THEMA DES MONATS: Ka·pi·ta·lis·mus

Weder ist er ein Gespenst, noch geht er nur um in Europa: der Kapitalismus besteht seit mehreren hundert Jahren und scheint trotz aller Krisen unbeirrt weiter zu existieren. Schon vor bald 200 Jahren von Marx und Engels brillant analysiert und totgesagt, hat er inzwischen jeden Zipfel der Erde erreicht. Er hat viele Menschen reich und andere arm gemacht, sein ungebremstes Wachstum ist dabei, die ökologischen Grundlagen zu zerstören, und dennoch scheint es keine realistische Alternative zu ihm zu geben.

Fünf Filme widmen sich im Oktober diesem »Ungetüm«, dieser Ordnung voller Widersprüche, und zeigen sowohl aus historischer als auch aktueller Perspektive, wie er entstanden ist, welche Auswüchse ihn begleiten und warum er so erfolgreich und gleichzeitig gefährlich ist.

Mo. 1.10. + Mi. 3.10. / 18:00

Di. 2.10. / 20:30

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte / Ka·pi·ta·lis·mus

Welchen Preis zahlt Amerika für seine Liebe zum Kapitalismus? Regisseur Michael Moore knöpft sich in seiner Dokumentation den Kapitalismus vor und untersucht gewohnt kritisch und mit bissigem Humor die Ursachen und Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die amerikanische Gesellschaft. Ausgehend von der ungleichen Verteilung des Vermögens in den USA beschäftigt sich Moore mit den Profiteuren des Systems und ihren Strategien zur Steigerung ihres Reichtums, er nimmt uns mit zu den Menschen, deren Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde und er begibt sich auf Spurensuche in Washington, D.C. So beschäftigt er sich mit der Politik Ronald Reagans und George W. Bushs, und mit den unter Präsident Franklin D. Roosevelt geplanten aber aufgrund seines zu frühen Ablebens nicht realisierten Sozialreformen. Auch abseits der Politik sucht er nach Erklärungen. Er findet nur allzu bekannten Symptome einer Liebesgeschichte auf Abwegen: Lügen, Missbrauch, Betrug … und 14.000 Arbeitsplätze, die jeden Tag gestrichen werden. Kleiner Goldener Löwe bei den Filmfestspielen in Venedig 2009.

Capitalism: A Love Story – USA 2009, Regie: Michael Moore, mit Michael Moore, Wallace Shawn, Elizabeth Warren, John Mc Cain, William Black, Elijah Cummings u. a., 127 Min., engl. OmU

»Aufwühlend, bissig, unterhaltsam und gnadenlos polemisch.« (Kino-Zeit)

»Das stärkste Argument für Michael Moores neuen Film "Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte" sind die Leidenschaft und die Begeisterung, die dieser Film bei seinen Zuschauern auszulösen vermag.« (SZ)

»Gut, dass wir überhaupt einen wie Michael Moore haben. Denn niemand sonst versteht es so geschickt, so übellaunig, so draufgängerisch, so pointiert und so definitiv links-unterhaltsam, im sonst so trockenen Filmbecken "Dokumentation" zu stöbern, zu erklären, zu wühlen.« (Deutschlandfunk Kultur)

»Polemisch, selektiv und mitreißend wie eh und je verdammt Star-Doku-Filmer Moore diesmal das kapitalistische Wirtschaftssystem an sich. « (KulturSpiegel)

Do. 4.10. + So. 7.10. + Mo. 15.10. / 20:30

Mo. 8.10 + Di. 16.10. / 18:00

System Error – Wie endet der Kapitalismus / Ka·pi·ta·lis·mus

In seiner neuesten Doku begibt sich der zweifache Grimme Preis-Träger Florian Opitz auf die Suche nach einer Erklärung für einen der großen Widersprüche unserer Zeit: Warum treiben wir das Wachstum immer weiter, obwohl wir wissen, dass man auf unserem endlichen Planeten nicht unendlich wachsen kann? Ist Wachstum eine Religion entgegen aller Vernunft? Regisseur Florian Opitz befragt prominente Vertreter des Systems. Er zeigt die Welt aus der Perspektive von Menschen, die von den Möglichkeiten des Kapitalismus fasziniert sind. Doch kommen auch Kritiker wie der Ökonom Tim Jackson zu Wort. Der Film geht Zusammenhängen nach, die häufig nicht hinterfragt werden, und legt die selbstzerstörerischen Zwänge des Systems offen – eines Systems, an dem wir alle teilhaben, als Beschäftigte, Anleger und Konsumenten. Fraglos durchdringt der Kapitalismus immer mehr Lebensbereiche. Wir profitieren von ihm und wissen doch, dass er am Ende Leben und Natur zerstört. Sind wir wirklich bereit, für ihn alles zu opfern?

