Cinéma, mon amour / Thema des Monats Februar / THEMA DES MONATS Februar

Frankreich ist die Wiege des Films und stolz auf seine nationale Kinokultur. Kein anderes Land in Europa fördert die nationale Filmwirtschaft so sehr wie Frankreich. Die Franzosen lieben die Filme aus dem eigenen Land. Mehr Kinos, häufigere Kinobesuche und ein Anteil an französischen Spielfilmen zwischen 35% und 45% zeigen das deutlich. Das ist einmalig in Europa. Die Filmkunst steht, was das Ansehen in der Gesellschaft betrifft, nicht im Schatten anderer Künste. Sie gilt als „die siebte Kunst".

Schon an den Schulen wird in verschiedenen Formen die Kunst des Kinos und Medienpädagogik unterrichtet. Frankreich bemüht sich an vielen Fronten um den heimischen Film. Dahinter steckt auch politischer Wille. Die kulturelle Vielfalt wird gefördert, mit Quoten für den nationalen Film und einer finanziellen Basis. Rund 750 Millionen Euro fließen über verschiedene Abgaben in den heimischen Film. Mit Erfolg: Die Kinoindustrie setzt rund 10 Milliarden Euro um, die einnahmestärksten Filme Europas drehen die Franzosen und fast 40.000 Menschen arbeiten in der Branche.

Etliche Filme entstehen in deutsch-französischer Koproduktion, und es gibt einen regen Austausch zwischen den Nachbarstaaten gibt.=> Deutsch-französische Filmakademie

Eine fünfteilige Filmreihe und das Schulfilmfestival Cinéfête zeigen aktuelle Produktionen (alle in OmU), die zum Teil noch nicht in Deutschland gelaufen sind.

Sa. 1.2., So.2.2., Mi. 5.5., Do. 6.2. + Do. 8.2. / 20:00

Mo. 3.2. + Di. 4.2. / 18:00

Our Struggles – Nos batailles / CINÉMA, MON AMOUR

Im Lager eines großen Händlers kämpft Olivier mit vollem Einsatz als Gewerkschafter für den Arbeitsplatz eines 53-jährigen Mitarbeiters. Wie schon so oft kostet sein Engagement ihn viel Kraft und Zeit, die zuhause für seine beiden Kinder und seine Frau Laura fehlen. Zu Hause ist Laura für die Logistik zuständig. Sie kümmert sich um die zwei Kinder, schmeißt den Haushalt und geht zusätzlich arbeiten. Sie steht morgens früh auf und geht abends spät zu Bett, ohne an sich zu denken. Eines Tages holt Laura die Kinder nicht von der Schule ab und kommt auch später nicht nach Hause zurück. Wenige Tage später begeht Oliviers Arbeitskollege Selbstmord, da er für sich keine Perspektive sieht. Zwischen den Bedürfnissen der Kinder, Erwartungen im Job und den täglichen Herausforderungen des Lebens kämpft Olivier um ein neues Gleichgewicht.

Guillaume Senez greift das Tabuthema auf, das die Mutter ihre Familie verlässt, ohne ein Urteil zu fällen. Nominiert für den César und ausgezeichnet auf den Filmfestivals Hamburg und Torino.

Nos Batailles – B, F 2018, Regie: Guillaume Senez, mit Romain Duris, Laetitia Dosch, Lucie Debay, 98 Min., OmU

GUILLAUME SENEZ (*1978) erhielt für sein Debüt „The Keeper“ zahlreiche Preise. Our Struggles ist sein zweiter Film und feierte seine Premiere in Cannes in der Reihe La Semaine de la Critique.

So. 9.2. + Mo. 10.2. / 20:00

Mi. 12.2. / 15:30 (Nachmittagskino) & 17:30

So. 16.2. + Mo. 17.2. / 18:00

Mein Leben mit Amanda / CINÉMA, MON AMOUR

Der Mittzwanziger David lebt unbeschwert in den Tag hinein. Weder für seine Karriere noch für sein Familien- oder gar Liebesleben hat er große Pläne. Neben einer Handvoll Freunden hält David nur zu seiner Schwester Sandrine und deren Tochter Amanda engen Kontakt. Alles ändert sich, als Sandrine bei einem Terroranschlag ums Leben kommt. Plötzlich steht der David vor folgenschweren Entscheidungen, die nicht nur seine eigene Zukunft verändern werden, sondern auch die seiner Nichte Amanda.

Amanda - F 2018, Regie: Mikhaël Hers, mit Vincent Lacoste, Isaure Multrier, 107 Min., OmU

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„Das Besondere an „Mein Leben mit Amanda“ ist, dass das Leben nach dem Anschlag einfach weitergeht. Die Routinen zwischen Schule, Wohnung und Straße bleiben gleich, der Rhythmus des Alltags - nur die Tonalität ändert sich. Eine Entfremdung ist spürbar, die Identifikation mit dem Vertrauten löst sich auf.“ Stella Donata Haag (14.09.2019) auf: www.tagesspiegel.de

Mi. 12.2. + Sa. 15.2. / 20:00

So. 16.2. / 20:30

Di. 18.2. bis Do. 20.2. / 18:00

Im mächtigen Dschungel - Dans la terrible jungle / CINÉMA, MON AMOUR

In der Wohn- und Lerneinrichtung La Pépinière wird getanzt, gelacht, gebastelt, musiziert und diskutiert. Dass die jungen Bewohner*innen verschiedene körperliche und mentale Handicaps haben, ist dabei Nebensache. Mit einem dokumentarischen Auge begleiten die Regisseurinnen den Alltag der verschiedenen Protagonist*innen und eröffnen den Blick auf eine andere Welt, die ihre ganz eigenen Superheld*innen hat.

