Ich bin den Sommer über in Berlin geblieben

D 1994, Regie: Angela Schanelec, mit Isabel Karajan, Wolfgang Michael, Angela Schanelec, Tobias Lenel, 49 Min.
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Nadine, Louis, Maria, Alexander – eine Autorin im Zwist mit ihrem Verleger, ihr Ex, ein anderes Pärchen, alle sind sich gegenseitig fremdgeworden. Geplagt von Selbstzweifeln, sind sie auf der Suche nach einem Lebensinhalt und müssen aus dem, was sie vor Augen haben, wieder Interesse erlangen für das, was sie umgibt.
Angela Schanelecs dffb-Abschlussfilm Ich bin den Sommer über in Berlin geblieben von 1994 steht programmatisch für ihre Herangehensweise an filmische Sujets und Charaktere: Die Filmemacherin beobachtet ihre Charaktere, um die Beziehung zu ihnen zu verstehen. Bevor Schanelec (Silberner Bär für Regie von Ich war zuhause, aber, 2020) im Kontext der sogenannten Berliner Schule zu einer international geschätzten Vertreterin des deutschen Autorenkinos wurde, hat sie bereits von Beginn an die Grundlagen für ihre spätere Filmarbeit herausgearbeitet. Ihre Filme sind geprägt von dem Finden und Lösen zwischenmenschlicher Beziehungen und den stillen Momenten dazwischen, in denen nichts geschieht und doch ganz viel.
 

Vorfilm: Schöne gelbe Farbe | D 1991, Regie: Angela Schanelec, 5 Min.

Der Film wird gezeigt zusammen mit der ersten Studienarbeit der Filmemacherin, einem experimentellen Kurzfilm, in dem noch Godards Le Mépris nachhallt: Schöne gelbe Farbe erzählt von einer leeren Wohnung und einem unerträglich gewordenen Mitbewohner.

Die Filme laufen im Rahmen des Seminars „Filmsichtung: Angela Schanalec“ an der Universität Bremen.

„In Angela Schanelecs erstem Langfilm wird die künstlerische Arbeit explizites Thema: Der Verleger fordert mehr „Willen, sich verständlich zu machen“. Schanelec/Nadine korrigiert: „Sie meinen Erklärungen. (...) Ich möchte, dass man sich erinnert wie an eine Musik.“ (Robert Weixlbaumer, Viennale 2019)

„Die Anfänge von Schanelec erzählen auch von einer Zärtlichkeit und Vorsicht gegenüber dem ersten Blick. Sie sind bestimmt, aber behutsam. Man offenbart nicht einen frühen Blick in die Seele, der späteren Ideen und einer so genannten geschlossenen Handlung untergeordnet ist, sondern man erzählt im Beginnen von einer Annäherung an die Geschichte. Oder sind es Geschichten?“ (Patrick Holzapfel, 2017)

„Schanelec’s cinematic language has changed dramatically over the course of the last three decades. Nonetheless, fascinating lines can be drawn from her early student works such as Lovely Yellow Color and I Stayed in Berlin All Summer to her most recent film I Was Home, But […]. Schanelec’s work contains varying degrees of indirectness, consciously positioning events in the here and now on the one hand, while filtering them through the prism of abstraction, narration, and artificiality on the other.“ (Patrick Holzapfel, Harvard Filmarchiv 2020)