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Filmreihe Schönheit - Februar bis Dezember 2017

In einer Zeit, da die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, mag sich mancher fragen, warum man sich mit einem Thema wie Schönheit beschäftigen soll. Aber bei genauer Betrachtung fällt auf, dass große Teile unserer Gesellschaft jetzt erst recht den verschiedenen Schönheitsidealen hinterherjagen. Kaum ein Tag vergeht ohne Top Model-Show, die Zeitungen sind voll von Kosmetik- und Mode-Anzeigen, die Kunden immer jünger und bei der Oscar-Verleihung ist in vielen Medien nicht der Beste Film wichtiger, sondern wer das tollste Kleid getragen hat.
Die Filmreihe „Schönheit“ möchte das Thema mit selten zu sehenden historischen Filme sowie Dokumentar- und Genrefilmen wie z.B. Horror oder Science Fiction, die alternative Ansätze darstellen, in all seiner Vielfalt im Kino präsentieren. Abgerundet wird die Reihe mit Einführungen zu den Filmen und einem Workshop.
Die Reihe wird ermöglicht durch die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Schönheitsideale.....

Schönheitsideale

So groß und vielfältig wie die Welt und ihre Bewohner sind, ist auch das, was Menschen als äußerlich schön empfinden. Jede Zeit und Gesellschaft hat ihre Schönheitsideale. Und diese haben viel damit zu tun, was einer Gesellschaft gerade wichtig ist. Schönheit ist deshalb oft nicht das Ungewöhnliche, sondern das Durchschnittlichste. Schön zu sein bedeutet, von der Gesellschaft angenommen zu werden. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Schönheitsideale immer schon hochgehalten wurden, und das auch in Gesellschaften, die wesentlich instabiler und ärmer waren als unser Kulturkreis heute. Und was als schön gilt, ist immer relativ und Geschmackssache. Die Protagonisten in „Schönheit“ (D 2011; ab 31.8.) reden offen und nicht ohne Stolz über ihre Schönheitsoperationen. Sehnsüchte, Stolz, Identität, Selbstbewusstsein und Ästhetik – sie verstehen die OP nur als Baustein, der das Leben insgesamt besser und schöner machen soll. In Ari Folmans „The Congress“ verkauft die alternde Schauspielerin Robin Wright die Rechte an ihrem digitalen Abbild an ein Hollywood Studio (USA 2013, OmU; ab. 14.9.). In Mauretanien gelten dicke Frauen als schön. Tine Wittler besucht sie in „Wer schön sein will, muss reisen“ (D 2013; ab 21.9.). Der Thriller „The Neon Demon“ (USA/DK/F 2016, OmU; ab 7.9.) erkundet in intensiven Bildern die Abgründe des Modelgeschäfts.

 

Do. 31.8. bis Mi. 6.9. / 20:00

Schönheit

Um den angesagten Schönheitsidealen zu entsprechen, gibt es scheinbar einfache Maßnahmen, um sich ihnen anzupassen. Menschen verschiedenster Lebenssituationen und Biographien unterziehen sich deshalb Schönheitsoperationen, sei es der Friedhofsgärtner oder die Automobilkauffrau. Die Protagonisten in SCHÖNHEIT reden offen und nicht ohne Stolz über ihre Eingriffe. Sehnsüchte, Stolz, Identität, Selbstbewusstsein und Ästhetik - sie verstehen die OP nur als Baustein, der das Leben insgesamt besser und schöner machen soll. Was finden wir schön? Und warum? "Ein nüchterner und verstörender Report über den Versuch, das eigene Leben zu optimieren." Cinema

D 2011, Regie: Carolin Schmitz, 81 Min.

