Facts & Fakes

Spätestens seit dem amerikanischen Wahlkampf ist der Begriff „Fake-News“ ein geflügeltes Wort geworden. Davon ausgehend beschäftigt sich die Filmreihe „Facts & Fakes“ mit der journalistischen Wahrheit und der Deutung von Wirklichkeit in einer Welt, in der es so etwas wie allgemeingültige Fakten nicht mehr zu geben scheint. In den ausgewählten Filmen werden diese Themen von komisch bis bitterböse behandelt. Passend dazu gibt es die Vorträge „Wie wirklich ist die Wirklichkeit? – Das Genre Mockumentaries“ am Do. 14.3. um 20:30 von Karl-Heinz Schmid (City 46) und „Fake News und Framing - Warum jeder Bürger in Zukunft journalistische Fähigkeiten braucht“ von Bernd Gäbler (Professor für Journalistik FHM Bielefeld) am Sa. 16.3. um 18:00.

Mit freundlicher Unterstützung durch die swb-Bildungsinitiative.


In Kooperation mit dem Servicebureau Jugendinformation und #denk_net bieten wir zwei Workshops für Schülergruppen ab 14 Jahren an. Workshop: Action! Aktiv werden gegen Hass im Netz! Am Di. 2.4. 9-16 Uhr.  Unterschiedliche Strategien gegen Hass im Netz werden ausprobiert und besprochen. Workshop: Wahr oder Fake?! Am Do. 4.4. 9-16 Uhr (Ausgebucht). Mittels Fake-News-Generator erfahrt ihr wie einfach Nachrichten „gefaked“ werden können. → Weitere Informationen: http://servicebureau.de/denk_net/

Do. 14.3. + Di. 19.3 / 18:00

Sa. 16.3. / 20:30

*** Achtung, der Film enthält verstörende Szenen ***

Mann beißt Hund / FACTS & FAKES

Ben ist beruflich Serienkiller. Jeden Tag raubt er aufs Neue Menschen aus, tötet Rentner, Postboten und macht selbst vor Familien nicht halt. Ein Filmteam begleitet ihn bei seinen täglichen Gewaltausbrüchen und dokumentiert alles von den Morden bis zur Leichenentsorgung. Ben erklärt dabei offen und ehrlich seine Philosophien und Tricks: Wie man Leichen beschwert, damit sie sinken, warum er nie zweimal auf die gleiche Art tötet oder wie man sich eine Kugel spart, indem man das Opfer einfach zu Tode erschreckt. Die charismatische Art Bens sorgt dafür, dass sich die Distanz zwischen ihm und dem Filmteam zunehmen auflöst. Bald wird das Team zu einem Teil von Bens kriminellen Aktivitäten und am Ende werden keine Bilder mehr geschossen, sondern Menschen.

Die belgischen Filmemacher Benoît Poelvoorde, André Bonzel und Rémy Belvaux spielen selbst die Hauptrollen. Mit dokumentarischen Mitteln und viel schwarzem Humor tauchen sie tief in die Abgründe des Menschen ein.

B 1993, Regie: Rémy Belvaux, André Bonzel, mit Benoît Poelvoorde, 96 Min., OmU

Kritik

„Bitterböse Satire auf eine von Ethik und Verantwortung losgelöste Medienwelt. Ein aus der Perspektive des Filmteams erzählender Erstlingsfilm, der in der Wahl seiner Mittel Geschmacklosigkeiten und Tabuverletzungen in Kauf nimmt, um Diskussionen zu provozieren.“ (filmdienst)

„Mit dokumentarischen Mitteln zeigen die Filmemacher Rémy Belvaux, André Bonzel und Benoît Poelvoorde einen eigenwilligen Einblick in die Welt eines Mörders. Dabei setzen sie auf eine Fülle von Skurrilitäten. Trotz vieler fast schon abstoßender Szenen ist das Werk für Freunde des äußerst schwarzen Humors ein wahres Fest. Schon seltsam, dass derlei Brutalitäten oftmals zum Schreien komisch sind.“ (prisma)

Do. 14.3. / 20:30

Vortrag: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? / FACTS & FAKES

Seit den 80er Jahren geistert – von einigen wenigen älteren Filmen abgesehen – ein neues Film-Genre durch die Kinos: das Mockumentary.

Spielfilme, die wie Dokumentationen gemacht sind, Fake-Docus, die nicht umsonst in der Hoch-Zeit der Postmoderne entstanden und populär wurden. Dieses Genre ist nicht nur deshalb interessant, weil es auf so kreative Weise mit dem filmischen und faktischen Repertoire spielt, sondern weil es auch mit Reaktionsweisen und dem Reifegrad der Zuschauer spielt.

Der Vortrag gibt einen Überblick über wichtige Filme des Genres, trifft eine filmhistorische Einordnung und geht der Frage nach, was Wirklichkeit eigentlich ist.

