Thema des Monats Dezember: KÜNSTLERPAARE

Was verbindet zwei Künstler miteinander – und was trennt sie?

Um diese Frage dreht sich die Filmreihe Künstlerpaare als Thema des Monats im Dezember. Eins steht fest; Künstlerpaare sind so vielseitig, wie die Kunst selbst. So versucht auch die Filmauswahl ein möglichst breites Spektrum an Kunstrichtungen und Beziehungsformen zu präsentieren. Das Spannungsfeld zwischen Zusammenarbeit, Inspiration und Konkurrenz steht dabei im Vordergrund. In der Kunst liegen Privates und Berufliches nah zusammen und sind kaum voneinander zu trennen. Kein Wunder also, dass so manche Paare an diesen Spannungen zerbrochen sind. Andere wiederum sind gerade erst durch ihre Zusammenarbeit zu Erfolg gekommen - man denke dabei nur an die ikonischen Eames Stühle.

Abgesehen von einem breiten Feld an Kunstrichtungen, wurde bei der Auswahl auch darauf geachtet, neben allseits bekannten Namen wie Pollock und Modersohn auch Künstlerinnen und Künstler zu präsentieren, die im Zusammenhang mit diesem Thema oftmals untergehen. Die amerikanische Malerin Dorothea Tanning zum Beispiel.

 

Kooperationspartner ist das Paula Modersohn-Becker Museum. Passend zum Thema „Künstlerpaare“ läuft dort noch die Ausstellung „Paula Becker & Otto Modersohn – Kunst und Leben“ (bis zum 6.1.2019. Link zur Ausstellung: https://www.museen-boettcherstrasse.de/ausstellungen/paula-becker-and-otto-modersohn/

Do. 6.12. / 20:30

So. 9.12. / 18:00

Niki de Saint Phalle – Wer ist das Monster – du oder ich? / THEMA DES MONATS

„Statt Terrorist zu werden, wurde ich Terrorist der Kunst“, beschreibt die Künstlerin Niki de Saint Phalle sich selbst. Ihre Karriere begann als Fotomodell und Schauspielerin, mit ihrer Performance-Kunst wurde sie in den 60er Jahren weltberühmt. Ihre bunten üppigen Frauenfiguren, die sie Nana nennt, sind heute auf der ganzen Welt zu finden. In der Toskana steht ihr größtes Werk: Ein Garten mit 22 riesigen Skulpturen, welche die Hauptkarten des Tarots symbolisieren. Bau und Eröffnung des Gartens bilden den Rahmen des Films.

Mit dem Kinetikkünstler Jean Tinguely arbeitet und lebt sie bis zu seinem Tod 1991 viele Jahre zusammen. Aufgrund ihrer grotesken Experimentalfilme und den spektakulären Schießhappenings wird das Paar auch oft als „Bonny und Clyde der Künste“ bezeichnet.

Regisseur Peter Schamoni begleitet Niki de Saint Phalle an verschiedene Orte ihres Lebens und Schaffens. Dabei entsteht eine bunte Reise durch Frankreich, Belgien, die USA, Kanada, Israel und Deutschland.

D 1996, Regie: Peter Schamoni, mit Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely, 93 Min.

Zum Weiterlesen:

 

„Congratulations for the wonderful unique Film you made on me and my work – with love from Niki“ (Niki de Saint Phalle)

„Ein Meisterstück eines Filmemachers, der einen absolut souveränen Zugang zu dieser Künstlerin hat.“ (FBW)

„Ein Leben für die Kunst, ein Porträt für die Sinne“ (Cinema)

„Ein dramatischer Dokumentarfilm mit zwei sehr kreativen Hauptdarstellern: Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely.“ (Schamoni Film)

Sa. 8.12. / 18:00

Mi. 12.12. / 20:30

Jean Tinguely / THEMA DES MONATS

»Es bewegt sich alles – Stillstand gibt es nicht!« ist das vielsagende Zitat des schweizerischen Künstlers Jean Tinguely. Er errichtete funktionstüchtige, aber völlig sinnlose Maschinen. Dabei sah er sich nicht als Techniker, eher als Poet. Das Aufbrechen bürgerlicher Konventionen betraf sein künstlerisches Schaffen und sein Privatleben als Lebenspartner von Niki de Saint Phalle.

»Dieser schöne Dokumentarfilm hilft und, den unermesslichen Charakter dieser schillernden Persönlichkeit wenigstens teilweise zu erfassen…« (Le Temps).

Schweiz 2011, Regie: Thomas Thümena, mit Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, 88 Min., OmU

 

Zum Weiterlesen:

 

"Ich heisse Jean Tinguely und ich mache Maschinen, die keinen Zweck erfüllen", sagt der Freiburger Künstler in die Kamera.

Sein Bekenntnis, mit dem der Dokumentarfilm eröffnet wird, ist sowohl als Aussage als auch als Witz gemeint. Wie die Maschinen, die Tinguely als Provokationen macht; er, der er Wasser speien oder Funken sprühen lässt….

