FILM DES MONATS

Es gibt sie, diese Momente, in denen das Licht im Kinosaal langsam wieder angeht und wir noch lange sitzen bleiben, weil wir wissen, dass wir gerade etwas wirklich Außergewöhnliches gesehen haben. Manche Filme wirken in uns nach – auch noch lange nach dem Kinobesuch. Unser Film des Monats ist die monatliche Empfehlung unserer Programmmacher*innen: Individuell ausgewählte Filme, die uns besonders beeindruckt haben. Einige, weil sie auf bemerkenswerte Weise aktuell relevante Themen verhandeln und unsere Sicht verändern, andere, weil sie sich durch eine außergewöhnliche Ästhetik auszeichnen, emotional berühren oder neugierig auf das Werk aufstrebender Filmschaffender machen. Der Film des Monats ist häufig aktuell, muss es aber nicht sein – auch Klassiker und neu entdeckte Filmschätze vergangener Jahre und Jahrzehnte finden ihren Platz.

So. 1.12., Sa. 7.12., So. 8.12., Mo. 9.12., Mo. 16.12., Di. 17.12., Sa. 21.12. + Mi. 25.12. / 20:00

Mo. 2.12. / 17:30

Mi. 4.12. / 15:00

Sa. 14.12., So. 15.12., So. 22.12. + Mo. 23.12. / 18:00

Angelo / FILM DES MONATS Dezember

Anfang des 18. Jahrhunderts: Eine Gruppe junger afrikanischer Sklaven wird nach Europa verschleppt. Unter ihnen ist auch ein zehnjähriger Junge. Von einer wohlhabenden Comtesse zum Studienobjekt auserkoren, wird er auf den Namen Angelo getauft und erhält eine umfangreiche sprachlich-musische Bildung. Schnell zeigt sich das große Talent des jungen Mannes und die Kunde von dem exotischen, europäisierten Kammerdiener macht die Runde. So wird Angelo im Europa der beginnenden Aufklärung als »Hofmohr« von Adelshaus zu Adelshaus gereicht, vom italienischen Messina bis zum kaiserlichen Hof in Wien. Einzig das Dienstmädchen Magdalena sieht in ihm mehr als nur ein dekoratives Ausstellungsstück und verliebt sich in ihn. Doch die sich anbahnende Verbindung fliegt auf und Angelo wird klar, dass er trotz Bildung und Christianisierung in der höfischen Gesellschaft ein Fremder bleiben wird.

Der essayistische Spielfilm beruht auf der Geschichte des nach Europa verschleppten Angelo Soliman (1720-1796). Trotz des historischen Hintergrunds ist der Film auch ein Spiegelbild unserer Gegenwart und den Umgang Europas mit Menschen aus anderen Kulturen. Er reflektiert aktuelle Themen wie Rassismus, Migration, Heimat und Fremdsein.

AT / LUX 2018, Regie: Markus Schleinzer, mit Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, 111 Min., frz., dt. OmU

Festivals und Auszeichnungen

Österreichischer Filmpreis: Beste Maske, Beste Kostüm, Bestes Szenenbild

Diagonale 2019 - Diagonale-Preis: Beste Tongestaltung, Bestes Szenenbild

 

Zum Weiterlesen

»Ein mutiger Film, der zum Nachdenken anregt. Die Menschenwürde und die Suche nach sich selbst stehen hier im Mittelpunkt. Angelo bezeichnet sich in diesem Sinne einmal als „Sohn Afrikas, aber Mann Europas“. Für den Regisseur steht jedenfalls eines fest, wie er nach der Filmvorführung meint: Identität ist verhandelbar - die Frage ist nur, wer verhandelt.« (Uncut)

»Leicht macht es Schleinzer mit seinem distanzierten, betont kalten Blick nicht, „Angelo“ ist alles andere als ein klassisch biographischer Film, der angesichts der außerordentlichen Geschichte Angelos auch denkbar gewesen wäre. Doch die formale Brillanz und die klugen Bezüge zur Gegenwart machen „Angelo“ zu einem umso bemerkenswerteren Film.« (Programmkino.de)

»Das faszinierende Porträt eines Mannes von stiller Würde, dessen Menschlichkeit von seiner Umgebung verleugnet wird. « (Screen Daily International)