FILM DES MONATS

Es gibt sie, diese Momente, in denen das Licht im Kinosaal langsam wieder angeht und wir noch lange sitzen bleiben, weil wir wissen, dass wir gerade etwas wirklich außergewöhnliches gesehen haben. Manche Filme wirken in uns nach – auch noch lange nach dem Kinobesuch. Unser Film des Monats ist die monatliche Empfehlung unserer Programmmacher*innen: Individuell ausgewählte Filme, die uns besonders beeindruckt haben. Einige, weil sie auf bemerkenswerte Weise aktuell relevante Themen verhandeln und unsere Sicht verändern, andere, weil sie sich durch eine außergewöhnliche Ästhetik auszeichnen, emotional berühren oder neugierig auf das Werk aufstrebender Filmschaffender machen. Der Film des Monats ist häufig aktuell, muss es aber nicht sein – auch Klassiker und neu entdeckte Filmschätze vergangener Jahre und Jahrzehnte finden ihren Platz.

Fr. 30.11. / 20:30

Sa. 1.12. + Mo. 3.12. + Di. 4.12. +
Fr. 14.12. + So. 23.12. / 18:00

So. 2.12. + Mo. 10.12. + Mi. 26.12. / 20:30

Die Erbinnen / FILM DES MONATS

Asunción, Paraguay, ein bürgerlicher Stadtteil: Chela und Chiquita, beide fast 60, sind schon lange ein Paar. Jede hat ihre Rolle und alles geht seinen gewohnten Gang. Die extrovertierte Chiquita regelt das gemeinsame Leben. Chela hingegen verbringt lieber den Tag hinter ihrer Staffelei. Finanzielle Schwierigkeiten zwingen sie dazu, Teile ihres geerbten Mobiliars zu verkaufen. Als Chiquita wegen Überschuldung ins Gefängnis kommt, ist Chela plötzlich auf sich allein gestellt. Sie kommt auf die Idee, mit ihrem alten Mercedes einen Taxi-Service für ältere Damen anzubieten. Beim Chauffieren lernt sie die junge, lebensfrohe Angy kennen. Die Begegnung lockt Chela aus ihrer Passivität und lässt sie ihre Sehnsüchte neu entdecken. Es beginnt ein zaghafter Befreiungsprozess.

Das private Drama spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung, die Paraguay nach langen Jahren der Diktatur genommen hat wieder und erzählt zugleich eine universelle Geschichte über Abhängigkeiten und einen späten Neuanfang.

Vierfacher Berlinale 2018 Gewinner, darunter zwei »Silberne Bären« und der »FIPRESCI«-Preis. »Bester lateinamerikanischer Film« (San Sebastián International Film Festival 2018), »Bester Film« (Sydney Film Festival 2018) uvm.

Las Herederas - PAR/UR/D/BRA/NOR/F 2018, Regie: Marcelo Martinessi, mit Ana Brun, Margarita Irún, Ana Ivanova, Nilda Gonzalez, 95 Min., span. OmU

Festivals und Auszeichnungen:

  • Berlinale 2018 – Silberner Bär: beste Darstellerin
    Berlinale 2018 – Silberner Bär: Alfred Bauer-Preis
    Berlinale 2018 – FIPRESCI-Preis
    Berlinale 2018 – Teddy Award der Leserjury von 'Mannschaft'
  • San Sebastián International Film Festival 2018 (SSIFF) – Bester lateinamerikanischer Film
  • Sydney Film Festival 2018 (SFF) – Bester Film
  • Filmfest Athen 2018 – Bester Film
  • 22. Lima Filmfestival Peru - Beste Darstellerin für Ana Brun, Bester Debüt-Film
  • 14. Internationales Filmfestival von Santiago de Chile: Bester Regisseur für Marcelo Martinessi
  • Internationales Filmfestival Gramado (Brasilien): sechs Preise: „Bester internationaler Film“, „Bestes Drehbuch“, „Beste Regie“, „Beste Darstellerinnen“ für die drei Hauptdarstellerinnen, „Publikumspreis“, „Preis der Filmkritik“
  • World Cinema Festival Amsterdam 2018: Bester Film

 

Zum Weiterlesen:

»Remarkable and finely crafted, beautifully realized debut, so organic and personal.« //
»Ein fein gearbeitetes, wundervoll umgesetztes Debüt, organisch und persönlich.« (Vollständige Kritik auf Englisch / Variety)

»Ein universelles Melodram über die Kraft der Liebe.« (Grandfilm)

»Mit Marcelo Martinessi hat die Filmwelt ein großes Talent gewonnen.« (Kaput Magazin)

»Martinessi shrewdly combines subtlety, melancholy, satirical observation and candour about sex. « // »Martinessi kombiniert scharfsinnig Subtilität, Melancholie, satirische Beobachtung und sexuelle Offenheit. « (Vollständige Kritik auf Englisch / The Guardian)

»Mit seinem Debütfilm zeichnet Marcelo Martinessi ein beeindruckendes Bild von der Oberschicht Paraguays, die ebenso gefangen ist in ihrer Situation, wie es die Figuren in ihren gesellschaftlichen Rollen sind. Spannend dabei ist, dass Martinessi fast ausschließlich von Frauenfiguren erzählt. […] Das Bild, das Las herederas zeichnet, ist ein düsteres: Nicht umsonst ist der Film in Low Key gehalten, gerade die Szenen, die sich innerhalb des Hauses von Chela und Chiquita abspielen, sind sehr dunkel und lassen oft nur wenig erkennen – wie eine Gesellschaft, die nach Jahrzehnten der politischen Unruhen nicht zurückfindet in die Helligkeit. Und wird ein Fenster geöffnet, tut das Licht, das von draußen hereinscheint, fast in den Augen weh und blendet, als dass es erhellt.« (Vollständige Kritik auf Deutsch / Kino-Zeit)