Mi. 16.10. / 18:00 * mit Einführung von Ernst Steinhoff, Schulmuseum Bremen

Katzelmacher / SCHULMUSEUM

Ein Vorstadtviertel in München, vier Paarkonstellationen. Das Leben plätschert in seiner immer gleichen, kleinbürgerlichen Organisation vor sich hin: Helga schläft mit Paul, Peter lässt sich von Elisabeth aushalten, Marie ist mit Erich zusammen und Rosy verkauft sich an Franz. Alles läuft in geregelten Bahnen, bis der griechische Gastarbeiter Jorgos - abschätzig Katzelmacher genannt - auftaucht und die vermeintliche Ruhe stört. Plötzlich bekommen Wut, Hass und Eifersucht eine Projektionsfläche. Nur Marie fühlt sich von Jorgos angezogen und fragt sich, ob nicht in Griechenland doch alles besser sein könnte.

„Katzelmacher“ ist Fassbinders zweiter Langfilm und eine Adaption eines Theaterstückes, ebenfalls aus der Feder des Kult-Regisseurs. Wenn auch leicht abgeändert, behält die Inszenierung den Bühnencharakter bei: Starre Einstellungen und wenige Schnitte sollen das Publikum dazu bewegen, ihre aufkommenden Emotionen nach außen zu tragen.

Fassbinder zerschneidet minutiös, mit sparsamsten Mitteln, eine Unmenge an verworrenen oder zerstörten Beziehungen, äußeren und inneren Gewaltaktionen, Fehlbeziehungen, Un-Freiheiten, reduziert sie auf ihren nackten Kern und stellt nur ihre Ansätze hart und spröde aufeinander. So macht er ihre Symptome sichtbar und kann die angedeuteten Auswüchse den mitvollziehenden Zuschauer begreifen lassen, indem dieser sie physisch spürt, aber nicht bedenkenlos, mitleidig oder genüßlich zu konsumieren vermag...” (Leo Schönecker, LFD-Filmblätter Mai 1971)

D 1969, Regie: R. W. Fassbinder, mit Hanna Schygulla, Rudolf Waldemar Brem, Irm Hermann, 88 Min.

In Kooperation mit dem Schulmuseum Bremen Schulmuseum Bremen

 

Fassbinder über „Katzelmacher“:

Ich weiß, daß meine Kritiker mich oft für einen Psychopathen halten – aber wie ich die Dinge sehe, haben die oft einen Therapeuten eher nötig als ich – denn ich kann schließlich all das im Film loswerden was mich bedrückt oder belastet.”