Reihe Wahnsinn und Postkolonialismus

Wahnsinn als Form und Folge des Kolonialismus. Was kann einen Zusammenbruch erleiden? Ein Staat, ein politisches System, eine historische und ideologische Epoche, ein Mensch. Vielleicht auch das Wort selbst, beinhaltet es doch ein Paradox: „Zusammen“ (gemeinsam; (ver-)sammeln) und „brechen“ (auseinander; zerfallen). So eignet sich das Wort, um über Herausforderungen und ihre Widersprüchlichkeiten einer globalen Gesellschaft nachzudenken. Die Filmreihe sucht kritische Positionen, die das Verhältnis von postkolonialen Lebensweisen zum Wahnsinn ausloten und in ihrer Vielschichtigkeit präsentieren. Sie verbindet dazu Arbeiten aus einer westlichen Perspektive mit Filmen aus dem Globalen Süden. 

Filme der Reihe (3.12.2019 - 9.6.2020):

  • Apocalypse Now / Dezember 19
  • Aguirre, der Zorn Gottes / Januar 20
  • La folie Almayer / Februar 20
  • Carla's Song / März 20
  • Our Madness / Mai 20
  • Le fort des fous / Juni 20

Jeweils mit Einführung von Tobias Dietrich, Universität Bremen

Di. 14.1. / 18:00 * mit Einführung von Tobias Dietrich, Uni Bremen

Mi. 15.1. / 17:30

Do. 16.1. / 20:30

Aguirre, der Zorn Gottes / WAHNSINN UND POSTKOLONIALISMUS

Peru im 16. Jahrhundert: Eine Gruppe spanischer Konquistadoren, angeführt von Don Pedro de Ursúa und dessen zweiten Befehlshaber Lope de Aguirre, soll auf Flößen eine Route nach El Dorado ausfindig machen. Nachdem ein Hochwasser die Expedition zum Abbruch zwingt, zettelt Aguirre eine Meuterei an, liquidiert Ursúa, schwört dem spanischen König ab und führt seine Gefolgschaft auf engstem Raum auf eine gewaltvolle und aussichtslose Höllenfahrt.

Mit minimalistischem Anspruch an Plot und Dialoge entfaltet Herzogs Geschichte um den Besessenen, der ins Gericht Gottes führen soll, eine Vision von Größenwahn und Verrücktheit, die eine kritische Sicht auf die Anfänge der globalen Ausbeutung wirft. Der Film verhalf dem Neuen deutschen Film im Ausland zu großem Ansehen. So bezieht sich Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ direkt auf die nachwirkende „unglaubliche Bildsprache“ des herausragenden Kameramanns Thomas Mauch.

D/MEX/PER 1972, Regie: Werner Herzog, mit Klaus Kinski, Helena Rojo, Ruy Guerra, 91 Min., DF

Zum Weiterlesen:

„Herzog ist ein Suchender nach dem Realen im Menschen, das er tief unter der oberen Hülle vermutet und herausgearbeitet werden muss. Von ihm herausgearbeitet werden kann.“

Olivier Christe, 2013, www.kulturkritik.ch

"To see Aguirre for the first time is to discover a genuine masterpiece. It is overwhelming, spellbinding; at first dreamlike, and then hallucinatory." (Danny Peary, 1981)

Aus Peary, Danny: Cult Movies, Delta Books, 1981.

IM RAHMEN DER FILMREIHE HABEN WIR BEREITS GEZEIGT:

Di 3.12. / 18:30 * mit Einführung von Tobias Dietrich, Universität Bremen

Mi. 4.12. / 17:30 (ohne Einf.)

Apocalypse Now / WAHNSINN UND POSTKOLONIALISMUS

Vietnamkrieg 1969: Auf dem Höhepunkt des zermürbenden Krieges erhält Militärpolizist Captain Willard einen Spezialauftrag. Er soll sich mit einer kleinen Truppe Soldaten in Richtung kambodschanische Grenze durchschlagen, um dort den amerikanischen Despoten Colonel Kurtz zu liquidieren.

Von Coppola selbst neu restauriert, bezieht der Antikriegsfilm die ausbeuterische Gier des Elfenbeinhändlers Kurtz aus seiner literarischen Vorlage „Herz der Finsternis“ kritisch auf den US-amerikanischen Imperialismus. Wie Captain Willard im Sumpf, verlieren die vermeintliche Rechtschaffenheit der westlichen Vernunft sowie dessen klassische Opfer-Täter-Dualismen im Angesicht des Wahnsinns ihre Standfestigkeit.

USA 1979/2019, Regie: Francis Ford Coppola, mit Martin Sheen, Marlon Brando, Laurence Fishburne, 182 Min., OmU

»Die Zuschauer werden diesen Film auf eine Weise sehen, hören und fühlen können, von der ich immer geträumt habe – und das vom ersten Knall bis zum letzten Seufzer.« Francis Ford Coppola