Canada: Maple Movies / THEMA DES MONATS November

Das erzählerische und gestalterische Spektrum des kanadischen Films ist so vielfältig wie einmalig. Die diesjährige Auswahl umfasst Arbeiten von stilprägenden Filmemacher*innen, international prämiertes Autorenkino von aufstrebenden Talenten, eindringliche Dokus, innovative Kurzfilme und zeitlose Klassiker.

Im Kommunalkino Bremen werden im Rahmen der überregionalen Filmtournee von »Canada Now – The Maple Movies Festival 2019/2020« fünf Filme gezeigt: Zum Auftakt freuen wir uns sehr, Jason Ryle, den Kurator der »imagineNATIVE Shorts«, begrüßen zu können. In acht Kurzfilmen stehen lange marginalisierte Sichten indigener Künstler*innen im Fokus und richten den Blick auf das Land und seine wechselvolle Geschichte.

Die legendäre kanadische Regisseurin und Drehbuchautorin Patricia Rozema ist mit zwei Filmen vertreten: »Mouthpiece« (2018), ein faszinierendes, die Erzählkonventionen sprengendes Experiment sowie der zeitlose Klassiker »I’ve Heard the Mermaids Singing« (1987) – ein absoluter Kultfilm des queeren und kanadischen Kinos (»Prix de la Jeunesse«, Cannes 1987). Mit »Les Rois Mongols« (2017) von Luc Picard präsentieren wir ein spannendes und einfühlsames Jugend- und Sozialporträt, ausgezeichnet mit dem »Gläserner Bär« der Berlinale 2018. Die bildgewaltige und erschütternde Doku »Anthropocene: The Human Epoch« (2018) von Jennifer Baichwal und Nicholas De Pencier sammelt weltweit die gnadenlosen Übergriffe des Menschen in die Natur.

»Canada Now – The Maple Movies Festival 2019/2020« ist bereits die neunte Ausgabe einer in Deutschland einzigartigen Werkschau des kanadischen Films, welche die Diversität und den kreativen Reichtum dieses Landes der vielen Sprachen und Kulturen eindrucksvoll repräsentiert und reflektiert.

Auch unsere Queerfilmnacht unterstreicht mit dem kanadischen Film »Giant Little Ones« (CDN 2018) die Vielfältigkeit und Offenheit des Landes.

Eine Reihe Zusammenarbeit mit dem Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.

Do. 7.11. / 20:00 * mit Gast: Jason Ryle, Kurator der Reihe

Fr. 8.11. + So. 10.11. / 17:30

imagineNATIVE Shorts: Home and Native Land / CANADA: MAPLE MOVIES

Angeregt von einer Textzeile in der Nationalhymne »O Canada«, präsentiert das Programm acht Kurzfilme indigener Filmemacher*innen. Die Dokumentarfilme, Animationen und experimentellen Arbeiten bieten weibliche Perspektiven auf die komplexen und komplizierten Beziehungen der First Nations, Métis und Inuit zu ihrem Land.

  • Lelum’ (Home) von Asia Youngman (2017, 9’): Eine Reise über Landschaften British Columbias hinweg, wahrgenommen aus einer indigenen Perspektive.
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  • Biidaaban (The Dawn Comes) von Amanda Strong (2018, 18’): Eine junge Ahornsammlerin der Anishinabe bietet in dieser fesselnden Stop-Motion-Animation den Gesetzen von Zeit, Raum und Gender die Stirn.
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  • Nuuca (Take) von Michelle Latimer (2017, 12’): Der Film fragt nach dem Zusammenhang zwischen der Vergewaltigung des Bodens durch die Öl-Industrie in North Dakota und der Gewalt gegen indigene Frauen.
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  • Onyota’a:ka khale Tsi’tkalù:to (Oneida and Toronto) von Judith Kanatahawi Schuyler (2018, 5’): Der Film im Split-Screen-Format untersucht die Lebens-weisen von Angehörigen der Onyota’a:ka in Toronto und in den Siedlungen der Oneida Nation. Trotz großer Unterschiede stößt er dabei auf grundlegende Parallelen.

  • Caribou in the Archive von Jennifer Dysart (2019, 8’): Ein Video aus den 1990er-Jahren zeigt eine Frau bei der Karibu-Jagd. Es ist mit emblematischen Aufnahmen kombiniert, die in den 40er-Jahren in Nord-Manitoba entstanden und aus dem Archiv des National Film Board of Canada stammen.
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  • Emptying the Tank von Caroline "Coco“ Monnet (2018, 10’): Aus der Algonquin-Nation stammend, die zirka 2.500 Angehörige umfasst, dokumentiert die Regisseurin die innere Stärke der ersten Martial-Arts-Kämpferin der Chippewa in Ontario.
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  • Fast Horse von Alexandra Lazarowich (2018, 13’): Rare Einsichten in die Welt sattelloser Pferderennen. Im Zentrum stehen die Bemühungen des Siksika-Reiters Alison RedCrow, für sein Team die besten Reiter der Blackfoot zu gewinnen.
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  • Three Thousand von Asinnajaq (2017, 14’): In animierte Sequenzen hat die Regisseurin Fundstücke aus dem NFB-Archiv integriert: Filmmaterial zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Inuit, wobei Wochenschauaufnahmen, propagandistisches und ethnografisches Material sowie Arbeiten indigener Filmemacher Verwendung fanden.
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Sa. 9.11. + So. 10.11. / 18:00

