Ethnologie-Filmtage

Der ethnografische Film entsteht in der Regel im Rahmen einer ethnographischen Feldforschung und nimmt die Perspektiven von Menschen in verschiedenen sozialen Situationen in den Fokus. So bieten die Filme Einblicke in Alltagswelten, die fast vor unserer Haustür liegen können oder weit aber weit entfernt in den Anden.

Eine Veranstaltung des Instituts für Ethnologie und Kulturwissenschaft => Ethnografische Filmtage

Do. 14.11. / 20:00

Vorfilm: Horror in the Andes / ETHNOLOGIE-FILMTAGE

Die Kurz-Doku beschreibt eine Freundschaft zwischen drei Filmemachern und deren gemeinsame Leidenschaft für das Kino. Der Kurzfilm begleitet Martin, Lucho und Carlitos während des beschwerlichen Drehs ihres ersten Horrorfilms in der Kleinstadt Ayacucho im Herzen des andinen Hochland Perus. Ihr Ziel ist, andine Geschichten und Legenden für ein lokales Publikum auf die Leinwand zu bringen und neue persönliche Held*innen jenseits der Hollywoodlegenden zu erschaffen.

Terror en los Andes - UK / Peru 2019, Regie: Martha-Cecilia Dietrich, 30 Min., quechua, spanisch OmengU

Do. 14.11. / 20:00 * mit Regisseurin Laura Coppens, Martin Gruber und Frank Müller, für Ethnologie und Kulturwissenschaft

Taste of Hope / ETHNOLOGIE-FILMTAGE

2010 kündigt Unilever die Schließung einer profitabel arbeitenden Teefabrik in Südfrankreich an. Nach 1336 Tagen des Widerstands feiern die Arbeiter*innen ihren Sieg über den multinationalen Giganten und werden Eigentümer*innen ihrer Fabrik. Mit der Übernahme durch die Arbeiter*innen beginnt ein neuer Kampf – der um das Überleben auf einem übersättigten und hart umkämpften Markt.

„Taste of Hope“ ist die faszinierende Geschichte einer Arbeiter*innen-Kooperative auf ihrem holprigen Weg zu einer echten Utopie. Über zwei Jahre begleitete die Sozialanthropologin Laura Coppens die Arbeiter*innen der Fabrik bei ihren täglichen Herausforderungen wie Belegschafts-Versammlungen, Cash-Flow Problemen und Tee-Proben mit potentiellen Kund*innen. Im Grunde stellt der Film die Frage, wie man heute arbeiten muss, um morgen in einer besseren Welt zu leben.

Der Film feierte Premiere auf dem Visions du Réel Festival in Nyon, wo er zwei Preise gewann und wurde unter anderem für das Margaret Mead Film Festival, DOK Leipzig und die Duisburger Filmwoche ausgewählt. Mittels einer sorgfältig durchdachten Kameraführung schafft es die Regisseurin ohne große Worte die Möglichkeiten einer gemeinschaftlichen Existenz aufzuzeigen. Das Ergebnis ist eine meisterhaft gestaltete, präzise Beobachtung, quasi eine Art filmisches Handbuch der Selbstverteidigung und des Widerstands gegen den Neoliberalismus. Und ein Vorgeschmack auf Hoffnung, wie der Titel besagt.

Le goût de l'espoir - CH/ D 2019, Regie: Laura Coppens, 70 Min., frz. OmU

Website: https://tasteofhope-film.com/

Regisseurin Laura Coppens ist Sozialanthropologin, Filmemacherin und Kuratorin aus Berlin. Laura promovierte 2014 an der Universität Zürich und arbeitet seitdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bern. Ihre Schwerpunkte sind Ethnografische Medien, Dokumentarfilm, Gender, Sexualität und alternative Ökonomien. Laura lebte und forschte in Kuba, Australien, Indonesien und Frankreich.