The Maple Movies Festival Tour #10 – Canada now & by the book

Neues Kanadisches Kino mit Schwerpunkt Literaturverfilmungen und ein Kurzfilm-Programm werden von Oktober bis Ende April vom Bundesverband Kommunale Filmarbeit e.V. auf Deutschlandtour geschickt.

Die 10. Maple Movies Festivaltournee wird von Telefilm Canada, der Botschaft von Kanada in Berlin und vom Canada Council of the Arts und der kanadischen Regierung gefördert.

Begleitend gib es im DIGY 46 jeden Monat einen weiteren kanadischen Film zu entdecken!

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Crash

CDN 1996, Regie: David Cronenberg, mit James Spader, Holly Hunter, 100 Min., OmU
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James Ballard und seine Frau leben in einer offenen, jedoch emotional erkalteten Ehe: Erregung empfinden beide lediglich in der wechselseitigen Schilderung ihrer Seitensprünge. Während einer nächtlichen Autofahrt stößt James frontal mit einem anderen Wagen zusammen. Schwer verletzt überleben James und Dr. Helen Remington, die Fahrerin des anderen Autos, die Kollision. Im Krankhaus begegnen die beiden Dr. Robert Vaughan, der eine Obsession für fatale Autounglücke pflegt und sich fast übermäßig für den Unfallhergang interessiert. Angetrieben von dem geteilten Trauma, beginnen James und Helen nach ihrer Genesung eine Affäre. Dabei kommen sie auch Vaughan immer näher, der seinen Fetisch gemeinsam mit einer Gruppe Gleichgesinnter in potenziell lebensgefährlichen Ritualen auslebt.
Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury in Cannes, polarisiert die Adaption von Graham Ballards Roman bis heute, wenn der Film in ebenso betörenden wie verstörenden Bildern die Abgründe einer pathologischen Auto-Erotik durchmisst.

In David Cronenbergs kongenialer Verfilmung des 1973 erschienen Romans »Crash« des Kultautors J.G. Ballard geht es darum, wie die durch Technik hervorgerufene Deformation des Körpers ihre Fortsetzung in einer Deformation der Psyche findet. Die erotische Besetzung des Autos als Lustobjekt durch unsere Gesellschaft (wie sie jedem aus der Werbung sattsam bekannt ist) wird ausgedehnt auf die von der Maschine gezeichneten Körper. (Thomas Willmann, Artechock.de)

Crash ist ein kalter, verstörender, aber auch sehr erotischer Film, der sein Motiv des abgestumpften, von sich entfremdeten Individuums nie für eine sozialkritische Aussage über den verlotterten Zustand der Menschheit nutzt. Der Film urteilt nicht, er beobachtet nur und das ohne jegliche emotionale Regung. (Michael Kienzl, Critic.de)

It's like a porno movie made by a computer: It downloads gigabytes of information about sex, it discovers our love affair with cars, and it combines them in a mistaken algorithm. The result is challenging, courageous and original--a dissection of the mechanics of pornography. (Roger Ebert, rogerebert.com)

Mon cirque à moi

CDN 2020, Regie: Miryam Bouchard, mit Patrick Huard, Jasmine Lemée, 105 Min., OmU
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Die 12-jährige Laura lebt in einer Zirkusfamilie in einem kleinen Wohnwagen und ist ständig auf Tour durch das ganze Land. Ihr Vater Bill ist professioneller Clown und selbsterklärter Lebenskünstler. Seine geliebte Tochter Laura ist seine Clowns-Assistentin und er hofft, sie wird nach der Schule im Zirkus bleiben. Doch Laura träumt heimlich von Stabilität und Sicherheit, am liebsten würde sie sogar auf eine Privatschule gehen. Lauras neue, sehr engagierte Lehrerin Patricia wird auf das talentierte Mädchen aufmerksam und möchte sie, so gut es geht, auf ihrem Bildungsweg unterstützen. Mit ihrer Hilfe besteht Laura die Aufnahmeprüfung der Privatschule. Ob Bill den Wunsch seiner Tochter versteht?
Miryam Bouchards Filmdebüt basiert lose auf ihrer Autobiographie.