Mo. 11.11. + Di. 12.11. / 17:30

ANTHROPOCENE: The Human Epoch / CANADA: MAPLE MOVIES

Wir leben in einem Zeitalter, in dem der Mensch die Natur nachhaltig verändert, umformt und zerstört. Dieses Zeitalter wird auch als »Anthropozän« bezeichnet. In ihrem bildgewaltigen Film dokumentieren der kanadische Fotograf Edward Burtynsky und die Filmemacher*innen Jennifer Baichwal und Nicholas de Pencier die Eingriffe des Menschen in die Natur. Der Dokumentarfilm, über einen Zeitraum von vier Jahren gedreht, besucht 20 Länder und findet gravierende Zeugnisse menschlicher Einflussnahme auf allen Kontinenten und in allen Lebenssphären, die in ihrer monströsen Dimension oftmals surreal wirken.

In Teils dramatischen Sequenzen werden in sieben Kapiteln Schönheit und Schrecken veränderter oder zerstörter Landschaften eingefangen: Faszinierend gelb und paradiesisch-türkis leuchten die Atacama-Salzseen des Lithiumabbaus in Chile, später taucht aus feinen Nebelwolken die urzeitlich anmutende Wüstenei des Braunkohle-Tagebaus in Deutschland auf.

Die globale Ausbeutung und die damit einhergehende, unumkehrbare Transformation des Planeten stehen im Zentrum von „Anthropocene“, der die mit „Manufactured Landscapes“ (2006) begonnene und mit „Watermark“ (2013) fortgesetzte Trilogie abschließt. In Europa debütierte der Film im Januar 2019 auf der Berlinale.

CAN 2018, Regie: Jennifer Baichwal, Nicholas de Pencier, Edward Burtynsky, mit Alicia Vikander (Erzählerin), 87 Min., englisch, russisch, hochchinesisch, kantonesisch, italienisch, deutsch OmU

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»Bildgewaltig und von geradezu hypnotischer Qualität, verdichtet Anthropocene die tiefgreifenden Spuren des menschlichen Zeitalters zu einem ebenso kunstvollen wie beklemmenden Seherlebnis.« (Canada Now / Maple Movies)

»It is important to remind people - again and again and again - that we can't continue to treat the planet like this.« (The Hollywood Reporter)

»“Anthropocene: The Human Epoch” puts a frightening twist on the standard nature documentary. Rather than exalting the awesome beauty of landscapes or animals, it captures alarming ways in which that beauty has been disturbed.« (The New York Times)

Do. 21.11. / 20:30

So. 24.11. / 20:00

Mo. 25.11. + Di. 26.11. / 18:00

Mouthpiece / CANADA: MAPLE MOVIES

Nach dem unerwarteten Tod ihrer Mutter macht sich die junge Autorin Cassandra Haywood - gegen den Widerstand ihrer Familie - daran, die Trauerrede zu verfassen. Doch der Versuch stürzt sie in eine eskalierende Sinnkrise, die Cassandras Bild von der Verstorbenen ebenso erschüttert wie ihre eigenen Gefühlsgewissheiten und politischen Überzeugungen.

Nach dem preisgekrönten Bühnenstück von Amy Nostbakken und Norah Sadava inszenierte Regisseurin Patricia Rozema den wechselvollen Konflikt der Heldin mit furioser Gestaltungslust abseits aller Genrekonventionen. »Lena Dunham’s Girls meets Charlie Kaufmann« beschreibt es treffend, wenn »Mouthpiece« mühelos rabiaten Humor, feministische Selbstreflexion, surreale Musicalnummern und bewegende emotionale Einsicht vereint. (Maple Movies) »Mouthpiece« ist ein kraftvoller, amüsanter und höchst origineller Blick auf eine konfliktreiche Psyche.

