Global Families / THEMA DES MONATS Mai

Die Familie gilt als Keimzelle der Gesellschaft – aber welcher eigentlich? Im internationalen Kino taucht sie als vielfältiges Konstrukt auf, mal Erfolgsmodell, mal Desaster. Internationale Filme zu bunten Lebensgemeinschaften und sozialkritischen Fragen.

 

Zum Flyer der Filmreihe

 

Auch das 24. Internationale Bremer Filmsymposium widmet sich „Familien-Bildern“ im Zeitraum vom 8. – 12. Mai. Die Filme des Symposiums folgen im Anschluss.

Do. 2.5., Sa. 4.5.+ Di. 7.5. / 20:30

Fr. 3.5., So. 5.3. + Mo. 6.5. / 18:00

Mi. 8.5. / 15:00

Shoplifters – Familienbande / GLOBAL FAMILIES

In einer kalten Nacht finden Vater Osamu und sein Sohn Shota während einer ihrer Einbrüche die kleine Yuri. Trotz des finanziellen Engpasses der Familie nehmen sie das verwahrloste Mädchen mit zu sich nach Hause. Hier leben sechs Menschen aus drei Generationen, die nicht unbedingt miteinander verwandt sind, aber bedingungslos zusammenhalten. „Familie geht durch Herz und Magen, nicht durchs Blut“ heißt es einmal über diese Wahlverwandtschaften. Nach diesem Prinzip handeln Osamu und seine Partnerin Nobuyo. Und da sie unverschuldet arbeitslos wurden, halten sie sich mit Gaunereien und Diebstählen über Wasser. Yuri fühlt sich schnell der Familie zugehörig. Das harmonische Zusammenleben der bunten Truppe gerät jedoch in Gefahr.

„Wie üblich erweist sich … Hirokazu Kore-eda („Like Father, Like Son“) als genauer Beobachter, der seine Figuren mit psychologischer Präzision entwickelt und behutsam ihre Geschichten erzählt. Eine Story wie diese, zumal mit kleinen Kindern, könnte leicht zum Sozialkitsch oder Armutsporno mutieren. Diese Gefahr besteht bei dem japanischen Meisterregisseur zu keiner Minute.“ (Dieter Oßwald, programmkino.de)

Prämiert mit der Goldenen Palme 2018 und vielen weiteren Preisen

Japan 2018, Regie: Hirokazu Kore-eda, mit Lily Franky, Sakura Andô, Mayu Matsuoka, 121 Min. OmU

Podcast über den Film hr-inforadio.de

 

Pressestimmen

»Dieser Film ist so unaufgeregt wie die Musik, die ihn trägt.« Katja Nicodemus, NDR

»Neben dem Blick auf die Armut ist dies der zweiter progressiver Aspekt: Familie ist hier keine biologische, sondern eine politische Angelegenheit. Wenn jemand durch seine natürliche Familie nicht genug Liebe erfährt, muss diese von woandersher kommen.« Philipp Stadelmaier, SZ

»Regisseur Hirokazu Kore-eda baut Sozialkitsch und Edelmut seiner prekären Figuren auf, um dann alles auseinanderzunehmen. Mit bewundernswerter Prägnanz spielt er mit der Erwartung der Zuschauer, die ihre Familienkenntnis automatisch über die Erzählung legen und alles hinnehmen und sich täuschen lassen – bis der Schwindel auffliegt.« Holger Kreitling, Die Welt

»Nur wenige Regisseure sind ähnlich große Humanisten wie Kore-eda. Kaum einer hat die Fähigkeit ähnlich gut mit Kindern zusammenzuarbeiten und das diffizile, in jedem Fall einmalige Geflecht einer Familie auf die Leinwand zu bringen.« Rüdiger Suchsland, SWR2

Mi. 15.5. + Do. 16.5. / 18:00

In Kooperation mit dem Konfuzius-Institut Bremen.

An Elephant Sitting Still / GLOBAL FAMILIES

Eine Stadt in Nordchina. Bu flieht vor Gewalt in der Schule, Cheng fühlt sich schuldig am Suizid seines besten Freundes, Ling hatte eine Affäre mit ihrem Lehrer und Herr Wang soll ins Seniorenheim abgeschoben werden. Alle vier warten auf einen Zug nach Manzhouli. Dort soll es einen Elefanten geben, der nichts tut, nur sitzt und seine Umgebung ignoriert. Sie wollen so ihrem erdrückenden Leben entfliehen, in einem miserablen und hoffnungslosen China, wo auch die Mittelschicht in die Armut abrutscht und immer ein hellgrauer Schleier über der Stadt liegt.

