GESPALTEN / Filmreihe Arbeitskreis Kirche & Kino

"Seit geraumer Zeit fühlt sich die Welt anders an. Auch früher schon gab es Interessenkonflikte und soziale Spannungen, Nationalismus und extreme Meinungen. Doch die Kommunikationsstörungen zwischen den verschiedenen Lagern scheinen immer mehr zuzunehmen. Nur in einem sind sich alle einig: Das Land, der Kontinent, die Welt ist GESPALTEN. Die Risse gehen durch die Gesellschaft, die Familien und nicht zuletzt die Individuen selbst. In seiner aktuellen Filmreihe zeigt der Arbeitskreis Kirche & Kino Bremen unterschiedliche filmische Auseinandersetzungen mit diesem Phänomen."

Dirk von Jutrczenka, Leitung forum Kirche 

Di. 11.2. / 18:00 * mit Einführung von Ingeborg Mehser, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Mi. 12.2. + Do. 13.2. / 18:00

Fr. 14.2.+ Sa. 15.2. / 20:30

Di. 18.2. / 20:00 * mit Diskussion. Gäste: Ulf Kuhlemann (Dipl.-Sozialarbeiter, u.a. mit Schwerpunkt Jugendhilfe), Moderation: Dr. Julia Gantenberg (Universität Bremen). In Kooperation mit der Universität Bremen (Gesellschaften im Umbruch - Bremer Woche der Sozialwissenschaften 2020)

Systemsprenger / KIRCHE & KINO

Die neunjährige Benni ist der Inbegriff des Wortes „Systemsprenger“. So werden Kinder genannt, die alle möglichen Kinder- und Jugendhilfeinstitutionen durchlaufen und denen scheinbar nirgendwo geholfen werden kann. Benni hat extreme Anfälle von Aggression und Zerstörungswut, sie widersetzt sich jeder Regel und wird fortwährend weitergereicht. Doch eigentlich sehnt sie sich nur danach, wieder bei ihrer Familie leben zu dürfen, zusammen mit ihren kleinen Geschwistern. Bennis Mutter Bianca sieht sich allerdings völlig überfordert angesichts des Gewaltpotenzials ihrer Tochter.

Nora Fingscheidt wählte für Bennis Geschichte bewusst keine dokumentarische Erzählform: „Ich wollte nicht mit der Kamera in das Leben eines betroffenen Kindes eindringen. Systemsprenger sind ja Extremfälle. Es sind Kinder, die keinen Halt haben. Ich hätte es unverantwortlich gefunden, so viel Aufmerksamkeit auf sie zu richten.“. Der Film wurde unter anderem auf der Berlinale 2019 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet und ist für die Oscars 2020 als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert.

D 2019, Regie: Nora Fingscheidt, mit Helena Zengel, Albrecht Schuch, 118 Min.

Zum Weiterlesen:

»"Ich habe überall nur noch Fälle von Kindesmisshandlung gesehen" - Nora Fingscheidts Film "Systemsprenger" ist jetzt als deutscher Oscarkandidat nominiert. Davor lagen anstrengende Jahre: die Recherchen zu extrem auffälligen Kindern.«
Interview mit Nora Fingscheidt - geführt von Wenke Husman für Zeit Online: www.zeit.de/kultur

Eskalierende Kinder und Pädagogik: „Ein Kind ist für mich niemals Systemsprenger“
»Nora Fingscheidts Film „Systemsprenger“ hat die Schwierigkeiten um eskalierende Kinder eindrucksvoll ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Der Pädagogikforscher Menno Baumann erklärt die komplexe Situation dahinter.«
Menno Baumann im Gespräch mit Timo Grampes auf: www.deutschlandfunkkultur.de

„Systemsprenger“: Drama über ein Problemkind
»[…] "Ich habe in Stuttgart einen Dokumentarfilm gedreht über ein Heim für wohnungslose Frauen. Eines Tages zog ein 14-jähriges Mädchen ein. Ich war geschockt und die Sozialarbeiterin sagte nur, "die Systemsprenger, die dürfen wir immer an ihrem 14. Geburtstag aufnehmen." Das war der Moment wo ich dachte: System-was? Das ist ja spnnend und habe angefangen zu recherchieren", erzählt die Regisseurin.[…]«
von Bettina Peulecke auf: www.ndr.de/kultur

Di. 10.03. / 18:00 * mit Einführung von Louis-Ferdinand von Zobeltitz, Pastor i.R.

