So. 1.12. bis Mi. 4.12. / 20:30

Searching Eva / NEU IN BREMEN

Für Eva Collé ist Privatsphäre ein Fremdwort. Mit unglaublicher Konsequenz dokumentiert die Influencerin ihr Leben im Netz. Doch in ihren Tumblr- und Instagram-Feeds finden sich weder Make-up-Tutorials noch aufwendig in Szene gesetzte Rohkostsalate. Eva zeigt sich als maximal unangepasste Persönlichkeit: Sie ist Künstlerin und Model, Queerfeministin und Sexarbeiterin, Familienmensch und Junkie. Wie so viele Suchende hat es sie von der italienischen Kleinstadt nach Berlin gezogen, wo sich Identitäten wie WG-Zimmer wechseln lassen. Praktisch, dass ihr persönlicher Besitz in einen einzigen Koffer passt.

Pia Hellenthals unkonventionelle Dokumentation zeigt, dass Authentizität und Wahrheit in Zeiten allgegenwärtiger medialer Selbstinszenierung neu gedacht werden müssen. Und bei allem Unbehagen, das Evas tabuloser Exhibitionismus auslösen mag, wird auch noch etwas anderes deutlich: Das Internet ist ein sozialer Freiraum, in dem wir uns so zeigen können, wie wir selbst gesehen werden möchten – fernab von gesellschaftlich festgeschriebenen Rollenbildern.

D 2019, Regie: Pia Hellenthal, mit Eva Collé, 85 Min., dt, engl., ital. OmU

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Eva Collé: Eva Collés Blog |Eva Collés Instagram |Tumblr

»Searching Eva will und kann sich, ganz im Sinne seiner Figur, nicht festlegen lassen. Kein Dokumentar-, kein fiktionaler Film, kein Aufruf zur Revolution, keine Feier der substanzgestützten Gelassenheit, kein Coming-of-Age, keine Hipster-Hymne. Und doch: All das mit großer Energie. Und gleichzeitig. Es läuft hinaus und immer wieder zurück auf eine der Antworten Evas, die neben den eingeblendeten Online-Kommentaren ebenfalls auftauchen: don’t attach any meaning to it.« (Kino-Zeit)

»Pia Hellenthal porträtiert die junge Italienerin Eva Collé, die scheinbar alles aus ihrem Privatleben im Internet teilt. Ein furioses, nachhallendes Debüt, in dem geschickt die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion ausgehebelt werden.« (epd-Film)

»As in Adina Pintilie’s Touch Me Not, in Searching Eva the audience’s boundaries, prejudices and tastes are most certainly challenged. However, the actual burning question here is not about the form of the film, but rather about the content: is the on-screen Eva we see a real person, or just a walking, talking tableau? Or maybe she “is” her work, and asking this question thus becomes futile? Well, that’s up to “everybody”.« (Cineuropa)

Do. 5.12., So. 8.12. / 17:30

Sa. 7.12., Mo. 9.12. / 20:30

Di. 10.12., Mi. 11.12. / 18:00

Die glitzernden Garnelen / NEU IN BREMEN

Nach einem homophoben Statement im Fernsehen wird Vize-Schwimmweltmeister Matthias Le Goff von seinem Verband zu einem besonderen Job verdonnert: Er muss »Die glitzernden Garnelen«, ein homosexuelles Amateur-Wasserballteam, trainieren und für die Gay Games in Kroatien vorbereiten. Besonders irritiert ihn, dass es den Sportlern beim Wettkampf nicht primär um den Sieg geht, sondern darum, eine möglichst unvergessliche Zeit miteinander zu verbringen. Wenn man dabei auch noch auf andere attraktive, queere Athleten trifft, schlägt man doch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Was sich für Matthias anfangs wie eine schier unlösbare Aufgabe anfühlt, wird bald zu einer einmaligen Gelegenheit, seine bisherigen Prioritäten zu überdenken.

In Frankreich begeisterte der Film bereits über eine halbe Million Zuschauer. Gewinner des Publikumspreises bei den 36. Französischen Filmtagen 2019 Tübingen/Stuttgart.

Les Crevettes pailletées - F 2019, Regie Cédric Le Gallo & Maxime Govare, mit Nicolas Gob, Alban Lenoir, Michaël Abiteboul, 100 Min., frz. OmU

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»"Die glitzernden Garnelen" ist eine warme, allumfassende Umarmung eines Films. Das Filmemachen ist sehr prosaisch, überzeugt aber mit ansteckendem Überschwang und großem Herzen. « (Empire UK)

»Die glitzernden Garnelen. Klingt zwar nach der üblichen Transformation vom Saulus zum Paulus, entpuppt sich aber überraschenderweise als quirlig-flotte, einfallsreich inszenierte Roadmovie-Komödie, die das altbekannte Motiv des sich läuternden Griesgrams wunderbar variiert und beiläufig auch Queer-Klassikern wie„Priscilla - Queen of the Desert“ mit flatternden Gewändern ihren Tribut zollt. Neben der offenkundigen Diversitäts- und Toleranzbotschaft beleben die glitzernden Garnelen schlussendlich auch noch Bonnie Tylers Ohrwurm „Holding out for a Hero“ in einer krönenden Performance wieder: fierce!« (Programmkino.de)

