Drehbuch von Klaus Maeck (mit Beteiligung von Trini Trimpop und Volker Schäfer) ist eine Cyberpunk-Fantasie frei nach Williams S. Burroughs, der selbst auch im Film als Fachverkäufer für elektronische Bauteile in Erscheinung tritt. Auf dem Soundtrack finden sich unter anderem Hauptdarsteller FM Einheit und Genesis P-Orridge wieder. Während des Drehs in Berlin gab es laut Klaus Maeck zufälligerweise eine Demonstration, auf der Menschen mit Kassettenrekordern zeitgleich Lärm erzeugten – Am nächsten Tag stand in der Zeitung, die Polizei habe Kassettenrekorder als „Waffen” beschlagnahmt.

Die reizvolle Thematik - mögliche Macht und Kontrollfunktion von Tönen in einem Überwachungsstaat - gerät zu einer formal aufdringlichen Mischung aus Punk-Anarchie und Krimi mit zahlreichen Video- plus Ton-Experimenten, angereichert mit zynischer Tierquälerei. 1984 war das »State of the Art«; in der Rückschau nimmt sich der heute durchaus hörenswerte Film fast schon aus wie eine Vorwegnahme von Abel Ferraras „King of New York" und eine Reminiszenz an die Second-Hand-Dr. Mabuse-Fantasien der 1960er-Jahre aus. (Ulrich Kriest, Filmdienst)

Seltsames Gesäusel, blau eingefärbte Bilder, ein Hard-Boiled-Detective-Typ mit Lotter-Mantel und müdem Blick, ein gewaltiges Regierungsgebäude, irre Kamerafahrten durch endlose Korridore, und dazu starke Sounds, das Rattern komplizierter Apparaturen sowie die zynischen Worte entnervter Mitarbeiter: Schon allein die Einstiegssequenz von Decoder ist als Seherlebnis aufregender und berauschender als viele andere Filme in ihrer Gesamtheit. Das in den frühen 1980er Jahren entstandene Underground-Wunderwerk im Dark-Future-Stil ist eine Perle des Abseitig-Obskuren. (Andreas Köhnemann, Kino-Zeit)

Change Itself – An Art Apart: Genesis Breyer P-Orridge

S 2016, Regie: Carl Abrahamsson, 58 Min., eng. OV

Das Leben und Werk des/der britischen Künstler*in Genesis Breyer P-Orridge zusammenzufassen, ist nahezu unmöglich. Nicht nur wegen des breiten Spektrums an künstlerischen Disziplinen, sondern auch wegen der Zeitspanne von Mitte der 1960er Jahre bis heute. Hunderte von Platten, Tausende von Konzerten, Ausstellungen, Spoken-Word-Performances, Collagen, Skulpturen, Interviews oder Videos über Philosophie, Kulturtechnik, Okkultismus oder radikale Transgender-Konzepte kommen da zusammen. Einige von P-Orridges theoretischen Konzepten, geboren aus aktiver Kreativität und Provokation, sind nach 50 Jahren immer noch gültig. P-Orridge war ein*e romantische*r Existentialist*in und im wahrsten Sinne des Wortes ein*e „cultural engineer”. Regisseur, Autor, Podcaster und Musiker Carl Abrahamsson (ähnlich viel beschäftigt), den unter anderem eine Freundschaft mit P-Orridge verband, hat der Legende Genesis einen sehr persönlichen Interview-Film gewidmet.
Im Anschluss folgt der Spoken-Word-Beitrag Write Your Own Code  (S 2021, R.: C. Abrahamsson, 47 Min.). Mit Verlosung!