Jazz´n´the Movies VIII

Filmreihe

Von der dänischen Perkussionistin Marilyn Mazur stammt folgendes Zitat: „Für mich muss Musik offen sein, ich muss ausprobieren müssen. Jedes Konzert ist für mich ein Labyrinth. Ich nehme einen Eingang, aber weder ich noch ein anderer Musiker weiß, wo wir am Ende herauskommen. Dieses Abenteuer, dieses Ungewisse muss da sein, um die Musik lebendig zu erhalten.“

Ihre Worte stehen für vieles, was im Jazz passiert und sie spiegeln sich auch in den Filmen, die wir für die achte Ausgabe von „Jazz’n’the Movies“ ausgewählt haben. Es sind, bis auf „Chico & Rita“, Dokumentarfilme, die die Musik oder das musikalische Ereignis in den Vordergrund stellen. Da das Gastland der diesjährigen Messe JAZZAHEAD Kanada ist, haben wir nach kanadischen Künstler*innen gesucht. Dazu gehört der Konzertmitschnitt „Oscar PetersonThe Berlin Concert“ (D 2007), aufgezeichnet am 2.6.1985 in der Berliner Philharmonie. Wie das grandiose Konzert des damals 60jährigen kanadischen Pianisten das Publikum begeisterte, ist wunderbar mitzuerleben. Ganz anders und ebenso beeindruckend zeigt „Konitz – Portrait of the artist as a saxophonist“ (CDN 1987) einen der ganz Großen im Jazz. Im Gespräch und über verschiedene Musikeinlagen – zusammen mit Harold Danko, porträtiert der kanadische Regisseur Robert Daudelin den Altsaxophonisten Lee Konitz.

In „Transmitting“ (D 2014) erleben wir den Pianisten Joachim Kühn, der in Marokko mit einem marokkanischen und einem spanischen Musiker Volksmusik und Jazz zusammenführen möchte. „Sing! Inge, Sing!“ (D 2011) gehört zu den wenigen Porträts über Jazzmusikerinnen. Die vielleicht beste deutsche Jazzsängerin Inge Brandenburg hatte ein tragisches Leben, wie Regisseur Marc Böttcher zeigt. Von ihr gibt es nur wenige Filmaufnahmen, doch die belegen ihre wirklich große Begabung. Der Animationsfilm „Chico & Rita“ (E 2010) besticht durch eine flächige Zeichenästhetik und den wunderbaren Latin Jazz der 1940er und 50er Jahre. Abschließend haben wir das Porträt „Glenn Gould“ (CDN 2009) über den kanadischen Pianisten, Organisten und Komponisten ins Programm genommen. Seine Musik sowie seine Handschriften offenbaren eine vielschichtige und außergewöhnliche Weltsicht, die bis heute noch nicht komplett entschlüsselt wurde. Unter den Mitwirkenden finden sich so bekannte Namen wie Vladimir Ashkenazi und Petula Clark.

Die Reihe wurde von Ernst Steinhoff und Karl-Heinz Schmid kuratiert.

Alle Filme werden mittwochs mit Einführung vorgestellt (außer am 29.4.).

In Kooperation mit der JAZZAHEAD 2020



Chico & Rita

Der alte Schuhputzer Chico wird von einer Melodie aus dem Radio an Swing, Bebop und seine Zeit als Jazzmusiker erinnert. Im Kuba vor dem Castro-Regime beginnt Chicos bittersüße Liebesgeschichte mit der Sängerin Rita. Nach ihren ersten gemeinsamen Erfolgen als Musiker zieht Rita nach New York, um dort Karriere zu machen. Auch Chico verlässt später Kuba, doch obwohl sich die Wege der beiden kreuzen, reißt sie das Schicksal wieder auseinander. Der Film zeigt in detailreicher Animation, wie sich Chico und Rita durch die Jazzszene der 1940er und 1950er Jahre bewegen und setzt dem Latin Jazz und Musikern wie Dizzy Gillespie, Charlie Parker oder Chano Pozo ein Denkmal.

E 2010, Regie: Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando, 94 Min., OmU


Mi. 25.3. / 20:00 * Einführung: Kai Stührenberg, Freundes- und Förderkreis des Jazz in Bremen

So. 29.3. / 17:30

Mo. 30.3. + Di. 31.3. / 20:30


Zum Weiterlesen:

Wenn die Liebe wie eine kubanische Ballade klingt

"Chico & Rita" ist ein wunderschön anzusehender Animationsfilm. Natürlich geht es um die Liebe, vor allem aber um lateinamerikanischen Jazz der 1940er und 1950er. Von Wenke Husmann, www.zeit.de


Transmitting

Die drei Jazzmusiker Joachim Kühn, Majid Bekkas und Ramón López erfüllen sich den Traum, in Marokko ein spezielles Musikprojekt zu realisieren. Sie wollen für eine CD die Gnawa-Musik vom Rand der Sahara mit ihrem europäischen Jazz zusammenzuführen. Hierfür fahren sie in die Wüste und spielen dort mit einer traditionellen Trommlergruppe; andere Musiker laden sie in ihr kleines Studio in Rabat ein. Das Treffen der verschiedenen Stile und Kulturen verläuft nicht immer reibungslos, und der Film zeigt, welche Arbeit hinter einer erfolgreichen Aufnahme steckt.

