Afrika sehen: Filmreihe & Seminar

In der medialen Darstellung Afrikas überwiegen Themen wie Hungersnöte, Bürgerkriege oder Flüchtlingsströme. Die anderen Seiten und Entwicklungen des riesigen Kontinents mit seiner ganzen Vielfalt an Kulturen werden oft vernachlässigt. Die Filmreihe >Afrika sehen< will genau dies durchbrechen. Die Filme drehen sich um die Lebenssituationen von Frauen in westafrikanischen Ländern wie Burkina Faso oder Guinea-Bissau und es sind Filmemacherinnen, die diese Geschichten erzählen. Die fünf Filme setzen sich offensiv und kreativ mit dem Alltag von Frauen auseinander, entlarven z.B. die Männerdominanz und andere Formen von Unrecht in den verschiedenen Gesellschaften.

Ein Tagesseminar in Kooperation mit der „Norddeutschen Mission“ zu „Frauen im westafrikanischen Film“ ergänzt das Filmangebot und vertieft die angesprochenen Themen (s. unten). Als weiteren Gast im Dezember erwarten wir Regisseur Teboho Edkins, der einen Dokumentarfilm über einen Schäfer im Hochland von Südafrika vorstellen wird.

 

SEMINAR (Fand im November statt)
Zwischen Doku und Sitcom: Frauen im westafrikanischen Film
Mit dem Begriff "afrikanisches Kino" bezeichnet man die Filmproduktion in den Subsahara-Ländern seit der formalen Unabhängigkeit. Aber wer sieht sich in Afrika wie und wo Filme an? Gibt es überhaupt "den afrikanischen Film" (Themen, Aufbau, Bildsprache)?

Welche Rolle spielen Frauen im afrikanischen Filmgeschäft- als Schauspielerinnen, Regisseurinnen etc.? Wir werden miteinander ins Gespräch kommen und lernen die Serie "An African City'' (ghanaisches "Sex and the City'') kennen.

Download Broschüre (PDF)

Sa. 1.12. / 20:00 * mit Regisseur Teboho Edkins

So. 2.12. bis Di. 4.12. / 20:00

Coming of Age / AFRIKA SEHEN

Schneestreifen strecken sich über endlos weite Berge im Süden Afrikas. Schafe suchen im Hochland nach Gras. Hier muss der 15-jährige Retabile eine Herde durch den Winter bringen. Die Tiere sind der ganze Besitz seiner Familie und er trägt dafür die Verantwortung. In Decken gehüllt trotzt er der Kälte und wünscht sich nichts mehr, als selbst einmal eine große Herde zu haben, damit er eine eigene Familie ernähren kann.

Retabile ist einer von vier Jugendliche aus dem Bergkönigreich Lesotho im südlichen Afrika, die der südafrikanische Regisseur Teboho Edkins zwei Jahre lang bei ihrem Alltag in ihrem entlegenen Dorf Ha Sekake begleitet hat. Sie sind jung und zugleich erwachsen. Früh entscheidet sich, welche Türen sich öffnen und welche für immer verschlossen bleiben. Wer jetzt die einfache Dorfschule beendet, um bei der Schafzucht zu helfen, wird nie mehr etwas anderes tun. Und wer jetzt den Ort verlässt, und eine höhere Schule besucht, wird vielleicht nie mehr richtig zurückkehren. Auf dem Spiel stehen enge Freundschaften, familiäre Verpflichtungen und traditionelle Wurzeln. In eindrucksvollen Bildern offenbart der Film auch den Reiz dieser kargen Gegend und eines nur scheinbar einfachen Lebens.

Südafrika / D 2015, Regie: Teboho Edkins, 63 Min., OmU

Sa. 1.12. + Mi. 5.12. / 20:30

So. 2.12. / 18:00

Das Phantom von Tunis / AFRIKA SEHEN

Im Sommer 2003 schreckte ganz Tunis auf, als ein unbekannter Motorradfahrer mit einer Rasierklinge bewaffnet durch die tunesischen Metropole fährt und Frauen verletzt, die „unzüchtig“ gekleidet sind. Zehn Jahre später spürt die Regisseurin Kaouther Ben Hania der Geschichte dieses Phantoms nach und fragt, weshalb viele junge Männer sich noch immer damit brüsten, der „echte Schlitzer“ (Challat) zu sein, der mit seiner Aktion die Unmoral der Frauen sichtbar machen will.

