Mo. 14.10. / 18:00

Di. 15.10. / 20:30

Mi. 16.10. / 20:00

Bait / NEU IN BREMEN

Ein scheinbar idyllisches Fischerdorf im englischen Cornwall steht vor einer existenziellen Zerreißprobe: Als die Küstenregion gemäß den Ansprüchen wohlhabender Londoner Touristen gentrifiziert wird, reißt der sich zuspitzende Konflikt die beiden einheimischen Brüder Martin und Steven auseinander. Nach dem Verkauf des gemeinsamen Familiencottages bleibt dem Fischer Martin nicht mal sein Boot, da sein Bruder damit nun Ausflugsfahrten anbietet. Warum will Martin an verstaubten Traditionen und dem mühsamem Broterwerb festhalten, wenn der Fortschritt es einem auch leichter machen kann? Als schließlich auch noch ein Streit um einen möglichst küstennahen Parkplatz eskaliert, gerät die zugespitzte Situation vollkommen außer Kontrolle.

Mark Jenkin drehte „Bait“ im 16mm-Format und entwickelte ihn schließlich selbst manuell. Die grobkörnige Ästhetik verleiht dem Schwarz-Weiß-Film seinen besonderen Charme, da Neues und Altes auf Bild- und inhaltlicher Ebene miteinander kollidieren.

“„Bait“ mischt die Kammerspiel-Beschaulichkeit von alten britischen Kitchen-Sink-Dramen mit der strengen Ästhetik eines Robert Bresson: Wie beim Billard wird hier über Bande gespielt und etwas Neues angestoßen. Und vom Meeresboden ruft der Geist von Nicolas Roeg. Den unheimlichen Rest erledigt der subkutane Drone-Soundtrack mit einem Harmonium als tragendem Instrument.” (TAZ-Kritik-Berlinale-2019)

GB 2019, Buch & Regie: Mark Jenkin, mit Giles King, Edward Rowe, Mary Woodvine, 88 Min., SW, OmU

Zum Weiterlesen:

Offizielle Website: https://www.baitfilm.co.uk/

Kritik TAZ: TAZ-Kritik-Berlinale-2019

“„Bait“ mischt die Kammerspiel-Beschaulichkeit von alten britischen Kitchen-Sink-Dramen mit der strengen Ästhetik eines Robert Bresson: Wie beim Billard wird hier über Bande gespielt und etwas Neues angestoßen. Und vom Meeresboden ruft der Geist von Nicolas Roeg. Den unheimlichen Rest erledigt der subkutane Drone-Soundtrack mit einem Harmonium als tragendem Instrument.”

Filmverleih: Arsenal-Berlin

Mo. 14.10. / 20:30

Di. 15.10. / 18:00

Mi. 16.10. / 17:45

Talking About Trees / NEU IN BREMEN

Sudan 1989. Nach 30 Jahren des Exils, der Zensur und der Schließung von Kinos durch das diktatorische Regime gründen vier befreundete Regisseure den sudanesischen Filmclub. Alle haben im Exil eine Filmausbildung genossen und wollen nun in ihrer Heimat ihre Liebe zum Kino leben. Leidenschaftlich verfolgen sie ihren Wunsch, alte Filme wieder herzustellen und die sudanesische Filmgeschichte aus der Vergessenheit zu holen. Und sie wollen einen gemeinsamen Traum verwirklichen: die Wiedereröffnung eines verfallenen Freiluftkinos. Das Unterfangen wird zu einer Erinnerungsreise. Die Freunde lesen einander alte Briefe vor, betrachten alte Dokumente, Fotos und Filmclips und träumen von einem Sudan, in dem die Kunst und das Denken frei sind. Die Schwierigkeiten in dem krisengeschüttelten Land, die es in dem zu meistern gilt, um ein altes Kino zu restaurieren, sind aber enorm.

Wie Regisseur Gasmelbari von der Geschichte des sudanesischen Kinos erzählt und wie seine unangepassten Protagonisten agieren, wirken wie Vorboten der aktuellen politischen Umwälzungen im Sudan.

„Talking About Trees“ lief in der Sektion Panorama der Berlinale 2019 und wurde mit dem Glashütte Original-Dokumentarfilmpreis und dem Panorama-Zuschauerpreis ausgezeichnet.

F/SUD/D/TSA/KAT 2019, Regie: Suhaib Gasmelbari, 93 Min., arab./engl./russ. OmU

Zum Weiterlesen:

»Der Titel „Talking about Trees“ ist an Zeilen aus Bertolt Brechts „An die Nachgeborenen“ angelehnt. Nach so vielen Misserfolgen müsse Hoffnung wachsen, sagt Ibrahim in einer Szene. Manar zitiert darauf den deutschen Dramatiker: „Zeiten, in denen über Bäume zu sprechen fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt.“ Aber Gasmelbari und seine Protagonisten schweigen nicht – und sie fordern den Kinobesucher heraus, auch zwischen den Zeilen zu lesen.« (Der Tagesspiegel)


»Ein außergewöhnlicher Film.« (Goethe Institut)