=>https://www.swissinfo.ch/ger/jean-tinguely--der-titan-vor-der-kamera/30299596

 

…In Bezug auf Niki de Saint Phalle liefert Jean Tinguely quasi eine ergänzende Perspektive zu Peter Schamonis großem Filmporträt Niki De Saint Phalle: Wer ist das Monster - du oder ich? von 1994. Bei zwei Künstlern, deren Leben und Arbeiten über weite Strecken verbunden waren, verwundert es nicht, dass beide Filme teilweise auf das selbe Archivmaterial zurückgreifen (so tauchen z.B. Szenen ihrer gemeinsamen Sprengaktion 1962 in der Wüste von Nevada in beiden Dokumentarfilmen auf).

=>https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/jean-tinguely

Sa. 15.12., So. 16.12., Di. 18.12. / 20:30

Mo. 17.12., Mi. 19.12. / 18:00

Eames: The Architect and the Painter / THEMA DES MONATS

Sie waren wohl das bedeutendste Designer-Ehepaar des 20. Jahrhundert – Charles und Ray Eames. Auf den ersten Blick wirken sie eher wie Außenseiter: Er, ein Architekt ohne Lizenz, sie eine Malerin die kaum malte. Gemeinsam schafften sie jedoch ein Imperium und veränderten die Design- und Möbelindustrie nachhaltig. Was als Experiment mit geformten Sperrholz begann, verhalf ihnen bald zu Weltruhm und der sogenannte „Eames Lounge Chair“ ist auch heute noch ein beliebtes Möbelstück. Mit ihrer Erfolgsgeschichte räumt das Paar ein für alle Mal mit dem Klischee auf, Künstler seien in einer Beziehung stets auch Konkurrenten – im Gegenteil! Der Film thematisiert jedoch nicht nur das berufliche Schaffen, sondern erzählt mit Hilfe von Archivaufnahmen und Interviews auch einiges vom Privatleben dieses außergewöhnlichen Paares.

USA 2011, Regie: Jason Cohn, 52 Min., OmU

Zum Weiterlesen:

 

„This engrossing documentary recounts through eloquent interviews and fascinating archive footage the joint careers oft he charismatic Charles Eames and his wife, Ray“ (the guardian)

„The most gratifying thing about „Eames“ ist hat it shows, in marvelous detail, how their work was an extension of themselves an how their distinct personalities melded into a unique and protean force.“ (NY Times)

Sa. 22.12. + Mi. 26.12. / 18:00

So. 23.12. + Di. 25.12. / 20:30

Mapplethorpe: Look at the Pictures / THEMA DES MONATS

In Gesprächen mit Freunden und Verwandten, mit Kuratoren und Mitarbeitern zeichnet die Dokumentation das Bild eines Mannes, der schon sehr früh wusste, was er wollte: reich und berühmt werden. So entfaltet sich eine einzigartige Karriere vom schüchternen Messdiener, der sich nicht traut, dem Vater zu gestehen, dass er schwul ist, zum weltweit bekannten und anerkannten Fotografen, der die größten Popstars seiner Zeit porträtiert und in der Welt der Reichen und der Schönen seinen festen Platz gefunden hat. Er lernte Patti Smith kennen, zog mit ihr ins Chelsea Hotel und blieb sieben Jahre. Sie zeichneten nächtelang, nahmen Drogen.

Seine formal perfekt inszenierten und extrem ästhetisierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurden allerdings von vielen Zeitgenossen als unerhörte Provokation empfunden. Seine Motive sind nämlich nicht nur Stilleben und Porträts, sondern unverstellte Einblicke in die sich damals in den USA gerade entwickelnde libertäre schwule Sexualität.

SA/D 2016, Regie: Fenton Bailey & Randy Barbato, mit Robert Mapplethrope, Edward Mapplethrope, Gloria von Thurn und Taxis, 109 Min., OmU

Sa. 22.12., So. 23.12., Di. 25.12. + Mi. 26.12. / 20:00

Do. 27.12., Sa. 29.12., So. 30.12. / 17:45

Pollock / THEMA DES MONATS

Im New York der 40er Jahre entwickelt der manische Künstler Jackson Pollock einen neuen Malstil: Das Action Painting. Dabei klatscht er unkontrolliert und exzessiv Farbe auf eine Leinwand. Heute werden seine Bilder als abstrakter Expressionismus gefeiert, damals stößt sein Stil jedoch auf wenig Anerkennung bei Kritikern und Kollegen. Erst die Malerin Lee Krasner entdeckt sein Talent und fördert ihn mit Liebe und unter Verzicht ihrer eigenen Karriere. Doch weder der folgende Ruhm noch Lees Zuneigung können verhindern, dass er wieder in Depression und Alkoholsucht schlittert. Zwischen manischen Exzessen und selbstzerstörerischen Schüben zerbricht die Ehe. Kurz darauf kommt der gerade erst 44-jährige Kunstrevolutionär bei einem Autounfall ums Leben.

