Firebird

EST/GB 2021, Regie: Peeter Rebane, mit Tom Prior, Oleg Zagordnii, Diana Pozharskaya, 107 Min., OmU
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In den 1970er Jahren befindet sich die Welt auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Als wehrpflichtiger Soldat leistet der junge Este Sergei seinen Dienst bei der Luftwaffe der Sowjetunion und seine Freundin Luisa arbeitet auf derselben Basis als Sekretärin des Kommandanten. Als Sergei und Luisa dem jungen Piloten Roman begegnen, ist es rasch um beide geschehen. Sie leben eine leidenschaftliche Dreierbeziehung, die für alle Beteiligtem gefährlich ist und daher im Geheimen stattfinden muss. Roman ist jedoch schon längst in den Fokus des KGBs geraten.
Peeter Rebanes Regiedebut wurde bei seiner Premiere auf dem Internationalen Filmfestival Moskau von queerfeindlichen Protesten begleitet. Kürzlich wurde Firebird auf dem FilmOut San Diego dreifach ausgezeichnet, in den Kategorien Best Narrative Feature, Best Direction und Best Actor.

Peeter Rebanes mitreißender Liebesthriller mit Tom Prior und Oleg Zagorodnii basiert auf einer wahren Geschichte und ist zu einer Zeit, in der in Russland queere Menschen immer noch schwersten Repressionen ausgesetzt sind, von beklemmender Aktualität. (Cinecitta.de)

A glossy and classy melodrama that soars with passion and is elevated by strong production values, heartfelt performances and a story arc that journeys to unexpected destinations. (Randy Myers, The Mercury News)

Lunana – Das Glück liegt im Himalaya

BHU 2020, Regie: Pawo Choyning Dorji, mit Sherab Dorji, Ugyen Norbu Lhendup, Pem Zam, 109 Min., OmU
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Das kleine Bhutan im Himalaya ist für seine beeindruckende Natur bekannt, aber mehr noch dafür, dass die Bhutaner:innen angeblich im glücklichsten Land der Welt leben - gemessen als Bruttosozialglück statt als Bruttoinlandsprodukt. Der junge Lehrer Ugyen ist trotzdem wenig begeistert, in der Abgeschiedenheit im Bergdorf Lunana an und an der isoliertesten Schule der Welt unterrichten zu müssen. Hier gibt es weder Strom noch eine Mobilfunkverbindung. Im Kontakt mit den Bewohner:innen der Gegend lernt allmählich Ugyen die Schönheit der Natur wie auch die Entschleunigung eines Lebens ohne technische Reizüberflutung zu schätzen.
In einer besonderen Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilmelementen inszeniert der bhutanische Filmemacher Pawo Choyning Dorji in seinem Regiedebüt die Dorfbewohner:innen von Lunana und ihre faszinierende Welt. Sie spielen sich als Laiendarsteller:innen selbst.
Das Dorf Lunana ist eine Siedlung im Himalaya und nur über einige der höchsten Berge der Welt erreichbar. Von den 56 Menschen, die dort leben, haben die meisten noch nie die Welt außerhalb ihres Dorfes gesehen. Lunana bedeutet wörtlich das dunkle Tal, ein Tal, das so weit entfernt ist, dass nicht einmal das Licht es erreicht.

[…] ein wunderschöner, poetischer Film, der zeigt, dass auch einfachste Lebensweisen Menschen glücklich machen können und die Reizüberflutung in den Grossstädten dieser Welt nicht unbedingt erstrebenswert ist. Wie Protagonist Ugyen könnte man noch lange in der Bergwelt von Lunana verweilen, die durch die tolle Kameraarbeit greifbar in Szene gesetzt worden ist. Es bleibt also ein melancholisches Gefühl am Ende des Filmes - ein Heimweh. Dass dies dem Film nach weniger als zwei Stunden Laufzeit gelingt, ist bemerkenswert. (Marco Albini, OutNow)

Ein Lehrer lernt Achtsamkeit: Der Dokumentarspielfilm «Lunana» von Pawo Choyning Dorji ist ein Hymnus auf Erziehung und Bildung als Formen achtsamen und liebevollen Menschseins – dargestellt und erlebt in den faszinierenden Landschaften Bhutans. (der-andere-film.ch)

Obwohl es eine grosse Herausforderung war, wollte ich den Film unbedingt in Lunana drehen, inspiriert von der Reinheit des Landes und der Menschen. Ich wollte auch, dass alle, die an der Produktion beteiligt waren, diese lebensverändernde Reise miterleben, damit sich die Authentizität der Erfahrung auf den Film übertragen kann. Die Hauptthemen der Geschichte sind die Suche nach Glück und einem Gefühl der Zugehörigkeit – universelle Themen, mit denen sich jede und jeder identifizieren kann, unabhängig von Kultur und Hintergrund. Allerdings wollte ich diese Themen über einen Ort wie Lunana sichtbar machen: Eine Welt und ein Volk, die sich nicht nur vom Rest der Welt unterscheiden, sondern auch innerhalb von Bhutan einzigartig sind. Ich wollte zeigen, dass selbst in einer so singulären Welt die Hoffnungen und Träume, die die Menschheit verbinden, die gleichen sind. (Statement des Regisseurs)
 