At the heart of this film, there’s my desire to invent moments that I would have loved to share with my father, perhaps even that reconciliation that I wish we had before he left too quickly and too soon, to tell him everything I loved about him. Is MY VERY OWN CIRCUS a redemption film? Probably so. But, it’s also the stories of Laura, Bill, Mandeep, Sophie and Justine that all want to be loved and accepted as they are, “different”, and in their marginality or their conformism. This movie was born from a profound desire that my daughter got to know her grandfather somehow and that she heard me say that I loved him the way he was. It is a work, I hope, filled of realism, but also of magic, of poetry, but also of schoolwork, of poverty and dreams and finally, of the acceptance of others and of filial love. (Miryam Bouchard, Regisseurin)

Making her feature debut after a string of successful shorts and her work on some of Quebec’s best TV shows, Bouchard invests this relatable family story with an abundance of heart and humour. (Kingston Canadian Film Festival)

Vergangene Filme aus dieser Reihe:

Indigenous Shorts Program: (Hi)Stories We Tell

Kurzfilmprogramm, Gesamtlänge: 92 Min., OmU

Seit den ersten indigenen Dokumentarfilmen in den 1960er Jahren bis zur Gegenwart fungieren Kurzfilme als vitales Hilfsmittel, indigene Perspektiven und Realitäten zu vermitteln. So auch in der von Jason Ryle getroffenen Auswahl.

Das Filmprogramm:

NAMES FOR SNOW
CDN2018 | Regie: Rebecca Thomassie | 6 Min. | OmU
Weil sie Inuit-Wissen an ihre kleine Tochter weitergeben will, wagt sich die Inuk-Regisseurin daran, von einem älteren Reisebegleiter die 52 Inuktitut-Ausdrücke für Schnee zu erlernen.

LICHEN
CDN 2019 | Regie: Lisa Jackson | 12 Min. | OmU
Der verblüffend außerirdische Film taucht tief in die Welt der Flechten ein. In 3D-Makro gedreht, bietet Lichen Einblick in eine bemerkenswerte Lebensform und fragt, was wir von ihr lernen können. Denn Flechten überleben in extremen Umgebungen, selbst im Weltraum.

THE FOURFOLD
CDN 2020 | Regie: Alisi Telengut | 7 Min. | OmU
Aufbauend auf animistischem Glauben und schamanistischen Ritualen, erkundet der Animationsfilm die indigene Weltsicht und -weisheit. Angesichts weltweiter Krisen und des menschengemachten Klimawandels plädiert er dafür, von indigenen Völkern zu lernen.

ÊMÎCÊTÔSÊT: MANY BLOODLINES
CDN 2020 | Regie: Theola Ross | 11 Min. | OmU
Der Weg zur Elternschaft kann schwierig sein. Dies umso mehr für ein gleichgeschlechtliches Paar aus unterschiedlichen Kulturen. êmîcêtôsêt erzählt von einer Cree-Filmemacherin und ihrer weißen Partnerin.

BECOMING NAKUSET
CDN 2020 | Regie: Victoria Anderson-Gardner | 10 Min. | OmU
Als kleines Kind wurde Nakuset aus ihrem Elternhaus in Thompson, Manitoba genommen und von einer jüdischen Familie in Montreal adoptiert. Der sehr persönliche Film verfolgt, wie Nakuset ihre indigene Identität mit Hilfe ihrer jüdischen Großmutter zurückgewann.

THIS INK RUNS DEEP
CDN 2019 | Regie: Asia Youngman |16 Min. | OmU
Überall in Kanada beleben indigene Künstler die traditionelle Tätowierung als Ausdruck von Protest und Stolz wieder. Während sie Kunstwerke auf ihre Gesichter und Körper zaubern, sprechen sie von der Verantwortung, ihre Kultur, Identität und Stämme zu repräsentieren.

