21. Internationales Bremer Symposium zum Film

Kino und Kindheit
27. April – 1. Mai 2016

Universität Bremen, CITY 46

Sandra KogutDas 21. Internationale Bremer Symposium zum Film, das sich vom 27. April – 1. Mai 2016 im CITY 46 mit dem vielschichtigen Verhältnis von Kino und Kindheit befasst hat, freute sich in diesem Jahr über ein besonders großes Interesse. Drei Mal mehr Interessierte aus Wissenschaft, Filmvermittlung und Produktion als im Vorjahr kamen aus ganz Deutschland nach Bremen. Mit ihrer abwechslungsreichen Mischung aus kurzen und langen Vorträgen, Diskussionen und Filmprogrammen zog die Veranstaltung über 1200 Besucher ins Kommunale Kino CITY 46. 

12 internationale Filmraritäten luden zum Entdecken ein und zeigten ein spannendes Kaleidoskop an Kindheiten – vom Beginn der Filmgeschichte bis in die Gegenwart und in verschiedenen Formen, von fiktional bis hin zu experimentell oder dokumentarisch. Alain BergalaDarunter befanden sich viele Raritäten der Filmgeschichte, die nur selten auf der Leinwand zu erleben sind. Mit der Verzahnung von Forschung und Filmkultur in Form von Vortragsprogramm plus Beispielen aus der Filmpraxis stieß die Konferenz sowohl bei Fachbesuchern als auch das Kinopublikum auf großes Interesse. „Das Kino als Veranstaltungsort schafft eine außergewöhnliche Atmosphäre für eine Konferenz und ermöglicht einen interessanten Austausch zwischen Kino- und Fachpublikum“, lobten die Gäste. Auch die Gelegenheit, die besprochenen Filme nach den Vorträgen in voller Länge auf der großen Leinwand sehen zu können, wurde sehr gut angenommen. 

In drei Foren wurden verschiedene Aspekte vom Kino und Kindheit diskutiert: Zwölf internationale Referent_innen gaben in 20-minütigen Kurzvorträgen einen Einblick in ihre Forschung und regten lebhafte Diskussionen an. Bettina Henzler (Bremen), Karen Lury (Glasgow) und Alain Bergala (Paris) gaben in ihren Hauptvorträgen Einblicke in verschiedene Facetten des Themas Kindheit bzw. Kinder im Film. Ein besonderer Höhepunkt war der Film „Mutum“ (BRA/F 2007), nach dessen Vorführung die eigens aus Rio de Janeiro angereiste Regisseurin Sandra Kogut einem begeisterten Publikum von den Dreharbeiten mit Kindern erzählte.

Karen LuryDas gemischte Publikum aus Fachbesuchern und Kinofans hatte genug Ausdauer für die fünf Tage: Konstante Besucherzahlen und eine lebendige Atmosphäre bis zum Ausklang am Sonntagnachmittag bei Charlie Chaplins Stummfilmklassiker „The Kid“ (USA 1921) lassen die Veranstalter – Universität Bremen und Bremer Kommunalkino / CITY 46 – zufrieden zurückblicken.

Fotos: Klaas Dierks

 

 

 

In Kooperation mit

Université de Paris - Sorbonne Nouvelle Paris 3Österreichisches Filmmuseum Wien

 

21. Internationales Bremer Symposium zum Film

Kino und Kindheit

27. April – 1. Mai 2016

Universität Bremen, CITY 46

 

Kindheit ist – neben Liebe und Tod – eines der universellen Themen des Kinos. Schon früh wurden Kinder als attraktive Filmprotagonisten entdeckt und zugleich über die Verwandtschaft des Films mit der Kindheit nachgedacht. Filme sind Ausdruck von Kindheitserinnerungen und prägen den Blick auf die Kindheit. Sie entwerfen Bilder von Kindern und bieten Kindern andererseits auch die Möglichkeit, sich selbst mittels einer Kamera darzustellen.

Das 21. Internationale Bremer Symposium zum Film befasst sich in diesem Jahr mit dem vielschichtigen Verhältnis von Kino und Kindheit. 17 internationale Fachleute aus Wissenschaft, Vermittlung und Produktion diskutieren mit dem Publikum, wie Kinder und Kindheit in der filmischen Ästhetik und Kulturgeschichte vermittelt werden. Zu den Gästen zählen die vielfach preisgekrönte brasilianische Regisseurin Sandra Kogut, Matthias Müller, der in seinen Experimentalfilmen und Video-Installationen zu Kino- und Filmerfahrung gearbeitet hat; die englische Filmwissenschaftlerin Karen Lury, die international einschlägige Bücher zum Thema publiziert hat, und der französische Autor und Kurator Alain Bergala, der 2006 mit seinem Essay zur Filmvermittlung Kino als Kunst in Deutschland bekannt wurde. Flankiert werden die Vorträge, Gespräche und Diskussionen durch ein ausgewähltes Filmprogramm, das ein Kaleidoskop an Kindheiten zeigt – vom Beginn der Filmgeschichte bis in die Gegenwart, von allen Kontinenten und in verschiedenen Formen, experimentell, dokumentarisch und fiktional. Mit dieser Mischung aus Forschung und Filmkultur spricht die Konferenz sowohl Fachbesucher als auch das Kinopublikum an.

Zum Auftakt am Mittwochabend lädt der Essayfilm A Story of Children and Film (GB 2013) des britischen Journalisten und Filmemachers Mark Cousins zu einer Reise durch die Geschichte der Kindheit im Film ein. Bettina Henzler (Universität Bremen) wird in ihrem Vortrag am Donnerstag eine Einführung in die vielfältigen Bezüge von Kindheit und Film geben und die thematischen Schwerpunkte des Symposiums vorstellen, die neue Wege in der Forschung weisen.

