NEU IN BREMEN

Do. 1.3. + Sa. 3.3. / 18:00

So. 4.3. + Mo. 5.3. / 20:30

Die Liebhaberin

Die Gesellschafts-Satire des österreichischen Regisseurs inszeniert einen Clash der Kulturen. Belén ist eine aus ärmlichen Verhältnissen stammende junge Frau, die bei einer reichen Familie am Stadtrand von Buenos Aires einen Job als Hausmädchen und Köchin erhält. Die Villa liegt in einer „Gated Community“,  einem Wohnbezirk, der sich durch hohe Mauern und Sicherheitsmaßnahmen vom Rest der Welt abschottet. Drinnen wohnen die Reichen, draußen die Armen. Angrenzend an diesen wohl geordneten und gesicherten Wohnbereich befindet sich eine dschungelartige Wildnis. Hier entdeckt Belén eines Tages ein Nudistencamp, das sie zunehmend fasziniert. Schritt für Schritt macht sich die einfache Putzfrau mit dem freien Swingerleben der FKK-Gemeinde vertraut und wird schließlich von ihr aufgenommen. Dabei befreit sie sich nicht nur von ihren Kleidern und von allerlei Zwängen, an die sie seit Kindertagen gewöhnt ist. Sie wird gleichsam neu geboren. Aber auf vertrackte Weise ist das Leben der freiheitsliebenden Nudisten nicht weniger von Zwängen geprägt als das der in Angst erstarrten Wohlstandsbürger.

Los Decentes – AT/COR/ARG 2016, Regie: Lukas Valenta Rinner, mit Iride Mockert und Ivanna Colona Olsen, 100 Min., span. OmU

Do. 8.3. + Sa. 10.3. + Mi. 14.3. / 18:00
So. 11.3. / 20:30

Mein Großvater Salvador Allende

35 Jahre, nachdem sie ihre Heimat Chile wegen des Militärputsches von 1973 verließ, kehrt Marcia Tambutti Allende zurück. Sie will hinter die Geheimnisse ihrer Familiengeschichte schauen und die private Seite ihres Großvaters Salvadors Allendes kennenlernen, des ersten demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Chiles. 1973 wurde er durch einen Putsch des späteren Diktators Pinochet entmachtet und soll sich das Leben genommen haben. Der Großvater ist Marcia Tambutti Allende von früher Kindheit an nur als politische Ikone begegnet: „Für mich war er ein statisches Bild. Niemals hörte ich Kritik an ihm.“ Nach und nach ist Marcia Tambutti Allende fündig geworden: sie hat Fotos und Filme, private, nie veröffentlichte und offizielle, zum Vorschein gebracht. Die Person Allende gewinnt dadurch an schillernder Vielseitigkeit, insbesondere aber durch die sicherlich nicht immer einfachen Gespräche mit der Familie. Auch Allendes diverse Affären werden nicht verschwiegen. Ein fesselnder Familienfilm wie ein politischer Film, der weit über die Ikone Allende hinausweist.


Auf dem Cannes Film Festival 2015 wurde der Film als Beste Dokumentation ausgezeichnet.

Allende, mi abuelo Allende – CL/MEX 2015, Regie: Marcia Tambutti Allende, mit Isabel Allende, 90 Min., spanische OmU