»Mit seiner genialen Idee hätte der Filmemacher keinen günstigeren Zeitpunkt erwischen können.« (Der Standard)

Do. 17.10. + So. 20.10./ 18:00

Mo. 21.10. / 20:30

Di. 22.10. / 17:45

Mi. 23.10. + Sa. 26.10. / 20:00

Congo Calling / NEU IN BREMEN

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist eine der ärmsten und unsichersten Regionen der Welt. Hunderte von westlichen Entwicklungshelfern sind vor Ort und wollen die Bevölkerung unterstützen. Unter ihnen Raul, Peter und Anne-Laure. Sie sind hochmotiviert und voller Visionen, doch ihre Situation wirft für sie grundsätzliche Fragen auf. Raul, ein spanisch-französischer Wissenschaftler, muss feststellen, dass die Projektgelder seine Kollegen vor Ort zur Korruption verführt und seine Studie über Rebellengruppen deshalb zu scheitern droht. Peter, ein deutscher Entwicklungshelfer, wird nach 30 Berufsjahren in Rente geschickt, sieht aber außerhalb von Afrika keine Perspektiven für sich. Die Belgierin Anne-Laure hat ihre Stelle als Entwicklungshelferin aufgegeben. Sie arbeitet nun für ein kongolesisches Musikfestival und kämpft mit ihrem regimekritischen Freund und anderen Einheimischen für eine bessere Zukunft. Drei unterschiedliche Erfahrungen – doch alle eint die Frage: Wie hilfreich ist die Hilfe Europas in Afrika?

D 2019, Regie: Stephan Hilperts, 90 Min., Frz., dt., engl. Kisuaheli OmU

Zum Weiterlesen:

Zur Verleihseite mit Trailer: www.jip-film.de

Bericht in ARD_ttt vom 18.8.19

Do. 17.10. + Di. 22.10. / 20:30

Fr. 18.10. + Mo. 21.10. / 18:00

So. 20.10. / 20:00

Born in Evin / NEU IN BREMEN

Als nach dem Putsch vor 40 Jahren der Schah und somit die persische Monarchie gestürzt wurde, gelang dem fundamentalistischen Islam und ihrem religiösen Führer Ayatollah Khomeini die Machtübernahme in Iran. Die Herrschaft wurde mithilfe verschiedener Systeme der Unterwerfung und Einschüchterung aufrechterhalten. Besonders berüchtigt waren die politischen Gefängnisse, in denen Regimegegner*innen mundtot gemacht werden sollten. Evin ist solch ein Ort voller Schrecken und gleichzeitig auch ein Ort, an dem „normales“ Leben stattfindet: Filmemacherin Maryam Zaree wird hier geboren, während ihre Eltern eine schwere Gefängnisstrafe verbüßen müssen und Folter und Psychoterror ausgesetzt sind. Zaree begibt sich in „Born in Evin“ auf eine Reise in die Vergangenheit und die Umstände ihrer Geburt, über die ihre Mutter nie ein Wort sprechen wollte.

Maryam Zaree: „Es ging darum, die Menschen in ihrem Inneren zu brechen… Es wurde ein System innerhalb des Systems geschaffen, in dem konstant die Angst herrschte, dass einen ein Mitgefangener oder eine Mitgefangene denunziert. Manche Insassen mussten andere erschießen. Nur um dann später selbst hingerichtet zu werden.” (Zeit Online)

D / Österreich 2019, Buch und Regie: Maryam Zaree, 95 Min., deutsch, englisch, französisch, farsi OmU

Zum Weiterlesen:

 

Filmverleih: RealFictionFilme

 

Interview mit der Regisseurin:

“Es ging darum, die Menschen in ihrem Inneren zu brechen. Viele wurden so lange gefoltert bis sie mit den Gefängniswärtern kollaborierten. Es wurde ein System innerhalb des Systems geschaffen, in dem konstant die Angst herrschte, dass einen ein Mitgefangener oder eine Mitgefangene denunziert. Manche Insassen mussten andere erschießen. Nur um dann später selbst hingerichtet zu werden. Natürlich waren diese Kollaborateure auch Opfer des Systems." ZeitOnline-Interview

 

“Wenn in der Türkei der Neunzigerjahre mal wieder ein Intellektueller ermordet wurde, und das geschah damals nicht selten, protestierten Massen auf den Straßen, die riefen: "Die Türkei wird nicht Iran!" Der Iran stand als abschreckendes Beispiel für eine Gesellschaft, die der politische Islam kapern konnte. Eine ganze Generation hat er durch Mord vernichtet oder ins Exil vertrieben. Dieser iranischen Generation gehören auch die Eltern von Maryam Zaree an. Ihre Mutter war politische Gefangene, die während ihrer Haft gefoltert wurde. Sie brachte Maryam in Chomeinis Evin-Gefängnis zur Welt, ging mit ihr nach Deutschland und sprach nie wieder über die entsetzliche Zeit – bis Maryam eines Tages anfing, Fragen zu stellen.” ZeitOnline-iran-tuerkei

 