Drive my Car

J 2021, Regie: Ryûsuke Hamaguchi, mit Hidetoshi Nishijima, Tôko Miura, 179 Min., OmU
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Yusuke und seine Frau Ota führen eine glückliche Ehe. Doch eines Tages sieht er sie mit einem anderen Mann. Bevor er sie konfrontieren kann, verstirbt sie. Jahre später übernimmt Yusuke als Theaterregisseur ein Engagement in Hiroshima. Er soll Tschechows „Onkel Wanja“ inszenieren. Beim Vorsprechen glaubt er, den Liebhaber seiner Frau wiederzuerkennen und gibt ihm kurzerhand die Hauptrolle. Gleichzeitig hört er in seinem Auto, einem roten Saab, immer wieder eine von Ota aufgenommene Kassette. Als Yusuke aus Versicherungsgründen während seines Engagements nicht mehr selber fahren soll, akzeptiert er widerwillig die junge Misaki als Fahrerin. Zunächst ist sie ein Störfaktor in seinem Rückzugsort, aber sie entdecken mehr Gemeinsamkeiten, als anfangs gedacht. Ryûsuke Hamaguchis filmische Umsetzung der Kurzgeschichte Haruki Murakamis (in „Von Männern, die keine Frauen haben“) gewann 2021 in Cannes die Goldene Palme für das beste Drehbuch.

So wie Haruki Murakami in seinen Romanen und Kurzgeschichten viel im Ungefähren lässt, bisweilen auch metaphysische Momente einstreut, verzichtet auch Hamaguchi in seiner kongenialen Adaption auf jegliche Zuspitzung. Dennoch vergehen die drei Stunden von „Drive My Car“ wie im Flug und etablieren Hamaguchi (…) als einen der interessantesten asiatischen Regisseure der Gegenwart. (Michael Meyns, Programmkino)

1982 – Neunzehnhundertzweiundachtzig

LIBN/US/KAT/N 2019, Regie: Oualid Mouaness, mit Nadine Labaki, Mohamad Dalli, 100 Min., arab. OmU
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Libanon, Sommer 1982: Israelische Truppen bereiten den Einmarsch in den Libanon vor und langsam dringt die Nachricht des nahenden Krieges durch das Land. Die Schüler:innen einer englischen Privatschule in den Bergen vor Beirut wissen davon noch nichts. Sie lernen fleißig für die anstehenden Prüfungen. Es ist eine gemischte Schule, sowohl Jungen und Mädchen wie auch verschiedene religiöse, nationale und ethnische Zugehörigkeiten – im Libanon keine Selbstverständlichkeit. Der elfjährige Wissam ist trotz Prüfungen mit den Gedanken ganz woanders: Er ist zum ersten Mal verliebt, in Joana, und will ihr seine Gefühle gestehen. Joanna ist jenseits der Schule für Wissam unerreichbar, weil sie im muslimisch geprägten Westen von Beirut wohnt, er selbst im mehrheitlich christlich geprägten Osten. Ihre Lehrer Yasmine und Josef bemühen sich, die Kinder nicht zu beunruhigen. Doch auch ihre Beziehung ist durch die politischen Spannungen des Libanon schwierig geworden.
Der libanesische Regisseur Oualid Mouaness ließ sich in seinem Langfilmdebüt von eigenen Erinnerungen an den letzten Schultag vor Kriegsausbruch inspirieren.

Voller Empathie für seine Figuren hat Oualid Mouaness in „1982“ einen großartigen Film realisiert. Mouaness inszeniert den heraufziehenden Krieg wie in einem Horrorfilm, der den Schrecken zunächst anklingen lässt, bevor er im Bild erscheint, und balanciert das Bedrückende dieser Bilder dann, indem Wissams Fantasie über sich hinauswächst. (Fabian Tietke, taz)

Dies ist kein nostalgischer Film. Erst zu den Abspann-Credits gestattet sich der Film eine Popsong-Referenz. Regisseur Oualid Mouaness sublimiert in 1982 nicht die Tragödie zum Triumph der Liebe. Sondern er spielt mit unser aller Sehnsucht nach der Kindheit und dem Wissen der Erwachsenen, dass wir alle früher oder später dem Unglück ins Auge sehen müssen. Den verpassten Gelegenheiten, die uns unterlaufen sind. Den verlorenen Welten, in denen wir gelebt haben. 1982 ergreift dabei nicht Partei für die Unschuld der Jugend, aber er übernimmt ihre Perspektive: Fassungslos blicken die Kinder auf die zunehmend surrealere Erwachsenenwelt. (Rüdiger Suchsland, artechock)

Mit sicherem Blick, einer abwechselnd festen wie nervösen Kamera, wobei letztere eingesetzt wird, um die wachsende seelische Anspannung der Figuren und die zunehmende Unordnung in der Schule zu verdeutlichen, hat Regisseur Monaness einen ganz außergewöhnlichen Kriegsfilm geschaffen. Mutig in Bezug auf die Form und die dramaturgischen Entscheidungen und besetzt mit durchweg ausdrucksstarken Darstellern bei den Erwachsenen wie bei den Kindern. (Teresa Vena, kino-zeit.de)