Di. 13.3.  / 20:15 * mit Regisseur Rasmus Gerlach

Der Gipfel – Performing G 20

Mit „Performing G20“ holt Gerlach zentrale Momente der Aktions- und Performancekunst, die Teil des Protests waren, wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück, bzw. macht diese für manche Zuschauer*innen erstmals sichtbar. Die heimlichen Held*innen von „Der Gipfel“ gehören zu der Gruppierung namens „Megafonchor“, wobei dieses Standardaccessoire des politischen Protests auf der Straße auf neuartige Weise genutzt wird. Apropos Musik: Zu Gerlachs Interviewpartner*innen gehört die Performance-Künstlerin und Musikerin Laurie Anderson, die wenige Tage nach dem Gipfel in Hamburg zu Gast ist. Gerlach spricht mit Anderson über das Bild, das sie sich über die Medien vom Gipfel gemacht hat - und schlägt von ihr den Bogen zu einem der eindrucksvollsten Videos, das während des G20 entstanden ist: Aktivist*innen hatten brutale Polizeiaktionen zusammengeschnitten und das schaurige Gewaltpotpourri mit „Perfect Day“ untermalt, einem der bekanntesten Songs von Andersons verstorbenen Ehemann Lou Reed.
Den optisch nachhaltigsten Eindruck hinterlässt beim Zuschauer die apokalyptische Assoziationen weckende Performance der Gruppierung „1000 Gestalten“. Als Schauplatz für ihre neuartige Form der Demonstration wählten die Aktivist*innen das Kontorhausviertel in der Innenstadt. Grau geschminkt und mit grauer Kleidung bewegten sie sich zombie-ähnlich durch die Straßen, um das zombiehafte Verhalten zu illustrieren, das „wir“ als Gesellschaft an den Tag legen.
Die berühmteste Performance-ähnliche Aktion lieferte indes eine Einzelperson gleich zu Beginn des Films: Eine Frau war am ersten Tag des Gipfels auf einen Räumpanzer geklettert, die im verharmlosenden Polizeijargon Sonderwagen heißen. Polizisten traktierten sie aus nächster Nähe mit Pfefferspray und Wasserwerfern. Die Bilder dieser Aktion haben wir unter anderem einem Mann zu verdanken, der das Geschehen von seinem Balkon aus live ins Netz streamt.
Der Hamburger Polizei-Pressesprecher hatte den besonderen Ehrgeiz hier mitten im Demotrubel dem NDR ein Interview geben zu wollen. In der Folge wird er von Demonstrant*innen gejagt und versteckt sich in einem Krankenwagen. Sein besonderer Insiderbericht bewahrt den Film vor Einseitigkeit und macht ihn auch für eine breite Masse zu einem wichtigen Stück Kino.

D 2017, Regie: Rasmus Gerlach, Musik: Laurie Anderson, Lou Reed, Die goldenen Zitronen, 77 Min.

Sa. 17.3. / 20:30

Mo. 19.3. + Di. 20.3. / 18:00

On The Beach At Night Alone

In zwei Episoden erzählt der Regisseur Hong Sang-soo von der jungen Younghee, die gerade eine Affäre mit einem verheirateten Mann hinter sich hat - er Regisseur, sie Schauspielerin. Als bösartige Gerüchte auftauchen, verlässt Younghee ihre Heimatstadt Seoul. Sie flieht ins ferne Hamburg und lässt sich durch die fremde Stadt treiben. Doch ist die Beziehung wirklich zuende? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Das bleibt ungewiss. Zurück in Korea besucht Younghee in der zweiten Episode des Films die Küstenstadt Gangneung und trifft dort bei einer Dinner-Party alte Freunde. Auch ihren ehemaligen Liebhaber sieht sie wieder. Im Verlauf des Abends mit jeder Menge Reislikör wandeln sich die Gespräche in emotionale Ausbrüche. Younghee entflieht der Situation und landet an einem einsamen Strand, wo sie eine entscheidende Begegnung hat. Für ihre Darstellung der Younghee wurde die Schauspielerin Kim Minhee auf der Berlinale 2017 mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet.

„Das Kino des südkoreanischen Regisseurs Hong Sang-soo ist eine zarte, sich ewig fortsetzende Komposition. Eine filmische Fuge entlang einer Handvoll Leitmotive: Männer und Frauen sind hier genauso in Bewegung wie ihre Bilder voneinander...“ (Kritik von Katja Nicodemus in der ZEIT)


„Ein feiner Film über Liebeskummer, Reue und Selbstfindung." (Hannah Pilarczyk, Der Spiegel)


„Eine bittersüße Charakterstudie, so ergreifend und witzig wie täuschend leicht." (Indiewire)

Bamui haebyun-eoseo honja – COR 2017, Regie: Hong Sang-soo, mit Min-hee Kim und Young-hwa Seo, 101 Min., koreanische OmU