FREEDOM ROAD: YOUTH / OSHKAADIZIIG
CDN 2019 | Regie: Angelina McLeod | 14 Min. | OmU
Nahe beim Trans-Canada Highway war das First-Nations-Resevat Shoal Lake 40 eine sich selbst versorgende Gemeinschaft. Bis es brutal in eine Insel umgewandelt wurde. Nach Jahrzehnten entstand endlich eine Straße zu anderen Ortschaften — ein Hoffnungszeichen.

NOW IS THE TIME
CDN 2019 | Regie: Christopher Auchter | 16 Min. | OmU
Mit 22 Jahren schnitzte der Haida-Künstler Robert Davidson den ersten Totempfahl auf den Haida-Gwaii-Inseln seit gut einem Jahrhundert. Am 50. Jahrestag seiner Errichtung kehrt der Filmemacher zu jenem Augusttag 1969 zurück, als das Dorf die Wiedergeburt des Haida-Geistes feierte.

Antigone

CND 2019, Regie: Sophie Deraspe, mit Nahéma Ricci, Nour Belkhiria, 109 Min., frz. OmU

Nach dem gewaltsamen Tod der Eltern und ihrer Flucht aus Algerien lebt die 16-jährige Antigone Hipponomes mit ihren drei Geschwistern und ihrer Großmutter in Quebec. Während Antigone eine exzellente Schülerin ist, lässt sich ihr Bruder Polynice mit einer Straßengang ein. Bei einer fatalen Begegnung mit der Polizei wird Polynice verhaftet und soll aus Kanada abgeschoben werden. Überzeugt, dass ihr Bruder in Algerien nicht überleben würde, fasst Antigone einen gleichermaßen kühnen wie gefährlichen Rettungsplan.
In freier Anlehnung an die Tragödie von Sophokles schildert Regisseurin Sophie Deraspe das Aufbegehren einer aufopferungsbereiten Heldin gegen inhumane Verhältnisse. Ihre kämpferische Klassiker-Adaption wurde 2019 beim Toronto International Film Festival als Bester kanadischer Film ausgezeichnet.

Canada's Oscar submission is an intelligent, moving reworking of Sophocles' tragedy, electrified by a breakout turn from star Nahéma Ricci. The very idea of a modern reworking of a classical text itself gets a modern reworking in Sophie Deraspe’s supple and impassioned “Antigone,” a contemporary spin on the Greek tragedy that feels refreshingly liberated by the spirit of Sophocles’ original material, rather than slavishly devoted to its letter. (Jessica Klang, Variety)

La déesse des mouches à feu – Goddess of the Fireflies

CDN 2020, Regie: Anaïs Barbeau-Lavalette, mit Kelly Depeault, Éléonore Loiselle, 105 Min., OmU

Für die 16-jährige Cat ist die Welt entschieden zu klein: Daheim ist sie nur ein Kollateralschaden im brutalen Scheidungskrieg ihrer Eltern. Auch sonst erscheint ihr der Alltag im ländlichen Quebec der frühen 1990er Jahre eher reizlos. Cat findet Freund*innen, die ihre Frustration teilen und ebenfalls die Enge und Gewöhnlichkeit hinter sich lassen wollen. Grunge-Rock, Rollenbilder aus Pulp Fiction und Meskalin befeuern jugendliche Befreiungsversuche, die Cat und ihre Clique zwischen Rausch und Rebellion taumeln lassen.
Beim Prix Iris, dem wichtigsten Wettbewerb für das Cinéma Québecois, erhielt diese furiose Verfilmung von Geneviève Pettersens Coming-of-Age-Roman insgesamt sieben Auszeichnungen, darunter für den Besten Film und die Beste Regie.

