Gekreuzte Leben: Episodenfilme ⇔ Vidas cruzadas: El cine en episodios

Die Filmreihe Gekreuzte Leben: Episodenfilme ⇔ Vidas cruzadas: El cine en episodios widmet sich einem besonderen erzählerischen Format. In Episodenfilmen folgen wir unterschiedlichen Personen und ihren Geschichten, die durch eine lockere Klammer miteinander verbunden sind, ohne dass sie sich direkt begegnen müssen. Sie sind wie Gestirne, die umeinander kreisen und sich mehr oder weniger sichtbar beeinflussen. Oder ein Ereignis wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wie in Short Cuts (1993) von Robert Altman. Episodenfilme haben im westlichen Kino eine lange Tradition. Die Reihe stellt verschiedene spanische Filme vor, die als Melodrama, Dokumentation oder als Schwarze Komödie das episodische Format nutzen.

Eine Reihe von September bis Januar in Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen.

Mo. 18.9. + Di. 19.9. / 20:30

Ein Freitag in Barcelona

J. hat scheinbar alles: eine tolle Familie, einen guten Job, leidet aber dennoch an Depressionen und Phobien - ein gefundenes Fressen für seinen Therapeuten. E. ist nichts geblieben - geschieden und ohne einen Cent wohnt er wieder bei seiner Mutter. S. setzt seinen Sohn bei seiner Exfrau ab und versucht dabei, sie um eine zweite Chance zu bitten, ohne es direkt auszusprechen. Der mit Medikamenten ruhig gestellte G. observiert gerade das Haus des Geliebten seiner Ehefrau, als er zufällig im Park auf L. trifft. P. ist auf eine schnelle Nummer mit seiner Kollegin aus, während Frau und Kind auf ihn warten. Und M. und A. erhalten, jeweils von der Ehefrau des anderen, eine ironische Lektion fürs Leben.
Acht Männer um die 40 und ihre Mängel und Schwächen von heute: verloren, desorientiert und auf der Suche nach einer neuen Identität. Unfähig, das auszusprechen, was sie fühlen, geraten sie immer wieder in aberwitzige und ergreifende Situationen, die die Frauen mit Erstaunen beobachten.

Una pistola en cada mano, Spanien 2012, Regie: Cesc Gay, mit Ricardo Darín, Luis Tosar, Javier Cámara, 95 Min., span. OmU

“Der Mann, das verstörte Geschlecht” – Filmkritik von Kaspar Heinrich auf ZEIT ONLINE:
http://www.zeit.de/kultur/film/2013-07/film-ein-freitag-in-barcelona

Di. 24.10. / 20:30 

September

Jedes Jahr im September veranstaltet das Gefängnis Soto del Real in Madrid das Festival des Liedes. Die Teilnehmer sind Häftlinge, die aus unterschiedlichen Gefängnissen kommen und sie sind die Protagonisten des Films. Nach dem Festival kehren die vier Männer und vier Frauen wieder zurück in ihre Gefängnisroutine und sie gewähren uns Einblicke in ihr Leben und in die Intimität ihrer Liebesbeziehungen. Die Geschichten von Liebe oder ihrer Abwesenheit im Leben der Inhaftierten dient als Bindeglied für uns “draußen”, denn diese Gefühle kennen wir alle irgendwie. Im Laufe eines Jahres von September bis September und von Festival zu Festival schildert der Film diese Liebesgeschichten – wie sie sich entwickeln oder wie sie sich auflösen.

Septiembres, E 2007, Regie: Carlos Bosch, Dokumentarfilm, 89 Min., span. OmU

Di. 14.11. / 20:30 * mit Regisseurin Judith Colell

Frauen

In und vor einer Cafeteria kreuzen sich innerhalb von 24 Stunden die Lebenswege von vierzehn Frauen unterschiedlicher Alter- und Sozialschichten: Zwei Freundinnen sprechen über Männer; ein Mädchen wartet auf jemanden und eine Mutter schimpft mit ihrer Tochter, weil diese von ihrem Mann verlassen wurde. Auf der Straße versucht eine Mutter ihren Sohn davon zu überzeugen, dass er für ein paar Turnschuhe nicht 20.000 Peseten ausgeben kann; zwei Studenten unterhalten sich über den Freund der einen; eine Prostituierte hört empfindungslos ihrem Freier zu; eine Managerin ist auf dem Weg zu einem Meeting und eine verheiratete Frau geht zum Psychiater.

Nosotras, E 2000, Regie: Judith Colell, mit Mercedes Sampietro, Eulalia Ramón, Eva Santolaria, Marina Gatell, 85 Min., span. OmU

Di. 5.12. + Mi. 6.12. / 20:30 

Die Plage

In einem heißen Sommer in der Peripherie Barcelonas kreuzen sich tagtäglich die Wege von fünf Menschen: Iurie, ein moldawischer Ringkämpfer, der auf spanische Papiere wartet und als Erntehelfer bei dem Bauern Raül arbeitet. Raül hat die Landwirtschaft seiner Eltern übernommen, will auf biologischen Anbau, doch eine Insektenplage hat seine Felder befallen und droht die Ernte zu ruinieren. Zunehmende Atemnot zwingt die Nachbarin Maria, eine fast 90-jährige Bäuerin, in ein Altersheim. Dort trifft sie auf die philippinische Altenpflegerin Rosemarie, die erst seit kurzer Zeit in Spanien lebt und sich jeden Tag zu Fuß auf den Weg zur Arbeit macht. An einem Feldweg nahe der Autobahn sitzt Maribel auf einem klapprigen Gartenstuhl und versucht, als gealterte Prostituierte den Lebensunterhalt für sich und ihren arbeitslosen Sohn zu verdienen. Alle fünf kämpfen um die Sicherung ihrer Existenz. Detailgenau beobachtet Neus Ballús die Alltagsroutinen ihrer Laiendarsteller und hat mit ihrem Debutfilm “La plaga” ein eindrückliches Hybrid zwischen Dokument und Fiktion geschaffen, das viel über Barcelona, Spanien und letztlich auch Europa erzählt.

La plaga, E 2013, Regie: Neus Ballús, mit Rosemarie Abella, Maribel Martí, Raül Molist, María Ros, lurie Timbur, 85 Min., span. OmU

Di. 19.1. / 20:30 

Sterben jenseits der Möglichkeiten

Fünf Staatsbürger eines Landes, das erstaunliche Ähnlichkeiten mit Spanien aufweist, sehen ihr Leben durch die Wirtschaftskrise zerstört. Da sie nichts mehr zu verlieren haben, entwickeln sie einen verrückten Plan, um die spanische und zugleich die Weltwirtschaft zu retten: Sie wollen den Präsidenten der Zentralbank entführen und von ihm fordern, dass alles wieder so wird wie zuvor. Ist ihr Plan so simpel, dass es sogar klappen könnte? Die schwarze Komödie spielt mit der Idee, ob nicht jede*r von uns zu radikalen Taten fähig ist, wenn die Krise es erfordert.

Murieron por encima de sus posibilidades, E 2014, Regie: Isaki Lacuesta, mit Raúl Arévalo, Imanol Arias, Bruno Bergonzini, 98 Min., span. OmU