D 2018, Regie: Florian Opitz, 97 Min., teilw. OmU

»Ein anregender und sehr wichtiger Film, der zutiefst beunruhigt.« (Kino-Zeit)

»Ein sehr gut gemachter Film, mit sehr eindrucksvollen Bildern und tollen Interviews… Der Wahnsinn des Wachstums wird großartig auf den Punkt gebracht! … In dem, was er macht, ist er perfekt.« (Ulrike Herrmann (taz) im Deutschlandfunk Kultur)

»Besuch bei den Wachstumsjüngern. Vom argentinischen Sojabauern bis zum Trump-Berater: Manager und Politiker setzen auf ewiges Wirtschaftswachstum. Der Dokumentarfilm "System Error" erforscht ihren Glauben.« (Spiegel Online)

Mi. 17.10. + Do. 18.10. + Sa. 20.10. bis Mo. 22.10. / 20:00

A Fábrica de Nada / Ka·pi·ta·lis·mus

Eine Fabrik bei Lissabon: die Geschäfte gehen schlecht im krisengebeutelten Portugal. Die Beschäftigten haben kaum etwas zu tun. Eines Nachts realisiert sie, dass ihre Chefs den Diebstahl der eigenen Maschinen organisieren. Schnell begreifen sie, dass sie es sind, deren Arbeit hier abgewickelt werden soll. Was tun? Sie diskutieren über Politik, Aktionen und radikale Maßnahmen, schließlich widersetzen sie sich dem Diktat von Oben und besetzen ihren Arbeitsplatz. Als sich die Verwaltung komplett aus dem Staub macht, bleiben sie in der leeren Fabrik zurück. Plötzlich eröffnen sich völlig neue, bisweilen absurd überraschende Perspektiven... »Ein Grenzgänger zwischen Fiktion und Dokumentarfilm, eine Parabel mit Genreanleihen an das Musical und den Politthriller, mit Film-im-Film-Momenten. […] Einer der reichsten, schönsten und verzweifeltsten Filme zur Finanzkrise mit einem diskursführenden Proletariat.« (Artechock)

Mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem CineVision-Preis beim Filmfest München 2017.

The Nothing Factory (engl. Titel) - P 2018, Regie: Pedro Pinho, mit Carla Galvão, Daniele Incalcaterra, Antonio Santos, 177 Min., port. OmU

»Beweist, dass man gegen die Mächtigen ankämpfen und zur gleichen Zeit tanzen kann.« // »A film which proves that you can fight the power while dancing at the same time.« (Vollständige Kritik auf Englisch / Little White Lies)

»Eines der aufregendsten Kinoerlebnisse der letzten Jahre.« // »Una de las experiencias cinematográficas más apasionantes de los últimos años.« // » One of the most exciting cinematic experiences in years.« (Vollständige Kritik auf Spanisch / SensaCine)

»Ein origineller Spielfilm über Arbeit und Autonomie.« (Vollständige Kritik / Der Standard)

»Die Art kühnes Filmemachen, vor Ideen und Mut strotzend, die das Kino von innen heraus wachrüttelt.« // »This is the kind of bold film-making, bristling with risks and ideas, that shakes up cinema from the inside.« (Vollständige Kritik auf Englisch / The Observer - Guardian)

»Ein Grenzgänger zwischen Fiktion und Dokumentarfilm, eine Parabel mit Genreanleihen an das Musical und den Politthriller, mit Film-im-Film-Momenten. […] Einer der reichsten, schönsten und verzweifeltsten Filme zur Finanzkrise mit einem diskursführenden Proletariat.« (Artechock)

Di. 23.10. + Do. 25.10. / 18:00

Mi. 24.10. / 19:00

Der junge Karl Marx / Ka·pi·ta·lis·mus

Paris, 1844, Frühzeit der industriellen Revolution: der 26-jährige Karl Marx, von Existenzängsten geplagt, lebt mit seiner Frau Jenny und seiner Familie im französischen Exil. Als Marx dort dem jungen Friedrich Engels begegnet, hat er für den feinen Bourgeois und Sohn eines Fabrikbesitzers zunächst nur Abneigung übrig und betrachtet ihn als Dandy. Doch Engels hat gerade über die Verelendung des englischen Proletariats geschrieben und längst begonnen, sich von seiner Klasse zu lösen. Sie werden Freunde, inspirieren sich gegenseitig und verfassen gemeinsam mit Jenny Texte, die eine Revolution entfachen sollen. Marx hat den Anspruch die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie auch zu verändern. Der Revolution, die ihm unausweichlich erscheint, gibt er in den »Paris Manuskripten« eine philosophische Grundlage, getragen von humanistischen Idealen. Regisseur Raoul Peck (I Am Not Your Negro) gelingt mit dem Porträt der beiden jungen Männer ein lebhafter Einblick in die Frühgeschichte der sozialistischen Bewegung.