Tender and gorgeously shot […], a fiery, grunge-infused coming-of-age drama set in rural Québec in the 1990s, at the height of the smell of teen spirit. […] Goddess of the Fireflies explores a lot of familiar terrain but does so with a unique sensibility and raw perspective that is entirely distinct. It will stay with you long after the lights come up. (Laura Good, SIFF)

Unmittelbar entsteht das schonungslose Porträt einer heranwachsenden Rebellin, so stark und so schwach wie eine verlorene Göttin. (Berlinale Archiv)

Guest of Honour

CDN 2019, Regie: Atom Egoyan, mit David Thewlis, Laysla De Oliveira, Luke Wilson, Arsinée Khanjian, 105 Min., engl. OmU

Schon seit vielen Jahren arbeitet Jim als Kontrolleur für das Gesundheitsamt. Gewissenhaft und unbestechlich nimmt er jedes Detail unter die Lupe, was ihm einen gewissen Ruf unter den Gastwirten des Bezirks eingebracht hat. Viel mehr als die Arbeit hat Jim auch nicht mehr in seinem Leben. Seine Frau ist vor kurzem gestorben, Tochter Veronica, eine junge Musiklehrerin, ist im Gefängnis. Sie wurde fälschlicherweise wegen einer angeblichen Affäre mit einem minderjährigen Schüler verurteilt – will die Strafe aber für viel frühere begangene Verbrechen absitzen. Sie hat es verdient, mehr sagt sie dazu nicht. Verzweifelt beschließt Jim, selbst Ermittlungen anzustellen und seinen Frust an seinen Klienten abzulassen.
Wer Atom Egoyans frühere Werke kennt (Exotica, Das süße Jenseits), weiß, dass Verluste und Familiengeheimnisse die zwei großen Themen seiner Filme sind. Erst nach und nach erschließt sich, wie beim Puzzle, der Konflikt zwischen Erinnerung, Täuschung und Wahrheit.

Ein raffiniert konstruiertes, spannendes Drama, das auf mehreren Ebenen mit dem Motiv der Fremdheit und des Unverständnisses zwischen Menschen arbeitet, ohne angesichts der vielen Erzählfäden den Fokus zu verlieren. (filmdienst.de)

"Der Ehrengast" ist ein sensibler Film über Erinnerung und Schuld, aber auch über die Möglichkeit einer Versöhnung. Clever geschrieben sowie formal komplex ist Atom Egoyan ein Drama gelungen, welches auf visueller und schauspielerischer Ebene zu überzeugen vermag. (Rouven Linnarz, film-rezensionen.de)

An Audience of Chairs

CDN 2019, Regie: Deanne Foley, mit Carolina Bartczak, Peter MacNeill, Chris Jacot, 93 Min., engl. OmU

Neufundland: Maura Mackenzies Weg als talentierte Konzertpianistin führt gerade steil bergauf. Dann verpasst sie „Dank“ ihres Ehemanns eine großartige Chance und ihre Karriere ist schlagartig beendet. Sie rutscht in eine Depression und langsam auch in eine bipolare Störung ab. Als Maura in ihrem Zustand zu einer Gefahr für ihre zwei Töchter wird, nimmt ihr Mann Duncan das zum Anlass, aus der unglücklichen Ehe auszubrechen und ihr die Kinder zu entziehen. In der tiefsten Krise steht Maura nur ihr Vater zur Seite. In kleinen Schritten versucht sie, gesund zu werden und ihr Leben wieder selbst zu bestimmen, denn nur so hat sie die Hoffnung, Bonnie und Briana wieder zu sehen. Nach dem Roman „An Audience of Chairs“ von Joan Clark.

If An Audience Of Chairs sounds even remotely like something you’d like to see, you should probably see it on a big screen with other people around you. It’s a movie about empathy. It’s an experience to be shared. (Norman Millner, NOW Toronto)

An Audience of Chairs is an uncommon exploration of mental health that avoids many of the usual trappings with intelligent dialogue and unobtrusive direction. It’s quiet and reflective, decidedly poignant yet most especially, honest. (David Duprey, ThatMomentIn)