Land-Streifen / THEMA DES MONATS Juni

Angesichts des alarmierenden UN-Artenschutzberichts ist das Thema mehr als aktuell. Die Filme führen in bedrohte Lebensräume und zu Menschen, die aus Respekt vor Tier und Natur was ändern wollen.

Sa. 1.6. bis Di. 4.6. / 20:00

Von Bienen und Blumen / LAND-STREIFEN

Wenn sich moderne Stadtmenschen auf den Weg ins Dorf machen, um ein stressfreies Leben abseits des Großstadtrummels zu führen, kommt es schnell zu unfreiwillig skurrilen Situationen. Hehre Ambitionen treffen auf realen Alltag. Regisseurin Lola Randl, die auch die zentrale Protagonistin ist, lebt seit einer Weile mit ihrer Familie und einer Gruppe Großstädter in der nordöstlichen Uckermark. Sie alle wollen sich in einer alten Schlossgärtnerei landwirtschaftlich betätigen. Doch die Schafe sind störrisch, die Sau läuft übers Beet, die Ziegen fressen den Obstbäumen die Rinde ab. Aber es wird gesungen, gemeinsam gekocht und gegessen. Randl stellt den Mitstreitern Fragen aus dem Off, basierend auf einer fingierten Doktorarbeit, die sich mit dem Anbau- und Gemeinschaftsprojekt befasst. Auf witzige Art und Weise werden so die unterschiedlichen Mentalitäten zwischen den alteingesessenen Dorfbewohner und Großstädtern offengelegt. Ein weiterer Fokus liegt auf Randls eigener polyamoröser Liebesbeziehung und wirft die Frage auf, wie eine perfekte Partnerschaft aussieht. „Ein Beziehungsfilm ist „Von Bienen und Blumen“ nur ansatzweise. Vielmehr eine leichtfüßige, angenehm selbstironische Dokumentation von den Träumen und Illusionen moderner Stadtbewohner.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

D 2018, Regie: Lola Randl, 96 Min.

Kritiken

Von Bienen und Blumen ist vielmehr eine leichtfüßige, angenehm selbstironische Dokumentation von den Träumen und Illusionen moderner Stadtbewohner. Gerade im betont wissenschaftlich anmutenden Voice Over-Kommentar hinterfragt Randl das Selbstverständnis der von ihr so genannten Projektmenschen, die mit hehren Ambitionen aufs Land ziehen und sich allzu gern als bessere Menschen gerieren. Vollständige Kritik von Michael Meyns/ Programmkino.de

Trotz allem ist die Semi-Doku, welche auf dem Filmfest München 2018 Premiere feierte, ein netter Einblick in das seltsame Treiben von Großstädtern, die keine mehr sein wollen. Vollständige Kritik von Oliver Armknecht/ film-rezensionen.de

Do. 6.6., Sa. 8.6., Mo. 10.6. + Di. 11.6. / 18:00

So. 9.6. + Mi. 12.6. / 20:30

Die Wiese – ein Paradies nebenan / LAND-STREIFEN

Nach seinen erfolgreichen Filmen „Das Grüne Wunder – Unser Wald“ und „Magie der Moore“ bringt Regisseur und Kameramann Jan Haft das nächste heimische Biotop auf die große Leinwand. Es ist eine uns vertraute, aber dennoch fast unbekannte Welt- die Wiese. Nirgendwo gibt es mehr Farben zu sehen, als auf einer blühenden Wiese im Sommer. Hier tummeln sich zwischen den Gräsern und Kräutern verschiedene Arten von Insekten, Vögeln und anderen Tieren. Das feinabgestimmte Zusammenspiel der Tiere und Pflanzen macht den Lebensraum Wiese zu einem Kosmos, in dem es faszinierend viel zu entdecken gibt. Ein Drittel unserer Pflanzen- und Tierarten ist hier zu Hause. In nie gesehenen Bildern und mit großem, technischen Aufwand gedreht, stellt Jan Haft einige der liebenswertesten und skurrilsten Bewohner unserer Wiesen vor. Die Hauptdarsteller sind Zwillings-Rehkitze, die ein Leben zwischen Waldrand und Wiese führen und den Zuschauer auf ihre Abenteuer mitnehmen.

