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Ultimate Strangers - Aliens als Inbegriff des Fremden

Aliens im Film sind mehr als Special Effects. Aliens sind auch Metaphern für das Fremde, das uns Angst macht, weil wir es nicht verstehen und nicht kontrollieren können. Die bösen Aliens konfrontieren uns mit universellen Ängsten, die Guten wecken Hoffnung auf eine überirdische Kraft, die uns helfen kann, mit politischen und sozialen Problemen fertig zu werden. Die sind leider die Minderheit wie die neunteilige Filmreihe zeigen wird (Forts. im September). „Wir müssen nur auf uns selbst schauen, um zu sehen, wie sich aus intelligentem Leben etwas entwickelt, dem wir lieber nicht begegnen möchten." warnte Stephen Hawking in einer TV-Dokumentation für den amerikanischen Discovery Channel (Quelle: www.spiegel.de).

Die Frage nach der Existenz intelligenter, nicht-menschlicher Zivilisationen außerhalb der Erde umtreibt die Menschheit spätestens seit Beginn des Raumfahrtzeitalters wie kaum eine andere. Institute wie das SETI ("Search For Extraterrestrial Intelligence") und Nischen-Wissenschaften wie die Exosoziologie spielen hypothetisch Szenarien einer transterrestrischen Kontaktaufnahme und deren möglichen Folgen durch, wie Michael Madsens Dokumentarfilm THE VISIT (2015) zeigt. Während die Forschung mangels Material bislang zu rein theoretischen Spekulationen verdammt ist, hat sich ein schillernder Kosmos popkultureller und filmischer Alien-Fiction entwickelt, der eine solche Begegnung für die Zuschauer und Leser erlebbar macht. So finden sich vom rothaarigen Weltraum-Pummelchen ALF bis hin zu HR Gigers albtraumhaften Kreaturen in Ridley Scott’s ALIEN (1979) und seiner Fortschreibung in ALIEN: COVENANT (2017) unzählige, fantasievoll ausgestaltete Varianten dieser Ultimate Strangers. Luc Besson treibt die Version einer Zukunft mit Tausenden verschiedener Spezies in VALERIAN (2017) auf die Spitze und arbeitet sich zudem quer durch das Science Fiction-Genre der letzten 50 Jahre.
Im ältesten Film der Reihe, Andrej Tarkowskijs SOLARIS (1972) sind es dagegen keine Aliens, sondern ein ganzer Planet, der in der Lage ist, die Träume von Menschen auf der Raumstation auferstehen zu lassen.

Aliens im Film stehen für das ultimativ Fremde, sind Projektionsflächen unserer universellen Ängste und Hoffnungen, die sich aus realen politischen und sozialen Diskursen speisen. Ein großer Teil der filmischen Szenarien einer solchen Begegnung fallen düster aus. Feindliche Invasionen durch Außerirdische wie etwa in Gareth Edwards MONSTERS (2010) gehören zu den Kassenschlagern des amerikanischen und europäischen Science-Fiction-Kinos. Darin lässt sich zum einen eine tief verwurzelte Fremdenangst, zum anderen die Erinnerung an die eigene Kolonialvergangenheit wiederfinden.

Andere Filme haben die verheißungsvolle Botschaft, dass Gesandte einer außerirdischen Zivilisation uns mit friedlichen Absichten aufsuchen könnten, um uns in ihre Erkenntnisse über das Universum einzuweihen und uns so aus unserer selbstzerstörerischen Unwissenheit zu erlösen. Ob wir diese Botschaft dann überhaupt verstehen würden, fragte zuletzt Denis Villeneuves ARRIVAL (2016). Die Begegnung mit dem dezidiert nicht-menschlichen ist nicht zuletzt Medium menschlicher Selbstbespiegelung. Besonders, wenn die außerirdischen Fremden uns in menschlicher Gestalt erscheinen wie Scarlett Johansson als mysteriöses, blutrünstiges Alien in UNDER THE SKIN (2013) oder Jeff Bridges als mit guten Absichten auf die Erde kommender STARMAN (1984).