Do. 7.9. – Sa. 9.9. / 20:30
Mo. 11.9. – Mi. 13.9. / 18:00

The Neon Demon

Die 16-jährige Jesse ist Waise und kommt aus dem ländlichen Georgia nach Los Angeles. Ihre erste Unterkunft ist ein heruntergekommenes Motel. Jesse, bildhübsch, kennt nur ein Ziel: Sie will als Model Karriere machen. Und tatsächlich – bald gelingt es ihr, die dortige Modelszene einzig durch ihre Naivität und authentische wie unerklärliche Schönheit in Aufregung zu versetzen. Jesse stellt schnell fest, dass in diesem Geschäft Neid, Missgunst und Hass regieren. Nur wenige schaffen den Durchbruch, entsprechend sind alle Mittel erlaubt, um die Konkurrentinnen auf dem Weg ganz nach oben auszustechen. In seinem neuen Film präsentiert der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn die Aschenputtel-Geschichte in Thriller-Gewand. Es geht um das knallharte Model-Business als Blutsaugergeschäft. Oder geht es vielleicht um etwas ganz anderes?

USA/DK/F 2016, Regie: Nicolas Winding Refn, mit: Elle Fanning, Jena Malone, Bella Heathcote, Abbey Lee, Christina Hendricks, 113 Min, OmU

Mehr über den Film:
„In Cannes wurde „The Neon Demon“ ausgebuht. Dabei schafft Nicolas Winding Refn mit seinem neuen Film das, was ihm mit „Drive“ und „Only God Forgives“ noch nicht gelang: ein Kino, das auf das reine Sehen abzielt...“ von Lukas Stern
http://www.spiegel.de/kultur/kino/the-neon-demon-von-nicolas-winding-refn-angriff-aufs-auge-a-1098023.html

Do. 14.9. + Fr. 15.9. / 20:00

The Congress

Die Schauspielerin Robin Wright, deren Stern verblasst, bekommt ein beispielloses Angebot: Ein Hollywood Studio will die Rechte an ihrer Person für 20 Jahre kaufen. Sie wollen sie scannen und ihr digitales Abbild für alle denkbaren Rollen besetzen, allerdings ohne ihr Mitspracherecht. Im Gegenzug erhält sie eine astronomische Summe und das Versprechen, dass ihr digitales Ich niemals altert. »Hatte Stanislaw Lems Erzählung vor allem die kommunistische Diktatur angeprangert, so brandmarkt Ari Folman in ›The Congress‹ die diktatorischen Seiten einer Unterhaltungsindustrie, die eine breite Masse mit ihren Produkten ruhigstellt", stellt José García in Texte zum Film fest.

USA 2013, Regie: Ari Folman (Waltz with Bashir), nach Stanislaw Lem, mit Robin Wright, Harvey Keitel, 122 Min, OmU

Do. 21.9. + Fr. 22.9. / 20:30
So. 24.9. / 18:00
Di. 26.9. + Mi. 27.9. / 18:00

Wer schön sein will, muss reisen

Wie entsteht Schönheit? Wie entstehen Ideale? Und wie gehe ich mit diesen um? Gemeinsam mit dem Filmemacher René Schöttler macht sich die Autorin Tine Wittler auf die Suche nach Antworten. Ihre Fragen führen sie in den Wüstenstaat Mauretanien, in dem, anders als in ihrer deutschen Heimat, runde Frauen als besonders schön gelten. Sie trifft auf die Schattenseiten des dortigen Üppigkeitsgebotes: Zwangsfütterung, Medikamentenmissbrauch, Gesundheitsschäden. Schließlich unterzieht sie sich für einen Tag der Zwangsmästung: einem gewaltsamen Ritual, mit dem schon kleine Mädchen auf vollschlank getrimmt werden... „Wer schön sein will, muss reisen“ wirft die Frage auf, ob es Möglichkeiten gibt, sich vom Diktat der Schönheitsideale zu befreien – und wenn ja, wie? Tine Wittlers Forschungsreise fordert dazu auf, darüber nachzudenken, wofür der eigene Körper eigentlich da sein soll.

D 2013, Regie: René Schöttler, mit: Wafa M. El Hassan, Aberrahmane Ahmed Salem, Tine Wittler, 93 Min.

Hintergrundinformationen zum Film:
http://www.dejavu-film.de/files/reisen_filmheft.pdf