10 Jahre dauerte es, bis Ed Harris sein Herzensprojekt auf die Leinwand brachte. Dabei übernahm er nicht nur die Regie des Films sondern auch die Hauptrolle für die er prompt eine Oscar Nominierung erhielt. Seine Kollegin Marcia Gay Harden durfte den Goldmann für ihre Darstellung der Künstlerin Lee Krasner sogar mit nach Hause nehmen.

USA 2000, Regie: Ed Harris, mit Ed Harris, Marcia Gay Harden, 123 Min., OmU

Zum Weiterlesen:

 

„Mit viel Gespür, Hingabe und unaufdringlichen Bildern erzählt der US-Schauspieler Ed Harris in seinem Regiedebüt vom selbstzerstörerischen Leben, Wesen und Schaffen des Action Painters Jackson Pollock.“ (Der Spiegel)

„Daringly, almost experimentally, Harris repudiates the classic three-act drama template, with its explicit psychology and love-interest cliches, preferring to present Pollock’s troubled career in a more indirect, interior way.“ (the guardian)

Do. 27.12., Fr. 28.12. bis So. 30.12. + Di. 1.1. + Mi. 2.1. / 20:00

So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn / THEMA DES MONATS

„So Mächtiges – Worte für fast Unsagbares – enthält dieses Land, die Sprache Otto Modersohns“, schwärmte der Dichter Rainer Maria Rilke vom Landschaftsmaler Otto Modersohn. Fasziniert von der Weite und der eigenwilligen Natur Norddeutschlands, wurde Modersohn 1889 einer der Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede. „So weit und groß“ legt einen besonderen Fokus auf die Beziehung zu seiner Frau Paula Modersohn-Becker. Selbst Malerin, war sie einer der größten Einflüsse im Leben des Künstlers und umgekehrt. Zahlreiche Briefe, Texte und Tagebucheinträge der beiden bieten einen intimen Einblick in das künstlerische und auch das private Leben des Künstlerpaares.

Die laufende Ausstellung in den Museen Böttcherstraße zeigt eine ausgewählte Sammlung beider Künstler aus öffentlichen und privaten Beständen. Die Grundlage der Ausstellung bildet ein erst kürzlich veröffentlichter Briefwechsel zwischen Becker und Modersohn.

D 2012, Regie: Carlo Modersohn, 78 Min.

Zum Weiterlesen:

 

http://www.soweitundgross.de/pressestimmen.htm

„Eine außergewöhnliche Biografie“ (Süddeutsche Zeitung)

„Ein gelungener, klarer, intimer Einblick in das Leben und Denken Otto Modersohns.“ (Hamburger Abendblatt)

Di. 1.1. / 18:00

Mi. 2.1. / 20:30

Birthday – die amerikanische Malerin Dorothea Tanning / THEMA DES MONATS

2012 verstarb die Malerin Dorothea Tanning mit 101 Jahren in New York. Der Film „Birthday“ entstand noch zu ihren Lebzeiten und basiert auf ihrer gleichnamigen Autobiografie. Neben Künstlern wie André Breton oder Marcel Duchamp war sie eine Vertreterin der surrealistischen Bewegung, die sich stets von ihren männlichen Kollegen emanzipierte. 1942 lernte sie den Kollegen Max Ernst kennen und lieben. Das Zusammenleben war einerseits geprägt von starker gegenseitiger Zuneigung und Bewunderung – aber auch von Tannings Wunsch nach Selbständigkeit in der Kunst. Um in der Öffentlichkeit als eigenständige Künstlerin wahrgenommen zu werden, musste sie sich oft gegen ihren um einiges bekannteren Ehemann behaupten. Trotz dieses Konflikts hielt ihre Ehe 30 Jahre – bis zu Max Ernst Tod.

Der Regisseur begleitete Tanning über einen Zeitraum von zwei Jahren. In dieser Zeit besucht sie verschiedene Stationen ihres Lebens. Dabei werden die dokumentarischen Aufnahmen immer wieder durch surrealistische Sequenzen durchbrochen, um so dem Werk und Leben der Künstlerin auch auf der visuellen Ebene nahe zu kommen.

D 1996, Regie: Horst Mühlenbeck, mit Dorothea Tanning, 93 Min.

 

Vorfilm: Maximilana – die widerrechtliche Ausübung der Astronomie

Peter Schamoni widmete diesen Kurzfilm seinem Freund Max Ernst, der dafür das Drehbuch schrieb und den Text einsprach. Der Regisseur begleitet den Künstler bei der Entstehung seines Werks „Maximilana“. Dabei berichtet Ernst von seiner Inspirationsquelle, dem Dichter Ernst Wilhelm Leberecht Tempel, der im 19. Jahrhundert vergeblich Astronom werden wollte. „Er hatte Genie, aber kein Diplom“, so beschreibt Max Ernst dessen Schicksal und zieht interessante Parallelen zur Malerei.

D 1966, Regie: Peter Schamoni, mit Max Ernst, 12 Min.

Zum Weiterlesen:

 

„Künstlerisch engagiertes, eigenwilliges Porträt der Malerin Dorothea Tanning, ihres Lebens und ihres gemeinsamen Lebensweges (1942-1956) mit Max Ernst.“ (FBW)