Do. 24.10 + Fr. 25.10 / 18:00

So. 27.10. + Do. 31.10. / 20:30

Mi. 30.10. / 15:00 + 20:00

Back to Maracanã / NEU IN BREMEN

Der Exil-Brasilianer Samuel ist 76 Jahre alt und hat nicht mehr lange zu leben. Deswegen will er noch einmal zurück in seine Heimat und dort seinen großen Traum zu verwirklichen: Live bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 dabei zu sein! Kurzerhand tritt Samuel die lange Reise von Israel nach Brasilien an, im Gepäck seinen frustrierten Sohn Roberto sowie Enkel Itai, der mit seinen 12 Jahren weder Fußball noch seinen Vater ausstehen kann. Eingezwängt in ein klappriges Wohnmobil auf einem langen Roadtrip kann das Drei-Generationen-Gespann gar nicht anders, als sich mit ihren Konflikten und der Familiengeschichte auseinander zu setzen. Wie der Vater so der Sohn? Fehlanzeige! Oder doch nicht?

„Fußball, so viel wird von Minute zu Minute deutlicher, wird in diesem Roadmovie zu einem Symbol für ein ganz anders Thema. Und so findet der Showdown nicht im Maracanã statt, sondern in Belo Horizonte – wo die Brasilianer bekanntlich am 8. Juli 2014 eins zu sieben untergingen: ausgerechnet gegen Deutschland. Diese historische Schmach hat für die beiden jüdischen Exil-Brasilianer nicht nur eine sportliche Dimension. Auf eine irritierende Weise wird plötzlich das Unausgesprochene präsent. Die indirekte Thematisierung des Holocaust, der mit keiner Silbe erwähnt wird, aber dennoch wie ein Elefant im Raum steht, verleiht diesem Film eine eigenartige Unterströmung." epd-film-kritik

D / Israel / Brasilien 2019, Regie: Jorge Gurvich, mit Asaf Goldstien, Antônio Petrin, 92 Min., OmU

Zum Weiterlesen:

“Fußball, so viel wird von Minute zu Minute deutlicher, wird in diesem Roadmovie zu einem Symbol für ein ganz anders Thema. Und so findet der Showdown nicht im Maracanã statt, sondern in Belo Horizonte – wo die Brasilianer bekanntlich am 8. Juli 2014 eins zu sieben untergingen: ausgerechnet gegen Deutschland. Diese historische Schmach hat für die beiden jüdischen Exil-Brasilianer nicht nur eine sportliche Dimension. Auf eine irritierende Weise wird plötzlich das Unausgesprochene präsent. Die indirekte Thematisierung des Holocaust, der mit keiner Silbe erwähnt wird, aber dennoch wie ein Elefant im Raum steht, verleiht diesem Film eine eigenartige Unterströmung." epd-film-kritik

Do. 24.10. / 20:30 * mit Regisseurin Fanny Bräuning

Immer und ewig / NEU IN BREMEN

Die Welt zu bereisen ist ein Traum von vielen Menschen, egal welchen Alters. Aber zu reisen, auch wenn man körperlich völlig unbeweglich ist, wird zu einer sehr komplizierten Angelegenheit. Doch das Schweizer Rentner-Ehepaar Niggi und Annette hat genau das vor. Aufgrund ihrer MS-Erkrankung ist Annette seit Jahren vom Hals abwärts gelähmt und rund um die Uhr auf die Pflege ihres Partners angewiesen. Niggi, Tüftler aus Leidenschaft, gab damals seinen Beruf auf und setzt auch jetzt alles daran, sich und Annette nicht von der Krankheit ihre Lebensfreude nehmen zu lassen. So wird der Bus zur mobilen Pflegestation um und die Reise gen Südeuropa kann beginnen!

Ihre Tochter Fanny Bräuning begleitet diese Reise in den Süden. „Ob der Vater, der als Jüngling mal Matrose war, nicht manchmal auch über ein anderes Leben nachdenke, will die Tochter wissen, ein Leben, in dem die Mutter gesund und er freier wäre? Halb unwillig, halb schelmisch schiebt der Vater die Frage beiseite: «Ich weiß es doch nicht. Vielleicht wäre sie ja davongelaufen – wenn sie gekonnt hätte.» Immer wieder blitzt dieser trockene Humor auf, auch bei der Mutter, und gibt dem Film bei allem Ernst der Lage eine spielerisch-heitere Note.“ (Aargauerzeitung)

Schweiz 2018, Regie: Fanny Bräuning, 85 Min., schweizerdeutsch OmU

Zum Weiterlesen:

„Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet. In den Gesprächen mit ihnen erzählt sie die Geschichte einer Liebe, die den Krisen getrotzt hat.“ Fabian Tietke, INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR– UND ANIMATIONSFILM / DOKLeipzig


„Immer und ewig" ist ein sehr spezieller Liebesfilm, der Unmögliches möglich werden lässt, der Mut macht, ein Leben auch mit Einschränkungen zu meistern, der Grenzen sowohl verschiebt wie aufzeigt, in unseren Köpfen, in unseren Herzen“
Aargauerzeitung.ch/kultur/film