 

Fokus 1 – Das Kind als Figur und SchauspielerMutum

Der erste Fokus widmet sich Kinderfiguren und Kinderbildern. Zum einen geht es um die Frage, welche Bilder von Kindern und Kindheit in Filmen konstruiert werden: im Disney-Animationsfilm, im russischen Kino der Stalinzeit oder auch in dokumentarischen Filmen wie Beppie (NL 1965, R: Johan van der Keuken). Zum anderen wird analysiert, wie Kinder als Schauspieler ihre Filmfiguren gestalten. Untersucht werden die Darstellungen von Kindern in Filmen wie dem iranischen, semidokumentarischen The Apple (IRN 1998, R: Samira Makhmalbaf) oder im chinesischen Internatsfilm Little Red Flowers (CHN 2006, R: Zhang Yuan), die vom Freiheitsdrang von in der Familie oder in Institutionen „gefangenen“ Kinder erzählen. Die britische Filmwissenschaftlerin Karen Lury (Glasgow) wird sich in ihrem Vortrag zu Little Red Flowers der Frage widmen, ob Kinder in Filmen schauspielern oder nicht und wie Erwachsene dies wahrnehmen. Im Gespräch mit Sandra Kogut wird auch über die praktische Seite der Arbeit mit Kindern als Laiendarstellern diskutiert. Sie stellt ihren Film Mutum (BRA/F 2007, R: Sandra Kogut) erstmals in Bremen vor, der das brasilianische Landleben aus der Perspektive eines Kindes erzählt.

 

Little Fugitive

Fokus 2 - Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive

Zum Zweiten geht es um Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive. Von der Stummfilmzeit über den italienischen Neorealismus bis hin zu Avantgardefilmen von Stan Brakhage werden Filme diskutiert, die die Wahrnehmung und Perspektive von Kindern widerspiegeln und konstruieren. Dabei geht es auch um die Frage, inwiefern sich filmästhetische Theorien auf den Begriff der Kindheit beziehen. Film-Highlights sind Little Fugitive (USA 1953, R: Morris Engel), der in der Ästhetik der Dokumentarfotografie einen kleinen Ausreißer im New Yorker Vergnügungspark Coney Island begleitet, und Visages d‘enfants (CH 1925, R: Jacques Feyder), einem der ersten Filme, der eine Geschichte aus der kindlichen Perspektive erzählt – live begleitet von Joachim Bärenz (Bochum).

 

Fokus 3 - Kindheit und Regie

Drittens steht das Filmschaffen auf dem Programm. Die Aufmerksamkeit gilt einerseits den Kindern als Zuschauern und Filmschaffenden: Auf welche Weise wird das Kino in den zeitgenössischen digitalen Praktiken von Kindern neu erfunden, die das Sehen, Programmieren und Machen von Filmen verbinden? Welche Bildungsprozesse zeigen sich in von Kindern gedrehten Filmen? Zudem geht es um die Rolle der Kindheit in der Praxis erwachsener Filmschaffender: Der renommierte Godard-Experte Alain Bergala (Paris) wird die Ästhetik des Spiels in Jean-Luc Godards Klassiker Pierrot le fou (F 1965) untersuchen und die Frage diskutieren, ob es Kindheit auch in Filmen auch ohne Kinder als Protagonisten geben kann. Der Filmschaffende Matthias Müller (Köln) präsentiert ein Programm mit Experimentalfilmen zu Biografie und Kindheit.

 

Der Sonntag steht ganz im Zeichen des Kinos: In Der Sonne nach (UdSSR 1961, R: Michail Kalik) begleitet die Kamera in poetischen Bildern einen kleinen Jungen auf seiner Reise um die Welt. In Das goldene Ding (BRD 1972, R: Edgar Reitz, Ula Stöckl) geht eine Gruppe Kinder als Argonauten auf die Suche nach dem Goldenen Vlies. Schlusspunkt ist ein Stummfilm für die ganze Familie: Charles Chaplin trifft auf The Kid (USA 1921), live begleitet von Ezzat Nashashibi (Bremen).

 

Das Bremer Filmsymposium wird seit 1995 als Kooperation des CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der Universität Bremen veranstaltet. Seit 2002 unterstützt die nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH das Projekt. Das diesjährige Konzept entstand im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts zu „Filmästhetik und Kindheit“.

 


ENGLISH VERSION

Cinema and Childhood / English version

Cover program

Cinema and Childhood

21st International Bremen Film Conference

Next to love and death, childhood is one of the universal topics of cinema. Films determine the view on childhood and allow children to present themselves – different than in other media. Films convey an experience of childhood and can put us into the perspective of child figures. Films are also an expression of childhood memories: of those who make films as well as of those who are watching films as children and are influenced by them.

The 21st International Bremen Film Conference (April 27th until May 1st, 2016) focuses on the relation between cinema and childhood. International experts from science, mediation and production will discuss with the audience how children and childhood are presented in film aesthetics and cultural history. They will introduce current positions on the three main focuses: child figures in film, childhood as the spectators’ experience and point of view; and the role of childhood in the production process. This year, the conference‘s concept has been developed in the context of the DFG-funded research project „Film Aesthetics and Childhood“.

The topic of child figures deals with the construction of images of children and childhood in films, as well as with child actors who embody and shape film figures. As to the question of childhood as spectator’s experience and point of view we will discuss films conveying the perception and perspective of children. This also includes film-aesthetic theories referring to the gaze of the child. The question of the role of childhood in the production process brings us to those producing films, whether children or adults. How do contemporary digital practices of children re-invent cinema and which educational processes are reflected in films made by children? But also adult filmmakers refer to the experience of childhood – either as biographic memory or as aesthetic strategy of play.

The various films framed by the lectures and discussions show a kaleidoscope of various childhoods from the beginnings of film history to the present, from all continents and of different aesthetics – experimental, documentary and fictional.

 


PROGRAMM

Filme und Vorträge finden in Kino 1, die Foren finden in Kino 2 statt.

