»Trau keinem über 30!« / SCHULMUSEUM

Von 1. Juni  bis 1.Juli 2018 wird  in der Unteren Rathaushalle die Ausstellung »Trau keinem über 30! Schule und Jugendkultur 1960 bis 1975« des Schulmuseums Bremen präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die Proteste und Reformen dieser Zeit, die oft ihren Anfang in den Klassenzimmern nahmen.

Passend dazu zeigt das CITY 46 an vier Abenden im Mai und Juni historische Filme aus den späten 1960er und beginnenden 1970er Jahren. Dafür wurden Zeitzeugen und Zeitzeuginnen gewonnen, die sich einen Titel, mit dem sie besondere Erinnerungen verknüpfen, aussuchen konnten, um ihn mit einer Kurzeinführung aus ihrer biografischen Sicht vorzustellen.

In Kooperation mit dem Schulmuseum Bremen.
Weitere Informationen zum Rahmenprogramm gibt es unter: www.schulmuseum-bremen.de

Mi. 6.6. / 20:00 * mit Einführung von Evelyn Friesinger

Zur Sache, Schätzchen

Martin ist ein Nichtstuer. »Ich mag es nicht gern, wenn sich die Dinge morgens schon so dynamisch entwickeln«, sagt er - und legt sich wieder ins Bett. Getreu dem Motto »Erst das Wurstbrot, dann die Weltrevolution« betreibt er konsequente Arbeitsverweigerung. Als er die junge Bürgerstochter Barbara kennenlernt, bemüht er sich mit unschlagbarer Tiefstapelei um deren Liebe. Dabei bekommt Martin es mit der Polizei zu tun, die er gekonnt mit ganz eigenen Mittel reinlegt.
Der Film war 1968 ein Überraschungshit an den Kinokassen. Mit lässigem Humor stellt die aus Twistringen stammende Regisseurin May Spils die Regeln der Gesellschaft spielerisch in Frage. Die Rolle der Barbara machte Uschi Glas bekannt, sie gewann dafür einen Bambi. Von den Scherzen und sinnfreien Bemerkungen Martins haben es einige zum Geflügelten Wort gebracht, wie zum Beispiel »Es wird böse enden«.

BRD 1968, Regie: May Spils, mit Uschi Glas, Werner Enke, 80 Min.

Mi. 13.6. / 20:00 * mit Einführung von Christian Weber (Präsident der Bremer Bürgerschaft)

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Es sind vier Tage, die das Leben von Katharina Blum schlagartig verändern sollen.
Als Katharina - von Freunden "die Nonne" genannt - sich eines Abends auf einer Karnevalsfeier amüsiert, den attraktiven Ludwig Götten kennenlernt und mit ihm die Nacht verbringt, hat sie nicht damit gerechnet, am nächsten Morgen von einem Sondereinsatzkommando der Polizei geweckt zu werden. Ihr Liebhaber ein Terrorist?
Bei den darauffolgenden Verhören findet ihre Version der Wahrheit keinen Glauben. Die Presse, besonders das Boulevardblatt „Die Zeitung“, beginnt eine gnadenlose Hexenjagd gegen die junge Frau. Allen voran der Sensationsreporter Tötges. Katarina unternimmt einen letzten Schritt, um das Kesseltreiben zu beenden: Sie bestellt Tötges in ihre Wohnung und versucht die Dinge klarzustellen.
Der Film basiert auf Heinrich Bölls gleichnamiger Novelle und greift die von den Boulevard-Medien aufgeheizte Stimmung während der RAF-Fahndung Mitte der 1970er Jahre in der BRD auf. Er wurde u. a. mit dem Deutschen Filmpreis 1976 ausgezeichnet. Angela Winkler erhielt für ihre beeindruckende Darstellung der Katharina Blum das Filmband in Gold.

BRD 1975, Regie: Volker Schlöndorff & Margarethe von Trotta, mit Angela Winkler,  
Mario Adorf, Dieter Laser, Jürgen Prochnow, 106 Min.

IM RAHMEN DER FILMREIHE WURDEN IN DEN VERGANGENEN MONATEN BEREITS GEZEIGT:

Mi. 30.5. / 20:00 * mit dem Bremer Regisseur Eike Besuden

Angst essen Seele auf

Emmi ist um die 60, verwitwet und verdient ihr Geld als Putzfrau. Ihr eintöniger Alltag endet abrupt, als sie sich in den 20 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali verliebt. Ihre Heirat wird zum Skandal und das Paar bekommt die Ablehnung seiner Umwelt in voller Härte zu spüren: Mit „Angst essen Seele auf“ schuf Fassbinder einen Film, der permanent die Frage nach Grenzen und deren Einhaltung bzw. Überschreitung thematisiert – und der bis heute ein radikaler Beitrag zur Migrationsdebatte geblieben ist.

BRD 1975, Regie: Rainer Werner Fassbinder, mit Brigitte Mira, El Hedi ben Salem, 93 Min.

Mi. 23.5. / 20:00 * mit Einführung von Carsten Krüger
Do. 24.5. / 20:00

Ich bin ein Elefant, Madame

Bremen 1968: Die Schüler eines Gymnasiums proben den Aufstand gegen die autoritären Strukturen an ihrer Schule. Im Mittelpunkt der Revolte steht der Schüler Rull, der die herrschende Ordnung leidenschaftlich ablehnt. Mit immer neuen Ideen und Aktionen provoziert er seine Umwelt und macht Lehrer, Mitschüler und Polizei gleichermaßen lächerlich. Seine persönliche Protestbewegung gipfelt schließlich darin, ein riesiges Hakenkreuz an die Wand des Gymnasiums zu schmieren. Als ihm daraufhin der Schulverweis droht, wollen sich seine Mitschüler mit ihm solidarisieren.
Für sein filmisches Regiedebüt erhielt Theaterregisseur Peter Zadek 1969 den Bundesfilmpreis. Wolfgang Schneider wurde in der Rolle des Schülers Rull zudem als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

BRD 1969, Regie: Peter Zadek, mit Heinz Baumann, Günther Lüders, Wolfgang Schneider, 100 Min.