Mi. 1.1. / 20:30

Die Insel der hungrigen Geister / NEU IN BREMEN

Die Insel der hungrigen Geister ist eine der vor der Küste Indonesiens liegenden und von Australien verwalteten Weihnachtsinseln. Sie ist zur Hälfte als Nationalpark ausgewiesen und Heimat von mehr als 40 Millionen Landkrabben. Ausgelöst durch den Mondzyklus wandern sie vom Dschungelinneren bis an die Küste und weiter in den Ozean. Es ist die weltweit größte Krabbenwanderung ihrer Art. Die Krabben werden von den knapp 2.000 chinesischen Bewohnern der Insel als »Geister« bezeichnet. Das beeindruckende Naturschauspiel steht im Gegensatz zu den Lebensbedingungen in der Hochsicherheits-Haftanstalt für Flüchtlinge und Asylsuchende. Hier werden - mitten im Regenwald und an einem eigentlich idyllischen Ort - tausende Menschen auf unbestimmte Zeit festgehalten. Die australische Regierung verweigert ihnen ein Asylverfahren auf dem Festland. Poh Lin lebt mit ihrer Familie auf der Insel und hilft als Trauma-Therapeutin den Flüchtlingen, deren Lage so unerträglich wie aussichtslos erscheint.

Der bildgewaltige, leise und unaufdringlich inszenierte Dokumentarfilm wurde mit dem »Human Rights Award« auf dem International Documentary Film Festival Amsterdam ausgezeichnet.

Island of the Hungry Ghosts – D/AUS/GB 2018, Regie: Gabrielle Brady, 94 Min., engl. OmU

Festivals und Auszeichnungen

Tribeca Film Festival - Bester Dokumentarfilm

Vision du Reel - Buyens-Chagoll Award

Mumbai International Film Festival - Grand Jury Preis: bester Film

International Documentary Film Festival Amsterdam - Human Rights Award

Zürich Human Rights Film Festival - Mercurius Preis

Down Under Festival Berlin - Publikumspreis: bester Film

 

Zum Weiterlesen

»Kraftvoll. (...) Bradys Film ist eine lyrische, traumartige Reise in die Dunkelheit.« (The Guardian)

»Die Sinnlichkeit, mit der Gabrielle Brady die Begegnungen mit dem Fremden einfängt, ist von atemberaubender Schönheit, und zeigt, wie weit die ästhetischen Möglichkeiten des Dokumentarischen reichen. « (Filmdienst)

»Ein ebenso konzentrierter wie raffinierter Hybridfilm, der den Finger tief in die Wunde legt und Australiens grausige „Flüchtlingspolitik“ mit formal-ästhetisch herausragenden Mitteln nicht nur im Subtext offen anprangert.« (Kino-Zeit)

Do. 2.1. bis Mo. 6.1. / 18:00

Di. 7.1. + Mi. 8.1. / 20:30

Jeannette – Die Kindheit der Jeanne d’Arc / NEU IN BREMEN

Frankreich 1425: Die 8-jährige Jeannette hütet ihre Schafe und zerbricht sich den Kopf über das unter der englischen Besatzung gespaltene Frankreich und den Hundertjährigen Krieg. Immer fester und drängender wächst in ihr der Wunsch, das Schwert in die Hand zu nehmen und Frankreich von den Invasoren zu befreien. Die Nonne Madame Gervaise versucht, das junge Mädchen zur Vernunft zu bringen, doch für Jeannette ist klar: Sie wurde von Gott persönlich auserwählt, ihre „heilige Pflicht” zu erfüllen.

Jeanne d'Arc mit ihrem patriotischen Märtyrertod wird heute vor allem von der Front National für ihre Zwecke reklamiert. Regisseur Dumont interessiert an der Sache aber nicht die Heiligengeschichte, „sondern ihm ist offensichtlich daran gelegen, einen nationalen Mythos gehörig gegen den Strich zu bürsten. Er will Jeanne aus den Händen derer herauswinden, die sie für politische Zwecke vereinnahmen,“ so Bert Rebhandl (https://www.derstandard.de). Und das schafft der Regiequerkopf den Mythos der Jeanne d'Arc als Metal-Musical inszeniert. Den Soundtrack steuert der französische Metal-Musiker Igorrr bei, die Choreographien schuf Philippe Decouflé, der bereits für Beyoncé und New Order arbeitete. Dumonts neuer Film JEANNE D'ARC schließt an JEANNETTE an und erzählt die Passion der Johanna von Orlèans.