 

Mittwoch, 27.04.2016

20:00

A Story of Children and Film // GB 2013, R: Mark Cousins, 102 Min. * mit Einführung

Donnerstag, 28.04.2016

10:00

Forum 1: Kinderfiguren - Kinderbilder
// „You got to put your behind in the past“: Zu queeren Zeitlichkeiten in filmischen Inszenierungen von Kindheit // Christian Stewen (Bochum)
// Die Figur des Kindes im sowjetischen Kino der Stalinzeit // Michael Brodski (Mainz)
// Model Childhood – Rebel Childhood. The Depiction of Childhood in Institutional and Author Documentary Film (1945-1965) // Christian Bonah, Joël Danet (Strasbourg)
// Performing History: Childhood and „The Apple“ (Samira Makhmalbaf, Iran 1998) // Margherita Sprio (London)

14:00

Beppie // NL 1965, R: Johan van der Keuken, 37 Min. * Mit Einführung
The Apple - Sib // IRN 1998, R: Samirah Makhmalbaf, 86 Min. * Mit Einführung

16:30

Čelovek idet za solncem - Der Sonne nach // UdSSR 1961, R: Michail Kalik, 72 Min. entfällt
Der Wolfsjunge // F 1969, R: François Truffaut, 81 Min.

19:00

Einführungsvortrag: Bettina Henzler (Bremen)

20:30

Mutum // BR/F 2007, R: Sandra Kogut, 95 Min. * Einführung und Gespräch mit der Regisseurin Sandra Kogut, Film zum Einführungsvortrag

Freitag, 29.04.2016

10:00

Forum 2: Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive
// „Die Kinder sehen die Welt in Großaufnahmen“: Der kinematographische Blick des Kindes (und auf das Kind) in klassischer Filmtheorie und Filmschaffen vor 1930 // Daniel Wiegand (Stockholm)
// „Kinder sehen uns an“ – und lassen uns sehen. Die Konstruktion kindlicher Perspektivfiguren im Italienischen Neorealismus // Gerrit Althüser (Münster)
// Mit der linken Hand sehen. Utopie der Moderne und kindlicher Blick // Alejandro Bachmann (Wien)
// An Adventure of Perception. Kindheit im Avantgardefilm von Stan Brakhage // Stefanie Schlüter (Berlin)

14:30

Little Fugitive // USA 1953, R: Morris Engel, Ruth Orkin, Ray Ashley, 80 Min. * Mit Einführung, Film zu Forum 2

16:00

Vortrag 2: The “Involuntary Dance”: Child Actors, Fidgeting and Authenticity // Karen Lury (Glasgow)

19:00

Kan shang qu hen mei - Little Red Flowers // CHN 2006, R: Zhang Yuan, 92 Min. * Mit Einführung, Film zu Vortrag 2

20:30

Visages d’enfants - Kindergesichter // CH 1925, R: Jacques Feyder, 117 Min, Stummfilmkonzert mit Livemusik-Begleitung * Mit Einführung

Samstag, 30.04.2016

10:00

Forum 3: Kinder als Zuschauer und Produzenten
// Ipad – the Movie, or The Reinvention of Cinema // Alexandra Schneider (Mainz)
// Do-It-Yourself Cinema of Today’s Children // Wanda Strauven (Frankfurt/Amsterdam)
// Budding Poachers. Italian Children and the Restoration of Cinematic Experience // Mariagrazia Fanchi (Milano)
// Childhood Images in Films Made by Children. Based on Experiences from the Film Education Project Cinema en curs // Núria Aidelman, Laia Colell (Barcelona)

14:30

Pierrot le fou // F 1965, R: Jean-Luc Godard, 110 Min. * Mit Einführung

16:30

Vortrag 3: Der filmische Schaffensprozess und das Spiel in der Kindheit // Alain Bergala (Paris) * in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung

20:30

das möchte manchmal jeder, zu werden noch ein kind // Kurzfilmprogramm zu Biografie und Kindheit, kuratiert von Matthias Müller (Köln)

22:30

E.T. the Extraterrestrial // USA 1982, R: Steven Spielberg, 115 Min.

Sonntag, 01.05.2016

11:00

Čelovek idet za solncem - Der Sonne nach // UdSSR 1961, R: Michail Kalik, 72 Min. * Mit Einführung (entfällt)
Little Fugitive // USA 1953, R: Morris Engel, Ruth Orkin, Ray Ashley, 80 Min.

13:30

Das goldene Ding // BRD 1972, R: Edgar Reitz, Ula Stöckl, Alf Brustellin, Nikos Perakis, 113 Min. * Mit Einführung

16:00

The Kid // USA 1921, R: Charles Chaplin, 60 Min., Stummfilmkonzert mit Livemusik-Begleitung * Mit Action & Fun

 

Änderungen vorbehalten


VORTRÄGE UND FOREN

Vorträge (Kino 1)

 

Bettina Henzler (Bremen): Vortrag 1 zur Einführung: Kino, Kindheit, Filmästhetik
// Do., 28.04 / 19:00 * in deutscher Sprache

 

Karen Lury (Glasgow): Vortrag 2: The “Involuntary Dance”: Child Actors, Fidgeting and Authenticity
// Fr., 29.04. / 16:00 * in englischer Sprache

 

Alain Bergala (Paris): Vortrag 3: Der filmische Schaffensprozess und das Spiel in der Kindheit
// Sa., 30.04. / 16:30 * in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung

 

 

Foren (Kino 2)

 

In den Foren werden aktuelle wissenschaftliche Beiträge diskutiert. Interessiertes Publikum ist herzlich willkommen. Eintritt frei. Kurzdarstellungen zu den Foren finden Sie hier.

