Jean-Pierre & Luc Dardenne

Der 7. Bremer Filmpreis geht an die belgischen Regisseure Jean-Pierre und Luc Dardenne.

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Jean-Pierre Dardenne wurde am 21.4.1951 in Angis (Region Lüttich) geboren und studierte in Brüssel am »Institut d'Art Dramatique«. Sein jüngerer Bruder Luc Dardenne wurde am 10.3.1954 in Awirs (Region Lüttich) geboren und studierte Philosophie an der Katholischen Universität in Leuven (Louvain). Beide begannen früh mit Videoreportagen und Dokumentarfilmen und später mit Spielfilmen. Sie gehören heute zu den wichtigsten Vertretern des europäischen Autorenkinos.

1975 gründeten sie die Produktionsfirma »Dérives«, die 1981 in »Films Dérives Productions« und 1994 in »Les Films du Fleuve« umbenannt wurde. Bis heute hat dieses Haus rund sechzig Dokumentarfilme produziert, die sich meist um gesellschaftliche Themen wie z.B. die belgische Arbeiterwelt (Das Lied der Nachtigall, 1978) oder den Widerstand gegen die Nazis in Wallonien (Als Herrn Leons Schiff zum ersten Mal die Maas hinabfuhr, 1979) drehen. Vor diesem dokumentarischen Hintergrund entstanden auch die ersten Spielfilme der Brüder. Falsch (1987) mit Bruno Cremer ist die Verfilmung eines Theaterstücks von René Kalisky, in dem es um den Mord an einer jüdischen Familie im Nationalsozialismus geht. Ihr zweiter Spielfilm Je pense á vous wurde 1992 uraufgeführt. Der Durchbruch gelingt den Dardenne-Brüdern schließlich in Cannes mit La Promesse (1996). Erstmals arbeiteten sie hier mit ihrem späteren Lieblingsdarsteller Olivier Gourmet zusammen. Ebenso wie in dem 1999 folgenden Spielfilm Rosetta setzten die Regisseure hier auf eine mobile Handkamera, die die dokumentarische Haltung der Filme unterstreicht. Auch dieser Film ist ein Erfolg und gewinnt die Goldene Palme in Cannes. Mit Der Sohn (2002) blieben sie weiter auf dem Erfolgskurs und Hauptdarsteller Olivier Gourmet wurde in Cannes zum besten Darsteller gekärt. 2005 folgte schließlich die zweite Goldene Palme in Cannes für den Film L' Enfant.

Aus der Jurybegründung: Der 7. Bremer Filmpreis geht an die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne für die einzigartige Mischung aus einer zutiefst menschlichen Haltung und der formalen Nüchternheit, mit der sie das Kino bereichern und erschüttern. Ob sie sich wie in »Rosetta« einer jungen Arbeitslosen widmen, die mit gnadenlosen Mitteln um einen Platz in der Gesellschaft kämpft, ob sie in »La Promesse« vom würdelosen Tod eines ausländischen Schwarzarbeiters erzählen, dem dennoch eine Art Gerechtigkeit widerfährt oder in »Le Fils« den mühevollen Weg eines Zimmermanns begleiten, der dem Mörder seines Sohnes verzeiht - stets gelingt es den Dardenne-Brüdern dem Handeln der sogenannten kleinen Leute, dem vermeintlich Randständigen und Banal-Alltäglichen die Dimension einer klassischen Tragödie zu verleihen. Ihr klarer, unverstellter Blick auf das, was die Menschen einander zufügen und ihre Aufmerksamkeit für die Verhältnisse, in denen sie leben und arbeiten, macht die Dardenne-Brüder zu den großen Humanisten des Gegenwartskinos.

Jury: Katja Nicodemus (Filmkritikerin, Die Zeit), Andres Veiel (Filmemacher), Hans-Helmut Prinzler (Leiter des Filmmuseums Berlin).

Interview mit Luc und Jean-Pierre Dardenne, 2005