Globale 2019 – Globalisierungskritisches Filmfestival Bremen

Die zum achten Mal stattfindende „globale“ im CITY 46 / Kommunalkino Bremen und die „globale-lokal“ in der Neustadt zeigen eine Vielzahl von Dokumentar- und Spielfilmen.

Im Anschluss an die Filme gibt es die Möglichkeit zur Diskussion, zu der häufig Experten/innen oder Regisseuren/innen anwesend sein werden.

Aktuelle Infos auf: www.globale-bremen.de und zum Flyer (Download)

Do. 7.3. / 20:00 * mit Gästen: Prof. Dr. Adelheid Biesecker, emer. Wirtschaftswissenschaftlerin Uni Bremen und Justus Holzberger, Vertreter von DigitalCourage e.V.

Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie / GLOBALE

»Wanna Cry« war ein Weckruf: Die Cyber-Attacke mit einem Erpressungstrojaner traf im Mai 2017 hunderttausende Rechner in über 100 Ländern. Aber wie kann ein Schadprogramm weltweit Unternehmen, Krankenhäuser und sogar Geheimdienste lahmlegen? Die Antwort lautet: Alle benutzen Microsoft. Staatliche und öffentliche Verwaltungen operieren mit der Software des US-Konzerns und geraten immer tiefer in eine gefährliche Abhängigkeit. Sie macht angreifbar für Hacker und Spione, verstößt gegen das europäische Vergaberecht, blockiert den technischen Fortschritt und kommt Europa teuer zu stehen. Warum aber stemmen sich die meisten Regierungen gegen die Alternativen, oder kehren wie im Fall München sogar zurück in die Arme von Microsoft? Warum eigentlich? Und gibt es Alternativen? Darüber hat der Journalist Harald Schumann mit seinem Recherche-Team »Investigate Europe« mit Insidern und Verantwortlichen in ganz Europa gesprochen.

Im Anschluss an die Filmvorführung wird es die Möglichkeit zur Diskussion und zum Gespräch mit Experten von DigitalCourage e.V. geben. Interessent*innen können sich dabei auch genauer über alltagstaugliche Alternativen aus dem Bereich ›freie Software‹ informieren.

D 2018, Buch und Regie: Harald Schumann, Árpád Bondy, 44 Min.

Do. 14.3. / 20:00 * mit Einführung von Angelika Wunsch, attac Bremen

Sa. 16.3. bis Mo. 18.3., Di. 26.3. + Mi. 27.3. / 17:45

Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen / GLOBALE

Wenige Dinge auf unserer Erde sind so kostbar und lebensnotwendig wie Saatgut.

Die Samen der Kulturpflanzen ernähren und heilen uns und liefern Rohstoffe für unseren Alltag. Doch diese wertvollste aller Ressourcen ist bedroht: Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Biotech-Konzerne wie Syngenta und Bayer/Monsanto kontrollieren mit gentechnisch veränderten Pflanzen längst den globalen Saatgutmarkt. Die Regisseure beschäftigen sich mit der Bedeutung von Saatgutvielfalt für die weltweite Landwirtschaft und unsere Kultur. Sie begleiten die Bauern, Wissenschaftler, Anwälte und Ureinwohner, die den Kampf gegen die Konzerne aufgenommen haben und sich für die Zukunft der Samenvielfalt einsetzen. Dabei geht es auch um die Bedrohungen durch Pflanzengifte und Patente auf Saatgut sowie um mögliche Alternativen.

Ein eindringlicher Dokumentarfilm mit den weltweit bekannten Umweltaktivisten Vandana Shiva, Jane Goodall und Percy Schmeiser. Ausgezeichnet mit 18 Festival-Awards und nominiert für den EMMY 2018 als »Outstanding Nature Documentary«.