 

Donnerstag, 28.04.2016

10:00 Uhr: Forum 1: Kinderfiguren - Kinderbilder

  // „You got to put your behind in the past“
      Zu queeren Zeitlichkeiten in filmischen Inszenierungen von Kindheit
      Christian Stewen (Bochum)
  // Die Figur des Kindes im sowjetischen Kino der Stalinzeit
      Michael Brodski (Mainz)
  // Model Childhood – Rebel Childhood. The Depiction of Childhood in Institutional and Author
      Documentary Film (1945-1965)
      Christian Bonah, Joël Danet (Strasbourg)
  // Performing History: Childhood and „The Apple“ (Samira Makhmalbaf, Iran 1998)
      Margherita Sprio (London)

Freitag, 29.04.2016

10:00 Uhr: Forum 2: Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive

  // „Die Kinder sehen die Welt in Großaufnahmen“:
      Der kinematographische Blick des Kindes (und auf das Kind) in klassischer
      Filmtheorie und Filmschaffen vor 1930
      Daniel Wiegand (Stockholm)
  // „Kinder sehen uns an“ – und lassen uns sehen.
      Die Konstruktion kindlicher Perspektivfiguren im Italienischen Neorealismus.
      Gerrit Althüser (Münster)
  // Mit der linken Hand sehen. Utopie der Moderne und kindlicher Blick
      Alejandro Bachmann (Wien)
  // An Adventure of Perception. Kindheit im Avantgardefilm von Stan Brakhage
      Stefanie Schlüter (Berlin). Ein Ausschnitt aus Stan Brakhages Film "Scenes from Under    
      Childhood" wird im Anschluss an den Vortrag gezeigt.

Samstag, 30.04.2016

10:00 Uhr: Forum 3: Kinder als Zuschauer und Produzenten

  // Ipad – the Movie, or The Reinvention of Cinema
      Alexandra Schneider (Mainz)
  // Do-It-Yourself Cinema of Today’s Children
      Wanda Strauven (Frankfurt/Amsterdam)
  // Budding Poachers.
      Italian Children and the Restoration of Cinematic Experience
      Mariagrazia Fanchi (Milano)
  // Childhood Images in Films Made by Children.
      Based on Experiences from the Film Education Project Cinema en curs
      Núria Aidelman (Barcelona)

 


DIE FILME

Mi. 27.04. / 20:00 * mit Einführung

A Story of Children and Film

Von Der rote Ballon bis zu E.T.: Der Filmkritiker und Dokumentarfilmer Mark Cousins nimmt uns mit auf eine Reise durch die Filmgeschichte aus 53 Filmen und 25 Ländern. A Story of Children and Film ist der erste Film, der sich mit Kindheit und Kindern im globalen Kino befasst. Passioniert und poetisch porträtiert er die Abenteuer der Kindheit in ihren surrealistischen, einsamen, lustigen, zerstörerischen und widerspenstigen Facetten. In seinem Essayfilm untersucht Cousins, was uns das Kino über Kindheit und Kindheit über das Kino erzählt. Kurze Ausschnitte lassen uns bekannten und unbekannten Filmen begegnen, die Lust auf Kino machen. Cousins' Film verbindet filmwissenschaftliche Fragen mit dem Spaß am Kino und eröffnet das diesjährige Symposium.

GB 2013, Regie: Mark Cousins, 102 Min., OF

Do. 28.04. / 14:00 * mit Einführung von Christian Bonah und Joël Danet

Beppie

Die kleine Beppie ist ein aufgewecktes und geselliges Mädchen aus Amsterdam. Mit frischem Witz und frechem Charme erzählt sie von ihrem Leben in der elfköpfigen Familie, den Freundinnen auf der Straße oder ihren Problemen in der Schule. Der niederländische Essayist Johan van der Keuken begegnete Beppie in seinem damaligen Wohnviertel und machte sie zur Hauptfigur einer Sozialstudie. Er experimentierte in seinen Filmen mit den Grenzen des Dokumentarfilms, um neue persönliche Sichtweisen auf die Welt zu zeigen – hier die Sicht des Mädchens Beppie.

NL 1965, Regie und Drehbuch: Johan van der Keuken, 37 Min., OmU

Film zum Kurzvortrag Model Childhood – Rebel Childhood: The Depiction of Childhood in Institutional and Author Documentary Film (1945-1965) von Christian Bonah und Joël Danet in Forum 1 "Kinderbilder –Kinderfiguren", Do. 28.4. / 11:40

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

Do. 28.4. / 14:00 (Vorfilm: BEPPIE) * mit Einführung von Margherita Sprio

The Apple

Die Zwillingsschwestern Massoumeh und Zahra werden von ihren Eltern für elf Jahre eingesperrt. Die Mutter ist blind, der Vater arbeitslos und sie wollen ihre Töchter vor der harten Realität schützen. Das Jugendamt wird auf den Fall aufmerksam und die zwei werden befreit. Zum ersten Mal auf der Straße in Teheran unterwegs, entdecken sie mit strahlenden Augen ihre Außenwelt. The Apple ist die Verfilmung eines realen Falls. Der damals erst 17-jährigen Samira Makhmalbaf, Tochter des iranischen Filmemachers Mohsen Makhmalbaf, gelang es, die Familie für ihren Debütfilm zu gewinnen. Vier Tage nach dem Bekanntwerden des tatsächlichen Falls begannen die Dreharbeiten. Anders als die mediale Berichterstattung, verzichtet der Film auf eine Vorverurteilung, sondern ergründet mit Geduld und sensibler Kamera, die Schuld der Eltern und die Entwicklung der Kinder. Verspielt und wundervoll kadriert, entwirft Samira Makhmalbaf in der Tradition des iranischen Kinos ein komplexes Wechselspiel aus dokumentarischer Realität und Fiktion.

