Blicke auf Europa

Der Zustand Europas im Allgemeinen und der Europäischen Union im Besonderen gehört zu den großen politischen und gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Durch den „Brexit“ Großbritanniens, das Erstarken europakritischer und populistischer Parteien (bis hin zu Regierungsmehrheiten) und eine Veränderung der globalen Machtverhältnisse steht das „Projekt Europa“ zurzeit auf wackligen Füßen. In einigen Ländern (siehe Polen und Ungarn) sind demokratische Errungenschaften bedroht. In den letzten Jahren ist mit „Pulse of Europe“ und anderen Initiativen eine Gegenbewegung entstanden, die sich für offene Grenzen und stärkere Zusammenarbeit der Länder Europas, insbesondere im Rahmen der Europäischen Union einsetzt.

Die zentralen Ursachen, die diesen Tendenzen zugrunde liegen, sind wirtschaftliche Krisen und Staatsverschuldungen (vor allem in den Mittelmeerländern), die zunehmenden Flüchtlingsströme sowie soziale Konflikte mit länger in Europa lebenden Migrantinnen und Migranten.

Das Kommunalkino Bremen/CITY 46 möchte mit einer Film- und Gesprächsreihe versuchen, „Blicke auf Europa“ zu werfen: durch Filme, die sowohl die besonderen politischen und ökonomischen Situationen in einzelnen Ländern thematisieren als auch die Betroffenheit einzelner Personen unterschiedlichen Alters und sozialer Herkunft beschreiben. Dabei werden die oben beschriebenen zentralen Themen herausgestellt und anhand persönlicher Schicksale entweder fiktiv erzählt (Spielfilme) oder real geschildert (Dokumentarfilme). Die Filme geben keine einfachen Antworten und Lösungen vor, sondern regen zur eigenständigen Meinungsbildung an.

Vor den meisten Filmen werden ausgewiesene Kenner*innen der jeweiligen Länder eine kurze Einführung zum gesellschaftlichen Hintergrund und zur Gestaltung der Filme geben und nach dem Film mit dem Publikum darüber diskutieren. Mit Unterstützung der Conrad-Naber-Stiftung.

Sa. 24.2 – Mi. 28.2. / 20:00
Di. 27.2. / 20:00 * Mit Einführung von Marco Eggert und Paolo Miccoli

Ein neues Leben

Die Halbinsel Salento ist jener südliche Teil Italiens, den man gern als Absatz des Stiefels bezeichnet. Hierher ziehen vier Frauen, weil ihre Familie dort ein vergessenes und herunter gekommenes bäuerliches Anwesen besitzt. Bisher haben sie ihren Lebensunterhalt mit einer Textilfabrik verdient. Die aber ist kürzlich in Konkurs gegangen. Ihr Haus mussten die vier zur Schuldentilgung verkaufen, und nun wollen sie im äußersten Süden Italiens eine kleine Öko-Landwirtschaft aufbauen. Da die Frauen drei verschiedenen Generationen angehören und ausgesprochen gegensätzliche Charaktere repräsentieren, hat das junge Unternehmen mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Liebevoll und authentisch erzählt Edoardo Winspeare eine Geschichte, die zugleich die Wirtschaftskrise und die Identität einer Region skizziert. Durch Toleranz, Solidarität und Selbstständigkeit finden die Frauen Lösungen, um sich der Übermacht der globalen Wirtschaft nicht beugen zu müssen.

In grazia di Dio - I 2014, Regie: Edoardo Winspeare, mit Celeste Casciaro, , Barbara De Matteis, Angelico Ferrarese, 127 Min., OmU