Le Jeune Karl Marx – F/D/B 2016 , Regie: Raoul Peck, mit August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Olivier Gourmet, Michael Brandner, Alexander Scheer, Hannah Steele, Niels Bruno Schmidt, 118 Min., deutsche Fassung (DF)

»Intelligent verbindet Peck Humor mit Aussage und einem warmherzigen, nie belehrenden Tonfall. Unterhaltsam.« (Münchner Merkur, tz)

»Ein frischer Blick auf den Stoff, nicht für Altkommunisten, sondern für ein jugendlich-neugieriges Publikum. Eine abenteuerliche Geschichte voller Spannung.« (SWR 2)

»Revolution unter hohen Hüten: Der oscarprämierte Filmemacher Raoul Peck ist fasziniert vom Fortdauern der Geschichte.« (Zeit-Online)

»Der Film begleitet Marx und Engels in ihrer Jugend, er zeichnet ihre unerschütterliche Freundschaft nach und zeigt, wie ein einzigartiges Trio durch die Entbehrungen entsteht, die sie in ihrer turbulenten Jugend erlebt haben.« (Raoul Peck über seinen Film / Kritik Deutsche Welle)

Sa. 27.10. bis Mi. 31.10. / 20:00

Do. 1.11. + Sa. 3.11. + Mo. 5.11. bis Mi. 7.11. / 17:45

Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier / Ka·pi·ta·lis·mus

Westafrika, Agbogbloshie, Slum der Millionenmetropole Accra, Hauptstadt Ghanas: Diesen Ort bezeichnen die einen als die größte illegale »Elektromüllhalde der westlichen Welt«, die anderen als »Vorhof der Hölle«. Smartphones, PCs, Monitore: Über 250.000 Tonnen Elektro-Müll pro Jahr aus der digitalisierten Welt. Die Müllhalde zählt zu den verseuchtesten Orten der Erde. Rund 40.000 Menschen, Erwachsene und Kinder, leben an diesem Ort, der »Sodom« genannt wird und arbeiten täglich im hochgiftigen Rauch des verbrennenden Schrotts, um an die Wertstoffe zu gelangen. Drei Monate haben die Filmemacher Florian Weigensauer und Christian Krönes hier verbracht und sie haben das Vertrauen der Menschen bekommen. Die Dokumentation lässt uns hinter die Kulissen dieses apokalyptischen Ortes blicken und portraitiert die Verlierer der digitalen Revolution. Dabei stehen nicht die Mechanismen des illegalen Schrotthandels im Vordergrund, sondern die Lebensumstände und Schicksale von einfallsreichen Menschen, die am untersten Ende der globalen Wertschöpfungskette stehen. »Dieser Wahnsinnsfilm ist der Kommentar zu Weltwirtschaft und Wohlstandsgefälle in spektakulären Bildern. Mehr Kino geht nicht.« kommentiert das Amnesty Journal.

A / GH 2018, Regie: Florian Weigensamer, Christian Krönes, 92 Min., engl. OmU

»Vielleicht der wichtigste Dokumentarfilm des Jahres.« (Vollständige Kritik auf Utopia)

»Mit umwerfender Kunstfertigkeit stürzt uns dieser atemberaubende Film tief in ein schockierend dystopisches Universum, wie geradewegs einem Ridley Scott film entsprungen.« (Filmmaker Magazine)

»Der Film zeigt epische Bilder einer Hölle auf Erden - aber in ihnen steckt auch ein Moment der Emanzipation und der Utopie.« (Vollständiger Kritik / Sueddeutsche Zeitung)

»Ein behutsamer, zurückhaltender Film. Eine gewisse Faszination für die düstere Realität des Slum-Lebens ist ihm […] zwar nicht abzusprechen, doch auf spät-koloniale Exotismen und andere Übergriffigkeiten verzichtet der Film zum Glück: Welcome to Sodom beobachtet, ohne preiszugeben, schildert eine Lebensrealität, ohne sie für die eigene Agenda (“Nieder mit …!”, “Spendet für …!”) in den Dienst zu nehmen.« (Kino-Zeit)

»Die Schattenseite der digitalen Welt.« (Vollständige Kritik / Deutschlandfunk)

Beitrag zum Film im Deutschlandfunk Kultur

Beitrag im Weser Kurier