Do. 3.8. bis Mi. 9.8. / 20:30

Alien

Der Raumkreuzer Nostromo empfängt auf dem Weg zur Erde einen Notruf von einem unbewohnten Planeten. Die Crew um die toughe Offizierin Ripley stößt dort bei ihren Erkundungen auf ein verlassenes Raumschiff und im Inneren auf seltsame Eier. Als sie herausfinden, um was es sich dabei handelt, ist es schon zu spät. Die Figur der Ripley gilt heute als erste Actionheldin der Kinogeschichte. Mit Sigourney Weaver gelang 1979 erstmals einer Frau der Durchbruch im Actiongenre. Ihre Rolle der Ripley schätzte Weaver selbst 2004 so ein: „Sie hat die Monster dank ihrer Intelligenz besiegt, das ist für eine Frau im Filmgeschäft eine sehr dankbare und äußerst seltene Rolle.“
Das Design des Aliens entwarf der Schweizer Künster H.R. Giger, der damit eines der eindrucksvollsten Geschöpfe der Filmgeschichte entwarf. Den Oscar gab es für die Besten visuellen Effekte und das Beste Szenenbild.

GB, USA 1979, Regie: Ridley Scott, mit Sigourney Weaver, Tom Skerritt, Ian Holm, Harry Dean Stanton, 116 Min., OmU

In der International Movie Data Base gibt es allein 420 Kritiken zum Film:
http://www.imdb.com/title/tt0078748/externalreviews?ref_=tt_ov_rt

http://www.filmzentrale.com/rezis/alien.htm

Do. 10.8., Fr. 11.8., So. 13.8. bis Mi. 16.8. / 20:30

Starman

Seit 1977 schwebt die Raumkapsel „Voyager 2“ durchs Weltall. Ihre Mission: Lebewesen auf anderen Planeten von der Existenz der Erde zu berichten und sie zu uns einzuladen. Jetzt ist der ersten Gast da: Starman. Der Starman musste im Norden der USA notlanden – mitten im Wohnzimmer der jungen Witwe Jenny Hayden. Er nimmt die Gestalt ihres kürzlich verstorbenen Mannes an und überzeugt Jenny, ihn nach Arizona zu bringen. Dort soll er in drei Tagen von seinen Artgenossen wieder abgeholt werden, denn auf seine Landung auf der Erde reagiert die Air Force mit Bomben und Raketen statt mit Freude. Eine gefährliche 3.000-Meilen-Jagd quer durch die Vereinigten Staaten beginnt. Horrorfilmregisseur John Carpenter erzählt hier eine charmant unaufgeregte Liebesgeschichte. Der Werbetext auf dem Plakat damals: „He has traveled from a galaxy far beyond our own. He is 100,000 years ahead of us. He has powers we cannot comprehend. And he is about to face the one force in the universe he has yet to conquer. Love.“

USA 1984, Regie: John Carpenter, mit Jeff Bridges, Karen Allen, 115 Min., OmU

Do. 17.8. bis Mi. 23.8. / 20:30

Monsters

  Vor sechs Jahren ist eine Sonde der NASA, die von einem Jupitermond zurückkam, über Nordmexiko abgestürzt. Aus dem extraterrestrischen Material an Bord haben sich inzwischen Lebewesen entwickelt. Sie leben wie Riesenkraken im Meer, kommen aber regelmäßig zur Eiablage an Land. Der Fotograf Andrew ist in der Nähe der sogenannten „infizierten Zone” unterwegs. Er soll Sam, die Tochter seines Verlegers, wohlbehalten zurück in die USA bringen. Als sie gerade die riesige Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko erreichen, startet das US-Militär einen Luftangriff. Der Titel führt in die Irre. Gareth Edwards Low-Budget-Spielfilmdebüt ist „ein wirklich schöner, schlafwandlerisch ruhiger Monster-Liebesfilm“, so Jörg Buttgereit (epd). Die Riesenkraken sind nicht die Gefahr. Man könnte Edwards Infektionsszenario als Metapher für die Angst vor illegaler Einwanderung in den Vereinigten Staaten lesen.

