Filmreihe: Heinrich Böll zum 100.

Am 21. Dezember wäre Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Das CITY 46 ehrt den großen Humanisten und Literaturnobelpreisträger mit einer 6-teiligen Filmreihe. Ausgewählte Verfilmungen von Böll-Romanen würdigen ihn als Chronist der BRD, dessen Stoffe vom Neuen deutschen Film dankend aufgenommen wurden. Themen der Filme sind die kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Konventionen der Nachkriegszeit und der Adenauer-Ära ebenso wie die Gewalt in der von Terroristenfurcht aufgeheizten Bundesrepublik der 1970er Jahre.

Zu Gast bei den Filmen IRLAND UND SEINE KINDER (BRD 1961) und ANSICHTEN EINES CLOWNS (BRD 1976) ist René Böll, bildender Künstler und Nachlassverwalter seines Vaters Heinrich Böll. Im Dezember folgen die Literaturverfilmungen GRUPPENBILD MIT DAME (BRD1977), DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (BRD 1975) und DAS BROT DER FRÜHEN JAHRE (1962).  Unter dem Motto HAPPY BIRTHDAY HEINRICH BÖLL! wird es am 21.12. zum Abschluss der Reihe einen bunten Abend mit Filmausschnitten, Lesungen und anderen Überraschungen geben.

Foto: Erbengemeinschaft Heinrich Böll © Samy Böll

Mi. 15.11. / 19:00 * mit Einführung von René Böll

Irland und seine Kinder

"Irland schickt seine Kinder nicht allzu früh am Morgen in die Schule. Bei uns hat die zweite, die dritte Unterrichtsstunde schon begonnen, bevor die irischen Schulkinder sich auf den Weg machen. ... Sie alle stammen von Königen ab. Sie sind frei wie Könige“. Mit diesen Sätzen beginnt und endet der Film, den Heinrich Böll 1960 in Irland drehte. Gut haben es die Kinder von Irland. Allerdings nur, solange sie Kinder sind. Danach beginnen Armut, Not und Hunger. Irland in den sechziger Jahren – ein Land nahe der Dritten Welt. Böll macht im Film das Warten zum großen Thema: Warten auf Arbeit. Warten auf den Wochenlohn. Warten auf Post von den vielen nach Amerika oder Australien ausgewanderten Familienmitgliedern, die vor Hungersnot flohen. Er erzählt von einem Leben ohne Fernsehen, in dem Kino und fahrende Bühnen die Unterhaltung bringen. Viele Szenen im Film sind anrührend, ohne jemals rührselig zu sein. Sie sind vor allem voll von irischem Humor.

BRD 1961, Regie: Klaus Simon, Drehbuch: Heinrich Böll, 43 Min.

Mi. 15.11. / 20:30 * mit Einführung von René Böll
Sa. 2.12. / 18:00

Ansichten eines Clowns

BRD 1960. Hans Schnier ist 30 Jahre alt und arbeitet als Pantomime und Clown, weil er glaubt, nur so die Abgründe und Lügen der mörderischen Vergangenheit aufdecken zu können. Ein Besuch in seinem großbürgerlichen Elternhaus lässt ihn erkennen, dass der bornierte Geist der Vorkriegszeit immer noch herrscht. Mit der Wahl des Künstlerberufs hat er sich dieser bürgerlichen Schicht entzogen und beobachtet nun als Außenseiter die Selbstzufriedenheit der Adenauer-Ära. Nachdem er fünf Jahre lang mit seiner Freundin Marie durchs Wirtschaftswunderland BRD gezogen ist und ihren gemeinsamen Lebensunterhalt mit Auftritten als Clown verdient hat, verlässt sie ihn. Zu unterschiedlich sind für die streng katholische Marie die Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben. Zurück bleibt Hans als einsamer, enttäuschter, resignierter Mensch – ein bettelnder Clown am Bahnhof.

BRD 1976, Regie: Vojtech Jasny, mit Helmut Griem, Hanna Schygulla, 111 Min.

Do. 7.12. + Mo. 11.12. / 18:00
Fr.  8.12. + Mi. 13.12. /  20:30

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Es sind vier Tage, die das Leben von Katharina Blum schlagartig verändern sollen. Als Katharina - von Freunden "die Nonne" genannt - sich eines Abends auf einer Karnevalsfeier amüsiert, den attraktiven Ludwig Götten kennenlernt und mit ihm die Nacht verbringt, hat sie nicht damit gerechnet, am nächsten Morgen von einem Sondereinsatzkommando der Polizei geweckt zu werden. Ihr Liebhaber ein Terrorist? Bei den darauffolgenden Verhören findet ihre Version der Wahrheit keinen Glauben. Die Presse, besonders das Boulevardblatt „Die Zeitung“, beginnt eine gnadenlose Hexenjagd gegen die junge Frau. Allen voran der Sensationsreporter Tötges. Katarina unternimmt einen letzten Schritt, um das Kesseltreiben zu beenden: Sie bestellt Tötges in ihre Wohnung und versucht die Dinge klarzustellen.
Der Film basiert auf Heinrich Bölls gleichnamiger Novelle und greift die von den Boulevard-Medien aufgeheizte Stimmung während der RAF-Fahndung Mitte der 1970er Jahre in der BRD auf. Er wurde u. a. mit dem Deutschen Filmpreis 1976 ausgezeichnet. Angela Winkler erhielt für ihre beeindruckende Darstellung der Katharina Blum das Filmband in Gold.

BRD 1975, Regie: Volker Schlöndorff & Margarethe von Trotta, mit Angela Winkler, Mario Adorf, Dieter Laser, Jürgen Prochnow, 106 Min.

Fr. 15.12. / 18:00
Di. 19.12. /  20:30

Das Brot der frühen Jahre

Walter Fendrich ist 26 Jahre alt. Der aufstrebende Westen der Adenauer-Ära hat den Ost-Flüchtling nach Berlin gelockt. Inzwischen arbeitet Walter als Waschmaschinen-Monteur in einer großen Werkstatt. Von seinem geregelten Einkommen kann er sich eine Wohnung und ein schickes Auto leisten. Außerdem ist er mit Ulla verlobt, der Tochter seines Chefs. Doch dann kommt alles anders. Er begegnet Hedwig, einem jungen Mädchen aus seiner ostdeutschen Heimatstadt und verliebt sich in sie. Seine bisherige Existenz erscheint ihm verlogen. Walter wirft alles hin, um mit Hedwig ein neues, ein anderes Leben zu beginnen.

Herbert Vesely nimmt Bölls Novelle und macht aus ihr den Initialfilm der rebellierenden „Oberhausener“, die „Papas Kino“ 1962 für tot erklärten. Produzent, Regisseur, Kameramann und Hauptdarsteller Christian Doermer zählten zu den Verfassern und Unterzeichnern des „Oberhausener Manifests“.

BRD 1962, Regie: Herbert Vesely, mit Christian Doermer, Vera Tschechowa, Karen Blanguernon, 89 Min.

Do. 21.12. / 19:00 * mit Rainer Iwersen (Autor)

Happy Birthday Heinrich Böll!

Am 21. Dezember 2017, wäre Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Unter dem Motto HAPPY BIRTHDAY HEINRICH BÖLL! feiert das CITY 46 den großen Humanisten und Literaturnobelpreisträger zum Abschluss der Reihe noch einmal gebührend mit einem bunten Abend, an dem es Filmausschnitte, Lesungen und andere Überraschungen geben wird.

Eintritt frei!

 

 

Foto: Erbengemeinschaft Heinrich Böll © Samy Böll