Di. 16.5. + Mi. 17.5. / 20:00

Havarie

Undeutlich schaukelt was auf dem weiten blauen Meer, wir kennen das Bild mittlerweile recht gut: Es ist ein Gummiboot mit Geflüchteten. Diesmal ein einfaches Smartphone-Video, gedreht von einem irischen Touristen auf einer Kreuzfahrt vor Spanien. Untermalt werden diese Impressionen von den Erzählungen derjenigen Menschen, die sich in dieser Situation begegnen oder hätten begegnen können. Zu Wort kommen der Navigationsoffizier eines Kreuzfahrtschiffes und seine Frau, die Besatzung eines ukrainischen Frachtschiffes, das diese Route häufiger fährt, der Seenotrettungsdienst von Cartagena mit seinen Funksprüchen, ein Algerier, der selbst auf einem Boot das Meer überquerte – und der irische Tourist, der den Film gedreht hat. Philip Scheffner hat ihn in Belfast aufgespürt. Dort erzählt der Mann, wie ihn die Begegnung mit dem Flüchtlingsboot in seinen eigenen Ausnahmezustand zurückversetzt habe: jenen Tag im irischen Bürgerkrieg, an dem sein bester Freund erschossen wurde. In einer fast anderthalbstündigen Superzeitlupe verfremdet Scheffner (Revision, And Ek goes) den kurzen Film zu einem Projektions- und Erzählraum um.

D 2016, Regie: Philip Scheffner, 93 Min.