D 2019, Regie: Jan Haft, 93 Min.

Kritik

Jan Hafts neue Natur-Doku zeigt die (Arten-) Vielfalt unserer Grünflächen auf nie gesehene Weise und verweist – ohne moralischen Zeigefinger oder überzogene Ermahnung – auf die größten Gefahren für die heimischen Biotope. Vollständige Kritik von Björn Schneider/ spielfilm.de


DIE WIESE – EIN PARADIES NEBENAN dokumentiert in beeindruckenden Aufnahmen die Vielfalt und Faszination der Blumenwiese – einer prachtvollen Wunderwelt direkt vor unserer Haustür. Dank neuester Technik und unter Einsatz eines erstklassigen Kamerateams eröffnet der Film einen völlig neuen Blick auf das heimische Naturspektakel.
Gleichzeitig ist der Film, der von der Deutschen Wildtier Stiftung gefördert wurde, ein Aufruf zum achtsamen Umgang mit einem Lebensraum, dessen fortschreitender Rückgang schwerwiegende Auswirkungen haben könnte. Vollständige Kritik/ polyband.de 

Do. 6.6., Sa. 8.6. bis Di. 11.6. / 20:00

Die rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst / LAND-STREIFEN

Der Hambacher Forst ist zu einem Symbol des Widerstandes gegen die bisherige Energiepolitik in Deutschland geworden. Die Auseinandersetzungen um die Räumung im Herbst 2018 haben gezeigt, wie viele Menschen die Diskussion über einen früheren Braunkohleausstieg bewegt.
Seit 2015 begleitet die Regisseurin Karin de Miguel Wessendorf Menschen, die sich gegen den Braunkohletagebau im rheinischen Revier wehren: Clumsy, ein junger Waldbesetzer, der im Baumhaus lebt, um die Rodung des Waldes zu verhindern; Antje Grothus, eine Anwohnerin aus Buir, die sich erst mit einer Bürgerinitiative für den Erhalt ihres Dorfes einsetzt und später von der Bundesregierung in die Kohlekommission als Vertreterin der Betroffenen in der Region einberufen wird; Lars Zimmer, ein Familienvater, der in einem Geisterdorf ausharrt, um Sand im Getriebe der Umsiedlung zu sein; und Michael Zobel, Naturpädagoge, der erst kleine Führungen anbietet, um für die ökologische Bedeutung eines uralten Waldes zu sensibilisieren und später eine bewegende Ansprache an die Verantwortlichen richtet.

„DIE ROTE LINIE beobachtet, begleitet und mischt sich ein. Nebenbei erleben wir die Entstehung einer Bürgerbewegung, und diskutieren die Frage, wann die Rote Linie überschritten ist und ab welchem Punkt sich Menschen über die persönliche Betroffenheit engagieren.“ (Verleih mindjazz)

D 2019, Buch & Regie: Karin de Miguel Wessendorf, 115 Min.; Kinotour in Koop. mit Greenpeace Energy eG 

Zum Weiterlesen

Wenn 31.000 Polizisten gegen 100 Baumbesetzer anrücken und es zum Einsatz von Tränengas, Schlagstöcken und Hubsteigern kommt, dann wird ein gerade mal noch 550 Hektar großer „Stieleichen-Hainbuchen-Maiglöckchen-Wald“ zum Symbol des Widerstands. Seit 2015 begleitet die Regisseurin Karin de Miguel Wessendorf die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forstes und gegen die Zerstörung der Dörfer am Rand der Braunkohle-Tagebaue, der größten CO2-Quelle Europas.
https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-rote-linie-vom-widerstand-im-hambacher-forst-2019