In Gesprächen mit Männern im Kaffeehaus, beim Casting zu einem vermeintlichen Spielfilm, mit angeblichen und wirklichen Opfern des „Challat“ und mit Erfindern des „Challat“ Videospiels und des „Virgin-o-meters“ entdeckt sie den alltäglichen Sexismus der tunesischen Gesellschaft.

Geschickt vermischt Kaouther Ben Hania dokumentarisch wirkenden Teilen und Spielszenen in Form eines Mockumentary*. So entsteht das Bild einer Gesellschaft, in der hinter der frauenfeindlichen Haltung der Männer auch die ungelösten Probleme Tunesiens sichtbar werden.

Le Challat de Tunis - Tunesien, Frankreich 2014, Buch & Regie: Kaouther Ben Hania, 90 Min., OmU

* Mockumentary ist ein Filmgenre und die Bezeichnung für einen fiktionalen Dokumentarfilm, der einen echten Dokumentarfilm oder das ganze Genre parodiert. Dabei werden oft scheinbar reale Vorgänge inszeniert oder tatsächliche Dokumentarteile in einen fiktiven bzw. erfundenen Zusammenhang gestellt. Es ist ein geläufiges filmisches Genremittel für Parodie und Satire und setzt sich somit oft dafür ein, ein stärkeres medienkritisches Bewusstsein beim Publikum zu schaffen. Der Begriff ist ein Kofferwort (englisch (to) mock = ‚vortäuschen‘, ‚verspotten‘ (sich mokieren) und documentary = ‚Dokumentarfilm‘). aus: wikipedia

 

Zum Weiterlesen:
https://www.trigon-film.org/de/movies/Challat_Tunis

 

https://www.ezef.de/filme/le-challat-de-tunis-das-phantom-von-tunis/3142

Mo. 3.12. / 20:30

Mi. 5.12. / 18:00

Aya de Yopougon / AFRIKA SEHEN

Die 19-Jährige Aya lebt in Yopougon, einem beliebten Stadteil in Abidjan, der Metropole an der Elfenbeinküste. Anstatt auszugehen und zu feiern, bleibt Aya lieber zuhause und lernt. Ihre freie Zeit verbringt mit ihren zwei besten Freundinnen Adjoua und Bintou. Aya kann über deren Affären nur den Kopf schütteln, denn sie ist nicht wie die zwei darauf aus, sich einen Mann zu angeln. Ihr großer Traum besteht darin, Ärztin zu werden. Alles läuft normal, doch dann wird Adjoua schwanger.

Der Film basiert auf dem erfolgreichen gleichnamigen Comic in sechs Bänden (übersetzt in 15 Sprachen), adaptiert von seinen Machern, der Autorin Marguerite Abouet und dem Zeichner Clément Oubrerie. Der Comic wie der Film heben sich in erfrischender Weise vom üblichen Afrika-Bild ab. In „Aya“ gibt es weder Kindersoldaten noch ethnische Konflikte, weder Hungersnöte noch Korruption. Das Abidjan der späten Siebziger, das die dort gebürtige Marguerite Abouet schildert, ist vielmehr Schauplatz alltäglicher, familiärer Konflikte, die überwiegend universalen Charakter besitzen.

Einer der entscheidenden Aspekte bei der Filmumsetzung war die Musikalität. In Abidjan wird Französisch anders intoniert und auch die Gestik ist anders als in Europa. Stereotype sollten aber vermieden werden und es wird konsequent aus weiblicher Sicht erzählt.

 

In Kooperation mit dem Institut Francais.

 

F 2013, Regie: Marguerite Abouet & Clément Oubrerie, 104 Min, Animation, frz. OmengU

IM RAHMEN DER FILMREIHE WURDE IM VERGANGENEN MONAT BEREITS GEZEIGT:

Sa. 17.11. / 18:00

Mo. 19.11. / 20:30

Frontières - Borders / AFRIKA SEHEN

Die #MeToo-Bewegung beschränkt sich nicht auf die Filmindustrie in Hollywood. Frauen werden seit Jahrhunderten und weltweit missbraucht. Die burkinafasische Regisseurin und Autorin Apolline Traoré folgt in ihrem Spielfilm Frontières vier Frauen sieben Tage lang bei ihrem Weg durch fünf Länder. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Handel von Waren. Die Frauen erleben dabei alle möglichen Formen von Unrecht, wie Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Erpressung durch Männer an den Grenzen, die sie passieren müssen.