Seed: The Untold Story - USA 2016, Regie: Taggart Siegel, Jon Betz, 98 Min., engl., hindi, span. OmU

Do. 21.3. / 20:15 * mit Einführung von Klaus Berger und Robert Stracke, attac Bremen

Jakarta Disorder / GLOBALE

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta, inmitten der Megametropole, wachsen die Slums seit Jahrzehnten. Nun aber werden sie von städtebaulichen Planungen bedroht. Dem Gesetzgeber schweben dabei architektonische Visionen und Utopien von Gebäuden mit hoher Lebensqualität vor, in der alles vorkommt, nur die vorherigen Bewohner*innen nicht. In dieser Gemengelage der profit- und existenzorientierten Interessen proben zwei Frauen den Widerstand. Dela hat ihr ganzes Leben lang im Slum gelebt und gehört zu den Menschen, die vom Aufschwung des Schwellenlandes Indonesien nicht profitieren. Die politische Aktivistin Wardah Hafidz hilft Dela im Kampf gegen Zwangsräumungen und für Arbeit, Wohnen und Bildung – dort wo die Realität nicht mehr mit den kapitalistischen Verwertungsinteressen zusammen passt. Die Zeichen für eine soziale Bewegung stehen günstig – in der jungen Demokratie ist gerade Wahlkampf. Kann die Macht der Vielen tatsächlich die Macht einer kleinen Elite brechen oder bleibt »echte Demokratie« ein Ideal?

INO 2013, Regie: Ascan Breuer, Victor Jaschke, mit Oma Dela, Wardah Hafidz, Joko Widodo, 87 Min., indon., engl., dt. OmU

Do. 28.3. / 20:00 * mit Einführung von Klaus Berger, attac Bremen. Zu Gast: Sören Lauer, fairtragen GmbH

Sa. 30.3. + So. 31.3. / 20:00

Mo. 1.4. bis Mi. 3.4. / 20:00

Machines / GLOBALE

In der riesigen Textilfabrik in Gujarat, Indien wird produziert, was bei uns für wenig Geld über die Ladentheken geht. Die Gänge in der Fabrik sind unübersichtlich, die Strukturen verwirrend, die Arbeit hart und unmenschlich. Die Industrialisierung, die seit den 1960er Jahren im Gebiet Sachin im Westen Indiens beispielslos und unreguliert erfolgte, vergrößerte die Kluft zwischen dem Westen und den Entwicklungsländern. Regisseur Rahul Jain porträtiert nur eine von zahllosen Fabriken und zeigt tausende Arbeiter, die tagtäglich in derselben Umgebung schuften und leben. Eines wird klar: Wenn sie sich nicht zusammenschließen, wird sich nichts bessern. Die Doku zeigt eindringlich die entwürdigenden Arbeitsbedingungen und ist darüber hinaus ein provozierender Denkanstoß.

IND/D/FIN 2016, Regie: Rahul Jain, 71 Min., hind. / engl. OmU

Zum Weiterlesen

»Die Stärke von Jains musikfreiem Film liegt in der visuellen Kraft, mit der die faktischen Produktionsverhältnisse in Bilder von urtümlicher Wucht und oft traumhafter Dichte umgesetzt sind. Nur manchmal, wenn die Kamera auf Kinder hält, die Müll aus Giftschlamm wühlen, schlägt ihre Kraft dann doch ins Plakative um.« (Vollständige Kritik / epd-Film)

»Diese gigantische Textilfabrik in Gujarat / Indien könnte genauso gut der Schauplatz für ein "Dante’s Inferno" des 21. Jahrhunderts sein. Mit starker visueller Sprache, unvergesslichen Bildern und sorgfältig ausgewählten Interviews.« (Vollständige Kritik / epd-Film)

»Jain ist direkter, betont politischer, bezieht letztlich klar Stellung und prangert die miserablen Arbeitsbedingungen an. Doch ebenso sehr scheint ihm bewusst zu sein, dass auch er als Filmemacher in gewisser Weise von der Not der Arbeiter profitiert: Ohne sie hätte er kein Thema für seinen Film, schon gar nicht so ein eindringliches, bildgewaltiges. Gerade diese selbstreflexive Komponente trägt dazu bei, „Machines“ zu einem bemerkenswerten Film zu machen.« (Vollständige Kritik / Programmkino.de)

IM RAHMEN DER FILMREIHE WURDEN IN DEN VERGANGENEN MONATEN BEREITS GEZEIGT:

Do. 28.2. / 20:15 * mit Einführung von Simon Woyte und Klaus Berger

Climate Warriors / GLOBALE

Der Widerstand gegen Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen hat in den USA eine Vielzahl von Klimakriegern mobilisiert. Hollywoodstars wie Schwarzenegger oder Wissenschaftler*innen eint der Kampf gegen Lügen und für Umweltschutz und regenerative Technik. Denn die Energiewende ist technisch bereits möglich. Und doch wird sie nicht umgesetzt. Menschliche Gier und konservativen Machtverhältnisse stehen ihr im Weg. Eine globale Veränderung kann nur durch eine Bewegung von unten entstehen, eine Bewegung aus dem Volke. Davon ist der Filmemacher Carl-A. Fechner überzeugt. So trifft er auf seiner Reise durch Deutschland und die USA nicht nur auf Prominente und Politiker, sondern auch auf engagierte Menschen mit sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Sie alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: den Umstieg auf 100% erneuerbare Energien.

