Sorry Genosse

D 2021, Regie: Vera Brückner, 94 Min.
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Im geteilten Deutschland der 1970er Jahre lernen sich Hedi und Karl-Heinz in Thüringen auf einer Familienfeier kennen und es „funkt“ sofort. Auf die anfängliche Brieffreundschaft zwischen dem westdeutschen Linksaktivisten Karl-Heinz und Hedi, der Medizinstudentin aus Thüringen, folgen Besuche. Nach ersten Treffen in Bulgarien und Tschechen entsteht ihr sehnlicher Wunsch künftig zusammenzuleben. Da Karl-Heinz sowieso vom Kapitalismus enttäuscht ist, will er in die DDR übersiedeln. Doch auch das Leben im Sozialismus hat seinen Preis. Die Stasi wird schnell auf den linksgesinnten Einwanderer aufmerksam. Ihr Angebot: Nur, wenn er als Spion in Westberlin für die Stasi arbeitet, behält er seinen Aufenthaltstitel für die DDR. Karl-Heinz lehnt ab und so kommt es zur gefährlichen Flucht von Hedi nach Westdeutschland über den Umweg über Rumänien.
Die Regisseurin Vera Brückner wurde auf die die unglaubliche Liebesgeschichte in Zeiten des kalten Krieges aufmerksam und machte daraus 50 Jahre später dieses Porträt. Der Dokumentarfilm feierte auf der Berlinale 2022 seine Premiere in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“.

Diese spielerisch erzählte Geschichte einer großen Liebe und einer aberwitzigen Flucht eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte: beide Staaten, DDR und Bundesrepublik, sind für die Protagonist*innen Fluchtgrund und Sehnsuchtsort zugleich. (www.berlinale.de)

Ganz unbekümmert und experimentell kommt die „dokumentarische Form“ daher, mit Animationen, nachgestellten Szenen und spannungsgetriebener Dramaturgie. Doch die Grenzüberschreitung in Richtung Fiktion verfällt nie in bloße Spielerei. Sie dient einzig und allein einem inhaltlichen Ziel: Die wahre Geschichte einer ungeheuerlichen Flucht soll nicht im Sumpf des Historischen stecken bleiben, sondern unterhaltsam und berührend in die Gegenwart tänzeln, aus der die heute 70-jährigen Protagonisten zurückschauen. (Peter Gutting, www.film-rezensionen.de)

Kameramann Felix Pflieger verbildlicht behutsam das Spiel mit Licht und Farbe. Musik und Tempo wechseln entsprechend der jeweiligen Handlung. So wohnt dem Film eine gewisse Unruhe inne. Neben Hedwig und Karl-Heinz Stützel sind Brigitte Ulrich, Lothar Thiel und Lisa Rumpel in weiteren Rollen zu sehen. Die temporeiche Inszenierung steckt voller Witz, Warmherzigkeit und Mitgefühl für die Protagonisten und ihre aberwitzige Geschichte. (www.zukunft-braucht-erinnerung.de)