D 2014, Regie: Christoph Hübner & Gabriele Voss, 84 Min., OmU


Mi. 1.4. / 20:00 * Einführung: Karl-Heinz Schmid, Kurator



Konitz – Portrait of the artist as a saxophonist

Robert Daudelin begleitet in seiner Dokumentation von 1987 den Altsaxophonist Lee Konitz bei verschiedenen Konzerten und einem Workshop an der Concordia University in Montreal. Ebenfalls dabei ist Pianist Harold Danko, mit dem Konitz zu diesem Zeitpunkt schon seit 12 Jahren spielt. Alle Stücke in werden in voller Länge gezeigt und so entsteht ein Querschnitt aus dem Repertoire des Jazzvirtuosen. Zusätzlich gewährt Konitz in Gesprächen Einblicke in Privates, die durch Kommentare von Danko vertieft werden. Eins steht in Daudelins Film jedoch klar im Vordergrund: die Musik.

CDN 1987, Regie: Robert Daudelin, mit Lee Konitz, Harold Danko, 80 Min., OmU


Mi. 8.4. / 20:00 * Einführung: Arne Schumacher, Musikredakteur


Vorfilm: Begone Dull Care

Formen und Farben, die direkt auf die blanke Filmrolle gemalt und gekratzt werden, stellen in diesem experimentellen Kurzfilm die Musik des legendären Jazzpianisten Oscar Peterson dar.

CDN 1949, Regie: Norman McLaren, Evelyn Lambart, 8 Min.


Sing! Inge, Sing!

Der Jazz in Deutschland hatte eine Stimme: Inge Brandenburg. Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, frühzeitig daran gewöhnt, auf eigenen Beinen zu stehen, Ende der 1950er Jahre plötzlich als beste europäische Jazzsängerin gefeiert, vom Time Magazin mit Billie Holiday verglichen, auf Händen getragen von den Musikern – und von der deutschen Plattenindustrie ignoriert und (erfolglos) auf Schlager reduziert. Ein Frauenschicksal der 1950er und 60er Jahre, einer Zeit, in der es in Deutschland keinen Platz gab für selbstbewusste Frauen mit überregionalen Träumen, mit dramatischem Interpretationsstil und einer emanzipierten Erotik.

D 2011, Regie; Marc Boettcher, mit Charly Antolini, Klaus Doldinger, Emil Mangeldorff, Peter Herbolzheimer, 118 Min.


Mi. 15.4. / 20:00 * Einführung: Evelyn Gramel, Sängerin



Eberhard Weber – Rebell am Bass

Der Film zeichnet die außergewöhnliche musikalische Karriere von Eberhard Weber nach. Eberhard Weber hat das Bassspiel revolutioniert. Er gilt als Erfinder des E-Kontrabasses und hat damit internationale Jazzgeschichte geschrieben. Sein Einfluss auf die Jazzwelt wird durch sorgfältig recherchiertes Footage-Material aus Musik-Archiven belegt, ergänzt durch Mitschnitte von Konzerten. 2007 wurde Eberhard Webers beispiellose Karriere durch einen Schlaganfall jäh beendet. Auf Grund seiner Krankheit lebt er sehr zurückgezogen in Vic Saint Anastasie in Frankreich. Im Dokumentarfilm von Julian Benedikt begegnet der Zuschauer einer großen Musiker-Persönlichkeit und einem außergewöhnlichen Menschen, der gelernt hat, seinen Zustand zu akzeptieren.

D 2016, Regie: Julian Benedikt, 90 Min.


Mi. 22.4. / 18:00 * im Anschluss Gespräch mit Eberhard Weber



Oscar Peterson Trio – The Berlin Concert

Das grandiose Konzert des Jazzpianisten Oscar Peterson mit einem seiner legendären Trios - Niels-Henning Ørsted Pedersen am Bass und Martin Drew am Schlagzeug - wurde im Sommer 1985 in der Berliner Philharmonie aufgezeichnet. Das Trio spielt Verweise auf Klassiker wie Bach oder Duke Ellington wie auch eigene Kompositionen von Peterson wie „Blues Etude“ und „Cakewalk“. „Die Art und Weise, wie sich die drei Musiker ständig aufs Neue spielerisch herausfordern, wie sie auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren, ist auch heute noch bestechend.“ (J. Seibold in AUDIO 3/2007)

D 2007, 80 Min.


Mi. 22.4. / 20:00 * Einführung: Ernst Steinhoff, Dozent für Jazzgeschichte


Vorfilm: Begone Dull Care

Formen und Farben, die direkt auf die blanke Filmrolle gemalt und gekratzt werden, stellen in diesem experimentellen Kurzfilm die Musik des legendären Jazzpianisten Oscar Peterson dar.

CDN 1949, Regie: Norman McLaren, Evelyn Lambart, 8 Min.


Genius Within: The inner life of Glenn Gould

Pianist Glenn Gould begeisterte bereits zu Lebzeiten durch sein musikalisches Genie Menschen auf der ganzen Welt und auch nach seinem Tod 1982 hat die Faszination für ihn und sein Werk nicht nachgelassen. In bisher unveröffentlichten privaten Bild- und Tonaufnahmen, Archivmaterial, Interviews mit Goulds engsten Freunden und sogar Auszügen aus dem Tagebuch des Ausnahmekünstlers werden mythische Bilder durchbrochen. Der Film bringt uns dem Menschen Glenn Gould und seinen Gedanken zu Musik, Kunst, Gesellschaft, der Liebe und dem Leben näher.

Glenn Gould – Genie und Leidenschaft, CDN 2009, Regie: Michele Hozer, Peter Raymont, 106 Min.


So. 26.4. / 17:30

Mo. 27.4. + Mi. 29.4. / 20:30

Di. 28.4. / 18:00