GB 2010, Regie: Gareth Edwards, mit Whitney Able, Scoot McNairy, Kevon Kane, 93 Min., OmU

Kritik von Martin Schwickert für die ZEIT auf
http://www.zeit.de/kultur/film/2010-12/film-monsters

Kritik von Michael Kienzl bei critic.de auf
http://www.critic.de/film/monsters-2398/

Kritik von Jörg Buttgereit (epd) auf
http://www.joergbuttgereit.com/deutsch/filmkritiken/monsters/

Do. 24.8. - Mo. 28.8. + Mi. 30.8. / 20:00

The Visit – Eine außerirdische Begegnung

In einer Mischung aus Fakten und Fiktion spielt der dänische Regisseur folgende Situation durch: das Szenario einer Landung von Außerirdischen auf der Erde. Seriöse Wissenschaftler und phantasievolle Künstler setzen sich seit Jahrzehnten damit auseinander. Es kommen Vertreter so bedeutender Einrichtungen wie der UNO und der NASA zu Wort, aber auch eine Sozialpsychologin und ein Anwalt für Raum- und Metarecht. Madsen selbst nimmt die Position des Außerirdischen vor der Kamera ein und konfrontiert sich damit selbst mit Fragen der Erdbewohner und den Reaktionen von Regierungen. Dabei zeigt sich, dass es nirgendwo auch nur den Ansatz eines politischen Konzepts für diesen Fall gibt. Aber das macht vielleicht auch nichts, denn am Ende ist klar, dass die meisten Fragen, die ein solches UFO und Insassen aufwirft, eher von den Menschen handeln als von den Aliens.

DK, IR, A, FIN, N 2015, Regie: Michael Madsen, 83 Min., OmU

Do. 24.8. bis Mi. 30.8. / 20:30

Under the Skin

Ein außerirdisches Wesen kommt auf die Erde, nimmt das Aussehen einer jungen, verführerischen Frau an und fährt durch die schottischen Highlands. Laura ist auf der Jagd: Nach Menschen, vor allem nach Männern, die alleinstehend sind. Falls ein Opfer in ihr Muster passt, verführt sie es und bringt es anschließend zu ihren Artgenossen zur weiteren „Verwendung“. Dabei geht Laura völlig emotionslos vor. Geschützt wird sie dabei von Cleaner, der alle die Spuren beseitigt. Doch allmählich entwickelt Laura Gefühle. „Under the Skin“ basiert auf dem gleichnamigen Debütroman des niederländischen Autors Michel Faber aus dem Jahr 2000. Für die Leinwand adaptierte ihn Regisseur Jonathan Glazer sehr frei.

GB 2013, Regie: Jonathan Glazer, mit Scarlett Johansson, Antonia Campbell-Hughes, 107 Min., OmU

Do. 31.8., Fr. 1.9. + So. 3.9. / 20:30
Sa. 2.9 + Mo. 4.9. / 18:00

Alien: Covenant

Im Jahr 2104, zehn Jahre nach Prometheus: Das Raumschiff Covenant ist mit einer Fracht von 2.000 eingefrorenen Menschen und Embryonen auf dem Weg zu einem entlegenen Planeten, um dort eine neue Menschenkolonie aufzubauen. Auf dem Weg dorthin empfängt die Crew jedoch ein Signal von einem anderen erdähnlichen Planeten. Gegen den Protest der skeptische Forscherin Daniels entschließt sich der Kommandant des Schiffs, dem Signal nachzugehen und auf dem Planeten zu landen. Doch dort erwartet die Crew nicht nur eine bedrohlich wirkende, paradiesische Landschaft, sondern auch der Android David als letzter Überlebender der Prometheus-Expedition.
Ridley Scott’s zweites Prequel zu Alien verbindet „Zukunftsdiskurse um künstliche Intelligenz mit actionreichem Body-Horror – kraftvoll und handwerklich souverän in Szene gesetzt“ (Kevin Neuroth, ZEIT).

USA 2017, Regie: Ridley Scott, mit Billy Crudup, Michael Fassbender, Demián Bichir, Danny McBride, Katherine Waterston, 122 Min., OF

„Opulente Götterdämmerung“ - Kritik von Kevin Neuroth in der ZEIT
http://www.zeit.de/kultur/film/2017-05/alien-covenant-ridley-scott-sci-fi-horror-film

„Das Böse will Kunst“ - Kritik von Dietmar Dath in der FAZ
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/alien-covenant-von-ridley-scott-in-der-kino-filmkritik-15018773.html

„Ein Nachhall von Grandiosität“ - Kritik von Beatrice Behn auf kino-zeit.de
http://www.kino-zeit.de/filme/alien-covenant