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Absurde Komik

Was dem einen die Tränen in die Augen treibt, lässt die anderen nur müde lächeln. Über Humor kann man nicht streiten. Aber man kann sich über ihn wundern – besonders wenn er so herrlich schräge Formen annimmt wie in unserer dreiteiligen Reihe, die sozusagen ein Gegenentwurf zum Konzept der “heiteren Sommerkomödie” ist. Voilà: Neues von Bruno Dumont aus Frankreich, ein Frühwerk von Rosa von Praunheim sowie ein Exkurs in die Welt der Komik von Takeshi Miike.

Was den schwarzen Humor ausmacht?
Hier steht mehr…

Do. 3.8. bis Mi. 9.8. / 20:00

Die feine Gesellschaft

Wir befinden uns im Sommer 1910 an der nordfranzösischen Kanalküste. Hier treffen zwei sehr unterschiedliche Familien aufeinander. Da ist zum einen die Familie van Peteghem. André und seine Frau Isabelle machen gemeinsam mit einigen Verwandten Urlaub in einer protzigen Ferienvilla. Sie gehören dem französischen Geldadel an und sind aufgrund jahrzehntelanger Inzucht hochgradig dekadent. Und da ist auf der anderen Seite die Familie Rohbrecht. Sie lebt im Fischerdorf Saint Michel unter ärmlichen Bedingungen und lässt gelegentlich Touristen verschwinden, um sie - lecker zubereitet - zu Hause zu verspeisen. Als die bildschöne androgyne Billie van Peteghem und der 18-jährige Sohn der Rohbrechts namens Lümmel sich ineinander verlieben, eskalieren die Spannungen zwischen den beiden Familien. Und Kommissar Machin ist mittendrin und auf der Suche nach den vermissten Touristen. Dumonts Komödie erlebte 2016 seine Premiere beim Festival in Cannes.

Ma Loute - F, D 2016, Regie: Bruno Dumont, mit Fabrice Luchini, Juliette Binoche, Valeria Bruni Tedeschi, 122 Min., OmU

Do. 10.8. – Mi. 16.8. / 20:00

Die Bettwurst

Anfang der 1970er im schönen Kiel: Dietmar, ein junger attraktiver Hilfsarbeiter aus Berlin trifft auf die ältere Sekretärin Luzi. Er findet sie unwiderstehliche, es ist Liebe auf den ersten Blick. Gemeinsam geben sie sich den Ritualen des spießigen Kleinbürgertums jener Jahre in Deutschland hin. Sie richten sich häuslich ein, unternehmen herrliche Ausflüge ins Grüne, verbringen wundervolle Weihnachten zusammen. Kurzum: Beide scheinen in dieser Beziehung endlich das Glück gefunden zu haben, nachdem sie sich lange sehnten. Doch Dietmars kriminelle Vergangenheit aus Berlin holt ihn ein und ihr Liebesglück, vielmehr Luzis Sicherheit, ist in höchster Gefahr! „So grotesk und unterhaltsam von Praunheims Trivialhandlung auf dem Bildschirm erscheint, »Die Bettwurst« hat dennoch die Qualitäten eines seriösen, wohldurchdachten Soziogramms. Denn dieser ohne Drehbuch in 10 Tagen aufgenommene Film, will vor allem als dokumentarisches Zustandsbild der beiden Hauptdarsteller verstanden sein.“ (Der Spiegel)

D 1971, Buch, Regie, Kamera und Schnitt: Rosa von Praunheim, mit Luzi Kryn und Dietmar Kracht, 78 Min. 

Do. 17.8. bis Mi. 23.8. / 20:00

The Happiness of the Katakuris

Nachdem er seinen Job verloren hat, will Masao Katakuris mit einem kleinen Hotel auf einem idyllischen Berg einen Neuanfang versuchen. Die vierköpfige Familie und der Opa gehen motiviert ans Werk, doch die Gäste lassen auf sich warten. Als der erste Gast dann endlich ein Zimmer bezieht, begeht er dort Selbstmord. Wenn das bekannt wird, können die Katakuris das Hotel zumachen. Also wird der tote Gast im Wald verscharrt. Mit dem nächsten Gast passiert seltsamerweise das Gleiche. Takashi MIIKE, der Regisseur von AUDITION und DEAD OR ALIVE, hat hier was ganz anderes probiert: „Miike verquickt auf sorglose Weise Musicaleinlagen mit Horrorfilmelementen, eine nette Familiengeschichte mit bitterbösem Humor und Realfilmaufnahmen mit Stop-Motion-Knetfigureinlagen - und macht dabei, wenn man sich denn auf den abstrusen Mix einlässt, einen Heidenspaß." (filmstarts.de).

Japan 2001, Regie: Takashi Miike, mit Kenji Sawada, Keiko Matsuzaka, Shinji Takeda, 113 Min., jap. OmU