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United State?

Trumps Wahl und seine Amtshandlungen spalten die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika in 2017 so offensichtlich wie lange nicht mehr. Doch im Land brodelt es schon lange, da die Folgen von Finanzkrise und Globalisierung den in der US-Verfassung verankerten Anspruch auf Glück für viele Menschen in weite Ferne rückt. Die Weltmacht hat an Glanz und Kraft verloren und im privaten wie im öffentlichen Leben wird mit harten Bandagen gekämpft. Und deutlicher denn je zeigen sich die USA als ein Land, in welchem eine weiße, männlich dominierte und wohlhabende Schicht versucht, Vielfalt, Gleichberechtigung und Chancengleichheit in der Gesellschaft wieder gegen erzkonservative Werte auszutauschen. Mit dem Filmprogramm „United State?“ will das CITY 46 denjenigen Raum geben, die in Trump-Land keine Chance kriegen.

Do. 1.6. / 18:00
Di. 6.6. + Mi. 7.6. / 20:30

Wendy and Lucy

Zusammen mit ihrer Hündin Lucy wohnt Wendy in einem alten Honda. Sie hat nicht mehr als ein paar Dollar in der Tasche und will deshalb nach Alaska, wo sie auf einen Job in einer Fischfabrik hofft. Doch mitten im Nirgendwo gibt das Auto seinen Geist auf, Wendy wird wegen des Diebstahls von Hundefutter festgenommen und ihre Hündin verschwindet.
»Reichardts Beobachtungsgenauigkeit der sozialen Kühle und emotionalen Ausgetrocknetheit, wie sie die heutige, ökonomisch angeschlagene Gesellschaft nicht nur der Vereinigten Staaten charakterisiert, beschied diesem mit bescheidenem Aufwand erstellten Film, uraufgeführt in Cannes, große Beachtung.« (Dieter Wieczorek | www.schnitt.de)

USA 2008, Regie: Kelly Reichardt, mit Michelle Williams, Will Patton, John Robinson, 80 Min., OmU

http://www.epd-film.de/filmkritiken/wendy-and-lucy
Es ist eigentlich ein Alptraum: eine junge Frau, mittellos, allein, am Rande des Nichts. Aber Kelly Reichardt und ihre Hauptdarstellerin Michelle Williams schlagen leise Töne an – und berühren umso nachdrücklicher

Fr. 2.6., Sa. 3.6., Di. 6.6. / 18:00
So. 4.6. + Mo. 5.6. / 20:30

Hidden Figures

Die USA der frühen 1960er Jahre: Es herrscht Kalter Krieg und ein erbitterter Wettstreit zwischen Amerika und Russland um die erste Mondlandung. Die NASA steht unter großen Druck. Die drei afroamerikanischen Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson arbeiten für die NASA als sogenannte „menschliche Computer“. In Zeiten gesetzlicher „Rassentrennung“ und fehlender Gleichberechtigung für Frauen sind ihre Arbeitsbedingungen erheblich schlechter als der weißen Kollegen. Trotzdem schafft es Katherine Johnson, in das Team der Space Task Group aufgenommen zu werden. Die Empörung ist groß: Eine Frau, auch noch schwarz, soll den weißen NASA-Mitarbeitern überlegen sein?
„Hidden Figures“, erzählt nach einer wahren Begebenheit, räumt den drei bis heute weithin unbekannten schwarzen Mathematikerinnen der NASA den ihnen zustehenden Platz in der Geschichte der Raumfahrt ein. Der Film wurde unter anderem für drei Oscars nominiert und weist gerade in Zeiten Donald Trumps eine hohe politische Brisanz auf. Die mittlerweile 98-jährige Katherine Johnson bekam 2015 die Presidential Medal of Freedom verliehen.

USA 2016, Regie: Theodore Melfi, mit Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kirsten Dunst, 127 Min., OmU

Sa. 10.6. bis Mo. 12.6. / 20:30
Di. 13.6. + Mi. 14.6. / 18:00

Borderland Blues

Der vor der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gedrehte Film handelt von der mehr als 1000 Km langen Grenze zwischen den USA und Mexiko. Schon zu Amtszeiten von Bill Clinton hatte man begonnen, die Grenze für Migranten und Drogenschmuggler möglichst unüberwindbar zu machen. Heute ist Trump entschlossen, hier für mehrere Milliarden Dollar eine monströse Mauer zu errichten. Gudrun Grube zeigt, dass das Leben für die Bewohner des Grenzlandes auch ohne Mauer bereits schwer erträglich ist. Überall trifft man auf die sterblichen Überreste gescheiterter Migranten und begegnet Paramilitärs, die weniger für Ordnung als für Angst und Schrecken sorgen. Wie ein ironischer Kommentar wirken da die Einblicke in die Messe für Grenzsicherheitstechnik in Phoenix, Arizona.