IRN / F 1998, Regie und Drehbuch: Samira Makhmalbaf, 86 Min., OmengU

Film zum Kurzvortrag Performing History: Childhood and The Apple von Margherita Sprio in Forum 1 "Kinderbilder –Kinderfiguren", Do. 28.4. / 12:25

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

Do. 28.04. / 20:30 * im Anschluss findet ein Gespräch mit der Regisseurin statt (in englischer Sprache)

Mutum

Mutum heißt ein exotischer Vogel, der nur in der Nacht singt. Und Mutum ist der Name einer abgeschiedenen Region im brasilianischen Hinterland von Minas Gerais, wo Thiago mit seiner Familie lebt. Thiago ist zehn Jahre alt und anders als die anderen Kinder. Der kleine Junge verbringt Stunden damit, die Welt der Erwachsenen zu beobachten. Und er sieht dabei eine Welt voller Gewalt und trügerischer Stille, die er nicht begreift. Was er nicht versteht, ersetzt der sensible Junge durch seine rege Phantasie. Regisseurin Sandra Kogut lenkt in ihrem Spielfilmdebüt den Blick auf kleine Details des Landlebens und erzählt vom Erwachsenwerden aus der Perspektive eines Jungen. Für ihre Recherche lebte sie mehrere Monate vor Ort und castete dort auch die Laiendarsteller.

Schwarzer Vogel, stilles Kind, F/BRA 2007, Regie: Sandra Kogut, mit Thiago da Silva Mariz, Wallison Felipe Leal Barroso, 95 Min., portug. OmengU

Film zum Vortrag "Kino, Kindheit, Filmästhetik" von Bettina Henzler (Bremen),  Do., 28.04 / 19:00 * in deutscher Sprache

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

entfällt

Der Sonne nach

Einfach immer der Sonne nach! So möchte ein 5-jähriger Junge die Welt umrunden. Er schlendert durch die Straßen seiner Heimatstadt und betrachtet arglos und neugierig die Welt rundherum, oft durch ein buntes Glas. Auf seiner Reise trifft er Frauen und Männer, Alte und Junge, allesamt Sowjetbürger wie er: einen beinlosen Schuhputzer, der den Fußball liebt, Trauernde, einen Lastwagenfahrer, Sportler. Mit seinem poetischen Stil schuf Michail Kalik ein Kunstwerk aus malerischen Farb- und Lichtkonstellationen, Musik und Bewegung. Kalik (geb. 1927) ist ein zu Unrecht fast vergessener Vertreter des modernen sowjetischen Kinos. Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln und seiner kritischen Filme geriet er mit dem System in Konflikt und emigrierte schließlich nach Israel.

Čelovek idet za solncem, UdSSR 1961, Regie: Michail Kalik, mit Nika Krimnus, Tatyana Bestayeva, 72 Min., OmU

Do. 28.4. / 16:30

Der Wolfsjunge

Südfrankreich um das Jahr 1800 herum: Entsetzt bemerkt eine Frau einen nackten Jungen (Jean-Pierre Cargol), der sich im Wald wie ein Tier im Unterholz bewegt. Dorfbewohner ergreifen das Kind, das isoliert von menschlichen Kontakten unter Wölfen aufgewachsen ist. Sie halten den Jungen in einer Scheune gefangen, wo er den Blicken und dem Gelächter der Dorfbewohner ausgesetzt ist. Als der junge Pariser Arzt Dr. Jean Itard (François Truffaut) von der Entdeckung erfährt, will er den Kleinen sofort untersuchen. Gemeinsam mit dem Leiter des Taubstummeninstituts Professor Philippe Pinel (Jean Dasté) findet er heraus, dass der junge in jungen Jahren von seinen Eltern im Wald ausgesetzt worden sein muss, nachdem diese versuchten, ihm die Kehle durchzuschneiden. Auch im Institut ist der Wolfsjunge, der Victor genannt wird, nicht von Feindseligkeiten und Zurschaustellung sicher.

L'enfant sauvage, F 1969, Regie: François Truffaut, 81 Min., englische Fassung mit deutschen Untertiteln

Fr. 29.4. / 14:30 * mit Einführung von Alejandro Bachmann
So. 1.5. / 11:00

Little Fugitive

Der siebenjährige Joey glaubt, er habe seinen älteren Bruder Lenny erschossen und flieht in den legendären New Yorker Vergnügungspark Coney Island. Joey lässt sich durch den Trubel des Parks am Meer treiben, verdient sein Geld als Flaschensammler am Strand und freundet sich mit dem Schausteller beim Ponyreiten an. Beeinflusst durch die zeitgenössische Dokumentarfotografie verbindet der Film einen dokumentarischen Blick auf Jahrmarkt und Strandleben der 1950er Jahre mit den Abenteuern des kleinen Joey. Der Zuschauerblick wird durch präzise komponierte, atmosphärische Schwarz-Weiß-Bilder eingefangen. Laut François Truffaut hätte es ohne diesen Film die Nouvelle Vague nicht gegeben. 

Der kleine Ausreißer, USA 1953, Regie und Drehbuch: Morris Engel, Ray Ashley und Ruth Orkin, mit Richie Andrusco, Rickie Brewster, 80 Min., OF

Film zum Kurzvortrag Mit der linken Hand sehen. Utopie der Moderne und kindlicher Blick von Alejandro Bachmann in Forum 2 "Kindheit als Zuschauererfahrung und Perspektive", Fr. 29.4. / 11:40

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

Fr. 29.04. / 19:00 * mit Einführung von Karen Lury

Little Red Flowers

Beijing, Ende der 1940er Jahre: Qiang ist vier Jahre alt und ein kleiner Rebell. Er besucht einen gut organisierten Kindergarten, der die Kinder zu braven Mitgliedern der Gesellschaft machen soll. Qiang fällt es sehr schwer, den strengen Erzieherinnen zu folgen. Dabei sehnt er sich doch so sehr nach der Belohnung, die stets andere Kinder erhalten: die kleinen roten Blumen, die für gutes Betragen verliehen werden. Zhang Yuan zeigt am Mikrokosmos eines Kindes im Kindergarten, wie schwierig es für Individualisten ist, sich in das streng organisierte Gemeinschaftsleben Chinas einzufügen. Wegen seiner deutlichen Kritik an den Lebensumständen in China hat Yuan immer wieder mit staatlichen Repressionen zu kämpfen.

