Olfas Töchter

F/TUN/D/SAR 2023, Regie: Kaouther Ben Hania, mit Hend Sabri, Olfa Hamrouni, Eya Chikhaoui, 110 Min., arab. OmU

Die Tunesierin Olfa, Mutter von vier Töchtern, durchlebt Höhen und Tiefen, als ihre beiden ältesten Töchter plötzlich verschwinden. „Der Wolf hat sie gefressen", erzählt Olfa der Filmemacherin Kaouther Ben Hania, die für diesen Dokumentarfilm eine ungewöhnliche Form wählt. Um die Lücken der abwesenden Töchter zu füllen, engagiert die Regisseurin zwei Schauspielerinnen, die die Rollen der verschwundenen Töchter übernehmen und mit Olfa und den zwei jüngeren Schwestern interagieren. Mit diesem Konzept will Ben Hania den Schleier über Olfas Geschichte lüften. Die filmische Reise ist intim und thematisiert Hoffnung und Rebellion, Gewalt und Schwesternschaft. 
Olfa Hamrouni wurde im April 2016 international bekannt, als sie öffentlich über die Radikalisierung ihrer beiden älteren Töchter Ghofrane und Rahma sprach. Diese hatten die Familie verlassen, um sich der Terrororganisation IS anzuschließen.

Ben Hania bezeichnet ihr Werk selbst als „ein therapeutisches Labor“. Insbesondere Olfa muss sich mit ihrem Verhalten und mit ihren Einstellungen gegenüber ihren Kindern konfrontieren (lassen). Zugleich wird deutlich, dass ganz gewiss nicht sie allein die Schuld an den Entwicklungen trägt. Der Film blickt auf experimentelle Art und Weise auf einen individuellen Fall – und macht dadurch auf die patriarchalen Machtstrukturen und auf die Gewalt im Land aufmerksam. (Andreas Köhnemann, www.kino-zeit.de)

“Four Daughters” takes us into the intimate, inner circle of family ties to tell a larger story of our time. The pain is personal, and the impact is global. (Sharon Waxman, www.thewrap.com

But almost immediately it’s apparent that the most emotive aspect of “Four Daughters” will be the way its women interact with the actors during the ostensibly unscripted moments. When “Ghofran” and “Rahma” are introduced, mother and sisters are first excited, then a little broken, by the avatars’ similarities to the real thing. … Fascinating… Sometimes provocative, sometimes moving, and sometimes, unexpectedly, very funny. (Jessica Kiang, www.variety.com