ZWEITE CHANCE

Viele Filme sind schneller wieder aus dem Kino, als es den Zuschauern lieb ist. Hier kriegen Filme und die Zuschauer, die sie verpasst haben, ihre zweite Chance auf eine Begegnung im Kino.

Sa. 8.6., Fr. 14.6. + Mo. 17.6. / 20:30

So. 9.6., Do. 13.6. + So. 16.6. / 18:00

So. 23.6. / 11:00

Border / ZWEITE CHANCE

Die schwedische Grenzbeamtin Tina ist eine auffallende Erscheinung. Ihr aufgrund eines Chromosomenfehlers seltsam geschwollenes Gesicht, ihr bohrender Blick und ihre körperliche Kraft verleihen der jungen Frau etwas Animalisches. Zudem besitzt sie eine besondere Fähigkeit, die für ihren Beruf besonders praktisch ist: Sie kann Angst, Scham und Wut anderer Menschen riechen und so ihre Emotionen wahrnehmen. Nur einmal versagt ihr Geruchssinn: Sie begegnet Vore, der ihr auffallend ähnlich sieht. Tina merkt, dass ihre Begabung bei ihm an ihre Grenzen stößt. Und obwohl sie ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat, spürt Tina bei ihm eine Vertrautheit, die ihr bisher fremd war. Je näher die beiden Außenseiter sich kommen, umso freier, wilder und unbefangener fühlt sich Tina. Eines Tages offenbart Vore ihr ihre mystische Herkunft. Doch dieses Wissen bedeutet für Tina nicht nur neue Freiheiten, sondern auch neue Herausforderungen.

Der Film basiert auf eine von vier Geschichten aus John Ajvide Lindqvists Geschichtensammlung »Gräns« (»Die Grenze«, 2017).

S/DK 2018, Regie: Ali Abbasi, mit Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson, 110 Min., schwed. OmU

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»Die Fabel zweier seltsamer Außenseiter, die einander an einer Grenze begegnen und gemeinsam Grenzen überschreiten. Ein mythopoetischer Kommentar zum Phänomen der Ausgrenzung, der im gegebenen Kontext von Flucht und Anpassung auch politisch gelesen werden kann.« (Vollständige Kritik / epd-Film

»Border reißt die eigenen Grenzen im Kopf und die Beschränktheit der eigenen Vorurteile mit Leichtigkeit nieder – und vermittelt die Freude über einen Blick in die Welt, der ohne diese Grenzen auskommt. « (Vollständige Kritik / Kino-Zeit)

Do. 13.6. bis Di. 18.6. / 20:00

Das Haus am Meer / ZWEITE CHANCE

Als ihr Vater schwer erkrankt, kehren Angèle und Joseph in den kleinen Küstenort nahe Marseilles zurück, wo sie aufgewachsen sind. Ihr Bruder Armand führt dort seit Jahren das kleine Restaurant der Familie. Zusammen müssen sie entscheiden, wie es mit dem Haus, dem Restaurant und ihrem Vater weiter gehen soll. Am Ort ihrer Kindheit und Jugend werden die drei Geschwister mit glücklichen und traurigen Erinnerungen konfrontiert, die sie wieder zueinander finden lassen. Und sie werden auf die Probe gestellt, als sie Flüchtlingskinder entdecken und zu sich nehmen.

Mühelos und einfühlsam gelingt es Regisseur Robert Guédiguian und seinen Darstellern, in einer einfachen Geschichte jene großen Probleme zu verhandeln, die nicht nur die französische Gesellschaft gegenwärtig umtreiben, sondern ganz Europa: Generationenkonflikte, zerstreute Familien, Klassenunterschiede, Flüchtlingselend – und die alles entscheidende Frage: Wie wollen wir leben?

La Villa - F 2017, Regie: Robert Guédiguian, mit Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, 107 Min., frz. OmU

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Handelt es sich hier also um eine in Sentimentalitäten versinkende Selbstbespiegelung? Wird hier ein kulturpessimistischer Abgesang angestimmt auf die schöne heile Welt von einst, die nun zum Ausverkauf steht? Nicht bei Guédiguian, dem politisch engagierten Humanisten, der sich immer kämpferisch für die sozialen Probleme des »peuple«, der kleinen Leute, eingesetzt und dabei nie den front populaire als einen front national verstanden hat.
Wolfgang Lasinger auf https://www.artechock.de/film/text/kritik/h/haamme0.html

 

»Während sich die meisten Familien-Reunionsfilme immer weiter nach innen schrauben, öffnet sich Guédiguians nach außen. Das ist, für das Genre wie für die Zuschauer, eine Befreiung. Und eine Lehre für beides: Es geht nicht immer nur um uns selbst. Das alles kann nur durch Schauspieler zusammen gebracht werden, die sich ganz in den Dienst der Sache stellen. Es ist, als hätten sie den »maritimen Kommunismus« (Libération) von Guédiguian mit dem Licht einer über dem Meer niedergehenden Sonne eingesogen.«
(
Vollständige Rezension von Georg Seeßlen / Strandgut Frankfurt)