Mit freundlicher Unterstützung des Konfuzius-Institut Bremen e.V.

Kan Shang Qu Hen Mei, CHN/IT 2006, Regie: Zhang Yuan, mit Dong Bowen, Zhao Rui, 92 Min, OmengU

Film zum Vortrag " The “Involuntary Dance”: Child Actors, Fidgeting and Authenticity" von Karen Lury (Glasgow),  Fr., 29.04 / 16:00 * in englischer Sprache

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

Fr. 29.04. / 20:30 * mit Einführung von Daniel Wiegand * mit Livemusik-Begleitung durch Joachim Bärenz

Visages d'enfants

Als sein Vater bald nach dem Tod der Mutter wieder heiratet, empfindet Jean tiefen Hass für den Familienzuwachs. Obwohl sich die warmherzige Jeanne als Stiefmutter um Jeans Zuneigung bemüht, verhält er sich ihr gegenüber ablehnend. Um seine Stiefschwester Arlette loszuwerden, schickt er sie eines Nachts hinaus, um ihre verlorene Puppe im Schnee der Schweizer Alpen zu suchen. Als sie nicht zurückkehrt, beichtet Jean alles seinem Vater. Jacques Feyders visionäres Meisterwerk des Stummfilms überzeugt damals wie heute durch viele technische Innovationen. Nachtaufnahmen und shooting on location im Schweizer Ober-Wallis waren nicht üblich und voller Reiz. Auch Drehbuch und Kameraführung waren für die Zeit wegweisend: Die Geschichte ist aus der Perspektive des Kindes erzählt. Daniel Wiegand setzt Visages d'enfants im Forum 2 am Vormittag mit der Filmtheorie von Béla Balázs in Beziehung.

Kindergesichter, F/CH 1923, Regie und Drehbuch: Jacques Feyder, mit Victor Vina, Jean Forest, Rachel Devirys, 114 Min., OF

Film zum Kurzvortrag „Die Kinder sehen die Welt in Großaufnahmen“: Der kinematographische Blick des Kindes (und auf das Kind) in klassischer Filmtheorie und Filmschaffen vor 1930 von Daniel Wiegand (Stockholm),  Fr., 29.04 / 10:00 * in deutscher Sprache

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

Sa. 30.04. / 14:30 * mit Einführung von Alain Bergala

Pierrot le fou

Möchtegernschriftsteller Ferdinand entflieht mit seiner Ex-Geliebten Marianne aus seinem bürgerlichen Leben. Marianne wird wegen Mordes gesucht und sie rauben sich durch Frankreich, bis sie Zuflucht auf einer einsamen Mittelmeer-Insel finden. Es geht um die Suche nach Glück in der Freiheit, um das Lossagen von jeglicher Vernunft, zugunsten der Poesie. Der Trip durch Frankreich ist auch ein Trip durch die Filmgeschichte. Begleitet von Raoul Coutards brillanter Kameraführung und der sublimen Musik Antoine Duhamels improvisierte Godard die Geschichte eines zum Scheitern verurteilten Paares gemeinsam mit den Hauptdarstellern Jean-Paul Belmondo und Anna Karina und schuf einen der erfolgreichsten Filme der Nouvelle Vague. Der Godard-Experte Alain Bergala wird im Anschluss an den Film die Ästhetik des Spiels in Pierrot le fou untersuchen und über Kindheit in Filmen ohne Kinderfiguren sprechen.

F/I 1965, Regie und Drehbuch: Jean-Luc Godard, mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina, 110 Min., OmU

Film zum Vortrag "Der filmische Schaffensprozess und das Spiel in der Kindheit" von Alain Bergala (Paris),  Sa., 30.04 / 16:30 * in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung

Eine Kurzdarstellung des Vortragsthemas finden Sie hier.

Sa. 30.04. / 20:30 * mit Einführung und Gespräch mit Matthias Müller, dem Kurator des Programms

das möchte manchmal jeder, zu werden noch ein kind

„Der Blick des Found-Footage-Filmemachers ist oft verknüpft mit dem Impuls, Verlorenes wiederzuerlangen und Vergangenes zu vergegenwärtigen. Ist die Kindheit das Objekt dieser Sehnsucht, stellt sich dieser Gegenstand aus dem zeitlichen Abstand als einer dar, um den sich Ungewissheiten, Lügen und sentimentale Verklärung ranken. Die Untersuchung von Kindheitsdarstellungen im Film führt immer wieder auch in einen Bereich prekärer Blickregimes, von Anmaßung, Ausbeutung und Missbrauch.“ (Matthias Müller)

Matthias Müller hat ein Kurzfilmprogramm zu (biografischen) Rückblicken auf die Kindheit zusammengestellt – mit einer Reihe rarer Filme aus eigener und fremder Produktion. Er wird die Filme selbst vorstellen und anschließend zu einem Publikumsgespräch zur Verfügung stehen. In Par Desmit Minutem Vecaks (Ten Minutes Older) scheint die Kamera ihr Sujet, heimlich gefilmte Kindergesichter im Affekt, bannen und fixieren zu wollen. Fast 50 Jahre nachdem sie in einer psychiatrischen Institution für Kinder gefilmt worden ist, kommentiert eine der Patientinnen in Scrapbook die alten Bilder. Die hermetische, mit reduzierter Farbpalette dargestellte 60er-Jahre-Welt von Alpsee scheint nur von einem Jungen und dessen Mutter bewohnt. In Ernst Jandls „gedichte an die kindheit“ verschränken sich Kindheits- und Todessehnsucht: in nebel begleiten Bilder die Worte des Dichters wie Seelenverwandte. Stoisch blickt der Junge in Nero auf die in Flammen stehende Erwachsenenwelt, während die Knaben in Meteor aus der bedrückenden Enge des Kinderzimmers in die Weiten des Weltalls aufbrechen.

