Zweite Chance

Viele Filme sind schneller wieder aus dem Kino, als es dem Publikum lieb ist. Hier kriegen Filme und die Zuschauer*innen, die sie verpasst haben, ihre zweite Chance auf eine Begegnung im Kino.

Sie haben eine Film verpasst? Dann schreiben Sie uns Ihren Filmwunsch gerne an info@city46.de oder nutzen unser Gästebuch im Kino.

Minari – Wo wir Wurzeln schlagen

USA 2020, Regie & Buch: Lee Isaac Chung, mit Steven Yeun, Han Ye-ri, Youn Yuh-jung, Will Patton, 115 Min., OmU
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Mit großem Stolz zeigt Jacob seiner Ehefrau Monica und den Kindern Anne und David die Farm, die er im ländlichen Arkansas erworben hat. Hier soll ihr Traum in Erfüllung gehen, der sie vor zehn Jahren aus Korea nach Kalifornien geführt hat: eine selbstbestimmte Zukunft als Gemüsefarmer statt in der Geflügelindustrie angestellt wie bisher. Die Farm ist nur ein großes Wohnmobil im Nirgendwo, ziemlich hässlich und Monica nur mäßig begeistert von Jacobs Traum. Die nächste Kleinstadt für die Behandlung ihres herzkranken Sohnes ist meilenweit entfernt. Abgesehen von dem streng gläubigen Paul, der auf der Farm hilft, gibt es keine Nachbarn. Um die hart arbeitenden Eltern zu entlasten, wird bald Großmutter Soon-ja aus Korea geholt, die es mit ihrer eigenwilligen humorvollen Art schnell schafft, unersetzlich zu werden. Wie die koreanische Familie in Arkansas in den frühen achtziger Jahren ihren Platz in der Gemeinde findet und versucht, den amerikanischen Traum zu leben, erzählt Chung ganz unspektakulär und außerordentlich bewegend.
Oscar-Kandidat 2021

Nicht um einen dramatischen Clash der Kulturen geht es letztlich in „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“, sondern um die langsam wachsende Erkenntnis, das aus dem Zusammenwachsen einer koreanischen Familie mit amerikanischer Mentalität etwas neues, ganz eigenes entsteht. (Michael Meyns, Programmkino.de)

Autor und Regisseur Lee Isaac Chung, der wie der kleine David in den 1980er Jahren im ländlichen Arkansas ausgewachsen ist, hat sich für diesen Film durch autobiografische Erfahrungen inspirieren lassen. Allerdings erzählt er keinen klassischen Bildungsroman und keine Hollywood-Heldengeschichte, sondern entwirft mit viel Einfühlungsvermögen das multiperspektivische Tableau einer Familie, die – gemäß der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – nach Glück strebt, aber sehr unterschiedliche Vorstellungen davon hat. Dabei begleitet er jedes Familienmitglied mit der gleichen Empathie, niemand wird bösartig oder unsympathisch gezeigt. (FBW-Prädikat: besonders wertvoll)