Kriegerin / KIRCHE & KINO

Die 20-jährige Marisa aus einer ostdeutschen Kleinstadt rennt wie eine Rasierklinge durchs Leben. Wenn ihr jemand dumm kommt, schlägt sie zu, selbst wenn das die eigenen Leute aus der Jugendclique sind, die sich der rechtsextremen Szene zugehörig fühlen. Der Respekt, den sich Marisa dadurch verschafft hat, wird allerdings durch Svenja bedroht. Die ist erst 15, stammt aus gutbürgerlichem Haus und ist von der Neonaziszene fasziniert. Ihren Hass auf die „Gesellschaft“, die auch ihren Freund hinter Gitter gebracht hat, lässt Marisa vor allem an Ausländern aus. Als sie Jamil und Rasul, zwei junge Asylbewerber auf dem Moped nach einem Streit absichtlich mit dem Auto rammt, löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die ihr Weltbild ins Wanken geraten lassen und von ihr einen hohen Preis fordern.

D 2011, Regie: David Wnendt, mit Alina Levshin & Jella Haase, 102 Min. FBW-Bewertung: Prädikat besonders wertvoll

Zum Weiterlesen:

»Niemand will das neue Hoyerswerda sein - Wie definieren sich Frauen in der rechten Szene? In seinem Film "Kriegerin" setzt sich der Regisseur David Wnendt mit der Ideologie weiblicher Neonazis auseinander.«

Von Martin Schwickert auf www.zeit.de

»„Ihr Kampf“ - Das Kino liebt nun mal die starken, jungen Frauen. Was aber ist von dieser zu halten? Marisa, 20, schlägt hemmungslos zu, wenn sie mit ihren Freunden Jagd auf Ausländer macht. Wer den ostdeutschen Nahverkehr nutzt, aber fernöstliche Vorfahren hat, bekommt von ihr was auf die Fresse. Wer halbwegs zivilcouragiert dagegen protestiert, wird von ihr zumindest zusammengebrüllt - sofern ihn kein Baseballschläger mitten ins Gesicht trifft«

Von Jörg Schöning auf www.spiegel.de

 

Di. 21.4. / 18:00 * mit Einführung von Dirk von Jutrczenka, Leitung forum Kirche

HERRliche Zeiten / KIRCHE & KINO

Eigentlich ist es mehr als Scherz gemeint, als der wohlhabende Schönheitschirurg Claus Müller-Todt und seine abgespannte Ehefrau Evi eine Annonce aufgeben, in der sie nach einem Sklaven oder einer Sklavin suchen. Jedoch scheint der angehende Butler Bartos das keineswegs für geschmacklos zu halten. Ganz im Gegenteil, als neue Haushaltshilfe im Hause Müller-Todt setzt er alles daran, Luxus gleich Römischer Dekadenz in die Tat umzusetzen und bietet seinem neuen “Herren” sogar seine Frau Lana als Gespielin an. Die Situation eskaliert, als Bartos anfängt, immer mehr Schwarzarbeiter einzustellen.

Polarisierung ist für Regisseur Roehler (“Elementarteilchen”, “Jud Süß  - Film ohne Gewissen”) sicherlich kein Fremdwort, sein neuestes Werk basiert auf der Vorlage des wegen AfD-Nähe in Ungnade gefallenen Autors Thor Kunkel, “Subs”. Statt sich von Kunkels politischen Meinungen abzugrenzen, bleibt Roehler dabei, das Werk seines “Kumpels” Kunkel sei großartiger Filmstoff, man dürfe ihn nicht schassen nur weil er “rechts sei”.

D 2018, Regie: Oskar Roehler, mit Katja Riemann, Oliver Masucci & Samuel Finzi, 110 Min.,FBW-Prädikat: wertvoll

Zum Weiterlesen:

»Suburbia-Horror im Rheinland. Ein gut situiertes Ehepaar engagiert einen mysteriösen Butler, der sich als mephistophelischer Hardcore-Dienstleister erweist. Eine bitterböse schwarze Komödie und ein Anti-Feelgood-Film, von Oskar Roehler farbig, sinnlich und provokant inszeniert.«
Hans Schifferle auf: www.epd-film.de

»Hat diese Geschichte eine Moral? Natürlich nicht. Sie ist anderthalb Stunden Misanthropie auf Speed.«
Von Ursula Scheer, Mai 2018 für die Frankfurter Allgemeine: www.faz.net