Die Filme:
Nero, D 2006, Christoph Girardet, 2:35 Min. (Loop)
Par Desmit Minutem Vecaks (Ten Minutes Older), LIT 1978, Herz Frank, 10 Min.
Alpsee, D 1994, Matthias Müller, 15 Min.
nebel, D/A/LUX 2000, Matthias Müller, 12 Min.
Scrapbook, CDN 2015, Mike Hoolboom, 18:45 Min.
Meteor, D 2011, Christoph Girardet & Matthias Müller, Stimme: John Smith, Musik: Giacomo Puccini, 15 Min.


Sa. 30.04. / 22:30

E.T. the Extra-Terrestrial

Das kleine hässliche Wesen, das der Junge Elliott findet, entpuppt sich als ein auf der Erde zurückgelassener Außerirdischer. Elliott versteckt seinen ungewöhnlichen Freund, genannt E.T., vor der Welt der Erwachsenen. Doch um sein Leben zu retten, muss Elliott Kontakt zu E.T.s Planeten herstellen. „Spielbergs Film hat eine Kinderwelt aufgebaut, deren unausgesprochene Ängste und eher unbewusste Einsamkeiten sich im Kinderzimmer verschanzen. Und er hat sie aus der Kinderperspektive beobachtet. So wie die Jäger von E.T. so groß sind, dass man sie nur bis zu den Hüften sieht, [...] so ist auch die Welt außerhalb des Kinderzimmers seltsam starr und fremd und seltsam bedrohlich belebt in einem.“ (Der Spiegel, 20.12.1982) Steven Spielberg schuf 1982 mit dem Science-Fiction-Kinderfilm einen der erfolgreichsten Filme der Kinogeschichte, der bis heute Kult-Status hat.

(E.T. – Der Außerirdische), USA 1982, Regie: Steven Spielberg, mit Henry Thomas, Drew Barrymore, 115 Min., OF

⇒ Kritik im SPIEGEL vom 20.12.1982: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14357527.html

So. 1.5. // 13:30 * mit Einführung von Bettina Henzler

Das goldene Ding

Der elfjährige Jason und mit ihm Herakles, Orpheus und andere Königssöhne Griechenlands begeben sich mit dem Schiff Argo auf eine Reise. Sie wollen das legendäre Goldene Ding finden. Die Regisseure Edgar Reitz (Heimat), Ula Stöckl, Alf Brustellin und Nikos Perakis besetzten die Abenteurer, historischen Quellen folgend, mit Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren. Die berühmte Seefahrt der griechischen Mythologie sollte darüber einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. „Es ist ein gelungenes Beispiel für die Kunst, ein antikes Thema ohne Krampf zu popularisieren,“ urteilte damals Der Spiegel. Das Filmsymposium bringt den seltenen Filmschatz des Neuen deutschen Films auf die große Leinwand. 

BRD 1972, Regie: Edgar Reitz, Ula Stöckl, Alf Brustellin, Nikos Perakis, mit Christian Reitz und Wolfgang Heinz, 113 Min., OF, ab 12 Jahre

⇒ Kritik im SPIEGEL vom 10.01.1972: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43019417.html

So. 1.5. / 16:00 * mit Livemusik-Begleitung durch Ezzat Nashashibi und Einführung
* im Anschluss: action&fun für die Familie

The Kid

Der Tramp Charlie findet in den Londoner Slums ein ausgesetztes Baby und übernimmt – zunächst widerstrebend, dann mit Hingabe – die Rolle des Pflegevaters. In der Zwischenzeit macht die Mutter des Kindes Karriere als Schauspielerin. Sie möchte sich nun, da sie das nötige Geld hat, selber um ihren Sohn kümmern. Für Charlie und „seinen Sohn“ scheint die Stunde der Trennung gekommen zu sein. In einem der ersten Filme mit einer kindlichen Hauptfigur, verarbeitete Chaplin seine eigenen traumatischen Kindheitserfahrungen im Armenhaus. Hauptdarsteller Jackie Coogan wurde zu einem der ersten Kinderstars der Filmgeschichte. „Charles Chaplins erster Langfilm, der Stummfilmklassiker The Kid, ist eine kunstvolle Verschmelzung eines berührenden Dramas, mit sozialem Bezug und einfallsreicher Komik.“ (Kanon des National Film Registry).

Der Vagabund und das Kind, USA 1921, Regie, Drehbuch, Musik: Charles Chaplin, mit Charles Chaplin, Jackie Coogan, Edna Purviance, 60 Min., englische Zwischentitel mit deutschen Untertiteln, ab 8 Jahre

GÄSTE

Mutum // Do. 28.04. / 20:30
* im Anschluss findet ein Gespräch mit der Regisseurin statt (in englischer Sprache)

Sandra Kogut / Regisseurin von Mutum

Sandra Kogut (geb. 1965 in Rio de Janeiro, Brasilien) ist eine der bekanntesten audiovisuellen Künstlerinnen Lateinamerikas. Seit 1986 realisierte sie zahlreiche preisgekrönte Filme und Videos. Ihre Arbeiten, die sich an der Schnittstelle zwischen Dokumentation und Fiktion bewegen, wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im „Museum of Modern Art“ und im „Guggenheim Museum“ in New York. Institutionen wie das Harvard Film Archive oder das Filmmuseum in São Paulo widmeten ihr Retrospektiven. Im Jahr 2007 realisierte Sandra Kogut mit Mutum schließlich ihr Spielfilmdebüt, das international ausgezeichnet wurde. Neben ihrer künstlerischen Arbeit lehrt sie an renommierten Hochschulen auf der ganzen Welt und arbeitet für verschiedene brasilianische und europäische Sendeanstalten. Ihr letzter Film Campo Grande feierte 2015 beim Toronto International Film Festival Premiere.