D/B/USA 2017, Regie: Carl-A. Fechner, 86 Min.

Do. 21.2. / 20:30 * mit Einführung von Klaus Berger und Simon Woyte und Gast von der Hochschule Bremen (angefragt)

Bis zum letzten Tropfen - Europas geheimer Wasserkrieg / GLOBALE

Der Zugang zu sauberem Wasser ist seit 2010 laut der Vereinten Nationen ein Menschenrecht. Doch wer garantiert das? Momentan findet ein stiller Kampf um die überlebenswichtigste Ressource statt. Über viele Jahre wurden kommunale Wasserbetriebe überall in Europa privatisiert. Jetzt versuchen Städte, Regionen und Länder vormals privatisierte Wasserbetriebe wieder zurück zu erlangen und rekommunalisieren ihren Wassersektor. In Europa lässt sich beispielhaft verfolgen, in welchem Spannungsnetz die Versorgung stattfindet. Andererseits werden Länder wie Griechenland von der EU dazu angehalten und genötigt ihre Wasserversorgung zu privatisieren. Da kommt der Gedanke auf, dass Unternehmensinteressen auch in der EU mehr Gewicht haben als Menschenrechte. Avgeropoulos folgt der Spur des Geldes quer durch den europäischen Kontinent.

GR/F/D 2017, Regie: Yorgos Avgeropoulos, 55 Min., OmengU

Do. 14.2. / 20:30 * mit Einführung von Angelika Wunsch und Klaus Berger

Hamburger Gitter / GLOBALE

Ein Jahr nach dem G20 – Gipfel zieht der Film Bilanz und stellt Polizei und Justiz in den Mittelpunkt. Auch ein Jahr nach den Ereignissen sucht die Polizei noch mit allen Mitteln nach hunderten Verdächtigen, die Politik fordert harte Strafen, die Gerichte leisten Folge und die wenigen kritischen Stimmen verblassen im allgemeinen Ruf nach Law and Order. 17 Interviewpartner*innen aus Polizei, Medien, Wissenschaft, Justiz und Aktivismus ziehen in diesem Film Bilanz. Als Reaktion auf Tumulte wurden 2017 Grundrechte wie Versammlungs-, Bewegungs- und Pressefreiheit außer Kraft gesetzt. Ausnahmezustand oder Startschuss für eine neue sicherheitspolitische Normalität?

D 2018, Regie: Marco Heinig, Steffen Maurer, Luise Burchard, Luca Vogel, 80 Min.

Do. 7.2. / 20:00 * mit Einführung

Brand III - Widerstand im reichen Land / GLOBALE

Heute stehen nur noch 10% des uralten, ehemals gigantischem Waldgebiet Hambacher Forst im Städtedreieck, Köln, Düsseldorf und Aachen. Die seit 1972 betriebene Rodung durch den Energiekonzern RWE wurde ab 2012weit über die lokalen Grenzen hinaus bekannt, als Aktivist*nnen das Rheinische Braunkohlenrevier zu einem Schwerpunkt im Kampf gegen die Kohleverstromung zu machen.

BRAND III blickt zurück auf erste Klimacamps im Rheinland, engagierte Bürger*nnen und erzählt die Geschichte der Waldbesetzung im Hambacher Forst bis zur Räumung im Jahr 2018. Über mehrere Jahre hat die Doku viele Ereignisse des Widerstandes begleitet. Aktivist*innen sprechen von Taktiken und Motivation, von ihren Erfahrungen damit, im Wald zu leben und für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen. Es ist der dritte Teil der Trilogie der Künstlerin Susanne Fasbender, in dem sie die Zusammenhänge zwischen Rohstoffabbau, Landnahme, Wirtschaftswachstum und Klimakrise auf beeindruckende Weise analytisch zu fassen weiß.

D 2017 Regie: Susanne Fasbender in Koop. mit dem Hambacher Forst Filmkollektiv, 120 Min.