Dans la terrible jungle - F 2018, Regie: Caroline Capelle & Ombline Ley, 81 Min., OmU

Di. 18.2. - Do. 20.2. / 17:30

Fr. 28.2. + Sa. 29.2. / 20:00

Comme des garcons / CINÉMA, MON AMOUR

Reims, 1969. Paul ist Sportjournalist bei der Tageszeitung Le Champenois. Eines Tages kommt er mit seiner Sekretärin Emmanuelle auf die absurde Idee, ein Fußballspiel für Frauen zu organisieren. Dabei gibt es im Frankreich des Jahres 1969 keinen Verein, der Fußballspielen für Frauen anbietet. Schnell wächst die kleine Idee zu einem Projekt mit unerwarteten Ausmaßen. Und wenig später stellen Paul, Emmanuelle und ihr einzigartiges Team die französische Fußballwelt auf den Kopf, als diese gegen eine kleine Auswahl internationaler Frauenfußballerinnen antreten. Die Geburtsstunde des französischen Frauenfußball - nach einer wahren Geschichte.

F 2018, Regie: Julien Hallard, mit Max Boubil, Vanessa Guide, 90 Min., OmU

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„Frauen ans runde Leder!

Julien Hallard erzählt augenzwinkernd angereichert mit einem Schuss RomCom ein Kapitel der französischen Frauenfußballgeschichte.“ Von Irene Genhart auf: www.cineman.ch

Do. 20.2., Sa. 22.2. + So. 23.2. / 20:00

Fr. 21.2. / 17:30

Mo. 24.2. bis Mi. 26.2. + Fr. 28.2. / 18:00

Die Wütenden - Les Misérables / CINÉMA, MON AMOUR

Im Pariser Vorortviertel Montfermeil führen Bandenkriminalität und Gewalt zu harten Auseinandersetzungen zwischen Gangs und Polizei. Das spürt der junge Polizist Stéphane gleich bei seinem ersten Einsatz in der Einheit für Verbrechensbekämpfung am eigenen Leib. Seine erfahrenen Kollegen Chris und Gwada haben sich dem rauen Ton angepasst und überschreiten durch Gewalt, Schikanen und Korruption selbst die Grenzen des Legalen. Als sie eines Tages bei einem eskalierenden Einsatz gefilmt werden, gehen die Bilder der übergriffigen Polizisten schnell im Viertel herum. Auf einmal tauschen “Gesetzeshüter” und Gejagte die Rollen.

Regisseur Ladj Ly stammt selbst aus Clichy-Montfermeil. Im Alter von 25 Jahren hat er mit dem französischen Künstlerkollektiv Kourtrajmé den Dokumentarfilm „365 Jours à Clichy-Montfermeil“ über sein Viertel während und nach der Ausschreitungen 2005 gedreht. Nun rollt er das Thema in der Fiktion noch einmal auf. „Ein meisterlich inszenierter Film über die explosive Gemengelage an Fronten und Fraktionen in den französischen Banlieues. Ohne einseitige Schuldzuschreibungen greift das fein gezeichnete Drama brandaktuelle gesellschaftliche Strömungen auf und sensibilisiert eindrücklich für die unkalkulierbaren Gefahren, die aus jeglicher Form der Ausgrenzung erwachsen.“ www.filmdienst.de

„Preis der Jury“ beim Festival de Cannes 2019 und Oscar-Kandidat

Les Misérables – F 2019, Regie: Ladj Ly, mit Damien Bonnard, Issa Perica, 103 Min., FBW-Bewertung: Prädikat besonders wertvoll, OmU

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„Doch die Qualität von DIE WÜTENDEN liegt gerade im Umstand, dass seine Protagonisten nicht polarisieren, sondern allesamt Teil der Gewaltspirale sind. Das gibt dem Film zweifellos eine nihilistische Grundtendenz, die jedoch zugleich eine tiefe Bemühung um sozialen Realismus erkennen lässt. FBW-filmbewertung.com

 

„Niemand ist hier nur gut oder nur böse…Und so entsteht das Bild einer Gesellschaft, die jene am Rand längst aufgegeben und vergessen hat. Die froh ist, solange diejenigen stillhalten, sich mit Drogen betäuben und sich gegenseitig bekriegen. Die ihre Macht missbraucht, denn selbst diejenigen, die das Gesetz hier umsetzen sollen, haben Angst oder sind korrupt. Auch sie wissen um den Druck, den eine solche Situation erzeugt, doch alles, was sie tun können, ist die Entladung des Drucks wieder einen Tag aufzuschieben.“www.kino-zeit.de