 

Referent: Karl-Heinz Schmid (CITY 46)

Fr. 15.3., Mo. 18.3. / 18:00

So. 17.3. / 20:30

Network / FACTS & FAKES

Da die Einschaltquoten immer weiter sinken, wird der ältere Nachrichtensprecher Howard Beale kurzerhand gekündigt. Doch dieser lässt sich das nicht ohne weiteres gefallen und kündigt daraufhin bei laufender Kamera an, bei seiner letzten Live-Sendung Selbstmord zu begehen. Die Drohung verpasst seiner Popularität einen ordentlichen Schub und auch die Einschaltquoten erreichen ungeahnte Höhen. So bleibt Beale doch noch auf Sendung und auch als er seinen Entschluss nicht in die Tat umsetzt, bleibt seine Beliebtheit erhalten. Da er sich inzwischen kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, soll er zum neuen Sprachrohr für die Philosophie des globalen Kapitalismus werden, den der Sender vertritt. Doch früher oder später sinken die Quoten erneut. Daraufhin greift die neue Nachrichtenchefin zu noch extremeren Maßnahmen um den Sender wieder auf Kurs zu bringen.

Lumets Film konnte 1977 vier Oscars für sich gewinnen. Neben Faye Dunaway als Beste Haupt- und Beatrice Straight als Beste Nebendarstellerin, wurde auch Paddy Chaefsky für das Beste Originaldrehbuch ausgezeichnet. Peter Finch, der kurz vor der Verleihung an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben war, erhielt posthum den Oscar als Bester Hauptdarsteller.

USA 1977, Regie: Sidney Lumet, mit Faye Dunaway, Wiliam Holden, Peter Finch, 120 Min., OmU

Kritiken

„Ein hervorragend inszenierter und intensiv gespielter Film, der eine ebenso bestürzende wie schneidend-scharfe satirische Abrechnung mit dem Kommerzfernsehen ist.“ (filmdienst)

„Auch wenn Sidney Lumets Film Network schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat, wirkt er aufgrund seiner Story nach wie vor brandaktuell und geradezu prophetisch, was die Entwicklung des Fernsehens anbelangt. Mit satirischer Schärfe und unterstützt von einer ausgezeichneten Besetzung legt der Film die Mechanismen des Privatfernsehens zu einer Zeit offen, als in Deutschland an eine solche Entwicklung noch niemand dachte.“ (kinozeit)

Fr. 15.3. + Di. 19.3. / 20:30

So. 17.3. / 18:00

Deckname Dennis / FACTS & FAKES

Der amerikanische Privatdetektiv Dennis R.D. Mascarenas ist auf geheimer Mission in Deutschland unterwegs. Er soll die Mentalität der Deutschen nach eventuellen Gefahren für die USA ausspionieren und so viel wie möglich über ihr typisches Verhalten herauszufinden. Getarnt als Fernsehjournalist in Jeans und Freizeithemd mischt er sich unter die Leute. Er interviewt er ein breites Personenspektrum, von Politikern und Intellektuellen über Polizisten, Demonstranten und gewöhnlichen Menschen auf der Straße. Dabei stellt er mitunter die dreistesten Fragen – und bekommt meist prompt ausführliche und ehrliche Antworten.

Die Agentenstory ist hier nicht mehr als ein Mittel zum Zweck, erfunden, um dem Sammelsurium der aus dem echten Leben gegriffenen, schrägen und abseitigen Interview- und Anekdoten-Splittern einen Rahmen zu geben. (kino.de)

D 1997, Regie: Thomas Frickel, mit Gerhard Bahn, Klaus Beier, Günter Deckert, 92 Min.

Kritiken

„Deckname Dennis ist gefährlich geschmacklos. Gerade deswegen brauchen wir einen solchen Film.“ (filmzentrale)

„Alles ist wahr“, meint Filmemacher Thomas Frickel über seine mit einer Agentenstory eingerahmte, schräge Spielszenen-Doku, „Deckname Dennis“, die sich aus vielen Interviewsplittern quer durch die politische, kulturelle und geographische Landschaft Deutschlands und aus Begegnungen mit „typisch deutschen“ Phänomenen zu einer augenzwinkernden, manchmal aggressiven satirischen Zustandsbeschreibung zusammensetzt.“ (kino.de)

Sa. 16.3. / 18:00

Vortrag: Fake News und Framing – Warum jeder Bürger in Zukunft journalistische Fähigkeiten braucht / FACTS & FAKES

Journalisten haben einen schlechten Ruf und der Journalismus steckt sowohl in einer ökonomischen, als auch einer politischen Krise. Das Misstrauen ist groß. Eine Seite wirft der anderen „Fake News“ vor – ein universelles Schimpfwort, das von einzelnen journalistischen Fehlern bis zu zielgerichteter politischer Propaganda alles meinen kann. In einer Zeit des Informationsüberflusses ist es schwer geworden, sich zu orientieren. Man muss lernen, zwischen Tatsachen und Meinungen zu unterscheiden. Wichtig für die Deutung der Wirklichkeit ist es auch, zu erkennen, in welchen Kontext Fakten gestellt werden. Das ist das sogenannte „Framing“. Damit es auf dem „Markt der Wahrheit“ nicht genauso entfesselt zugeht wie auf dem Finanzmarkt, ist gesellschaftliche Regulierung notwendig. Aber in Zukunft wird auch jede*r Einzelne journalistische Fähigkeiten brauchen.

 

Referent: Bernd Gäbler (Professor für Journalistik FHM Bielefeld)