Zur Aktiven Gruppe Ende Gelände
https://www.ende-gelaende.org/events/info-abend-zum-hambacher-forst-wir-sind-die-rote-linie/

 

Do. 20.6. / 20:30

Sa. 22.6. + So. 23.6. / 18:00

Landstück / LAND-STREIFEN

Auf den weitgeschwungenen Feldern der Uckermark im Nordosten Deutschlands wird seit Jahrhunderten Landwirtschaft betrieben. Hier in dieser hügeligen Endmoränenlandschaft Brandenburgs entstanden vor 15 Jahren auch Volker Koepps Filme "Uckermark" (2002) und, ganz in der Nähe, vor 40 Jahren "Das weite Feld" (1976). Sie erzählen von historischen Veränderungen und dem Leben der Menschen.
Als die großen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR abgewickelt wurden, konnten sich die Äcker erholen. Naturschutzgebiete sind entstanden und bäuerliche Familienbetriebe betreiben ökologischen Anbau. Doch die globale Gier nach Land hat auch die Idylle in Brandenburg erreicht. Der Staat verkauft das Land inzwischen an ortsfremde Großinvestoren. Die Folge: Monokulturen, Windräder, Tiermastbetriebe und Biogasanlagen verändern das Landschaftsbild.
Volker Koepps Film handelt vom Leben der Menschen in dieser dünnbesiedelten Gegend. Er besucht seine unmittelbaren Nachbarn, Dorfbewohner, Zugezogene, Landwirte und Umweltschützer. Sie erzählen von ihrem Alltag, ihren Sorgen und Visionen. Seit Theodor Fontane wissen wir, dass in jedem märkischen See auch die Erschütterungen der Welt zu erkennen sind.

D 2015, Regie: Volker Koepp, 122 Min.

Kritiken

Im selben Moment schrumpft der Zuschauer gleich noch mehr in seinem Sessel zusammen: Was bin ich bloßes Menschlein am Ende gegenüber einer tausend Jahre alten Kulturlandschaft? Der Entscheider. Ganze zwei Stunden nimmt sich der Berliner Regisseur dafür Zeit. Und Zeit muss man sich auch dafür nehmen (können), viel Zeit. Dann kann das nachhaltige Wendemanöver auf der Leinwand beginnen. Bis zu Koepps nächstem Film – bestimmt wieder aus der Uckermark. Hoffentlich. Dem Schöpfer sei Dank! Vollständige Kritik von Simon Hauck/ kino-zeit.de


Die Landschaft als „kultureller Wert“, so drückt es im Film einer von vielen aus, die einen Narren gefressen haben an diesem Landstrich, bedroht von sozialer und ökologischer Verödung. Zweifelsohne ist der Film ein Plädoyer für den Erhalt dieses Wertes. Landstück zeigt aber eher, wie der Wert zugrunde geht und nicht, warum. Vollständige Kritik von Manon Cavagna/ critic.de

Di. 25.6. / 19:00 * mit Regisseurin Annette Wagner und BIOLAND-Bauer Bernhard Kaemena

Lieber glücklich als reich. Vom Powerbauern zum Biopionier / LAND-STREIFEN

Globale Veränderungen beginnen oft im Kleinen. Ende der 80er Jahre wurde dem Allgäuer Bauernsohn Herbert Fleck auf dem väterlichen Hof und in der Landwirtschaftsschule eingetrichtert: So viel Milch wie möglich aus jeder Kuh rausholen! Und die Hörner müssen ab, die sind lebensgefährlich. Doch Fleck sind Respekt vor Tier und Natur wichtiger als Profit. Während in Nachbarhöfen Melkroboter und Massentierhaltung Einzug hielten, stellte er auf DEMETER-Milchwirtschaft um, baute sich rasch einen Kundenstamm für Direktbelieferung auf. Im Dorf wird der Öko-Pionier zum Außenseiter.
Die Bremer Filmemacherin Annette Wagner hat Fleck für die ARD begleitet – und erforschte für das Wissenschaftsmagazin „Quarks&Co“, welche Alternativen zum grausamen Ausbrennen der Kuhhörner es gibt, wenn man für Sicherheit im Stall sorgen möchte.