Der chinesische Autor Hu Bo regte in seiner Heimat unter seinem Pseudonym Hu Quian bereits viele Kontroversen an. In seinem komplexen Spielfilmdebüt offenbart er sein behutsames Gespür für die Verlierer in einer egoistischen Gesellschaft. Das knapp vierstündige Gesellschaftsporträt nimmt sich die Zeit, die es benötigt, und ist jede elektrisierende Minute wert: ausgezeichnet u.a. mit dem FIPRESCI-Preis der Berlinale 2018.

Hu Bo hat sich 2017 mit 29 Jahren das Leben genommen. Da war sein Film, sein erster und tragischer Weise letzter, gerade fertig gestellt. Ein Film mit einer großen und doch stillen Wucht, ein Film, der zum Testament wurde.

Da xiang xi di er zuo, CHN 2018, Regie: Hu Bo, mit Uvin Wang, Yuchang Peng, 234 Min., chin. OmU

Statement & Pressestimmen

 

»›Er fand, in der Schönheit der Welt lag ein Geheimnis verborgen. Er fand, der Herzschlag der Welt hatte einen furchtbar hohen Preis; das Gleichgewicht zwischen Schmerz und Schönheit der Welt verschob sich mal hierhin, mal dorthin, und in Zeiten krasser Unausgewogenheit wog vielleicht der Anblick einer einzigen Blume das Blut zahlloser Menschen auf.‹ Ein Zitat aus dem Roman ›All die schönen Pferde‹ (1992) von Cormac McCarthy – und zugleich das Thema dieses Films. Es fällt uns immer schwerer, Vertrauen auch nur in die winzigsten Dinge zu haben. Die Enttäuschung darüber ist kennzeichnend für die heutige Gesellschaft. In AN ELEPHANT SITTING STILL geht es um persönliche Mythen inmitten des Alltags. Am Ende verliert jeder Mensch das, was ihm am meisten bedeutet.« (Hu Bo) https://www.arsenal-berlin.de/de/distribution/news/einzelansicht/article/7403/2808.html

 

»Der an einem einzigen Tag spielende ›Elephant‹ ist eine chinesische, ganz ungöttliche, ganz melancholische Komödie, eine Geschichte vom Menschen und seinen Anfechtungen, wie sie nur alle Jubeljahre gelingt, ein Meisterwerk, das ergriffen macht.« Alexander Kissler, Cicero

 

»Der beste Film der Berlinale.« Dunja Bialas, Artechock.de

 

»AN ELEPHANT SITTING STILL should become an enduring classic […] with its chilling sense of a suspended time in which history, culture, beauty, and even memory seem erased, it is among the greatest recent films.« Richard Brody, The New Yorker

 

»Ein Meisterstück aus China« Christiane Peitz, Tagesspiegel

Fr. 17.5. + Mo. 20.5. / 20:30

Our Struggles / GLOBAL FAMILIES

Im Lager eines großen Händlers kämpft Olivier mit vollem Einsatz als Gewerkschafter für den Arbeitsplatz eines 53-jährigen Mitarbeiters. Wie schon so oft kostet sein Engagement ihn viel Kraft und Zeit, die zuhause für seine beiden Kinder und seine Frau Laura fehlen. Zu Hause ist Laura für die Logistik zuständig. Sie kümmert sich um die zwei Kinder, schmeißt den Haushalt und geht zusätzlich arbeiten. Sie steht morgens früh auf und geht abends spät zu Bett, ohne an sich zu denken. Eines Tages holt Laura die Kinder nicht von der Schule ab und kommt auch später nicht nach Hause zurück. Wenige Tage später begeht Oliviers Arbeitskollege Selbstmord, da er für sich keine Perspektive sieht. Zwischen den Bedürfnissen der Kinder, Erwartungen im Job und den täglichen Herausforderungen des Lebens kämpft Olivier um ein neues Gleichgewicht.

Guillaume Senez greift das Tabuthema auf, das die Mutter ihre Familie verlässt, ohne ein Urteil zu fällen. Nominiert für den César und ausgezeichnet auf den Filmfestivals Hamburg und Torino.

