Do. 27.6., So. 30.6., Mo. 1.7. + Mi. 3.7. / 20:30

Fr. 28.6. + Sa. 29.6. / 18:00

Das melancholische Mädchen / NEU IN BREMEN

In 14 Episoden wird erzählt, wie die Protagonistin auf der Suche nach einem Schlafplatz mit verschiedenen Menschen in Kontakt kommt. Sie spricht mit jungen Müttern, Großstadtneurotikern und Dragqueens über Depression, Zynismus, den allgegenwärtigen Selbstoptimierungswahn und andere Auswüchse unserer neoliberalen Warenwunderwelt.

Regisseurin Susanne Heinrich verzichtet in ihrem Spielfilmdebüt auf jegliche gängige Handlungsmuster. Die unterschiedlichen Begegnungen der meist ohne jegliche Emotion plaudernden Protagonistin werden größtenteils in Frontalaufnahmen aufgenommen und wirken stets so, als spräche sie halb zu sich selbst, halb zum Publikum. Auf ihrer Suche wandert sie durch Yoga Studios, Kunstausstellungen und Betten fremder Männer. Die extrem stilisierten Settings und Szenenbildersehen wirken dabei wie Kulissen verschiedener Werbespots.

„Das melancholische Mädchen“ ist eine gewitzte, experimentelle Komödie, die munter zwischen den Kategorien hin und her springt, die mal Popsong oder Gedicht ist, dann wieder Satire oder philosophischer Exkurs.

D 2019, Regie Susanne Heinrich, mit Marie Rathscheck, 80 Min.

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Mit haarscharf und extrem knapp kalkuliertem Budget (25.000 Euro), unter falscher Flagge (gegenüber der Hochschule war der Film als 30-Minüter ausgegeben worden, weil Heinrich bislang nur einige Übungen absolviert hatte) sowie mit unbekannten Darsteller*innen und ausgetüftelten Sets von extremer Sparsamkeit und Künstlichkeit zwischen Bumsbar, Bett und Hochkulturtempel gelingt es Susanne Heinrich, all das einzulösen, was dem deutschen Gegenwartskino sonst eher fehlt: Das melancholische Mädchen ist extrem smart und auf der Höhe der Zeit, er ist poppig und philosophisch, frisch und ganz und gar gegenwärtig, streng in der Form und zugleich unglaublich verspielt, diskursiv beschlagen und lustig zugleich. … Ein Betriebsunfall gewissermaßen - aber was für einer. Vollständige Kritik von Joachim Kurz/ kino-zeit.de

Do. 13.6. + So. 16.6. / 20:30

Fr. 14.6. + Di. 18.6. / 18:00

Mellow Mud / NEU IN BREMEN

Nach dem Tod ihres Vaters müssen die 17-jährige Raya und ihr jüngerer Bruder Robis auf einem lettischen Bauernhof bei ihrer ungeliebten Großmutter leben. Da ihre Mutter schon vor Jahren nach London verschwunden ist, bleibt nur diese Möglichkeit. Doch als ihre Großmutter stirbt, droht den Geschwistern ein Leben im Heim. Um das zu verhindern, entscheidet sich Raya, den Todesfall nicht zu melden und ihre Großmutter auf einem Feld zu vergraben. Um weiter deren Pension beziehen zu können, weichen sie geschickt den Fragen der Sozialarbeiterin aus und gehen regelmäßig zur Schule. Als Raya dort auf einen Englischwettbewerb aufmerksam wird, hofft sie auf die Möglichkeit, endlich ihre Mutter in London suchen zu können.

Regisseur Renārs Vimbas starker Debütfilm »Mellow Mud« ist ein ruhiges und trotzdem aufwühlendes Coming of Age-Drama über zwei Geschwister, die sich das letzte bisschen Heimat und Familie, das ihnen noch geblieben ist, bewahren wollen.

Es esmu šeit - Lett 2016, Regie Renārs Vimba, mit Elina Vaska, 111 Min., OmU

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Ganz naturalistisch filmt Renärs Vimba, schreckt auch nicht vor visuellen Metaphern wie symbolträchtigem Stampfen über matschige Wege, die den abgelegenen Hof von der Ortschaft trennt, zurück und schafft es dadurch, eine klassische, auf dem Papier fast konventionelle Coming-Of-Age-Geschichte frisch und ungewöhnlich zu inszenieren. Vollständige Kritik von Michael Meyns/ Programmkino.de

Das lettische Drama „Mellow Mud“ nimmt uns mit in eine Welt, die melancholisch, rau, verlassen und doch auch irgendwie schön ist. Die Beiläufigkeit und der Verzicht auf große Dialoge helfen dabei, die an und für sich tragischen Ereignisse besser zu verarbeiten. Hinzu kommt Nachwuchsschauspielerin Elina Vaska, die als von Widersprüchen und Sehnsüchten gezeichnete 17-Jährige eine echte Entdeckung ist. Vollständige Kritik von Oliver Armknecht/ film-rezensionen.de