Vor mir der Süden

I/D 2020, Regie: Pepe Danquart, 117 Min., OmU
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1959 reiste der aufstrebende Publizist und Filmemacher Pier Paolo Pasolini entlang der Küste Italiens. Der Form des Stiefels folgend fährt er 3.000 Kilometer bis hinauf nach Triest. Seine außergewöhnliche Reise gilt 60 Jahre später als einzigartiges Dokument europäischer Kulturgeschichte, denn Pasolini dokumentierte seine Begegnungen mit den Menschen und ihrem Alltag. Regisseur Pepe Danquart hat Pasolinis Reise nun noch einmal unternommen, noch dazu im gleichen Auto wie damals: einem Fiat Millecento. In seinem Fokus stehen 60 Jahre später die Veränderungen und die gesellschaftlichen Umbrüche, die die Küstenregionen seit damals durchlebt haben. Allen voran der Massentourismus und die Konsumkultur, deren Anfänge bereits Pasolini dokumentiert hat. Beschreibungen einer vergangenen Zeit treffen so auf Bilder und Stimmen des heutigen Italiens.

Es ist ein Film geworden nicht nur zum Nachdenken, sondern vor allem für offene, neugierige Augen, die Lust haben am reinen Schauen, an Einstellungen, die aus sich selbst sprechen. (…) „Vor mir der Süden“ ist als Mischung aus Reisebericht und Essay ein politischer Film im guten Sinn: zum Denken anregend, ohne Vorgaben zu machen. (Peter Gutting, Programmkino)

„Vor mir der Süden“ ist also die aus einer Urlaubslaune heraus geplante Dokumentation einer Dokumentation, ein Hybrid aus Danquarts eigenen Ideen, Blicken und Regieentscheidungen, und der von Pasolini und der geographischen Form Italiens vorbestimmten Route. Und gleichzeitig das Dokument einer für immer vergangenen Zeit – denn Italien, seine Bewohner*innen und der Tourismus wurden durch Corona kurz darauf schwer gezeichnet. Die noch nicht zu erahnende Pandemie mit ihren verheerenden Folgen lässt den Film somit vom ersten Augenblick an veraltet wirken, verstärkt dabei aber auch die Sehnsucht nach diesem mythischen Ort, der vor der Pandemie bereits zerrissen, kaputt und ausgeblutet wirkt. (HfbK Hamburg)