L’enfance de Jeanne d’Arc - F 2017, Regie: Bruno Dumont, mit Lise Leplat Prudhomme, Jeanne Voisin, 114 Min., OmU

Zum Weiterlesen:

Jeannette" im Kino: Headbangen statt Heiligenschein
Regiequerkopf Bruno Dumont hat den Mythos der Jeanne d'Arc als Metal-Musical realisiert. Der Film zeigt sie als kindliche Heldin, die erfolgreich gegen den Ballast der Geschichte aufbegehrt “

(Bert Rebhandl auf https://www.derstandard.de)

Dumont hat sich dieses Mal an die Verfilmung eines Theaterstücks gemacht, das der Schriftsteller Charles Peguy 1897 über die Kindheit der französischen Nationalheiligen verfasst hat. Der Stoff strotzt vor religiösen Verweisen und Nationalpathos. Dumont lässt ihn von Kindern aufführen.”

(Maria Wiesner auf https://www.kino-zeit.de)

 

So. 5.1. + Mo. 6.1. / 20:30

Do. 9.1. bis So. 12.1. / 17:30

Jeanne d’Arc / NEU IN BREMEN

Frankreich 1430: Seit die junge Jeannette - ihrer göttlichen Eingebung folgend - mit Schwert und Gefolge gegen die englischen Invasoren in den Krieg gezogen ist, sind ein paar Jahre ins Land gegangen. Damals wurde sie für ihren Aufstand als Retterin Frankreichs und selbstgewählte Anführerin Jeanne d’Arc verehrt. Nun scheint ihre Stärke zu bröckeln und ihre Streitkräfte unterliegen der königlichen Armee. Selbst langjährige Getreue kehren ihr den Rücken zu. Die in Ungnade gefallene junge Frau wird schließlich gefangen genommen, und von einem Kirchengericht der Ketzerei überführt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Regie-Exzentriker Bruno Dumont geht es auch in dieser Fortsetzung des Lebens Jeanne d’Arcs nicht um eine Rekonstruktion von Historie. Mit eingestreuten skurrilen Details schafft er eine Verbindung zwischen den damaligen Ereignissen und dem Hier und Jetzt: „Fast unwillkürlich kommt einem dabei Greta Thurnberg in den Sinn – eine Jeanne d’Arc unserer Tage, die mit ähnlichem Eifer und ähnlicher Ernsthaftigkeit einen schier aussichtslosen Kampf gegen eine bornierte, satte und selbstzufriedene Erwachsenenwelt führt.“ (Kino-zeit.de).

Jeanne - F 2019, Regie: Bruno Dumont, mit Lise Leplat Prudhomme, Fabrice Luchini, 138 Min., frz. OmU

Festivals und Auszeichnungen:

Cannes International Filmfestival 2019: Prix Un Certain Regard - Special Mention

Busan International Film Festival 2019

Filmfest Hamburg 2019

Zum Weiterlesen:

"Wenn Dumont dem Mythos der Johanna von Orleans Zeitloses abgewinnen kann, dann eben auch das: den rechtschaffenen Tatendrang der Jugend, eine Tradition weiblicher Widerständigkeit gegen männliche Herrschaft, die junge Frau, die allein durch seinen Starrsinn eine ganze Ordnung ins Wanken bringt." (www.critic.de)

“Eine reine Seele unter lauter Sündern“
Fast könnte man
Jeanne ein Musical nennen: An entscheidenden Stellen unterbricht Dumont einfach die Dialoge und lässt stattdessen ein Lied erklingen, das von Synthesizerklängen untermalt wird. Dies ist ebenso irritierend (und manchmal auch komisch), weil zum Beispiel die hohe männliche Stimme in einer Szene einem alten weißbärtigen Mönch zugewiesen zu sein scheint…  (Joachim Kurz https://www.kino-zeit.de)