D 2016, Regie: Gudrun Gruber, 73 Min, engl. OmU

So. 18.6. + Mo. 19.6. / 20:30

Dark Blood

Boy haust in einer Hütte mitten in einer roten Wüste, in der durch frühere Atomtests jegliches Leben zerstört ist. Seit dem Tod seiner Frau wartet er hier schon lange auf das Ende der Welt. Eines Tages trifft Boy auf das Schauspielerpaar Harry und Buffy. Sie sind in einem Bentley in der Einöde unterwgs, um auf einer späten Hochzeitsreise ihre Ehe zu kitten. Zwei völlig unterschiedliche Welten treffen aufeinander und anfangs scheint Boy hilfsbereit und aufgeschlossen. Als Harrys Wagen liegen bleibt, fängt Boy an, die beiden wie Gefangene zu halten. Boy wird gespielt von River Phoenix, damals Idol einer ganzen Generation. Phoenix starb zehn Tage vor Drehschluss von „Dark Blood“, mit nur 23 Jahren. Erst 20 Jahre konnte der mittlerweile 80-Jährige Regisseur George Sluizer den Film beenden, der dann endlich 2012 seine Weltpremiere auf einem niederländischen Filmfestival hatte. Auch für Sluizer sollte „Dark Blood“ sein letzter Film werden. Er verstarb 2014. Nun erlebt der Film seine Deutschlandpremiere, in Bremen sogar noch vor Bundesstart.

GB/NL/USA 1993/2012, Regie: George Sluizer, mit River Phoenix, Judy Davis, Jonathan Pryce, 86 Min., OmU

Do. 15.6. + Mi. 21.6. / 20:30
Fr. 16.6. + Mo. 19.6. + Do. 20.6. / 18:00

Boys Don't Cry

Brandon Teena wird in einem weiblichen Körper geboren, merkt jedoch schnell, dass er sich nicht als Frau fühlt. Bevor er seinen Geburtsort verlässt, nimmt er seine neue und richtige Identität an, die eines jungen Mannes. Als Brandon in einer Kleinstadt in Nebraska auftaucht, findet er sofort Freunde: Er weiß zu fluchen, zu trinken und Witze zu reißen und ist ein rundherum guter Kumpel. Auch unter den Frauen erfreut er sich großer Beliebtheit durch seine einfühlsame Art und er verliebt sich Hals über Kopf in Lana. Als plötzlich mehr über seine Vergangenheit in der Stadt bekannt wird, zerreißt es Brandons Glück schlagartig und stürzt ihn darüberhinaus in eine lebensbedrohliche Lage.
„Boys Don't Cry“ beruht auf der wahren Geschichte von Brandon Teena, der im Alter von nur 21 Jahren ermordet wurde. Hilary Swank erhielt im Jahr 2000 den Oscar als Beste Hauptdarstellerin für ihre Performance und hielt eine Rede für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. 17 Jahre später sind Transmenschen in den Medien noch immer unterrepräsentiert und Transphobie ist institutionell wie im Privatleben Alltag, die Zahl der ermordeten Transmenschen steigt weiter.

USA 1999, Regie: Kimberly Peirce, mit Hilary Swank, Chloë Sevigny, 114 Min., OmU

Do. 22.6., Mo. 26.6. - Mi. 28.6. / 20:30
Fr. 23.6. - So. 25.6. / 18:00

Get Out

Chris und Rose sind schon längere Zeit glücklich zusammen und langsam wird es Zeit, Rose' Eltern kennen zu lernen. Chris' Sorgen, dass Mr. und Mrs. Armitage, die der weißen Oberschicht angehören, ein Problem mit ihm als schwarzen Schwiegersohn haben könnten, scheinen lächerlich. Schließlich sind die beiden liberal und haben Obama gewählt. Nach einem scheinbar herzlichen Empfang auf dem Armitage-Anwesen kippt die Stimmung und die Situation bewegt sich in eine unheimliche Richtung. Als Chris Warnungen zu Ohren kommen, in der Gegend wären schon zuvor schwarze Menschen verschwunden, ist es schon fast zu spät.
Die eher spezielle Horrorkomödie wurde mit kleinem Budget realisiert und ist ohne große Werbetour der Überraschungserfolg des Jahres in den USA geworden. Jordan Peele entlarvt ganz wunderbar bissig und witzig den alltäglichen „Rassismus der Freundlichen“, wie es die TAZ auf den Punkt bringt.

USA 2017, Regie: Jordan Peele, mit Daniel Kaluuya, Allison Williams, 104 Min., OmU