An Impossible Project

D/A 2020, Regie: Jens Meurer, mit Florian „Doc“ Kaps, 99 Min., engl. OmU
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Mit dem Einzug des Smartphones Mitte der 2000er Jahre ging es mit den analogen Medien rasend schnell bergab. Platten, Bücher, analoge Filme und Fotographie erscheinen im Vergleich mit dem übermächtigen Goliath der digitalen Welt als nicht mehr zeitgemäß.
20 Jahre später wird unser tägliches Leben stärker denn je von digitalen Medien und Technologien bestimmt und die Nachfrage nach analoger Technik ist gering. 2008 sollte zum Beispiel die letzte Polaroid-Fabrik geschlossen werden und der Erhalt dieser besonderen Art der Fotographie schien unmöglich. Doch Analog-Fan Florian „Doc” Kaps schaffte es unter Einsatz seines gesamten Vermögens, die Firma am Leben zu halten. Und rettete noch Platten. Und Kasetten. Das Impossible Project war geboren.
Jens Meurers Dokumentarfilm ist eine Liebeserklärung an die Analogie: Dem Thema treu bleibend wurde auf 35mm Film gedreht. Zudem wurde der Soundtrack im Direktschnittverfahren auf Vinyl aufgenommen.

AN IMPOSSIBLE PROJECT ist ein sinnlicher wie unterhaltsamer Film über ein weltweites Phänomen: Die Wiederentdeckung des Analogen als Gegenbewegung zur digitalen Revolution. Ein haptisches Durchatmen in immer schnelleren Zeiten. Gedreht auf 35mm bringt uns der Dokumentarfilm die liebenswerte Underdog-Geschichte eines Visionärs nahe, der das Unmögliche möglich machen will. […] Ein beherztes Schwimmen gegen den Strom und der Versuch, sich aus dem Griff der Technologien zu lösen. (Weltkino.de)

„An Impossible Project" is a colourful, stylish study of a unique and inspiring individual, as well as a thought-provoking exploration of the priorities of a society evolving faster than it can even comprehend […] rich in curiosity and good humour, celebrating the potent and lasting connections between humans and technology, and serving as a timely reminder that not only are we all unique, but humans are the most analogue project of all. (supersense.com)

Charlatan

IR/PL/SLO/CS 2020, Regie: Agnieszka Holland, mit Claudia Vaseková, Ivan Trojan, Jana Kvantiková, 118 Min., OmU
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Jan Mikolášek war eine schillernde und geheimnisvolle Persönlichkeit, die damals wie heute noch polarisiert. 1889 geboren, zeigt der junge Gärtnerssohn Mikolášek bereits früh ein geniales Talent für alternative Heilmethoden auf Pflanzenbasis. Mit seiner intuitiven Methode im Diagnostizieren von Krankheiten wird Mikolášek schnell zu einem der berühmtesten Heiler der damaligen Tschechoslowakei. Neben vielen Behandlungen armer Bürger*innen wird er auch von den Reichen und Mächtigen zu Rate gezogen. Sowohl mit den Nazis als auch mit den Kommunisten pflegt Mikolášek lukrative Kontakte und nutzt die damit verbundenen Privilegien, ohne zu viel von sich preiszugeben. So ahnt zum Beispiel kaum jemand von der homosexuellen Beziehung zwischen Mikolášek seinem Assistenten František. Doch als das kommunistische Regime nach dem Zweiten Weltkrieg ins Wanken gerät und der Post-Stalinismus eine neue Epoche einläutet, wird Mikolášek Opfer eines politisch motivierten, initiierten Schauprozesses.

„Charlatan“ ist in der Gesamtbetrachtung ein ungemein stimmiger, toll ausgestatteter Film mit einer kraftvollen Bildsprache, der es schafft, den Zuschauer glaubhaft in die Zeit des Kalten Krieges der 50er-Jahre zu versetzen… Holland ist und bleibt eine Meisterin der Verbindung unterschiedlicher Handlungsstränge sowie der dramaturgisch sinnvollen Verflechtung der Zeitebenen. Ihr Wechsel zwischen den in der Gegenwarts-handlung verorteten Szenen... erweisen sich als passend, bruchlos und harmonisch. (Björn Schneider, Programmkino)

Packende Bilder, schöne Kostüme, eine wahnsinnige Geschichte und eine zerschmetternde Liebe und Freundschaft machen den Film zu einem ungewöhnlich dichten Filmerlebnis. (Marina Ortner, uncut.at)

Scored by Dvorak and other Czech composers, Holland’s accomplished filmmaking is showcased in this illuminating work that sheds light on a little known episode of the nation’s history. The past and present comes together gracefully, delineated by the entrancing camerawork of DoP Martin Strba that contrasts sun-filled outdoor scenes with stylishly subdued interiors and black-and-white archive footage of the Communist era offering a really enjoyable experience. (Meredith Taylor, filmuforia)