Frontières bietet einen schonungslosen Blick auf das, was Frauen auf der Straße widerfährt, ohne dabei den Weg aus den Augen zu verlieren. Ihren Wurzeln getreu drehte Traoré ausschließlich an den in der Handlung beschriebenen Schauplätzen in Burkina Faso, im Senegal und in Nigeria.

Burkina Faso 2017, Regie: Apolline Traoré, mit Sidi Adizetou, 90 Min., frz. OmU

Fr. 23.11. / 18:00

So. 25.11. / 20:30

Unsere Fremde / AFRIKA SEHEN

„Unsere Fremde“ erzählt die Geschichte zweier Frauen zwischen zwei Kulturen und zwei Ländern, Paris in Frankreich und der Stadt Bobo Dioulasso in Burkina Faso. Es geht auch um Probleme, die in Mischehen entstehen, um Adoption und die Bedeutung von willkürlich zerrissenen Familienbanden. Mutter Mariam und Tochter Amy, die in diesem Fall gegen ihren Willen früh voneinander getrennt worden sind. Amy macht sich auf die Suche nach ihrer anderen Mutter in Afrika, auch wenn ihr alle davon abraten. Dabei ist Mariam ihr schon näher als sie ahnt. Durch parallele Schnitt-Montage erfahren wir bald, wer wen und aus welchem Grund sucht.

Notre Etrangère - Burkina Faso, F 2009, Regie: Sarah Bouyain, mit Assita Ouedraogo, Nathalie Richard, 82 Min., frz. OmU

 

Vorfilm: Watu Wole – All of Us

Seit Jahrzehnten wird Kenia von Terroranschlägen der islamischen Al-Shabaab erschüttert. Zwischen Christen und Muslimen wachsen Angst und Misstrauen. Bis im Dezember 2015 den Passagieren eines Reisebusses ein beispielloses Zeugnis der Menschlichkeit gelingt.

D 2017, Regie: Katja Benrath, 22 Min., Suaheli OmU

Mo. 26.11. / 18:00

Di. 27.11. / 20:30

Spell Reel / AFRIKA SEHEN

Die Unabhängigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau wurde erst 1974 anerkannt. Zuvor wütete dort ein elf Jahre andauernder Guerilla-Krieg. Filipa Césars „Spell Reel“ ist das Ergebnis eines vielschichtigen Recherche- und Digitalisierungsprojekts, das sie 2011 mit Sana na N’Hada und Flora Gomes initiierte. N’Hada und Gomes hatten - nach ihrer Filmausbildung in Kuba – die Befreiungskämpfe in Guinea-Bissau (1963–74) mit der Kamera dokumentiert. Diese Aufnahmen gingen verloren und tauchten erst 2011 wieder auf. Nach der Digitalisierung des gealterten Bild- und Tonmaterials in Berlin reisten César, N’Hada und Gomes mit einem Wanderkino an die Orte in Guinea-Bissau, an denen die Filme entstanden waren. Nun wurden sie erstmalig öffentlich gezeigt, von den Filmemacherinnen kommentiert und von Filipa Césars gefilmt. Im Anschluss reisten sie mit diesem Material weiter, u.a. nach Berlin. Das Ergebnis ist ein spannender Film, der sich jeglicher Kategorisierung verweigert. Mal besteht „Spell Reel“ aus Originalaufnahmen. Mal werden sie als Bild im Bild gezeigt, Vergangenheit und Gegenwart in Einklang gebracht. An anderen Stellen laufen Texte an den Aufnahmen vorbei, erläutern sie oder geben ihnen im übertragenen Sinne einen Kontext. Spannend auch, weil das westafrikanische Land mit knapp 1,9 Millionen Menschen heute und dem Rang 178 – von 188 teilnehmenden Ländern auf dem UN-Index der menschlichen Entwicklung so gut wie nie in den westlichen Medien auftaucht.

D / Portugal / F / Guinea-Bissau 2017, Regie: Filipa César, 96 Min., Portugiesisch, Fulfulde, Guinea-bissauisches Kreol, Englisch, Französisch OmU