Nos Batailles – B, F 2018, Regie: Guillaume Senez, mit Romain Duris, Laetitia Dosch, Lucie Debay, 98 Min, OmengU

Statement

»I’m not someone who makes theoretical films; I try to remain on a human level, to keep it real and connect with people’s feelings. Our Struggles proposes a perspective on the world of work as it is today and more specifically the repercussions it has on families.” Guillaume Senez

Interview mit Guillaume Senez https://cineuropa.org/en/interview/354337/

 

Pressestimmen

»Guillaume Senez's follow-up to his acclaimed debut 'Keeper' is another intimate, thoughtful portrait of a family in quiet crisis.« Guy Lodge, Variety

»Beiläufig und doch auch einfühlsam schildert der Film den schwierigen Weg einer Heilung, sucht das kleine Glück ebenso wie die persönlichen Tiefpunkte. Und endet dann doch in einer Einstellung, die ohne viel Aufhebens direkt zu Herzen geht.« Oliver Armknecht, film-rezensionen.de

Di. 14.5. + Sa. 18.5. – So. 19.5. / 20:00

Stories We Tell / GLOBAL FAMILIES

„Can you tell the whole story?“ Mit diesen Worten bittet Schauspielerin und Regisseurin Sarah Polley ihren Vater, ihre Geschwister und Freunde, von ihrer Mutter zu erzählen, die starb, als Polley elf Jahre alt war. Daraus schafft sie einen Film, der aus Interviews, alten Super-8-Aufnahmen der Familie und nachgespielten Szenen besteht. Die Ehe ihrer Eltern wie auch Geheimnisse der Familie werden so erkundet.
Jede*r der „Storyteller“ hat einen ganz eigenen Blick auf die Geschichte und so zeigt sich, dass Erinnerungen vage sind und Wahrheit davon abhängt, wer sie erzählt.

CDN 2012, Regie: Sarah Polley, mit Michael Polley, Harry Gulkin, 108 Min., engl. OmU

Pressestimmen

»Umso mehr verstärkt Stories We Tell deshalb wohl auch regel­rechte Entzugs­er­schei­nungen; das Gefühl, über den Film Teil einer neuen Familie zu sein und eine Heimat gefunden zu haben, die besser ist als die bisherige; eine, die man nicht mehr missen möchte. Mehr noch, als der vibrie­rende, atem­be­rau­bende Subtext dieses zärt­li­chen, vers­tö­renden, wunder­schönen Films auch deutlich macht, dass erst das Sprechen mitein­ander, das Geschichten erzählen und das vorur­teils­freie Zuhören und Zulassen dieser Geschichten uns zu besseren Menschen macht.« Axel Timo Purr, artechock

»Sarah Polley reveals more about herself than she may have realised in this complex documentary love-letter to her parents« Peter Bradshaw, The Guardian

»Beeindruckend an diesem Film ist vor allem, dass Polley sich selbst als trickreiche Erzählerin erweist. Sie beginnt damit, ein normales Erinnerungsportrait ihrer Familie zu entwickeln und lässt den Zuschauer erst nach und nach erahnen, dass es um viel mehr geht.« David Segler, Frankfurter Rundschau

Interview mit Sarah Polley https://www.youtube.com/watch?v=fqBe1DSY1Vc

Fr. 24.5., Mo. 27.5., Mi. 29.5. / 20:30

Sa. 25.5., Di. 28.5. + Do. 30.5. / 18:00

52 Tuesdays / GLOBAL FAMILIES

Einmal in der Woche, jeden Dienstagnachmittag, treffen sich Billie und James für ein ganzes Jahr zu einem gemeinsamen Familientag. Mehr Zeit kann James während seiner belastenden Hormontherapie nicht aufbringen, die ihm dabei hilft ein Mann zu werden. Die 52 Episoden zeigen aber nicht nur James Verwandlung, auch Billie wird zur Frau.

Ausgezeichnet u.a. in Sundance, Berlin und beim Melbourne Queer Festival 2014, nutzt Sophie Hydes Langzeitstudie die Zeit für sich. Sie drehte ihren Debutfilm konsequent an 52 Dienstagen. Die Drehbuch-Passagen wurden der Filmcrew jeweils in dieser Woche ausgehändigt, sodass Publikum und Schauspieler*innen die Charaktere über die Zeit hinweg erleben können.

