Do. 14.11. / 17.30 * Filme und Gespräch mit Historiker und Regisseur Hannes Heer sowie Stefan Krolle, Leiter des Achimer Cato Bontjes van Beek-Gymnasium samt Archiv

Fischerhude: Leben im Faschismus / BÖLL-STIFTUNG BREMEN

Der Historiker Hannes Heer, der mit der von ihm konzipierten und geleiteten „Wehrmachtsausstellung“ nachhaltig die Legende einer „sauberen“ Wehrmacht widerlegte, untersucht am Beispiel Fischerhude die Gründe für den großen Erfolg der NSDAP gerade im ländlichen Raum. In den 1980er Jahren interviewte Heer die damals noch im Künstlerdorf lebenden Zeitzeug*innen: ehemalige Jung-Nazis, den unbehelligt zurückgekehrten Gründer der Fischerhuder NSDAP-Ortsgruppe und Vizegauleiter Heinrich Peper - aber auch die Mutter von Cato Bontjes van Beek. Ihre Tochter Cato wurde wegen regimefeindlicher Flugblätter im Alter von 22 Jahren hingerichtet.

Neben Heers Film „Fischerhude – Ein deutsches Dorf in der Nazizeit“ zeigt die Heinrich Böll-Stiftung Bremen am selben Abend auch Heers Dokumentation „Brûlez ces lettres – Verbrennt diese Briefe!“ über Widerstand im faschistischen Alltag: Catos Schwester Meme organisierte eine Hilfsaktion für französische Kriegsgefangene und versteckte deren Kassiber später in ihrem Fischerhuder Elternhaus.

Der 14.11.2019 ist der 99. Geburtstag von Cato Bontjes van Beek.

 

Die Filme

D 1980 und 1986, jeweils 45 Minuten, NDR Produktionen

  • Fischerhude – Ein deutsches Dorf in der Nazizeit
    In Gesprächen mit ehemaligen Jung-Nazis, mit der Mutter der wegen regimefeindlicher Flugblätter hingerichteten 22-jährigen Cato Bontjes van Beek und am Beispiel des aus dem Dorf stammenden und nach 1945 unbehelligt zurückgekehrten Gauleiter-Stellvertreters Peper werden die Gründe für den Sieg Hitlers auf dem Land gezeigt.
  • Brûlez ces lettres – Verbrennt diese Briefe!
    Drei Kunststudentinnen organisierten1941 bis 1943 in der Berliner S-Bahn eine Hilfsaktion für französische Kriegsgefangene, die jeden Morgen mit demselben Zug zur Zwangsarbeit transportiert wurden. Eine von ihnen – die Malerin Meme Bontjes van Beek – hatte die Kassiber mit den Berichten und Wünschen der Franzosen später in ihrem Fischerhuder Elternhaus versteckt. Eine Geschichte vom Widerstand im faschistischen Alltag.

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen

Mo. 18.11. / 20:00 * mit Gästen: Dr. habil. Hilde Schramm (geb. Speer, Initiative „Respekt für Griechenland“), Dr. Christoph Schminck-Gustavus, Prof. i.R. für Rechtsgeschichte; Moderation: Henning Bleyl, Heinrich-Böll-Stiftung Bremen.

Der Balkon / GRIECHENLAND / BÖLL-STIFTUNG BREMEN

Das idyllische Dorf Ligiádes im griechischen Épirus wird wegen seiner wunderbaren Aussicht auch der “Balkon” von Ioánnina genannt. Eben dieser für seine Schönheit bekannte Ort wurde während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg Schauplatz grausamer Verbrechen und Gräueltaten durch die Nazis. Dabei wurden über 80 Zivilisten von der Wehrmacht ermordet, darunter viele Kinder. 2018 jähren sich diese Massaker zum 75. Mal. Der deutsche Historiker Schminck-Gustavus setzt sich mit den Geschehnissen in Ligiádes auseinander, recherchiert und dokumentiert die Berichte der letzten verbliebenen Zeitzeug*innen. Diese dokumentierten Erinnerungen werden zum Ausdruck des kollektiven Traumas, und zum ersten Mal hören auch die Nachkriegsgenerationen ihre Vorfahren über die Verbrechen sprechen.

The Balcony: GRC/DE 2018, Regie & Buch: Chrysanthos Konstantinidis, mit Christoph U. Schminck-Gustavus, 101 Min., griechisch OmU

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen

 

Zum Weiterlesen

Filmwebsite, auf englisch: http://www.tobalkoni.gr/

Weitere Infos: https://griechischefilmwoche.com/