Do. 12.9. + Di. 17.9. / 18:00

So. 15.9. + Mo. 16.9. / 20:30

Die untergegangene Familie / ARGENTINIEN

Damastvorhänge rascheln vorm Fenster, schimmern golden von der Sonne, der Raum bleibt im Dämmerlicht. So vage und schwebend ist Marcelas Seelenzustand seit dem plötzlichen Tod ihrer geliebten Schwester Rina. Marcela, Mittelpunkt ihrer herzlich-chaotischen Familie in Buenos Aires, löst Rinas Wohnung auf. Das Berühren von Rinas Pflanzen, Büchern, Pelzmänteln, Fotografien und Briefen öffnet Türen in die Vergangenheit, in Phantasieräume, die von Vorfahren und fremden Gestalten bevölkert sind. Marcela führt Gespräche mit diesen Geistern und wendet sich allmählich und wie traumwandelnd von ihrer gesicherten Welt ab. „I don‘t know where we are“, sagt sie vieldeutig zu ihrem Mann.

Die Kamera von Helene Louvart (drehte u.a. mit Claire Denis, Wim Wenders, Agnes Varda) schafft mit ihrem gefilterten Licht den geheimnisvollen Raum für Marcelas Schwebezustand. Maria Alché hat sich bei ihrem Langfilm-Debut von Peter Sloterdijks inspirieren lassen: „Bevor wir geboren werden, erscheinen wir bereits in der Welt eines anderen“ zitiert sie den Philosophen, „und wenn wir sterben, bleiben wir in deren Welten.“

Familia sumergida - ARG/BRA/D/N 2018, Regie: Maria Alché, mit Mercedes Morán, Javier Drolas, 91 Min., span. OmU

Zum Weiterlesen:

Kino aus Argentinien: Nach einem unterwarteten Trauerfall ändert sich für Marcela alles. Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen erscheinen ihr brüchig und fremd. Und ihr eigenes Leben sieht sie zunehmend kritischer. www.programmkino.de

Der Debütfilm von María Alché feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb Cineasti del presente 2018 in Locarno. Der zuvor als Schauspielerin tätigen Alché gelang ein Familienporträt, dessen Authentizität auf intensiver Probenarbeit mit dem Ensemble beruht, das alle Szenen durchspielte und an die Filme der renommierten argentinischen Regisseurin Lucrecia Martel (La Ciénaga) erinnert.www.frauenfilmfestival.eu