AU 2013, Regie: Sophie Hyde, mit Tilda Cobham-Hervey und Del Herbert-Jane, 109 Min., OmU

Pressestimmen

»Honest, insightful and bravely against the grain, 52 Tuesdays is a magnificent debut« Tom Clift, Concrete Playground

»A highly inventive and sophisticated coming-of-age film.« Thomas Caldwell, Cinema Autopsy

»Grippingly plotted and exquisitely thoughtful, 52 Tuesdays is a poignant reminder that neither confusion nor crisis is doomed to be calamitous.« Inkoo Kang, Village Voice

Familien-Bilder / 24. Bremer Filmsymposium - Mi. 8.5. bis So. 12.5.

Unter dem Motto „Familien-Bilder: Lebensgemeinschaften und Kino“ rückt das 24. Bremer Filmsymposium alte und neue Formen des Zusammenlebens ins Zentrum. Der Variantenreichtum an Familien-Bildern im internationalen Film ist ein Medium, vorherrschende Modelle der Kleinfamilie infrage zu stellen. Wie von alternativen, queeren u.a. Lebensgemeinschaften erzählt wird, erkundet ein Programm mit 20 internationalen Gästen und 19 Filmen unterschiedlicher Genres.

Informationen zu den Filmen finden Sie auf der Hauptseite des Symposiums.

 

Zu den Vorträgen

 

DAS FILMPROGRAMM

Almanya – Willkommen in Deutschland

D 2011, Regie & Buch: Yasemin Şamdereli, mit Fahri Yardim, Aylin Tezel, 101 Min.

Mi. 8.5. / 20:30 * mit Einführung von Daniela Berghahn
Do. 9.5. / 18:00

Etwas tut weh & Familiengruft

BRD 1979, Regie: Recha Jungmann, 16mm 72 Min. (Vorfilm: Familiengruft; R: Maria Lang, BRD 1981/82, 12 Min.

Do. 9.5. / 14:30 * mit Einführung von Annette Brauerhoch

Familiensache(n)

kommentiertes Filmkunstprogramm

Do. 9.5. / 20:00 * kuratiert und vorgestellt von Prof. Dr. Elena Zanichelli

La Pivellina

Little Girl -I/A 2009, Regie: Tizza Covi & Rainer Frimmel, mit Patrizia Gerardi, 100 Min., OmU, 35mm

Fr. 10.5. / 14:30 * mit Einführung von Loreta Gandolfi
So. 12.5. / 18:00

Mo. 13.5. / 20:30

Ivan und seine Brüder

Veranstaltung in englischer Sprache

Fr. 10.5. / 16:30 * mit Gästen: Yvonne Illich (Boston), Michaela Scharf (Wien), Lindsay Zarwell (Washington D.C.)

Stories We Tell

CDN 2012, Regie: Sarah Polley, mit Michael Polley, Harry Gulkin, 108 Min., engl. OmU

Fr. 10.5. / 20:30 * mit Einführung von Babylonia Constantinides
Di. 14.5., Sa. 18.5. + So. 19.5. / 20:00

Under the Shadow

GB/KAT/JOR 2016, Regie: Babak Anvari, mit Avin Manshadi, Narges Rashidi, 84 Min., farsi OmengU

Fr. 10.5. / 22:30 * mit Einführung von Janna Heine

Das unmögliche Bild

D/A 2016, Regie: Sandra Wollner, mit Jana McKinnon, David Jakob, 69 Min.

Sa. 11.5. / 14:00 * mit Regisseurin Sandra Wollner

Sto spiti

GR/D 2014, Regie: Athanasios Karanikolas, mit Maria Kallimani, Marisha Triantafyllidou, 103 Min., OmU

Sa. 11.5. / 18:00 * mit Einführung von Julian Jochmaring

Stummfilm + X: Weibliche Junggesellen

S 1923, Regie: Per Lindberg, mit Tora Teje, Inga Tidblad, 86 Min., engl. Zwischentitel

Sa. 11.5. / 20:30 * mit Livemusik-Begleitung von DJ RØD

What We Do in the Shadows

Neuseeland 2013, Regie & Buch: Jemaine Clement, Taika Waititi, mit Taika Waititi, Jemaine Clement, 86 Min., OmU

Sa. 11.5. / 22:30

Mein Leben als Zucchini

Ma vie de courgette, CH/F 2016, Regie: Claude Barras, Buch: Céline Sciamma, 66 Min., DF

So. 12.6. / 16:00 * mit action&fun!

A Family Affair

NL/DK 2015, Regie: Tom Fassaert, mit Marianne Hertz, 115 Min., holl. OmengU

So. 12.5. / 20:30
Di. 14.5. / 18:00