Caroline Champetier

»Die Schauspieler sind die Objekte des Regisseurs. Ich erleuchte sie, aber diese privilegierte Beziehung ist immer unausgesprochen. Ich bin das Auge, der Blindenhund, das ist alles.«

Caroline Champetier arbeitete nach ihrem Studium an der Französischen Filmhochschule (IDHEC) 1976 im Team von William Lubtchansky an der Seite von Regisseuren wie Jacques Rivette, Claude Lanzmann, François Truffaut, Jean-Marie Straub und Danièle Huillet.

1981 drehte sie mit Chantal Akerman ihren ersten Spielfilm »Tout une nuit« und blieb als Kamerafrau lange an Akermans Seite. Jean-Luc Godard holte sie für »Soigne ta droite« (1985) mit in sein Team: »I’m looking for someone who knows a bit but not too much«, soll er gesagt haben. Sie war 30 Jahre alt, als sie das erste mal mit Godard zusammenarbeitete, und hat daraufhin sechs weitere Filme mit ihm gedreht: »Série noire: Grandeur et décadence d'un petit commerce de cinéma« (1986), »Puissance de la Parole« (1986), »King Lear« (1987), »Histoire(s) du cinéma« (1988), »Hélas pour moi« (1992) und »Les enfants jouent à la Russie« (1993).
Sie hat seit dem mit vielen der bedeutendsten französischen Regisseuren gedreht: mit Jacques Dellon unter anderem den Film »Ponette« (1996), mit Philippe Garrel »J'entends plus la guitare« (1990) und »Le vent de la nuit« (1998), mit Benoît Jacquot hat sie acht Filme, darunter »La fille seule« (1995) und »Villa Amalia« (2008) gedreht, auch mit André Techiné, Jacques Rivette und Barbet Schroeder hat sie zusammengearbeitet. Im Jahr 2001 filmte sie »Sobibór- 14 octobre 1943 – 16 heures« mit Claude Lanzmann. Sie arbeitete auch mit der neuen Generation französischer Regisseure zusammen, darunter Arnaud Desplechin »La sentinelle« (1992), Laetitia Masson »En avoir (ou pas)« (1995) und vor allem Xavier Beauvois. Mit ihm drehte sie »N'oublie pas que tu vas mourir« (1995), »Le petit lieutenant« (2005), »Des Hommes et des Dieux« (2010). Für »Des Hommes et des Dieux« erhielt sie den Französischen Filmpreis César für die beste Kameraführung.

Caroline Champetier hat auch auf internationaler Ebene mit unterschiedlichen Filmemachern zusammengearbeitet. Mit Nobushuro Suwa (Japan) drehte sie »H-Story« (2000) und »Un couple parfait« (2005). Für Naomi Kawase (Japan) stand sie bei »Nanayomachi« (2008) hinter der Kamera. Sie filmte »Promised Land« (2004) und »Plus tarde« (2008) mit Amos Gitai (Israel) und mit dem palästinensischen Regisseur Tawfik Abu Wael drehte sie 2009 »Tanathor«. In Großbritannien arbeitete sie mit Tim Robbins und Adam Simon (1994 »The typewriter, the rifle and the movie camera«) und in den Vereinigten Staaten unter anderem mit Mark Gibson (1999 »Lush«) zusammen.
Zuletzt drehte sie mit Margarethe Von Trotta (Deutschland) die Dokumentation »Hannah Arendt« (2011).

Sie lehrt an der FEMIS (Französische Filmhochschule), hatte ein Jahr lang eine Kolumne für die Zeitschrift »Cahier du Cinéma« (für die auch schon Godard und Truffaut geschrieben haben) geliefert und hat von 2008-2010 auch diverse Radiosendungen moderiert. Sie wurde Anfang des Jahres zum dritten Mal in Folge als zur Präsidentin des AFC (Association of French Cinematographers) gewählt.