Filmreihe: Gedenktag 27. Januar

Der 27. Januar ist seit 1996 bundesweit ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag vor 78 Jahren befreiten die Soldaten der Roten Armee die wenigen Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Der Gedenktag ist allen Opfergruppen des Nationalsozialismus gewidmet und soll nicht nur historische, sondern auch aktuelle politische Bezüge zur Erinnerung und Wachsamkeit im Hinblick auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit herstellen. Dem wird das umfangreiche Begleitprogramm mit 60 Veranstaltungen mehr als gerecht. Es umfasst - in einem Zeitraum vom Januar bis April - Vorträge, Filmvorführungen, Diskussionen, Ausstellungen, Lesungen, Führungen, Studienreisen und vieles andere mehr. Geplant wurde es von einem breiten Bündnis aus Vereinen, Initiativen und Kooperationspartnern. Die Koordination lag in den Händen von Erinnern für die Zukunft e.V. und der Landeszentrale für politische Bildung Bremen. (Text: LzpB).

Das Gesamtprogramm finden Sie auf dem Veranstaltungskalender der LzpB.

     
 
Programmheft zum 27. Januar
 
 

 

 

Hannah Arendt – Denken ist gefährlich

D/USA 2025, Regie: Chana Gazit, Maia E. Harris, 86 Min., dt. engl., hebr. OmU

Sie war Intellektuelle, Autorin, Jüdin, Aktivistin, Professorin und vieles mehr. Die Theoretikerin Hannah Arendt war bereits zu Lebzeiten ein Medienstar, der nicht nur begeisterte, sondern auch polarisierte. 1906 in Hannover geboren und in Königsberg als Kind liberaler Eltern aufgewachsen, erlebte sie den Nationalsozialismus als junge Frau. Nach der Machtübernahme der Nazis und ihrer kurzen Inhaftierung Anfang der 1930er Jahre entschied sich die junge Philosophiestudentin zur Flucht aus Deutschland. Diese Erfahrungen prägten später ihr berufliches wie auch politisches Engagement. Die selbst zeitweise staatenlose Arendt verhalf z.B. vielen Menschen zur Flucht. Weltweite Bekanntheit erlangte Arendt mit ihrer Studie über die Entstehung totalitärer Systeme. Ihr Konzept von der „Banalität des Bösen“ wird bis heute kontrovers diskutiert und ihr intellektuelles Erbe hat auch heute, 50 Jahre nach ihrem Tod, kaum an Aktualität verloren. Arendts Eintreten für die Freiheit des Denkens und eine offene Gesellschaft war ihr Markenzeichen. 
Die Dokumentation von Jeff Bieber und Chana Gazit zeichnet Arendts Lebensweg nach, untermalt von Archivaufnahmen und Zitaten aus ihren zahlreichen Essays und Briefen, gelesen von Schauspielerin Nina Hoss. 

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Bremen

„Hannah Arendt – Denken ist gefährlich“ kann als erste Begegnung mit dieser schillernden Figur der Zeitgeschichte als Einführung dienen. Zugleich muss der Film aber sehr kritisch auf seinen suggestiven Diskurs hin befragt werden, der das „streitbare und gefährliche Denken“ in einen auf ungute Weise marktkonformen „Flow“ überführt, der irritierend gefällig wird. (Ulrich Kriest, www.filmdienst.de)

Dieser auch für Einsteiger geeignete, sehenswerte Film lohnt sich für alle, die Hannah Arendt entdecken und sich von ihrem Lebensmut und der Aktualität ihres Denkens überzeugen möchten. (Margrit Fröhlich, www.epd-film.de)

Natürlich ist ein Film kein Uni-Seminar; abstrakte Überlegungen sind schwierig zu visualisieren. Wie es dennoch gelingt, hat Regisseurin Margarethe von Trotta 2012 in ihrem glänzenden Biopic über Hannah Arendt gezeigt: mit einem hinreißenden Schlussplädoyer, in dem Barbara Sukowa als Titelheldin ihre Überzeugungen schlüssig darlegt.
Das versuchen Bieber und Gazit gar nicht erst; sie reihen lieber Schlagworte aneinander. Als launiger Abriss von Arendts Vita mag das genügen. Wer ihr Denken kennenlernen will, erfährt wesentlich mehr aus dem Interview mit Gaus 1964, das bei Youtube verfügbar ist. (Oliver Heilwagen, www. kunstundfilm.de)

Waltraud Meints-¬Stender, Professorin für Politik und Bildung an der Hochschule Niederrhein und Vorsitzende des Hannah-Arendt-Vereins für politisches Denken: 
„Sie hat sich den Realitäten gestellt, wie sie sind. Arendt verstand Denken nicht als abstrakte, elitäre Tätigkeit, sondern als aktive, politische Praxis und somit als Voraussetzung für verantwortliches Handeln in der Gesellschaft. Das macht sie bis heute zu einer einzigartigen Persönlichkeit.“ (Interview in der taz zum Filmstart, Okt. 2025)