CAN 2018, Regie: Patricia Rozema, mit Amy Nostbakken, Norah Sadava, Sarah Camacho, 91 Min., engl. OmU

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»Thoughtful interrogation of modern womanhood.« (Variety)

»There's no denying the bracing, honest nature of "Mouthpiece," a truly revolutionary piece of filmmaking.« (Los Angeles Times)

»MOUTHPIECE is a powerful, funny and highly original look into the conflicted psyche of Cassandra Haywood - a fiercely independent millennial woman. Cass is a single writer who lives by her own rules. She’s also a bit of a disaster.« (Patricia Rozema)

Mi. 27.11. + Do. 28.11. / 17:30

Sa. 30.11. / 18:00

I’ve Heard the Mermaids Singing / CANADA: MAPLE MOVIES

Polly ist schüchtern, verträumt, schusselig und etwas linkisch. Als »erfolgloseste Karrierefrau aller Zeiten« hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Ihr Leben hält sie in Fotos und Filmen fest und beim Entwickeln der Bilder hat sie die wunderbarsten Erlebnisse – sie hört sogar Meerjungfrauen singen! Vor einer geklauten Videokamera sitzend berichtet Polly von ihrem neusten Job als Bürokraft in einer mondänen Kunstgalerie in Toronto. Polly verehrt ihre karrierebewusste Chefin Gabrielle und sehnt sich danach, von ihr geachtet zu werden. In ihren Tagträumen gelingt ihr schließlich das Unmögliche. Doch nachdem sie ihrer Chefin zu Anerkennung verholfen hat, muss sie feststellen, dass auch in der Welt der Kunst nicht alles so erhaben ist, wie es scheint.

»Patricia Rozemas Regiedebüt ist ein wundervolles filmisches »Selfie« avant la lettre. In Cannes 1987 mit dem ›Prix de la Jeunesse‹ prämiert, wurde ihre skurrile Romanze zum Klassiker im queeren Kino.« (Maple Movies)

CAN 1987, Regie: Patricia Rozema, mit Paule Baillargeon, Sheila McCarthy, Ann-Marie McDonald, 90 Min., OmU

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»Das Regiedebüt von Patricia Rozema, ehemalige Regieassistentin von David Cronenberg, erweist sich als eine warmherzig romantische Geschichte mit skurrilem Humor. Der Film wurde zu Recht in Cannes mit dem Prix de la Jeunesse ausgezeichnet.« (Prisma)

»Don't we all know that feeling? That feeling that other people in other places are singing in the sunshine, but here in the shadows of our own miserable existence, the parade has passed us by. It is a key discovery of adult life that almost everyone else feels the same way, too, and that anyone who believes he's leading the parade is either stupid, mistaken or a saint.« (RogerEbert.com)

Mi. 27.11. / 18:00

Do. 28.11. / 20:30

Fr. 29.11. / 17:30

Sa. 30.11. / 20:00

Les Rois Mongols – Cross My Heart / CANADA: MAPLE MOVIES

Montréal, Oktober 1970. Während die linksradikale nationalistische »Front de libération du Québec« (FLQ) die frankophone Provinz in den Ausnahmezustand versetzt und die politische Landschaft ganz Kanadas erschüttert, muss die zwölfjährige Manon tatenlos zusehen, wie ihre Familie auseinanderfällt.

Der Vater ist krank und die überforderte Mutter gezwungen, ihre beiden Kinder in getrennte Pflegefamilien oder ins Waisenhaus zu geben. Doch Manon hat sich geschworen, ihren kleinen Bruder Mimi niemals allein zu lassen. Während die Erwachsenen über den Ausnahmezustand streiten, verfasst Manon ein Manifest für Kinderrechte. Sie fordert, frei entscheiden zu können und fasst einen tollkühnen Plan: Gemeinsam mit ihren Cousins Martin und Denis gründet sie eine revolutionäre Zelle. Sie nehmen eine Oma als Geisel und fordern Gutenachtgeschichten, selbstgebackenen Kuchen und vor allem, dass man sie so leben lässt, wie sie es wollen, fernab von der Ignoranz der Erwachsenen.

»Luc Picards wundervolles Drama über eine Herzensbildung in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs wurde auf der Berlinale 2018 mit dem Gläsernen Bären für den besten Jugendfilm ausgezeichnet.« (Maple Movies)

Cross My Heart – CAN 2017, Regie: Luc Picard, mit Milya Corbeil-Gauvreau, Anthony Bouchard, Henri Richer-Picard, 102 Min., frz. OmU

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»Das mitreißende Familiendrama punktet mit einer talentierten Darstellerriege und einer bewegenden Story, die ohne Moralpredigten und verlogenes Happy End auskommt. Drehbuchautorin Nicole Bélanger und Regisseur Luc Picard wissen und respektieren, dass weltpolitisches Geschehen und gesellschaftliche Probleme für die kleinen ZuschauerInnen Teil des Lebensalltags sind und somit einen Platz in Kinderfilmen verdienen. Mit wie viel Humor und Leichtigkeit sich das umsetzen lässt, zeigt ihre bei aller Tragik hoffnungsvolle Geschichte. « (Moviebreak)

»Alternately funny and poignant look at the anguish no child should ever know.« (The Film Stage)

 

Nicht offizieller Teil der Maple Movies Reihe, aber auch ein kanadischer Film ist „Giant Little Ones“, der im Rahmen der Queerfilmnacht November läuft.