Vortrag 2: The “Involuntary Dance”: Child Actors, Fidgeting and Authenticity // Fr. 29.4. / 16:00 * Vortrag in englischer Sprache

Karen Lury / Filmwissenschaftlerin

Karen Lury is a Professor of Film and Television Studies at the University of Glasgow, Scotland. She has published and lectured widely on children’s media with a particular interest in the representation of the child in cinema. Her most recent book was The Child in Film: Tears, Fears and Fairy Tales (2010). Since then she has led an AHRC funded project on ‘Children and Amateur Media in Scotland’ working in collaboration with the National Library of Scotland’s Moving Image Archive. With Dr Ryan Shand, she is currently completing a book related to the project, Show and Tell: Children and Amateur Media for Edinburgh University Press. Most recently she has edited, with Dr Michael Lawrence, a collection of essays, The Zoo and Screen Media: Images of Exhibition and Encounter that will be published later in 2016 by Palgrave Macmillan. She is an editor of the international film and television studies journal Screen.

 

Visages d'enfants // Fr. 29.04. / 20:30
* mit Livemusik-Begleitung von Joachim Bärenz

Joachim Bärenz / Musiker

Seit 47 Jahren spielt er im Kino Klavier und ist damit einer der Dienst ältesten Stummfilm-Pianisten Deutschlands. Der Essener Stummfilmpianist ist ein Virtuose, einer der besten seines Fachs und international gefragt. 1984 wurde er von Pina Bausch als Pianist der Tanzabteilung an der Folkwang Universität der Künste in Essen angestellt. Bis zum vergangenen Jahr hat Joachim Bärenz 30 Jahre lang Tänzer am Klavier begleitet. Diese Arbeit im Bereich Tanz war eine optimale Ergänzung zur Arbeit als Stummfilmbegleiter, zu dem er damals durch Zufall kam, wie er sagt. Bärenz komponierte für das Fernsehen zahlreiche neue Musikfassungen zu restaurierten Filmen, ist aber auch ein Meister der Improvisation. Jeden Sommer begleitet er Filme bei den Internationalen Stummfilmtagen in Bonn. 2003 erhielt er für seine Verdienste um die Stummfilmvertonung den Preis der Filmkritik. Beim diesjährigen Symposium begleitet er den Film Visages d'enfants.

Vortrag 3: Der filmische Schaffensprozess und das Spiel in der Kindheit // Sa. 30.4. / 16:30 * Vortrag in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung

Alain Bergala / Filmwissenschaftler, Autor und Kurator

Alain Bergala lehrt an der Filmhochschule Fémis in Paris. Er war Dozent für Film an der Universität Paris 3 und Chefredakteur der Buchpublikationen der Cahiers du cinéma. Er hat Bücher u.a. zu Godard, Rossellini, Kiarostami, Bunuel sowie dem filmischen Schaffensprozess verfasst, die Ausstellungen Correspondances Kiarostami Erice, Brune Blonde, Pasolini Roma kuratiert und Spielfilme, Dokumentationen und Essays für Kino und Fernsehen gedreht. 2000-2002 war er im Rahmen des Bildungsprogramms Les arts à l'école für die Entwicklung der Filmvermittlung an Schulen verantwortlich und hat dafür u.a. die DVD-Reihe L'Eden cinéma herausgegeben. Sein Vermittlungskonzept publizierte er in dem Essay Kino als Kunst. Filmvermittlung an der Schule und anderswo (2006).

 

Kurzfilmprogramm das möchte manchmal jeder, zu werden noch ein kind
Sa. 30.04. / 20:30 * mit Einführung und Gespräch mit Matthias Müller, dem Kurator des Programms

Matthias Müller / Kurator

Matthias Müller, geboren 1961, arbeitet seit 1980 künstlerisch in Film, Video, Installation und Fotografie. 1999 begann Müller eine mittlerweile 17 Filme umfassende gemeinsame Produktion mit Christoph Girardet, deren Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit Found Footage liegt. Seine Filme sind auf großen Festivals wie denen von Cannes, Venedig, Berlin und Toronto zu sehen und wurden mit Preisen wie dem Prix Canal + du meilleur court métrage in Cannes, dem Preis der Deutschen Filmkritik, dem Deutschen Kurzfilmpreis und dem Preis des Verbandes der Deutschen Kritiker ausgezeichnet. Sie waren ebenso in zahlreichen Gruppen-und Einzelausstellungen zu sehen, u.a. im Walker Art Center, Minneapolis, dem Palais de Tokyo, Paris, und dem Kunstverein Hannover und befinden sich in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen, so im Centre Georges Pompidou, Paris, und in Tate Modern, London. Seit 2003 ist Müller Professor für Experimentalfilm an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Matthias Müller hat das Kurzfilmprogramm das möchte manchmal jeder, zu werden noch ein kind zu (biografischen) Rückblicken auf die Kindheit zusammengestellt – mit einer Reihe rarer Filme aus eigener und fremder Produktion. Er wird die Filme selbst vorstellen und anschließend zu einem Publikumsgespräch zur Verfügung stehen.


The Kid // So. 1.5. / 16:00
* mit Livemusik-Begleitung durch Ezzat Nashashibi und Einführung
* Für die Familie mit action & fun im Anschluss

Ezzat Nashashibi / Musiker

Ezzat Nashashibi begleitet seit über 20 Jahren regelmäßig Stummfilme im Kommunalkino CITY 46.Beim diesjährigen Symposium vertont er Charlie Chaplins The Kid. Er ist ausgebildeter Komponist, arbeitet als Pianist im Bereich Neue Musik und Improvisation und dirigierte verschiedene Ensembles. Außerdem ist er Dozent an der Uni Bremen und der Hochschule für Künste. „Besonders wichtig sind Geräusche bei Slapstickfilmen, denn sie verstärken den komischen Effekt beträchtlich“, sagt Ezzat Nashashibi. Um das Geschehen auf der Leinwand mit den passenden Geräuschen zu unterlegen, setzt er auch Pfeifen, Wassereimer und Kisten voller Scherben ein.