Fr. 7.12. / 20:30

Di. 11.12. / 18:00

Geschichten vom Kübelkind / FILM-ANARCHIE

Das Licht der Welt erblickt das Kübelkind als Auswuchs einer Nachgeburt, ein eigentlich obsoletes Nebenprodukt, was in einer Mülltonne hinter einem Krankenhaus entsorgt und nicht weiter beachtet wird. Von Anfang an ausgestattet mit rotem Kleid, roten Socken und ihrer charakteristischen schwarzen Pagenkopffrisur scheint sie sich in der Tonne ganz wohl zu fühlen, aber, das findet nicht nur Frau Dr. Wohlfahrt, ein normales Leben kann so nicht aussehen. Es muss doch einen Weg geben aus Kübelkind ein weniger impulsives Wesen zu machen, was sich anpassen und Recht und Ordnung befolgen kann, wie es sich gehört. Doch der eher unkonventionelle Start ins Leben scheint Kübelkind eine besondere Zähe verliehen zu haben: In 25 Episoden wird sie durch Institutionen geschleift, entdeckt die eigene Sexualität (und die der anderen), stiehlt, mordet, verliert ihr eigenes Leben und schließlich – unsterblich wie sie eben ist – kommt es zu einem Rachefeldzug sondergleichen.
Erzählt im Stil verschiedener Genres, welche sich jedem Filmformat entgegen zu stellen scheinen, sind die verschiedenen Episoden, in denen das Kübelkind den einzigen roten Faden darstellt, so lang wie sie „sein müssen“. Regeln, Geradlinigkeit und Logik sollten hier nicht gesucht werden.

D 1971, Regie: Ula Stöckl & Edgar Reitz, mit Kristine Deloup, Werner Herzog, Bruno Bendel, Episodenfilm, 204 Min.

Offizielle Website: http://ula-stoeckl.com/Film-Seiten/05_Kuebelkind.html

 

»Es entstand damals die Idee, die Serie in Kneipen oder Kabaretträumen vorzuführen. Das Publikum konnte sich wie aus einer Speisekarte aussuchen, welche Episoden es sehen wollte, erklärt Robert Fischer. Nicht nur dieses Wunschprogramm sei neu gewesen: Damals wurde sich vorgenommen, alle Regeln zu ignorieren, das geht los bei den Laufzeiten. Die kürzeste Episode ist eine Minute lang, die längste 25 Minuten lang. Es war von Anfang an klar, dass man damit auch nicht ins Kino oder Fernsehen gehen konnte. Normen, Regeln und Konventionen wurden ignoriert und absichtlich Grenzen gesprengt, das geht über sexuelle Dinge bis hin zu anderen Fragen. (...) Mich hat fasziniert, dass man an den Punkt der Filmgeschichte 1969/70 zurückgeht, und von dem Punkt aus einen Blick in die Zukunft des Kinos wirft, der heute noch aktuell ist und uns die ‚Kübelkinder‘ noch Anregungen geben können.« (Vollständiger Artikel / Deutschlandfunk Kultur)