Do. 23.1., Sa. 25.1. + So. 26.1. / 20:30

Mo. 27.1. / 20:00

Di. 28.1. / 20:15

Mi. 29.1. / 20:00

Do. 30.1. / 18:00

Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick / NEU IN BREMEN

Kosovo 1999. Die NATO hat Serbien bombardiert. Die Kosovo-Albaner feiern »ihren Sieg« über die »serbischen Unterdrücker«. Ethnischer Hass ist weit verbreitet. Die Internationale Gemeinschaft entsendet Tausende von Abgesandten, um das Land zu befrieden und zu demokratisieren. Unter ihnen ist auch Anna, eine Medienmanagerin aus Deutschland. Aber viele »Internationals« sind gelangweilt, eitel und korrupt. Und Commander Rhaci, gefeierter kosovarischer Freiheitskämpfer und Liebling des Westens, beutet das Land aus wie ein Mafiaboss. Die Lage scheint hoffnungslos.

Der Film thematisiert in schonungsloser Weise die Rolle internationaler Organisationen in den Krisenregionen der Welt. Die schwarze, zutiefst romantische Tragikomödie über das Menschsein und die Verblendung des satten Westens beruht auf einer wahren Geschichte.

Ausgezeichnet mit dem »Silver Zenith« auf dem Filmfestival von Montréal.

D 2018, Regie: Joachim Schroeder, Tobias Streck, mit Karin Hanczewski, Carlo Ljubek, Eray Egilmez, 137 Min., dt. Fassung, teilw. OmU

Zum Weiterlesen:

» Fest steht: "Kill me today" ist Entertainment mit Tiefgang - aber auch ein polarisierender Film. Beste Unterhaltung, keine Dokumentation, sondern viel Spannung, ein bisschen Liebe und vor allem jede Menge schwarzer Humor.« (SZ – Süddeutsche Zeitung)

» Dieser Film ist starker Tobak. Korruption, Gier, Gewalt, Sex - alles drin. "Kino nur für Erwachsene", heißt es in der Ankündigung wohl zu Recht. Das macht auch schon der Titel klar: "Kill me today, tomorrow I'm sick". Eine bitterböse Tragikomödie über die Verblendung des satten Westens.« (SZ – Süddeutsche Zeitung)

Do. 30.1., Sa. 1.2. bis Mi. 5.2. / 20:30

Darkroom – Tödliche Tropfen / NEU IN BREMEN

Lars macht auf den ersten Blick einen recht normalen Eindruck: Er ist 38, angehender Grundschullehrer und führt eine glückliche Beziehung mit seinem Freund Roland. Darum scheint die Idee, gemeinsam nach Berlin zu ziehen, ihr Glück perfekt zu machen. In einer toll eingerichteten Wohnung genießen sie ihr Großstadtleben. Roland ahnt jedoch nicht, was sich hinter der Fassade seines Partners wirklich verbirgt: In der Partyszene Berlins setzt Lars mittels eines potenziell tödlichen Cocktails aus K.O.-Tropfen andere schwule Männer außer Gefecht, um sie anschließend auszurauben.

Rosa von Praunheims neuester Film basiert auf einem wahren Kriminalfall, bei dem im Frühjahr 2012 drei Männer ermordet wurden.

D 2019, Regie: Rosa von Praunheim, mit Bozidar Kocevski, Heiner Bomhard, Katy Karrenbauer, 89 Min.

Zum Weiterlesen:

Trailer + Verleih: www.missingfilms.de

Besuch am Set: Rosa von Praunheim dreht Film über Berliner Darkroom-Mörder
Fünf Taten in drei Wochen: Rosa von Praunheim bringt einen Fall auf die Leinwand, der vor sechs Jahren durch die Medien ging.

von Andreas Conrad für: www.tagesspiegel.de