» Eine gut funktionierende Hymne auf Toleranz, mit der uns z Maxime Govare und Cédric Le Gallo zum Lachen bringen und bewegen.« (Le Figaro)

Do. 5.12. / 20:00

Fr. 6.12.+ Sa. 7.12. + Di. 10.12. + Mi. 11.12. / 17:30

Schönheit und Vergänglichkeit / NEU IN BREMEN

30 Jahre nach dem Mauerfall blickt Sven Marquardt gemeinsam mit seinen Freund*innen Dominique “Dome” Hollenstein und Robert Paris auf ihr Ost-Berlin zurück. Heute ist Marquart der breiteren Masse eher als der voll tätowierte Türsteher des Kult-Clubs Berghain bekannt. Doch schon in den 80er Jahren fotografierte er seine vor allem vom Punk geprägte Jugend im Osten in ausdrucksstarken schwarz-weißen Bildern. Es war eine pulsierende und lebendige Subkultur, die man nicht unbedingt mit der DDR in Verbindung bringt. Die drei Freund*innen wollen neue Bilder machen, den Wandel durch bewegte Zeiten in einer lange geteilten und schließlich wiedervereinten Stadt aufzeigen. Orte, Erinnerungen, Widerstand und Angepasstheit im Alter – die Schönheit und Vergänglichkeit der Punk-Szene in Ost-Berlin wird dokumentarisch aus sehr persönlicher Perspektive erzählt.

„SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT“ ist ein Film, der berührt. Annekatrin Hendel kommt ihren Protagonisten mit einer besonderen Leichtigkeit nahe, gibt ihnen Raum, betrachtet sie zärtlich und lässt sich dennoch nicht blenden.“ (Aus der Jurybegründung der DEFA-Stiftung für den Heiner-Carow-Preis an Annekatrin Hendel)

D 2019, Regie: Annekatrin Hendel, mit Sven Marquardt, Dominique Hollenstein, 79 Min.

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Verleih: www.realfictionfilme.de

Do. 12.12. + Mo. 16.12. + Di. 17.12. / 17:30

Sa. 14.12. + So. 15.12. / 20:00

Mi. 18.12. / 18:00

Aquarela / NEU IN BREMEN

Ob in kleinen plätschernden Rinnsalen, reißenden Flüssen oder in Form massiver schwarzer Wellenberge: Wasser ist allgegenwärtig, seine transformierende Kraft zugleich zerstörerisch und wunderschön. Vor allem ist es nicht nur für uns, sondern für alles Leben auf der Erde Quelle und Ursprung seiner Existenz. Doch eben dieses spielt keine Hauptrolle in Kossakovskys Dokumentarfilm. Aufgenommen mit 96 Bildern pro Sekunde - und einem passend dramatischen Soundtrack der Band Apocalyptica - widmet sich „Aquarela“ dem Wasser in all seinen Facetten und Farbspektren, ob am Baikalsee in Sibirien, in Grönland, in Florida während des Hurrikans Irma oder in Venezuela an den Angel Falls. Anders als in vermeintlich ähnlichen Dokumentationen verzichtet Kossakovsky auf den üblichen warnenden Voice over-Vortrag über die Klimakrise oder sonstige Erklärungen, und selten kommen Tiere oder Menschen darin vor. Der Film konzentriert sich allein auf die überwältigende Kraft und Vielfalt des Wassers, unter anderem in Grönland, Kalifornien und Venezuela, und so ergibt sich ein ganz eigenes zeitloses Narrativ.

D / DK / GB 2018, Regie: Viktor Kossakovsky, 90 Min., OmU

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Homepage: http://majade.de/films/aquarela/

Es scheint, als ob Viktor Kossakovsky die weltweit beeindruckendsten Symbole und Bilder für die Urkraft des Wassers gesucht und gefunden hat, um daraus seine Natursinfonie zu komponieren. /www.programmkino.de

Similar in spirit to Lucien Castaing-Taylor and Véréna Paravel’s 2013 documentary, “Leviathan” (though less viscerally brutal), “Aquarela” isn’t your typical climate-change warning. Unspooling without voice-over or on-screen descriptions, the movie shows few people and fewer wildlife.
new york times.com