D 2014, Regie: Annette Wagner, 30 Min.; und Filmbeiträge aus „Quarks & Kuh“, D 2015

In Zusammenarbeit mit dem Verein für Sozialökologie e.V..

Hintergrundinfo der Regisseurin

Angefangen hat DEMETER-Bauer Herbert Fleck ganz anders. Als er 1995 den traditionell geführten elterlichen Hof im Allgäu übernahm, startete er zunächst als ‚Powerbauer’ durch. Seine Devise hieß: "Die Kuhzahl verdoppeln, die Milchleistung steigern, so viel wie möglich aus jedem Tier herausholen“. So hatte er es auf der Landwirtschaftsschule gelernt. Außerdem galt es, seine junge Familie und seine Eltern zu ernähren. Doch die überforderten Kühe waren häufig krank. Und ihm persönlich setzte es immer mehr zu, Tiere wie Maschinen zu behandeln.
Vier Jahre später begann Bauer Fleck deshalb damit, seinen Hof auf ökologischen Landbau umzustellen. Er machte Schluss mit chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln, ließ seine Kühe im Stall frei herumlaufen oder trieb sie im Sommer tagsüber auf die umliegenden Weiden. Wenig später hörte er auch damit auf, den kleinen Kälbchen die Ansätze ihrer Hörner auszubrennen - wie es immer noch bei weit über der Hälfte des Milchviehs in Deutschland geschieht. Diese grausame Aktion hatte ihn seelisch zu sehr belastet. Sie widerspricht auch seinem christlichen Weltbild: "Der Schöpfer hat sich etwas dabei gedacht, als er die Welt so erschaffen hat wie sie ist. Und der Kuh hat er nun einmal Hörner gegeben.“
Doch Herbert Flecks Konsequenz hatte ihren Preis. Die Milchleistung seiner Kühe ging von 8000 Liter auf heute 5400 Liter zurück, und in seinem Dorf wurde der Bio-Pionier bald als Spinner abgetan. Sein Vater fragte ihn in diesen schwierigen Zeiten voller Sorge, ob er den elterlichen Hof "vor die Wand fahren" wolle. Nach finanziell klammen Anfangsjahren hat Flecks Weg zurück zur Natur sich allerdings bewährt. Rund 700 Kunden beliefert er mittlerweile direkt mit traditionell-handwerklich pasteurisierter Milch, Schlagsahne und Joghurt. Reich ist er damit nicht geworden, aber vielleicht zufrieden?
Privat ist Herbert Flecks Leben nicht ohne Probleme. Im Dorf ist der konsequente Demeter-Bauer ein Außenseiter, der über das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr hinaus wenig Berührungspunkte mit anderen Bauern hat. Seine erste Frau, die in den bäuerlichen Familienbetrieb eingeheiratet und ihn mit ökologischem Gedankengut infiziert hatte, verließ ihn, weil sie sich ein stadtnaheres Leben mit Kinos und Theatern gewünscht hatte. Die mittlerweile sechzehnjährige Tochter lebt deswegen heute teils in der bäuerlichen Großfamilie auf dem Land, teils mit der Mutter in der Stadt - ein nicht einfacher Spagat.
Annette Wagner hat Herbert Fleck porträtiert. Sie zeigt einen bodenständigen Allgäuer Bio-Bauern, der seinen Weg gefunden hat und der das lebt, woran er glaubt. Die SWR-Filmemacherin hat aber auch hinter die Kulissen geblickt - und eine sensible Persönlichkeit gefunden, die für ihre Überzeugungen einen hohen Preis zahlen muss. Doch anderswo im Allgäu findet Fleck auch gleichgesinnte Bauern, die Kühe nicht nur als Nutztiere betrachten, sondern als Lebewesen respektieren wollen.
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