Mi. 18.12., Mo. 23.12., Mi. 25.12., Mo. 30.12. + Mi. 1.1. / 20:30

Do. 19.12. + Sa. 21.12. / 17:30

Die Insel der hungrigen Geister / NEU IN BREMEN

Die Insel der hungrigen Geister ist eine der vor der Küste Indonesiens liegenden und von Australien verwalteten Weihnachtsinseln. Sie ist zur Hälfte als Nationalpark ausgewiesen und Heimat von mehr als 40 Millionen Landkrabben. Ausgelöst durch den Mondzyklus wandern sie vom Dschungelinneren bis an die Küste und weiter in den Ozean. Es ist die weltweit größte Krabbenwanderung ihrer Art. Die Krabben werden von den knapp 2.000 chinesischen Bewohnern der Insel als »Geister« bezeichnet. Das beeindruckende Naturschauspiel steht im Gegensatz zu den Lebensbedingungen in der Hochsicherheits-Haftanstalt für Flüchtlinge und Asylsuchende. Hier werden - mitten im Regenwald und an einem eigentlich idyllischen Ort - tausende Menschen auf unbestimmte Zeit festgehalten. Die australische Regierung verweigert ihnen ein Asylverfahren auf dem Festland. Poh Lin lebt mit ihrer Familie auf der Insel und hilft als Trauma-Therapeutin den Flüchtlingen, deren Lage so unerträglich wie aussichtslos erscheint.

Der bildgewaltige, leise und unaufdringlich inszenierte Dokumentarfilm wurde mit dem »Human Rights Award« auf dem International Documentary Film Festival Amsterdam ausgezeichnet.

Island of the Hungry Ghosts – D/AUS/GB 2018, Regie: Gabrielle Brady, 94 Min., engl. OmU

Festivals und Auszeichnungen

Tribeca Film Festival - Bester Dokumentarfilm

Vision du Reel - Buyens-Chagoll Award

Mumbai International Film Festival - Grand Jury Preis: bester Film

International Documentary Film Festival Amsterdam - Human Rights Award

Zürich Human Rights Film Festival - Mercurius Preis

Down Under Festival Berlin - Publikumspreis: bester Film

 

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»Kraftvoll. (...) Bradys Film ist eine lyrische, traumartige Reise in die Dunkelheit.« (The Guardian)

»Die Sinnlichkeit, mit der Gabrielle Brady die Begegnungen mit dem Fremden einfängt, ist von atemberaubender Schönheit, und zeigt, wie weit die ästhetischen Möglichkeiten des Dokumentarischen reichen. « (Filmdienst)

»Ein ebenso konzentrierter wie raffinierter Hybridfilm, der den Finger tief in die Wunde legt und Australiens grausige „Flüchtlingspolitik“ mit formal-ästhetisch herausragenden Mitteln nicht nur im Subtext offen anprangert.« (Kino-Zeit)

Do. 19.12. + Sa. 21.12. / 20:30

So. 22.12. + Mo. 23.12. + Mi. 25.12. / 17:30

Ich bin Anastasia / NEU IN BREMEN

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere bei der Bundeswehr entscheidet sich die 40-jährige Anastasia Biefang, ihre wahre Identität offen zu legen: Sie ist transgender und möchte endlich auch äußerlich ihrem gefühlten Geschlecht entsprechen, also nicht mehr als Mann angesprochen werden. Während das Outing Anastasias Privatleben aufwirbelt und ihre Ehe in die Brüche geht, reagiert ausgerechnet ihr Vorgesetzter beim Arbeitgeber Bundeswehr mit Gelassenheit und Verständnis. Heute befehligt Anastasia als leitende Kommandeurin des Informationstechnikbataillons über 700 Soldat*innen. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als immer einfach.

D 2018, Regie: Thomas Ladenburger, 95 Min.

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Homepage: https://www.ich-bin-anastasia.de/

 

„Ende 2014 habe ich für mich entschlossen, einen Schlussstrich unter mein männliches Leben zu setzen. (…) Also es war mir völlig egal wie nach einem Outing, insbesondere im Beruf dann die Bundeswehr mit mir umgeht, was passiert. Für mich war einfach wichtig, dass es mir wieder gut geht – persönlich“, erzählt die heute 44-Jährige im Film. www1.wdr.de/menschen-hautnah


Auch um sich selbst als offen und tolerant zu zeigen, dürfte die Bundeswehr Ladenburger gestattet haben, so ausführlich auf Truppenplätzen und in Kasernen zu filmen, schließlich konterkariert die offene Akzeptanz einer Transgender-Person Berichte von rechten Tendenzen in der Truppe.

Michael Meyns www.programmkino.de


Der Film überzeugt durch seine geradlinige Geschichte, die schließlich auf Biefangs Einsatz in Afghanistan hinausläuft. Zur Vorbereitung auf diese Mission muss die Transfrau in einem Manöver die Leibesvisitation einer voll verschleierten Afghanin proben. Eine Szene wie aus der Amazon-Serie »TRANSPARENT«. Der Widerspruch zwischen einem Mann, der freiwillig zur Frau wurde, und einer Frau, die aus religiösen Gründen zum Tragen einer Burka gezwungen wird, könnte nicht größer sein. Dieses jähe Aufeinanderprallen von Welten macht »ICH BIN ANASTASIA« zu einem Erlebnis.

Manfred Riepe www.epd-film.de